Archiv der Kategorie: Thomas-Kantoren in Leipzig

Eine offene Kritik zu Sir J.E. Gardiners Eröffnungsrede zum Bachfest 2017 in Leipzig!

Offener Brief an den Präsidenten des Bach-Archivs Leipzig Sir John Eliot Gardiner

Nach seiner Ansprache beim Eröffnungskonzert des Bachfestes Leipzig am 9. Juni 2017 in der Thomaskirche habe ich mich in einem

„Offenen Brief“ an den Präsidenten des Bach-Archivs Leipzig, Sir John Eliot Gardiner, gewandt.

Sie sind ein in aller Welt hoch geschätzter und gern gehörter Interpret insbesondere des umfangreichen geistlichen Werkes von Johann Sebastian Bach. Viele Menschen freuen sich, Ihre Konzerte beim Leipziger Bachfest miterleben zu können. Ihre internationale Reputation hat dazu geführt, dass Ihnen die Stadt Leipzig angetragen hat, Präsident des Bach-Archivs zu werden. In dieser Eigenschaft tragen Sie ein hohes Maß an Verantwortung für die Pflege des Bach‘schen Werkes in der Stadt, in der der große Thomaskantor im 18. Jahrhundert über 27 Jahre gewirkt hat.

Sir John Eliot Gardiner beim Bachfest 2017 im Gewandhaus

Am vergangenen Freitag haben Sie als Präsident des Bach-Archives beim Eröffnungskonzert des Bachfest in der Thomaskirche gesprochen. Im Programm war dazu ausgewiesen „Einführung“. Mit Spannung haben viele Menschen erwartet, was Sie auf dem Hintergrund ihres profunden Wissens und ihres reichen musikalischen Erfahrungsschatzes zum diesjährigen Bachfestmotto „Ein schön new Lied – Musik und Reformation“ und zu den beiden Hauptwerken des Eröffnungskonzertes sagen werden. Doch dazu war leider nichts zu vernehmen. Stattdessen haben Sie – aus welchen Gründen auch immer – auf Ihre Zusammenarbeit mit dem Gewandhaus verwiesen und Ihr eigenes Konzertprogramm im Detail dargestellt. Nach der englischen Übersetzung Ihrer Ansprache haben Sie dann die Thomaskirche mit der Bemerkung verlassen, dass Sie die Werke, die jetzt zu hören sein werden, schon kennen und schließlich selbst im Gewandhaus aufführen werden – nach dem Motto: Ich besuche nur die Konzerte, die ich selbst dirigiere. Kein Wort war aus Ihrem Mund zu hören zur reformatorischen Musiktradition und zur Bachkantate „Ein feste Burg ist unser Gott“ (BWV 80) und zu Mendelssohns „Lobgesang“; kein Wort der Wertschätzung zum Thomanerchor oder zu Thomaskantor Gotthold Schwarz. Nun liegt es mir fern, Ihnen zu unterstellen, dass dies ein unbeabsichtigter Fauxpas war. Dafür sind Sie viel zu versiert.

Also muss jeder davon ausgehen, dass dieser Auftritt so von Ihnen geplant und gewollt war. Das aber macht die Sache zu einem Affront und Politikum. Sie haben damit der Würde des Anlasses wie dem ganzen Bachfest einen Bärendienst erwiesen. Mehr noch: Sie haben die aktiven Musiker/innen schnöde missachtet und sich eitel selbst in den Mittelpunkt gestellt. Man fragt sich: Haben Sie das nötig? Doch frage ich mich auch: Wieso diese Lobhudelei für das Gewandhaus(orchester), die dieses gar nicht nötig haben? Wollten Sie damit dem Ansinnen Tür und Tor öffnen, das Bachfest in Zukunft im Gewandhaus zu eröffnen, möglichst mit einem Ensemble Ihrer Wahl und natürlich unter Ihrer musikalischen Leitung? Wollten Sie zum Ausdruck bringen, dass Sie sich mit einem „Provinzorchester“ aus Halle und einem „Kinderchor“ (Thomaner) nicht abgeben?

Offensichtlich haben Sie immer noch nicht verstanden, dass viele Menschen, vor allem aus dem Ausland, das Leipziger Bachfest deswegen besuchen, weil sie hier die Musik Johann Sebastian Bachs an den Originalspielstätten im Originalformat erleben können, nämlich in der Nikolai- und Thomaskirche in den Gottesdiensten, Metten und Motetten und natürlich auch in den Konzerten. Natürlich: Das allein reicht nicht für ein umfassendes Bachfest. Darum werden auch Sie mit Ihren Ensembles oder Ton Koopman oder Masaaki Suzuki zum Bachfest eingeladen – und viele Menschen freuen sich darauf. Darum auch die umfassende musikalische Darstellung der Traditionen, auf die Bach aufbaute, und der Wirkungen, die seine Musik hatte und hat.

Aber ohne die intensive Pflege der Leipziger Musiktradition geht es nicht. Diese zeichnet sich vor allem durch eine glückliche Verbindung von Professionalität und Demut vor dem Werk und seinem Inhalt aus. Davon aber war bei Ihrem Auf- und Abtritt am Freitagabend in der Thomaskirche nichts zu spüren. Gott sei Dank war dann die Darbietung des Thomanerchores, des ThomasSchulChores, des Händelfestspielorchesters Halle und der Solisten unter Leitung von Thomaskantor Gotthold Schwarz so stark, dass zum einen die Peinlichkeit Ihrer Ansprache noch deutlicher zu Tage trat, sie aber nichts an der Großartigkeit des Musikerlebnisses schmälern konnte.

Dieses Ihnen in aller Offenheit zu schreiben, ist mir ein großes Anliegen. Denn mir ist sehr wohl bewusst, dass diejenigen, die in Ihrer Nähe sind, Ihnen die Unmöglichkeit des Auftritts kaum vermitteln werden, und viele Menschen, die Ihre Ansprache miterlebt haben, wünschen, dass Sie dies erfahren.

Zitat Ende!

Zum Thema siehe auch den Blog-Beitrag:  http://wolff-christian.de/haende-weg-vom-bachfest/

————————–

Advertisements

In Memoriam – Karl Richter, gestorben am 15. Februar 1981 in München!

In Memoriam Karl Richter, gestorben am 15. Februar 1981 in München!


Karl Richter * 15. Oktober 1926 in Plauen; † 15. Februar 1981 in München – war ein deutscher Dirigent, Chorleiter, Organist und Cembalist.

Von 1953 bis zu seinem Tod war Karl Richter einer der weltweit bekanntesten Interpreten der Musik Johann Sebastian Bachs und Georg Friedrich Händels.

Karl-Richter (1926-1981) Bach-Interpret!

                    Karl-Richter (1926-1981) Bach-Interpret in München!

Weniger bekannt ist, dass Richter auch Werke anderer Komponisten aufgeführt und eingespielt hat, beispielsweise von Joseph Haydn, Johannes Brahms, Anton Bruckner oder Antonín Dvořák. Sein Stil war geprägt von Expressivität und impulsiver Musizierfreude. Die Musikkritiker bemängelten gelegentlich Richters „romantisierende“ Bach-Interpretationen oder den Einsatz stark besetzter Chöre. Die gleichzeitig aufkommende historische Aufführungspraxis mit Originalinstrumenten interessierte Richter nicht besonders, auch wenn er sich gelegentlich daran versuchte. Letztlich blieb er seinem Stil bis zu seinem Tod treu.

Schon im Alter von 30 Jahren wurde Karl Richter das Amt als Thomaskantor in Leipzig angeboten. Doch Richter lehnte ab. Er sagte dazu später: „Es wäre die Krönung meiner Karriere gewesen.“ Aber ich habe in München etwas aufgebaut, was ich nicht mehr aufgeben kann.

Karl Richter ist es zu verdanken, dass in den 1950er-Jahren Schallplattenaufnahmen mit klassischer Musik einem breiten Publikum bekannt gemacht wurden. Die erstmalige Einspielung der Matthäus-Passion bei der „Archiv“-Produktion 1958 erlangte unter Verwendung eines mächtigen Chores viel Aufmerksamkeit. Diese Aufnahme auf einer LP-Kassette wurde in den folgenden sieben Jahren 50.000 Mal verkauft. 1964 folgte die Einspielung von Bachs Johannes-Passion. 1980 kam eine weitere Einspielung der Matthäus-Passion mit dem Münchener Bach-Chor und dem Schallplatten-Label „Deutsche Grammophon“ heraus.

Richter hatte zu seinen Lebzeiten bei seinen Hörern zahlreiche Fans. John F. Kennedy war einer von ihnen. Am 22. November 1965 gab Richter in der Philharmonic Hall in New York das offizielle Kennedy-Gedächtnis-Konzert, exakt zwei Jahre nach der Ermordung des US-Präsidenten. Richter leitete 1968 in Moskau und Leningrad Aufführungen der Johannes-Passion und der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach. Seine Interpretation des 2. Brandenburgischen Konzertes führt den musikalischen Teil der Schallplatte Voyager Golden Record an, die als Botschaft der Menschheit an Bord der Sonden Voyager 1 und Voyager 2 unser Sonnensystem verlassen hat.

Richter starb 1981 im Alter von 54 Jahren an Herzversagen in einem Hotel in München. Er wurde auf dem Friedhof Enzenbühl (FG 81163) in Zürich beerdigt. Im Gedächtniskonzert für Karl Richter am 3. Mai 1981 dirigierte sein Freund Leonard Bernstein den Münchener Bach-Chor und das Bach-Orchester im Herkules-Saal der Münchener Residenz.

The Legacy of Karl Richter 1

The Legacy of Karl Richter 8


Karl Richter in München – Zeitzeugen erinnern sich!

http://karlrichter.blogspot.com.es/p/kritiken.html

http://www.zeit.de/1981/09/bach-aus-muenchen

——————————————-

Eine Hiobs-Botschaft erschüttert das Bachfest der Zukunft !

Hände weg vom Bachfest … und eine dringende Bitte anlässlich Mendelssohns Todestag

„Wie weiter mit Mendelssohn und Bach?“ fragte Ende September 2016 Peter Korfmacher in der Leipziger Volkszeitung (LVZ

http://www.lvz.de/Kultur/Wie-weiter-mit-Mendelssohn-und-Bach ).

Die Frage ist berechtigt. Denn nachdem die Mendelssohn-Festtage in diesem Jahr sang- und klanglos beerdigt wurden, will man auf die Schnelle das seit 1999 jährlich stattfindende, sich erfolgreich entwickelnde Bachfest zu einem Leipziger Musikfestival umbauen.

Doch wer da an welchen Fäden zieht, bleibt sehr im Nebulösen: Bach-Archiv, Stadt Leipzig mit Oberbürgermeister und Kulturbürgermeisterin, Gewandhaus, Mendelssohn-Haus oder die gleichnamige Stiftung, designierter Gewandhauskapellmeister oder der Präsident des Bach-Archivs?

Einzig Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke äußerte sich und sieht laut LVZ „alles im Fluss“.

Dennoch werden jetzt schon Weichen gestellt, ohne dass alle Beteiligten zu Rate gezogen werden. So weiß der neue Thomaskantor Gotthold Schwarz  von nichts, aber plötzlich wurde der Kirchgemeinde St. Thomas die Information zugesteckt: das Bachfest 2018 soll nicht mehr in der Thomaskirche, sondern im Gewandhaus eröffnet werden – und auch das Abschlusskonzert mit der h-Moll-Messe sei im Gewandhaus geplant. Finden also die Versuche von 2001 und 2006 eine Neuauflage? Da wollte man Fakten schaffen und Gottesdienste, Metten und Motetten aus dem offiziellen Bachfest-Programm herausstreichen. Da sollte „Festival-Atmosphäre“ in der Thomas- und Nikolaikirche dadurch erzeugt werden, dass man mit Hilfe von bestellten Claqueuren die Dirigenten unter Beifall ans Pult treten ließ. Am liebsten hätte man auch noch den Roten Teppich zwischen Bach-Denkmal und Bach-Tür ausgerollt und Pausen für Sekt-Häppchen eingerichtet. Dieser Unsinn konnte Gott sei Dank im Keim erstickt werden. Das Bachfest – nach dem großen Erfolg im Jahr 2000 von der Stadt Leipzig zunächst ganz bewusst heruntergefahren – hat sich in den vergangenen zehn Jahren bestens entwickelt und gilt inzwischen als das Bachfest weltweit. Von behaupteter „Stagnation“ kann keine Rede sein, dafür umso mehr von Öffnung hinein in die Stadt und gewachsener Internationalität.

Mehr unter folgendem Link:  http://wolff-christian.de/haende-weg-vom-bachfest/

Herzliche Abendgrüße

Volker

Gotthold Schwarz – am 10.6.2016 zum 17. Thomaskantor vom Leipziger Stadtrat ernannt !!

Beschluss im Leipziger Stadtrat vom 10. Juni 2016

Gotthold Schwarz zum Thomaskantor ernannt !!

Gotthold Schwarz zum 17.Thomaskantor ernannt !!

                                Gotthold Schwarz zum 17.Thomaskantor ernannt !!

Gotthold Schwarz ist der neue Leiter des Thomanerchores Leipzig. Das hat der Stadtrat Leipzig heute in einer Sondersitzung mit großer Mehrheit beschlossen. Der 63-Jährige war nach dem krankheitsbedingten Rücktritt von Georg Christoph Biller schon als Interimskantor tätig.17. Thomaskantor nach Bach.

Eine Überraschung ist der Beschluss des Stadtrates nicht. Denn Schwarz war der Vorschlag der Findungskommission, die sich unter anderem aus Vertretern der Stadt, des Fachausschusses Kultur, des Thomanerchores, der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen und des Bach-Archivs zusammensetzt. Das monatelange Auswahlverfahren wurde damit vor knapp zwei Wochen beendet; alle renommierten Bewerber wurden abgelehnt. Bis zu diesem Zeitpunkt war Schwarz für das Amt nicht im Gespräch gewesen.

Insgesamt gab es 42 Bewerber für das Amt des Thomaskantors; vier wurden zu Probedirigaten und Auftritten eingeladen. Im Finale standen schließlich Clemens Flämig und Markus Teutschbein. Nun tritt Gotthold Schwarz das Amt des 17. Thomaskantors nach Johann Sebastian Bach (1685-1750) an, der das Thomaskantorat 27 Jahre innehatte.

Thomaskantor mit Solistenerfahrung

Gotthold Schwarz wurde 1952 in Zwickau geboren und sang als Kind selbst für kurze Zeit im Thomanerchor. Seine musikalische Ausbildung erhielt er in Dresden und Leipzig, wo er Kirchenmusik, Gesang und Dirigieren studierte. Ab 1979 war Schwarz als Stimmbildner bei den Thomanern tätig. Außerdem sammelte er zahlreiche Erfahrungen als Chor- und Orchesterleiter und Solist. Als Oratorien- und Liedsänger machte er sich international einen Namen. Mehrfach vertrat er in den 1990er-Jahren den künstlerischen Leiter des Thomanerchores zu Leipzig und übernahm im Februar 2015 nach dem Rücktritt von Georg Christoph Biller die Proben und Konzerte des Chores.

(Textquelle: mdr)

Zum Abschied des Thomaskantors Georg Christoph Biller – Leipziger Kirchenmusiken des 18. und 21. Jahrhunderts
MDR FIGARO im Konzert 19.06.2015
Bachfest Leipzig 2015

Johann Sebastian Bach:
– „Wer mich liebet, der wird mein Wort halten“, BWV 74
– „Herr Jesu Christ, wahr` Mensch und Gott“, BWV 127
– „Gelobet sei der Herr, mein Gott“, BWV 129

Stephan König: „Haddock“, Chorkantate op. 205 (UA)

»Haddock« wird musiziert von der Leipziger Cantorey und der Staatskapelle Weimar unter der Leitung von Alt-Thomaskantor Georg Christoph Biller.

Cornelia Samuelis (Sopran), Susanne Langner (Alt), Tobias Hunger (Tenor), Matthias Vieweg (Bass), Leipziger Cantorey, Leitung: Alt-Thomaskantor Georg Christoph Biller, Thomanerchor Leipzig, Staatskapelle Weimar, Stefan Altner (Continuo-Cembalo), Cornelia Osterwald (Continuo-Orgel), Leitung: Gotthold Schwarz

Aufnahme vom 17.06.2015, Thomaskirche, Leipzig

Ich finde es großartig, dass der Entschluss endlich verwirklicht wurde, dass ein verdienstvoller Chorleiter und Pädagoge zum 17. Thomaskantor offiziell ernannt worden ist. Von dieser Seite meinen „Herzlichen Glückwunsch“ und weiterhin ein gedeihliches Wirken mit dem Thomanerchor.

Herzliche Grüße

Volker

Thomaskantornachfolge – Zwei Kandidaten in der engeren Auswahl, das Findungsverfahren bleibt weiterhin ergebnisoffen

Thomaskantornachfolge – Zwei Kandidaten in der engeren Auswahl

Datum: 19.04.2016, Bürgerservice und Verwaltung, Kunst und Kultur, Musik

Die beiden Kandidaten Clemens Flämig und Markus Teutschbein haben dem weiteren Verfahren zugestimmt. Das Findungsverfahren bleibt weiterhin ergebnisoffen und ist noch nicht beendet.

v.l.: Clemens Flämig und Markus Teutschbein sind für die Thomaskantornachfolge in der engeren Auswahl

 

Vier Kandidaten für das Amt des Thomaskantors haben in den vergangenen Monaten in Proben und Aufführungen ihr Können unter Beweis gestellt. Alle vier Kandidaten haben als starke musikalische Persönlichkeiten ein sehr hohes Leistungsniveau mit bemerkenswert unterschiedlichen musikalischen, klanglichen Ergebnissen vorstellen können, so dass die Auswahl nicht leicht fiel.

Zum weiteren Verfahren

Im Ergebnis der intensiven Diskussionen um die Nachbesetzung einer der wichtigsten musikalischen Positionen in Leipzig und der Musikwelt folgte die Findungskommission einvernehmlich folgendem Vorschlag der Auswahlkommission zum weiteren Verfahren:

  • Zwei der in die engere Wahl gekommenen Kandidaten werden gebeten, sich in den kommenden Wochen der großen Findungskommission unter der Leitung von Oberbürgermeister Burkhard Jung in einem Gespräch vorzustellen und darüber hinaus in einer nichtöffentlichen Probe die jeweils selben Werke von Johann Sebastian Bach im Beisein der Mitglieder der Findungskommission einzustudieren.
  • Die beiden eingeladenen Kandidaten sind: Clemens Flämig und Markus Teutschbein. Beide haben dem weiteren Verfahren zugestimmt. Das Findungsverfahren bleibt weiterhin ergebnisoffen und ist noch nicht beendet.

Zum bisherigen Verfahren

Am gestrigen Montag, 18. April 2016, war die Findungskommission zur Nachfolge im Thomaskantorenamt unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Burkhard Jung zu einer Sitzung zusammen gekommen, nachdem am Sonntag, 17. April 2016, die letzte Probewoche der vier Kandidaten ein erfolgreiches Ende gefunden hatte.

Die Auswahlkommission unter der Leitung von Professor Jörg-Peter Weigle beschrieb der Findungskommission die Erfahrungen und Ergebnisse der Kandidatenwochen. Die intensive, musikalisch anspruchsvolle Probenarbeit mit dem Thomanerchor, dem Gewandhausorchester, Solisten und dem Thomasorganisten, wie auch die Erfahrungen aus den zahlreichen Gesprächen mit den Kandidaten und vor allem die Aufführungen in der Thomaskirche wurden detailliert und umfassend erläutert.

In die daran anschließende Empfehlung der Auswahlkommission sind die transparent vorgetragenen Voten der am Findungsverfahren Beteiligten eingeflossen, wie die der Mitglieder des Thomanerchores, der Musikerinnen und Musiker des Gewandhausorchesters, des Kirchenvorstandes der Thomaskirche, der Eltern der Thomaner, der pädagogisch, musikalisch und in der Verwaltung wirkenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Thomanerchores.

Hintergrund

Die vier Kandidaten, die zu einer Probewoche nach Leipzig eingeladen waren, sind Markus Teutschbein aus Basel, Clemens Flämig aus Halle/Saale, KMD Prof. Dr. h.c. Markus Johannes Langer aus Rostock und Matthias Jung aus Dresden.

Zusammensetzung der Findungskommission

  • Oberbürgermeister Burkhard Jung, Stadt Leipzig
  • Kulturbürgermeister Michael Faber, Stadt Leipzig / Dezernat Kultur
  • Annette Körner, Vorsitzende des Fachausschusses Kultur
  • Andrea Niermann, Fachausschuss Kultur
  • Dr. Skadi Jennicke, Fachausschuss Kultur
  • Dr. Stefan Altner, Geschäftsführer des Thomanerchores Leipzig
  • Britta Taddiken, Pfarrerin an der Thomaskirche zu Leipzig
  • Prof. Andreas Schulz, Direktor des Gewandhauses zu Leipzig
  • Tobias Haupt, Gewandhaus zu Leipzig, Vorsitzender des Orchestervorstandes
  • Prof. Dr. Peter Wollny, Direktor des Bach-Archives Leipzig
  • Markus Leidenberger, Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen, Landeskirchenmusikdirektor
  • Kathleen-Christina Kormann, Schulleiterin der Thomasschule zu Leipzig (Gymnasium)
  • Prof. Jörg-Peter Weigle, Professor für Dirigieren/Chorleitung in Berlin, Fachexperte

Auswahlkommission

  • Prof. Jörg-Peter Weigle, Professor für Dirigieren/Chorleitung in Berlin, Fachexperte
  • Tobias Haupt, Gewandhaus zu Leipzig, Vorsitzender des Orchestervorstandes
  • Britta Taddiken, Pfarrerin an der Thomaskirche zu Leipzig
  • Dr. Stefan Altner, Geschäftsführer des Thomanerchores Leipzig

(Textquelle Stadt Leipzig)

Glaubenssachen – Vita Christi: J. S. Bach – Der fünfte Evangelist

Liebe Bachfreunde(innen)

Frieder Bernius mit der Stuttgarter Hofkapelle in der Nikolaikirche zum Bachfest 2013 Leipzig

              Frieder Bernius mit der Stuttgarter Hofkapelle in der Nikolaikirche zum Bachfest 2013 Leipzig

Eine wunderbares Video über Johann Sebastian Bach wurde im Internet veröffentlicht !

Veröffentlicht am 18.07.2015

Glaubenssachen – Vita Christi: Bach – Der fünfte Evangelist

Das Motto des Bachfestes in Leipzig 2013 ist „Vita Christi“. Diesmal findet also Weihnachten und Ostern gleichzeitig und im Sommer statt. Die Lebensgeschichte Christi ist normalerweise über das ganze Kirchenjahr verteilt. Hier werden in 10 Tagen die Geburt Christi, sein Leben und Leiden bis hin zu Auferstehung und Himmelfahrt musikalisch aufgeführt. Es ist der Nachhall eines der anerkannt größten Musikers aller Zeiten. In Leipzig hat Johann Sebastian Bach die wichtigsten Werke der Sakralmusik komponiert. Außerdem hat er den Thomanerchor geleitet, der letztes Jahr 800-jähriges Bestehen feierte. Mit der Musik Bachs ist auch der Chor zu Weltruhm gelangt. In Leipzig präsentieren die besten Interpreten der Welt die Werke des Ausnahmemusikers. Im Film ist ein Querschnitt davon zu sehen und zu hören. Musik, die religiöse und nicht religiöse Menschen gleichermaßen berührt.

Ich wünsche allen viel Freude mit dem großartigen Video.

Herzliche Grüße

Volker

Arbeiter im Weinberg von St.Thomas kommen und gehen – so der 16. Thomas-Kantor G.Chr. Biller nach Johann Sebastian Bach. Bach’s Musik aber bleibt.

Georg Christoph Biller, der 16. Kantor des Thomanerchores nach Johann Sebabestian Bach, mit der Festschrift zum 800-jährigen Bestehen des Thomanerchores. - FOTO: PETER ENDIG DPA/LSN

Georg Christoph Biller, der 16. Kantor des Thomanerchores nach Johann Sebabestian Bach, mit der Festschrift zum 800-jährigen Bestehen des Thomanerchores. – FOTO: PETER ENDIG DPA/LSN

Zunächst: Meine zwei persönlichen Bilder

Erstes Bild:

Als ich vor Jahren einmal mit einer Jugendgruppe in der Jugendherberge Eisenach übernachtete, schallte spätabends aus dem Speisezahl ein bezaubender Klang von jungen Stimmen in mein Zimmer im 2. Stock. Ich fuhr aus dem Schlaf hoch und war wie elektrisiert. Das waren doch Knabenstimmen, die einen Choral von Bach sangen. Noch im Schlafanzug stürzte ich ins Foyer herunter und bekam gerade noch mit, wie ein Knabenchor unter der Leitung eines stattlichen, schwarzgelockten Mannes den Jugendherbergseltern ein Ständchen brachte. Das war schon ein besonderes Dankeschön und ich merkte gleich: die Thomaner unter Thomaskantor Georg Christoph Biller kamen zurück von einem Konzert in Bach’s Taufkirche. Sie bedankten sich vor dem Schlafen-Gehen mit einer unvergleichlichen Geste bei den Gastgebern der Jugend-Herberge.

Zweites Bild:

In der Leipziger Thomas-Kirchengemeinde gab es 2013-2015 fast vollständig personelle Veränderungen. Zum ersten Mal in der über 800 jährigen Geschichte wurde mit Britta Taddiken eine Frau Pfarrerin St.Thomas. Nachfolgerin des langjährigen und profilierten Thomas-Pfarrers Christian Wolff . Mit Pfarrer Martin Hundertmark wurde später die weitere Pfarrstelle besetzt.

Und -, was sich schon seit langem anbahnte. Nach 22 Jahren musste nun auch ab 1.2.2015 Thomaskantor Biller sein Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Sein schwerer Abschied wurde vom Leipziger Oberbürgermeister Dr. Jung bekanntgegeben. Wie zu Bachs Zeiten ist ja der Dienstvorgesetzte des Thomaskantor der Leipziger Magistrat. Der offizielle Abschiedstermin für Thomaskantor Biller wurde mit dem 31.1.2015 vereinbart.

Diese beiden Eindrücke-, persönliches Erleben des Thomas-Kantors, sowie die personellen Entwicklungen in der Kirchengemeinde St.Thomas, sollen meine Würdigung der Arbeit des Thomaskantors Georg Christoph Biller bestimmen. Ich will nicht wiederholen, was schon mehrfach in Dankes-Worten gesagt wurde. All‘ das können wir in Zeitungen und Internet nachlesen.

I. Menschen, die das Bach Erbe gestalten kommen und gehen. Dabei führt Bach’s Musik oft zu starken Verbindungen von jung und alt. In der Bach-Pflege lag schon immer eine auch pädagogische Aufgabe. So waren dem Thomaskantor über 150 junge Menschen anvertraut. Jungens, die keine Musik-Maschinen sind, sondern ihr Heranwachsen und ihre auszubildenden Stimmen in den Dienst von Johann Sebastian Bach stellen. Jungens, die als Chorensemble berühmt werden und in vielen Reisen Botschafter für Bach sind. Gerade in einer Kulturwelt, in der oft Spitzenensembles und Künstler richtiggehend herangezüchtet und auf die ‚Promotion‘ =  Verkaufsförderung von Labels angewiesen sind, ging dieser Thomaskantor mit seinem Klangkörper behutsam um.

Denn seine jugendlichen Stimmen verändern sich mit jedem Jahr und die Jungens sollen später nicht mit ‚Starallüren‘ ins Leben geschickt werden.Von dem hohen Anspruch, der mit Bach’s Namen nun mal verbunden ist, werden die Jungens für ihr Leben geprägt. Zusammen mit ihrem Thomaskantor sollen sie aber ’normale‘ Menschen bleiben. Sie verrichten in ihrer Kirchengemeinde St.Thomas einen seit Jahrhunderten üblichen Dienst und sollen ihre Unbekümmertheit behalten. Im Bach-Film ‚Die Thomaner‘ können wir in dieses alltägliche Leben Einblick nehmen.

91BBkexnblL._SL1500_

 

Vielleicht passt es zu dieser vom Thomaskantor Biller geförderten ‚Einfachheit‘, dass die Thomaner damals in Eisenach mit ihrem Leiter in der einfachen Jugendherberge und nicht im First-class-Hotel untergebracht waren. Sie bedankten sich mit dem Besten , was sie besitzen: einem Bach-Choral.

II. Menschen, die das Bach-Erbe verwalten und pflegen kommen und gehen. In Bach’s Musik und seinen vertonten Texten wird ein zeitloses Ethos verkündet. So viele Themen, die Menschen bewegen und verändern können, werden angesprochen. Viele sagen, dass Bach ’s Musik Zeit und Raum sprengt. Bach wäre, obwohl zu Lebzeiten oft verkannt, noch heute als Musiker unübertroffen. Seine Musik bringt uns in neuen Formen Gott, biblische Gestalten und Themen nahe. Sie will uns mit den musikalischen Formen von Forte und Piano, Crescendo und Decrescendo, Dur und Moll, Präludium und Fuge und vielem mehr helfen, unsere menschlichen Fragen anzugehen.

Immer wieder werden Bach-Interpretationen und Formen der Darstellung für das Bach-Werk gefunden. Bach verjazzt, Bach als Tanz-Theater, Bach-Melodien als Apotheke, die seelische Verwicklungen heilen. Bach als Bach-Radweg, Bach-Museen, Bach-Menü und vieles mehr. Es ist einfach wunderbar, wenn sich Menschen mit ihren Gaben und Ideen in den Dienst der Bach-Pflege stellen. Jede Zeit braucht dazu als Mitte des Ganzen ihren ‚richtigen‘ Thomaskantor. ‚Kraft Amtes‘ steht er im Focus der weltweiten Bach-Pflege. Dabei ist der Thomaskantor m.A. mehr als nur der Hüter und Bewahrer des Bach-Erbes. Mit den jährlichen Bach-Festen und den weiteren Leipziger Thomas-Konzerten hat er die Aufgabe, alle bedeutenden Interpreten einzuladen, die zu eindrucksvollen Bach-Aufführungen beitragen können.

So haben wir in Leipzig namhafte Bach-Dirigenten und -Künstler gehört. Das Bach-Bild wurde andauernd verändert und reichhaltiger. In den vielen Bach-Predigten haben sich die Thomas-Pfarrer bemüht, die Glaubensaussagen von Bach’s Melodien herauszustellen. Künstler haben rund um die Thomas-Kirche Bach-Kunstwerke geschaffen. Doch die Menschen und der Thomas-Kantor, die dieses Bach-Erbe so erneuern, kommen und gehen. Bach’s Kantaten und Passionen, seine Instrumentalmusik und seine Präludien, Fugen und Choräle bleiben. Wie die Sänger und Instrumentalisten, ob alt oder jung, die immer wieder ausgebildet werden und bei Bach hängenbleiben.

Thomaskantor Biller hat in 22 Amtsjahren alle diese Einflüsse und Möglichkeiten als ‚Hausherr des Bacherbes‘ genutzt. Viele ehemalige Thomaner sind ihm dankbar, dass er ihnen dieses unvergleichliche Erbe nahegebracht hat. Die jetzt praktizierenden Thomaner werden seine väterliche Fürsorge vermissen. Doch wir können sicher sein, dass das zuständige Wahlgremium aus Kirche und Stadt einen guten und würdigen Nachfolger in das Amt des Thomas-Kantors berufen wird.

Adamo

—————————————————————————————–

P. S.

Gotthold Schwarz wird das Interim im Thomaskantorat bis zum 31. März 2016 übernehmen.

Gotthold Schwarz - Interim-Thomaskantor (Foto: Gert Mothes)

                              Gotthold Schwarz – Interim-Thomaskantor (Foto: Gert Mothes)

Einen entsprechenden Vertrag hat die Stadt Leipzig jetzt mit dem erfahrenen Dirigenten abgeschlossen. Alle Konzertreisen und Auftritte des Thomanerchors können nun wie geplant stattfinden.

——————————————————————————————————————————-