Archiv der Kategorie: Werkeinführungen Klassische Musik

ALL OF BACH veröffentlicht von J.S. Bach die Kantate BWV 75 „Die Elenden sollen essen“

ALL OF BACH veröffentlicht von J.S. Bach die Kantate – BWV 75 „Die Elenden sollen essen“


„Die Elenden sollen essen“ (BWV 75) ist eine Kirchen-Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie für den 1. Sonntag nach Trinitatis und führte sie in Leipzig in der Nikolaikirche am 30. Mai 1723 zum ersten Mal auf. Bach trat damit seinen Dienst als Kantor in Leipzig an und begann seinen ersten Jahreszyklus von Kantaten.

Aufführungsort der Kantate BWV 75 - Waalse Kerk zu Amsterdam

                       Aufführungsort der Kantate BWV 75  von ALL OF BACH – Waalse Kerk zu Amsterdam

Bach komponierte die Kantate für seinen Amtsantritt als Kantor in Leipzig am 1. Sonntag nach Trinitatis, dem 30. Mai 1723. Er begann damit ein Projekt, für alle Anlässe des Kirchenjahres neue Kantaten zu komponieren.

Die Partitur ist besonders säuberlich auf Papier geschrieben, das nicht aus Leipzig stammt, daher ist anzunehmen, dass Bach das komplexe Werk in 14 Sätzen bereits in Köthen komponierte.

Die vorgeschriebenen Lesungen für den Sonntag waren 1 Joh 4,16–21 LUT, „Gott ist Liebe“, und Lk 16,19–31 LUT, das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus. Der unbekannte Dichter nimmt einen Psalmvers, Ps 22,27 LUT, der das Bild des Essens anspricht, zum Ausgangspunkt und verknüpft dadurch das Evangelium mit dem Alten Testament, wie später auch die Kantate Brich dem Hungrigen dein Brot, BWV 39, mit einem Zitat aus dem Alten Testament beginnt. Der Dichter geht im ersten Teil des Werkes, der aus sieben Sätzen besteht, auf den Gegensatz von Reichtum und Armut ein. In einem symmetrisch gebauten zweiten Teil aus ebenfalls sieben Sätzen, nach der Predigt zu musizieren, vertieft er das Thema zu Gedanken über geistliche Armut und geistlichen Reichtum: „Jesus macht mich geistlich reich“ und „O Armut, der kein Reichtum gleicht!“. Beide Teile werden mit je einer Strophe des Chorals Was Gott tut, das ist wohlgetan von Samuel Rodigast beschlossen, der erste Teil mit der zweiten, der zweite Teil mit der sechsten Strophe.

Eine Leipziger Chronik, „Acta Lipsiensium academica“, berichtete über das auch soziale Ereignis: „… führte … Hr. Joh. Sebastian Bach … mit gutem applauso seine erste Music auf“.

Den Satz des Schlusschorals verwendete Bach in erweiterter Form nochmals in der Kantate „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ (BWV 100).

Die Kantate ist besetzt mit vier Solisten, Sopran, Alt, Tenor und Bass, vierstimmigem Chor, Trompete, zwei Oboen, Oboe d’amore, zwei Violinen, Viola und Basso continuo mit Fagott.

        Teil I

    1. Coro: Die Elenden sollen essen
    2. Recitativo (Bass): Was hilft des Purpurs Majestät
    3. Aria (Tenor): Mein Jesus soll mein alles sein
    4. Recitativo (Tenor): Gott stürzet und erhöhet
    5. Aria (Sopran): Ich nehme mein Leiden mit Freuden auf mich
    6. Recitativo (Sopran): Indes schenkt Gott ein gut Gewissen
    7. Choral: Was Gott tut, das ist wohlgetan

        Teil II

    8. Sinfonia
    9. Recitativo (Alt): Nur eines kränkt
    10. Aria (Alt): Jesus macht mich geistlich reich
    11. Recitativo (Bass): Wer nur in Jesu bleibt
    12. Aria (Bass): Mein Herze glaubt und liebt
    13. Recitativo (Tenor): O Armut, der kein Reichtum gleicht!
    14. Choral: Was Gott tut, das ist wohlgetan

In beiden Teilen wechseln Rezitative und Arien ab und werden mit einem Choral beschlossen, nur beginnt Teil II nicht mit einem Chorsatz, sondern mit einer instrumentalen Choralphantasie.

Bach eröffnet die Kantate bedeutungsvoll im Stil einer französischen Ouvertüre. Ein Jahr später wählte er eine ähnliche Form, um seinen zweiten Kantatenzyklus von Choralkantaten mit „O Ewigkeit, du Donnerwort“, BWV 20, zu beginnen. Wie Alfred Dürr beobachtet, kann die Folge eines langsamen Teils in scharf punktiertem Rhythmus und einer lebhaften Fuge auch als Präludium und Fuge angesehen werden. Der erste Teil behandelt in der Art einer Motette zwei Textabschnitte unterschiedlich, durch ein Zwischenspiel getrennt. In der Titelzeile wird das Wort die Elénden nach alter Art auf der zweiten Silbe betont. Die Fuge behandelt in drei Durchführungen, wieder durch Zwischenspiele unterteilt, den Text „Euer Herz soll ewiglich leben“.

Vier der Rezitative sind secco, nur vom continuo begleitet, aber jeweils das erste Rezitativ eines Teils ist accompagnato, zusätzlich begleitet von den Streichern. In den Arien teilen sich Stimme und Instrumente meist dasselbe musikalische Material. Die vier Arien können als eine Tanzsuite angesehen werden, die Tenorarie als Polonaise, die Sopranarie als Minuet, die Altarie als Passepied und die Bassaria als Gigue. In der letzten Arie beginnt die Trompete den Satz und begleitet dann den Bass in virtuoser Figuration, um den Worten „Mein Herze glaubt und liebt“ Glanz zu verleihen.

Die Musik der beiden Choralstrophen ist identisch. Der Satz ist nicht einfach vierstimmig, wie in den meisten späteren Kantaten Bachs, sondern die Singstimmen sind in ein Concerto des Orchesters eingebaut, das von Violine I und Oboe I angeführt wird. Die Motivik des Concerto ist von der ersten Choralzeile abgeleitet.

Die Sinfonia am Anfang von Teil II, ungewöhnlich in Bachs Kantaten, ist besonders bemerkenswert, da sie eine Choralphantasie über dieselbe Choralmelodie darstellt. Die Trompete, die im ersten Teil geschwiegen hat, spielt den Cantus firmus gegen einen polyphonen Streichersatz und betont damit noch einmal „Was Gott tut, das ist wohlgetan“.


BWV 75
„Die Elenden sollen essen“
Genres Kantate
Jahr 1723
Stadt Leipzig
Texter
Unbekannt, Choral von Samuel Rodigast
Gelegenheit
Erster Sonntag nach Trinity
Uraufführung
30. Mai 1723


Besetzung & Stab
Veröffentlichungsdatum
10. Februar 2017
Aufnahmedatum
23. April 2016
Ort
Waalse Kerk, Amsterdam

Dirigent
Sigiswald Kuijken
Sopran
Miriam Feuersinger
Alt
Damien Guillon
Tenor
Wolfram Lattke
Bass
Christian Immler

Ripieno Sopran
Griet de Geyter
Ripieno alto
Barnabás Hegyi
Ripieno Tenor
Kevin Skelton
Ripieno-Bass

Sebastian Myrus
Violine 1

Sigiswald Kuijken, Shunske Sato
Violine 2


Sayuri Yamagata, Anneke van Haaften
Viola
Staas Swierstra
Violone
Robert Franenberg
Oboe
Martin Stadler, Peter Frankenberg
Fagott
Benny Aghassi, Eyal Streett

Tromba da tirarsi
Robert Vanryne

Organ
Leo van Doeselaar

Cembalo
Siebe Henstra


Video:  J.S. Bach – Kantate – BWV 75 „Die Elenden sollen essen“

Kantate für den 1. Sonntag nach Trinitatis


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„Ich wünsche viel Freude“ mit der Neuveröffentlichung !

Grüße sommerk

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ALL OF BACH veröffentlicht von J.S. Bach die Kantate: BWV 65 „Sie werden aus Saba alle kommen“ zu Epiphanias.

ALL OF BACH veröffentlicht von J.S. Bach die Kantate:

BWV 65 „Sie werden aus Saba alle kommen“ zu Epiphanias.


„Sie werden aus Saba alle kommen“ (BWV 65) ist eine Kirchenkantate von Johann Sebastian Bach.

J. S. Bach schrieb die Kantate, um am Epiphaniasfest (Erscheinung des Herrn) seine erste Weihnachtszeit in Leipzig festlich abzuschließen. Die vorgeschriebenen Lesungen waren Jes. 60,1-6 LUT und Mt 2,1-12 LUT, die Weisen aus dem Morgenland, die dem neugeborenen Jesus als Geschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe bringen. Der unbekannte Textdichter ist möglicherweise derselbe wie für die unmittelbar zuvor aufgeführten Weihnachtskantaten „Darzu ist erschienen der Sohn Gottes“ und „Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget.“

Er beginnt mit dem letzten Vers der Lesung, Jesajas Prophetie. Deren Erfüllung beschreibt, als zweiter Satz, die vierte Strophe des Chorals Ein Kind geborn zu Bethlehem (nach Puer natus in Bethlehem, 1543): Die Kön’ge aus Saba kamen dar. Das erste Rezitativ folgert, dass es Aufgabe jedes Christen ist, ebenfalls ein Geschenk zu bringen, nämlich sein eigenes Herz. Das wird Thema der folgenden Arie. Das zweite Rezitativ vergleicht den Glauben mit Gold, das Gebet mit Weihrauch und die Geduld mit Myrrhe, auch dies wird Thema der folgenden Arie. Der Schlusschoral ist die 10. Strophe von Paul Gerhardts Choral „Ich hab in Gottes Herz und Sinn“ den Bach später in der gleichnamigen Choralkantate BWV 92 bearbeitete.

Bach überschrieb die Kantate wie folgt:

J. J. Festo Epiphan: Concerto. à 2 Core du Chasse. 2 Hautb: da Caccia. | due Fiauti 2 Violini è Viola con 4 Voci

Sie ist festlich besetzt. Die beiden männlichen Solostimmen, Tenor und Bass, und der vierstimmige Chor werden begleitet von zwei Hörnern, zwei Blockflöten, zwei Oboe da caccia, zwei Violinen, Viola und Basso continuo. Bach setzte ein Paar von Hörnern 1724 in seiner Weihnachtskantate „Gelobet seist du, Jesu Christ“, BWV 91, und in Teil IV, „Fallt mit Danken, fallt mit Loben“ seines Weihnachtsoratoriums ein.

Coro: „Sie werden aus Saba alle kommen“
Choral: „Die Kön’ge aus Saba kamen dar“
Recitativo (Bass): Was dort Jesaias vorhergesehn
Aria (Bass, Obois da caccia): Gold aus Ophir ist zu schlecht
Recitativo (Tenor): Verschmähe nicht, du, meiner Seele Licht
Aria (Tenor, alle Instrumente): Nimm mich dir zu eigen hin
Choral: „Ei nun, mein Gott, so fall ich dir“

Der Eingangschor schildert, wie „alle“, nicht nur die drei Weisen, sich sammeln und in Bewegung setzen, um anzubeten. Horn-Signale rufen und bleiben während des Satzes präsent. Kanonische und imitatorische Entwicklungen zeichnen das Anwachsen der Menge. Den Mittelteil bildet eine ausgedehnte Chorfuge, gerahmt von zwei Abschnitten, in denen die Singstimmen in eine Wiederholung der instrumentalen Einleitung eingebettet sind. John Eliot Gardiner bemerkte im Zusammenhang seiner Bach Cantata Pilgrimage, dass die Instrumentierung die Musik des Vorderen Orients nachahmt: Blockflöten in den hohen Lagen, die oft mit der Musik des Nahen Ostens verbunden wird, Oboen da caccia (in Tenorlage) für die Schalmei-artigen Rohrblattinstrumente (Salamiya und Zurna) („the high pitches often associated with oriental music and the oboes da caccia (in tenor register) to evoke the shawm-like double-reed instruments …“).

Der alte Choral, der über das Kommen der Könige aus Saba berichtet, ist vierstimmig gesetzt. Beide Rezitative sind secco, und die Arien haben kein da capo. Das erste Rezitativ endet als Arioso auf die Worte: „weil ich nichts Edlers bringen kann“. Diese Bescheidenheit kommt in der folgenden Arie durch die tiefe Lage der Oboen da caccia und die Bass-Stimme zum Ausdruck. Das Tenor-Rezitativ endet mit den Worten: „des größten Reichtums Überfluß mir dermaleinst im Himmel werden“. Um diesen Überfluss zu zeigen, wird die folgende Arie von sämtlichen Instrumenten begleitet, die sowohl konzertant als auch gemeinsam auftreten. Der Schlusschoral wird auf die Melodie von „Was mein Gott will, das g’scheh allzeit“ gesungen, die Bach später häufig einsetzte, so in seiner gleichnamigen Choralkantate und als Satz 25 seiner Matthäus-Passion.

Ausführende: Bach-Projekt „ALL OF BACH“

RECORDING DATE
23 January 2016

RELEASE DATE
6 January 2017

LOCATION
Grote Kerk, Harlingen

CONDUCTOR:
Hans-Christoph Rademann

TENOR
Daniel Johannsen

BASS
Matthew Brook

RIPIENO SOPRANO
Lauren Armishaw, Lucie Chartin, Zsuzsi Toth
RIPIENO ALTO
Elsbeth Gerritsen, Bart Uvyn, Barnabas Hegyi
RIPIENO TENOR
Immo Schröder, Kevin Skelton
RIPIENO BASS
Sebastian Myrus, Drew Santini
VIOLIN 1
Sayuri Yamagata, Anneke van Haaften, Annelies van der Vegt
VIOLIN 2
Pieter Affourtit, Hanneke Wierenga, Lidewij van der Voort
VIOLA
Staas Swierstra, Jan Willem Vis
CELLO
Lucia Swarts, Richte van der Meer
DOUBLE BASS
Robert Franenberg
OBOE DA CACCIA
Martin Stadler, Peter Frankenberg
RECORDER
Benny Aghassi, Lara Morris
HORN
Erwin Wieringa, Gijs Laceulle
BASSOON
Bennie Aghassie
ORGAN
Bart Naessens
HARPSICHORD
Siebe Henstra


Video:  J.S. Bach die Kantate: BWV 65 „Sie werden aus Saba alle kommen“ zu Epiphanias.

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Ich wünsche viel Freude mit dieser wunderbaren Kantate zu Epiphanias !

Grüße sommerk

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ALL OF BACH veröffentlichte am 30.12.2016 den Orgelchoral – BWV 770 „Ach was soll ich Sünder machen“

ALL OF BACH veröffentlichte am 30.12.2016 den Orgelchoral – BWV 770

„Ach was soll ich Sünder machen“.

Bovenkerk, Kampen

                                          Bovenkerk, Kampen (Holland)

TRIBUT FÜR BÖHM

„Oh, was soll ich, ein Sünder, tun? Oh, wo soll ich anfangen?“ Sind die ersten Worte des Chorals, auf denen Bach diese Serie von Partitas oder Variationen basiert. Bach zeigt kein Zeichen solcher Zweifel, jedenfalls im musikalischen Sinne. Er beginnt mit einer relativ einfachen Harmonisierung der Choralmelodie (Partita 1), und er weiß auch, wie es weitergehen soll. Es folgt eine Reihe von 9 Variationen (Partitas 2 – 10).

Dieses Werk stammt vermutlich aus Bachs Zeit in Arnstadt, wo er zwischen 1703 und 1707 arbeitete. Es ist eine starke Ähnlichkeit mit den Choralpartitas von Georg Böhm (1661-1733), der 1697 den Posten des Organisten in der Johannes-Kirche in Lüneburg aufnahm, die Stadt, in der Bach zwischen 1700 und 1703 studierte. Wahrscheinlich hat Bach in diesen Jahren Musikunterricht bei ihm gehabt.

Nicht nur Bachs Partita, die auf dem Hymnus Ach basiert, wurde im typischen Böhm-Stil geschrieben, in einigen Details scheint es auch eine direkte Antwort und Hommage an Böhm zu sein. Der Beginn der fünften Variation scheint ein direktes Zitat aus dem dritten von Böhms Variationen des Chorals „Ach wie nichtig, ach wie flüchtig“ zu sein. Bach entstand sicherlich nicht im Vakuum, und hier hört man, wie er seinen musikalischen Hut zu einem großen Zeitgenossen zieht.

Chorale partitas, BWV 766-770

Die Choralpartita ist eine besondere Form der Choralgestaltung, da der Choral (oder Hymne) als Ausgangspunkt für eine Reihe von Variationen dient. Die Kunst der Variation war auf ihrem Höhepunkt im siebzehnten Jahrhundert. Normalerweise wurde ein Volkslied als Ausgangspunkt für eine Reihe von Variationen genommen, die in Schwierigkeiten und Geschwindigkeit zunahmen. Das Genre war nicht auf Tasteninstrumente beschränkt. Der blinde niederländische Rekorder und Carillonspieler Jacob van Eyck war auch ein Meister in der Technik, zum Beispiel. Die fünf Kompositionen von Bach mit dem Namen chorale partita stammen nicht aus einer einzigen Quelle, noch sind sie datiert, aber es wird angenommen, dass sie in seinen Jugendlichen entstanden und möglicherweise später überarbeitet worden sind.

RELEASE DATE 30 December 2016
RECORDING DATE 2 October 2015
LOCATION Bovenkerk, Kampen
ORGANIST Elske te Lindert
ORGAN Hintz orgel

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Video: Orgelchoral – BWV 770 „Ach was soll ich Sünder machen“.

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Ich wünsche allein ein gesegnetes und glückliches neues Jahr !

Herzliche Grüße

sommerk

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ALL OF BACH veröffentlichte am 24.12.2016 von J.S. Bach das BWV 710 – Orgelchoral: „Wir Christenleut“

Von All of Bach gab es zu Heiligabend eine Überraschung, dass sie von J.S. Bach den Orgelchoral – BWV 710 „Wir Christenleut“ aus der Kirnbergerschen Sammlung veröffentlicht haben.

Johann Philipp Kirnberger * 24. April 1721 in Saalfeld/Saale; † 27. Juli 1783 in Berlin – war ein deutscher Musiktheoretiker und Komponist.

Durch Kirnbergers Sammeltätigkeit ist eine ganze Reihe von Werken Johann Sebastian Bachs überliefert – am bekanntesten ist die sogenannte Kirnberger-Sammlung mit den Choralbearbeitungen BWV 690–713.


Info: BWV 710

„Weniger lustig als der Text zu erwarten hat“, so Peter Williams, Autor des unübertroffenen Buches Die Orgelmusik von J.S. Bach, beschrieb diese Anordnung eines Weihnachtsliedes. Und es ist nur zu wahr. Aber was stört ihn genau? Die alte Choralmelodie, auf die der sächsische Hofprediger Kaspar Füger seine freudigen Worte am Ende des sechzehnten Jahrhunderts schrieb, ist in einem kleinen Tonfall. Und es ist keine sehr abenteuerliche Melodie, da die etwas deprimierte Melodie nicht mehr als fünf aufeinander folgende Töne überspannt. In dieser Anordnung ist die Melodie im Pedal. Das Glück beschränkt sich auf die beiden reich geschmückten Oberteile, obgleich ihr lebhaftes Geschwätz ihnen den Vorteil für eine Weile in den intermittierenden Schweigen des Pedals leiht. Aber das ist nur für einen Augenblick jedes Mal, und die beiden Welten kommen nicht näher zueinander. Und Bach ist kein Meister der Wiederholung von Zügen. Nach zwei Minuten hat er gesagt, was er zu sagen hatte.

Kirnbergerschen Sammlung, BWV 690-713

Bach schätzte viele seiner Kompositionen, sorgte dafür, dass sie gesammelt oder recycelt wurden und – wenn überhaupt – veröffentlicht wurden. Aber es gibt auch Stücke, die das Boot verpasst haben, wie die vierundzwanzig frühen Orgelkompositionen heute bekannt als die Kirnbergerschen Sammlung. Das Überleben dieser Werke verdanken wir dem Bachschüler Johann Kirnberger, der nach dem Tod seines Meisters 24 Orgelkompositionen sammelte. Die auffälligste Sache über diese Sammlung ist ihr Mangel an Zusammenhalt. Die einzige Ähnlichkeit zwischen den Arbeiten ist, dass sie wahrscheinlich alle aus der Zeit vor 1710 stammen.

BWV 710  TITEL: „Wir Christenleut“
GENRE: Orgelwerke (Choralbearbeitungen)
SERIE: Kirnbergerschen Sammlung
JAHR: Vor 1710
STADT: Mühlhausen oder Weimar

RELEASE DATE 24 December 2016
RECORDING DATE 24 August 2015
LOCATION Stiftskirche St. Georg, Goslar-Grauhof
ORGANIST Theo Jellema
ORGAN Christoph Treutmann, 1731

Disposition:  Treutmann-Orgel in Goslar-Grauhof


Video:  Orgelchoral – BWV 710 „Wir Christenleut“

all-of-bach-bwv-710

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Grüße

sommerk

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ALL OF BACH veröffentlichte am 16.12.2016 von J.S. Bach das BWV 869 „Präludium und Fuge h-Moll“

Info: J.S. Bach BWV 869 „Präludium und Fuge h-Moll“ (Wohltemperiertes Klavier)

„Präludium und Fuge h-Moll“, BWV 869, beenden den 1. Teil des Wohltemperierten Klaviers, einer Sammlung von Präludien und Fugen für Tasteninstrumente von Johann Sebastian Bach.

Das Präludium ist vom Satztyp her eine italienische Triosonate, nach dem Vorbild von Arcangelo Corelli. Zukunftsgewandt ist jedoch die zweiteilige Form mit Wiederholungszeichen, die dann in der Vorklassik aufgenommen wird, und die originale Tempobezeichnung Andante. Die Linienführung wird im Verlaufe des Stücks sukzessive erweitert: Der erste Formteil ist durch zwei Kadenzen (Tonikaparallele D-Dur in Takt 7 und Dominante fis-moll in Takt 12) gegliedert. Im zweiten Teil werden dagegen nach der fis-Moll-Kadenz in Takt 27 weitere Kadenzierungen umgangen.

Theoretisch könnte das Stück nach Takt 42 zu Ende sein; Bach fügt hier jedoch einen Trugschluss und eine fünftaktige Coda hinzu, die in ihrer Chromatik auf die Fuge hinweisen.

Das Fugenthema ist außergewöhnlich. Es enthält alle zwölf Stufen der chromatischen Tonleiter; melodisch stimmt der Beginn mit dem ersten Thema aus der Fis-Moll-Fuge des 2. Teils überein. Eingerahmt wird diese Chromatik von zwei fallenden Moll-Dreiklängen in der Tonika und der Dominante, kombiniert mit sechs fallenden Halbtonschritten. Das Thema erscheint insgesamt 14 Mal; nach der vierstimmig geführten Exposition, die in Takt 16 endet, erfolgen nur noch zehn Themeneinsätze, und zwar ausschließlich in den drei Unterstimmen. Das chromatisch geprägte, ausdrucksstarke Thema verwendet Bach weder zu Engführungen noch zu Umkehrungen. Die Chromatik wird durch mehrere diatonische Zwischenspiele aufgelockert, deren Motiv in Takt 23/24 des Präludiums vorweggenommen ist. An mehreren Stellen, so zum Beispiel in Takt 19 im Alt und in Takt 28 im Tenor, erscheinen in diesen Zwischenspielen wie in einem Anlauf zunächst nur die drei ersten Noten des Themas, bevor es jeweils zwei Takte später in seiner Vollständigkeit erklingt. Ähnlich wie im ersten Kyrie der h-Moll-Messe verzichtet Bach auch in der h-Moll-Fuge auf eine Schlusssteigerung.

Mit 76 Takten und einem geforderten Largo-Tempo ist dies die längste, expressivste und eine der tiefgründigsten Fugen im Wohltemperierten Klavier. Philipp Spitta schreibt: Der Ausdruck des Schmerzes ist hier fast zum Unerträglichen gesteigert.

Info von ALL OF BACH zum BWV 869

Bach vervollständigt den Kreis mit Melancholie.

Bach hatte seine Schüler schon 23 Mal auf die Probe gestellt. Nur ein weiterer Schlüssel zu gehen und der Kreis der beispiellosen contrapuntal Erfindungen wäre abgeschlossen. Was würde Bach tun, jetzt war er in den letzten Stücken angekommen? Würde er sich selbst übertreffen, indem er noch mehr Techniken kombiniert oder in der Einfachheit abschließt und damit das Herz des Zuhörers erobert?

Bach gelang es selbstverständlich, auch wenn der technische Einfallsreichtum in diesem Präludium und der Fuge in h-Moll ein wenig weniger offensichtlich ist. Beide Stücke sind so perfekt proportioniert, dass Bach praktisch auf irgendwelche Tricks verzichtet, um die Spannung zu erhöhen.

Das Präludium ist eine Trio-Sonate. Oberhalb eines ruhig fortschreitenden Basses verschmelzen zwei Oberteile eng miteinander. Fünf Takte vor dem Ende kommt die Überraschung eines „Trugschlusses“, ein fast-aber-nicht-endet. Und weil dies uns schon betrogen hat, lässt Bach dann den Bassanweiser in den echten Schlussakkord eine halbe Bar ‚zu früh‘.

Die Fuge, die die längste im ganzen Wohltemperirte Clavier ist, ist bemerkenswert streng im Bau. Das Thema hingegen verwendet alle Töne der Oktave – extravagant und protzig -, als wollte Bach den Punkt der Sammlung noch einmal unterstreichen. Die Musik bewegt sich, aber nicht ohne Anstrengung, denn es gibt nur ein paar Zwischenspiele, um die Chromatik, die schwer zu verstehen ist, zu brechen. Bach Biograf Spitta schrieb, dass diese rührende Musik „machte den Ausdruck des Schmerzes fast unerträglich“. Und tatsächlich, obwohl Bach nicht wirklich eine Wahl hatte, stand die Tonart b-Moll für die Melancholie im Barock.

Das Wohltemperirte Clavier, BWV 846-893

Das Komponieren von 48 Tastenstücken in allen 24 Tasten war die Art von Herausforderung, die Bach genoss. In jedem der beiden Teile des Wohltemperirten Klaviers brachte er das musikalische Paar Präludium und Fuge 24 mal zusammen; Zwölf in Moll-Tasten und zwölf in Dur. In den Präludien gab er seiner Phantasie freien Lauf und zeigte mathematische Touren in den Fugen. Im Gegensatz zu der eisernen Disziplin musste sich Bach auf seine kirchlichen Kompositionen anwenden, hier konnte er sich auf die intellektuelle Spielerei verlassen, ohne sich um Fristen zu kümmern.

Der erste Teil des Wohltemperirten Claviers stammt aus dem Jahre 1722, obwohl er einige Musik enthält, die in den letzten fünf Jahren geschrieben wurde. Es gibt weniger Klarheit über die Geschichte des zweiten Teils. Bach kompilierte diese zweite Manuskript nur um 1740, obwohl wieder einmal einige der Präludien und Fugen es enthält Datum aus einer viel früheren Zeit. Bach beschrieb die Zielgruppe für diese Stücksammlung wie folgt: „Zum Nutzen und Gebrauch der Lehr-Begierigen Musikalischen Jugend, auch hier in diesem Studio schon habil seyenden besonderem ZeitVertreib“ (Für die Ausbildung des fleißigen musikalischen Jugendlichen und des Genusses Von denen, die in diesem Material vertraut sind).

RELEASE DATE  16 December 2016
RECORDING DATE  21 December 2015
LOCATION  Bennebroek
HARPSICHORDIST  Bob van Asperen
HARPSICHORD Michael Johnson, Fontmell Magna, Engeland 1979, after Pascal Taskin/Johannes Goermans

Video: J.S. Bach BWV 869 „Präludium und Fuge h-Moll“

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Herzliche Grüße

sommerk

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Neu von ALL OF BACH – veröffentlicht am 02.12.2016 – Motette BWV 228 „Fürchte dich nicht“

ALL OF BACH – veröffentlicht am 02.12.2016 – Motette BWV 228 „Fürchte dich nicht“

„Fürchte dich nicht“, BWV 228, ist eine Motette für eine Beerdigung von Johann Sebastian Bach, Satz für Doppelchor. Die Arbeit in zwei Sätzen zieht ihren Text aus dem Buch Jesaja und eine Hymne von Paul Gerhardt. Gelehrte sind nicht einverstanden über die Kompositionszeit und den Ort, der traditionsgemäß 1726 in Leipzig geglaubt wurde, während die neuere Stipendium aus stilistischen Gründen nahelegt, dass sie bereits in der Weimarer Zeit komponiert wurde.

Bach komponierte die Arbeit für eine Beerdigung. Seine Motetten wurden in der Tradition der Evangelienmotetten des 17. Jahrhunderts von Komponisten wie Melchior Franck, Melchior Vulpius und Heinrich Schütz geschrieben. Als er seine Motetten, Werke ohne zeitgenössische Poesie und ohne eigenständiges Orchester komponierte, war das Genre schon aus der Mode gekommen. Allerdings gab es offensichtlich eine Nachfrage nach solchen Arbeiten bei Beerdigungen, eine Zeremonie, für die mindestens einige von Bachs anderen Motetten geschrieben wurden.

Da die Originalpartitur nicht überlebt hat, kann die Arbeit nicht mit Sicherheit datiert werden. Traditionsgemäß glaubten die Gelehrten, dass Bach für eine Beerdigung in Leipzig im Jahre 1726 komponiert. Stilistischer Vergleich mit anderen Arbeiten wie Ich lasse dich nicht, BWV Anh. 159, schlägt vor, dass Bach es bereits in seiner Weimarer Zeit (1708-1717) schrieb.

Der Text enthält keine zeitgenössische Poesie, wie viele seiner Kantaten und Leidenschaften, sondern rein biblische Zitate und Choral, wie in anderen Motetten von Bach und seinen Modellen. Der Text besteht aus zwei Versen von Jesaja 41:10 und Jesaja 43: 1, die beide mit „Fürchte dich nicht“ beginnen. Der zweite Vers wird mit zwei Strophen von Paul Gerhardts Hymne „Warum sollt ich mich denn Grämen“ kombiniert.  Bach kennt eine Motette des ersten Verses von Jesaja, komponiert von Johann Christoph Bach.

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DAS KANN ICH BESSER !

Motette BWV 228 „Fürchte dich nicht“

Überprüft Bach hier seinen Schwiegervater?

Es wäre natürlich schön, wenn wir bestätigen könnten, dass Bach diese Motette 1726 zur Beerdigung der Frau von Stadthauptmann Winckler komponierte. Dann könnte diese Arbeit für den Doppelchor zu den anderen Motetten hinzugefügt werden, die Bach in Leipzig komponierte, oft auf Provision von Privatpersonen. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass Fürchtes nicht viel früher geschrieben wurde. Es hat eine starke Ähnlichkeit mit einer anderen Motette von Bach, Ich lasse dich nicht, BWV Anh159, die von 1712-13 datiert.

Darüber hinaus zeigt die Struktur von Fürchte dich nicht starke Ähnlichkeiten mit einer Motette von Johann Michael Bach, dem Vater von Bachs erster Frau und dem führenden Motettspezialisten seiner Zeit. Seine Weihnachts-Motette für den Doppelchor mit dem Titel Fürchtet euch nicht ist in zwei Teile geteilt, genau wie Bachs „Fürchte dich nicht“. Jedes Stück öffnet sich mit Doppelchor und mit einem Text aus der Bibel. Auf halbem Weg durch beide Motetten kommen die Chöre zusammen, woraufhin die Sopranistin in einen ganz anderen Text wechselt und auf einer fugenartigen Basis schwingt, die über die drei unteren Stimmen verteilt ist und die biblischen Worte fortsetzt.

Der große Unterschied ist, dass Johann Michael in seiner ruhigen Motette (die Worte zu den Hirten, die aus dem Lukasevangelium entnommen sind: „Fürchte dich nicht, denn ich bringe große Liebesbriefe mitbringe“), Johann Michael verbindet die jubelnde Weihnachtsbotschaft mit dem ebenso fröhlichen lutherischen Choral ‚Gelobet seist du, Jesu Christ‘. Johann Sebastian hingegen entscheidet sich für eine viel größere Komplexität in seinem Fürchtigen nicht. Im biblischen Text, genommen von Jesaja, betont er die Zweifel und Ängste der Gläubigen. Demgegenüber stehen die tröstlichen Worte von Paul Gerhardts Chor „Warum solt ich mich denn grämen“, gesungen von der Sopranistin, noch stärker heraus.

Ende 1707 heiratete Bach Johann Michael Bachs Tochter Maria Barbara. In dieser Zeit war er immer noch stark geleitet von dem, was seine Vorgänger geschrieben hatten – vorzugsweise versuchen, sie mit einem kompositorischen Meisterwerk zu schachteln. Natürlich können wir es nicht genau wissen, aber es wäre genauso wie der junge Bach, eine wunderbare Motette als etwas zweifelhaftes Tribut an seinen neuen Schwiegervater zu schreiben.

Motetten, BWV 225-231, 118 und Anh. 159
Kantaten waren Bachs tägliches Brot und ein regelmäßiger Teil seiner wöchentlichen Aufgaben als Kantor von St. Thomas. Seine Motetten waren ganz anders. Abgesehen von der Kantate wurde in Leipzig kaum neue Musik gespielt (Musik wurde stattdessen aus der Motettsammlung Florilegium Portense ausgewählt). Dies gab Bach Raum für schriftliche Auftragsarbeiten für private Anlässe, oft Beerdigungen. Leider sind vermutlich Dutzende dieser Arbeiten verloren gegangen. Die Stücke, die überlebt haben, blieben im Repertoire seit ihrer Komposition im Gegensatz zu Bachs anderen Vokalwerken.

Die überlebenden authentischen Motetten – neun Werke, obwohl die Forschung weiter – bauen auf ein Genre mit einem beeindruckenden Pedigree. Vor dem Hintergrund der strengen Renaissance-Polyphonie entlehnte die Generation von Schütz (1585-1672) Elemente der opulenten, polychoristischen Werke von Giovanni Gabrieli und gab ihnen eine mitteldeutsche, lutherische Torsion. Auch im Fall Bachs konzentrierte sich der Inhalt auf Choräle und biblische Passagen, wobei der weltliche Madrigalismus (oder einfach: Darstellung der Worte) nur dazu dienen sollte, den Ausdruck des religiösen Genres zu verstärken.

(Text: ALL OF BACH)

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Video: Motette BWV 228 „Fürchte dich nicht“

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Ich wünsche allen eine schönen 2. Advent!

Grüße sommerk

ALL OF BACH veröffentlichte am 18.11.2016 von J.S. Bach das BWV 849 „Präludium und Fuge cis-Moll“

Info: J.S. Bach BWV 849 „Präludium und Fuge cis-Moll“ (Wohltemperiertes Klavier)

„Präludium und Fuge cis-Moll“, BWV 849, bilden ein Werkpaar im 1. Teil des Wohltemperierten Klaviers, einer Sammlung von Präludien und Fugen für Tasteninstrumente von Johann Sebastian Bach.

Der feierlich-expressive, rezitativische Charakter der melodischen Linie erinnert an Bachs Passionsvertonungen. Eine direkte Beziehung zwischen dem Präludium und der folgenden Fuge ist schwer festzuhalten, es finden sich jedoch einige Andeutungen: der absteigende Halbtonschritt von Cis zu his erscheint schon zu Beginn des Präludiums in der Bassstimme, und die Tonfolge gis-fis-a-gis im abschließenden Takt 39 könnte als Vorwegnahme des Fugenthemas verstanden werden.

Das Hauptmotiv des Präludiums enthält einen aufsteigenden Oktavsprung, der sich durch das ganze Stück hinzieht, in Takt 9/10 zu einer None und in Takt 33 sogar zu einer Dezime gesteigert wird. Eine Abschrift des Präludiums ist im Clavier-Büchlein für Wilhelm Friedemann Bach überliefert.

Mit 115 Takten ist dies eine von Bachs längsten und am meisten und dichtesten ausgearbeiteten Fugen. Sie enthält drei Themen; es ist jedoch strittig, ob sie als Tripelfuge oder als Fuge mit zwei obligaten Kontrapunkten bezeichnet werden soll. Die Fünfstimmigkeit erscheint zu Beginn der Fuge in aufsteigender Reihenfolge, beginnend mit der Bassstimme.

Sie wird jedoch bald nach dem fünften Themeneinsatz in der Sopranstimme aufgegeben, im Mittelteil zu einer Dreistimmigkeit reduziert und erscheint erst wieder im Schlussteil ab Takt 99, hervorgehoben durch einen Passus duriusculus (absteigende Halbtöne) von cis2 nach gis1. Die Fuge weist zahlreiche Engführungen auf, enthält jedoch keine themenfremden Zwischenspiele.

Das erste Thema cis-His-e-dis ist ein Kreuzmotiv in halben und ganzen Noten, mit ähnlichen Tonschritten wie B-A-C-H. Das zweite Thema erscheint als lebhafte, rhythmisch kontrastierende Achtelbewegung, erstmals in der Oberstimme ab Takt 36. Es wird ab Takt 49 mit dem dritten Thema kombiniert, einer einfachen Kadenzformel. Als abschließende Krönung erscheint in den letzten zwölf Takten eine ausgedehnte Kadenzierung, wobei die überraschende Dissonanz.


Info von ALL OF BACH zum BWV 849

Es gibt unzählige Analysen und Interpretationen von Bachs Wohltemperirte Clavier. Je weiter wir von unseren rationalen Zeiten zu romantischeren verlaufen, desto schöner sind die Beschreibungen. So nennt der Kommentator des neunzehnten Jahrhunderts Hugo Riemann dieses Werk in cis-moll das »heilige Allerheilig«, gefüllt mit »Würde, Inspiration und edlen Gefühlen«. Das Vorspiel mit seinen ausgezogenen Linien sollte als »die Sehnsucht eines großen Herzens« gehört werden, während die Fuge wie eine »mächtige Kathedrale« steht. So viel Mystik klingt uns heute fremd.

Leicht und sinnlich:

Wie sollen wir nun diese Arbeit lesen? Bertrand Cuiller entscheidet sich für eine leichte, sinnliche Annäherung, besonders im Vorspiel. Gezogene Feierlichkeiten und elegante Arpeggien schaffen eine edle Atmosphäre, während die Spannung durch den großen Sprung in das Thema und eine Reihe von nicht-recht-Kadenz-Linien in der Mitte Abschnitt zur Verfügung gestellt wird. Der sanft rollende Siciliano-Tanzrhythmus verdeckt ein rastloses harmonisches Spiel – einige Sätze wiederholen sich mit Präzision in der Fuge – so ist das Stück nicht so sorglos, wie es erscheint.

Es ist bemerkenswert, dass die komplexe Fuge das kürzeste Thema in der ganzen Sammlung hat. Die fünf Töne enthalten auch eines der zehnten Intervalle – ein vermindertes 4.. Wenn Sie auf ein solches destilliertes Thema aufbauen, kommen Sie bald in einen harmonischen Morast – und zu viele Töne passen nicht mehr in die barocke Ästhetik. Also betrog Bach etwas (obwohl er die Regeln befolgte). Intervalle eines Halbtones werden manchmal ein ganzer Ton und der verminderte 4. wird sogar hier und da perfekt – alles zu guter Wirkung. Die fünf Teile betreten ordnungsgemäß von niedrig nach hoch, worauf das Thema nicht weniger als 24 mal zurückkehrt, oft direkt am Anfang oder ganz unten im Bau. Aber es gibt noch zwei andere Themen: eine lange Reihe von verdrehten Ornamenten und eine kurze von hartnäckigen Wiederholungen. Es braucht einen scharfen Sinn, um dieses mentale Puzzle zu entwirren.

Das Wohltemperirte Clavier, BWV 846-893

Das Komponieren von 48 Tastenstücken in allen 24 Tasten war die Art von Herausforderung, die Bach genoss. In jedem der beiden Teile des Wohltemperirten Klaviers brachte er das musikalische Paar Präludium und Fuge 24 mal zusammen; Zwölf in Moll-Tasten und zwölf in Dur. In den Präludien gab er seiner Phantasie freien Lauf und zeigte mathematische Touren in den Fugen. Im Gegensatz zu der eisernen Disziplin musste sich Bach auf seine kirchlichen Kompositionen anwenden, hier konnte er sich auf die intellektuelle Spielerei verlassen, ohne sich um Fristen zu kümmern.

Der erste Teil des Wohltemperirten Claviers stammt aus dem Jahre 1722, obwohl er einige Musik enthält, die in den letzten fünf Jahren geschrieben wurde. Es gibt weniger Klarheit über die Geschichte des zweiten Teils. Bach kompilierte diese zweite Manuskript nur um 1740, obwohl wieder einmal einige der Präludien und Fugen es enthält Datum aus einer viel früheren Zeit. Bach beschrieb die Zielgruppe für diese Stücksammlung wie folgt: „Zum Nutzen und Gebrauch der Lehr-Begierigen Musikalischen Jugend, auch hier in diesem Studio schon habil seyenden besonderem ZeitVertreib“ (Für die Ausbildung des fleißigen musikalischen Jugendlichen und des Genusses Von denen, die in diesem Material vertraut sind).

RELEASE DATE 18 November 2016
RECORDING DATE 15 September 2016
LOCATION Bois le Roi, France
HARPSICHORDIST Bertrand Cuiller

Video von ALL OF BACH – J.S. Bach BWV 849 „Präludium und Fuge cis-Moll“

all-of-bach-bwv-849

 

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Ich wünsche viel Freude mit dem Video von ALL OF BACH !

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sommerk

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