Archiv der Kategorie: Kulturhauptstadt Essen 2010-Geschichtliches

RUHR2010 Teil XXXII: Good bye!


Am 18.12.2010 war dann offiziell SCHLUSS.

Aufgrund des Wetters haben wir uns für die kürzere Anfahrt auf Zollverein entschieden. Die frostigen Temperaturen und der terminüberfrachtete Dezember liessen die Besucherströme denn auch eher mäßig ausfallen.

Highlight des Abends war eine 360° Video-Projektion des türkischen Künstlerduos Griduo, die den Sanaa Kubus in Bewegung gesetzt haben.

Griduo Video Performance

Hier ein Link, wo man beim WDR einen Fotodurchmarsch durch die Ereignisse machen kann: Link: http://www.wdr.de/themen/panorama/extra/jahresrueckblick_2010/chronik/content_bf.php?month=12&topic=8&year=10

Es hat viel zu Entdecken gegeben, jede Menge Neues, Schönes, Erstaunenswertes. Obwohl ich wirklich viel gesehen habe und an vielem teilgenommen habe, ist trotzdem auch jede Menge an mir vorbeigegangen. Einiges können wir uns für 2011 vornehmen, vieles ist unwiderbringlich vorbei. Vielleicht haben Euch ja einige Orte inspiriert, sie bei einer Reise ins Ruhrgebiet mit einzubeziehen.

Die letzte Ausgabe von Ruhr2010 TV mit Impressionen der Abschlussveranstaltung:Link:  http://essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de/ruhr2010-tv.html

Ich wünsche Euch ein gesundes Jahr 2011 mit winterlichen Impressionen aus der „Elfringhauser Schweiz“ bei Hattingen.

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RUHR2010 Teil XXXI: Collection Tours-RuhrKunstMuseen


Link: http://ruhrkunstmuseen.ruhr2010

FERNSEHTIPP: Diese Tour wurde vom WDR begleitet und die Sendung „WESTART“ mit einer Zusammenfassung zum Kulturhauptstadtjahr wird am 14. Dezember 2010 um 22.30 Uhr im WDR mit einem 5 minütigen Bericht ausgestrahlt!

Gestern haben wir im Rahmen der Collection Tours „Nachtfahrt zur Lichtkunst“ drei RuhrKunstMuseen besucht: „Situation Kunst“ in BO Weitmar, „Zentrum für internationale Lichtkunst“ in Unna und der „Glaskasten“ in Marl. Das Vermittlungsprojekt Collection Tours bietet den Bewohnern und Gästen des Ruhrgebiets die Möglichkeit einer intensiven Auseinandersetzung mit den Sammlungen und Sonderausstellungen der 20 RuhrKunstMuseen. Wir haben uns speziell für diese Tour entschieden, weil 2 Museen auf dem Programm stehen, die wir selbst noch nie besucht hatten und etwas am Rande des Ruhrgebiets liegen.

www.situation-kunst.de

„Situation Kunst“, Hier beginnt die Tour, die Begleiterin regt zu einem Dialog mit der Kunst an und es entsteht ein reger Diskurs und Gedankenaustausch zwischen den Teilnehmern, auf den ersten Blick scheint die moderne Kunst schwer zugänglich, ist aber in ihrer Intention bodenständig und läßt Raum für Gedanken. Speziell bei der Rauminstallation von Rabinowitsch erzeugt das Zusammenspiel von Licht und Raum spirituelle Emotionen.

Tyndale-Sculpture (for Bud Powell and Coleman Hawkins), 1986/87/88

Weiter gehts zum Knaller des heutigen Tages: Zentrum für internationale Lichtkunst in Unna. In den Kühlkellern der ehemaligen Lindenbrauerei hat dieses außergewöhnliche Museum unter der Erde eine würdige Heimat gefunden. Faszinierend die Installationen zu denen sich auch mit Hilfe unserer Kunstbegleiterin einfach der Zugang findet. Höhepunkte sind Keith Sonnier mit „Tunnel of Tears“ und Mischa Kuball mit „Speed/Space/Speech“. Das Museum ist nur mit einer Führung zugänglich, die auch wichtig und interessant ist. Wirklich sehenswert!!!  Übrigens: Kein Foto kann die tollen Impressionen in Unna wiedergeben!!!

Mischa Kuball, Speed / Space / Speech, 1998/99  Foto: D. Leve

http://ruhrkunstmuseen.ruhr2010.de/sammlung/skulpturenmuseum-glaskasten-marl.html

Mittlerweile ist es stockfinster und es geht weiter zum Glaskasten nach Marl. Interessant, dass wir auch viel über die Besonderheiten einiger Städte erfahren. Marl ist ähnlich wie Wolfsburg eine Retortenstadt und im Nationalsozialismus entstanden. Es erinnert an die Plattenbautensiedlungen, die wir aus der DDR Zeit kennen. Mit dem Niedergang der Chemieindustrie wurde dann auch der Ausbau zur Großstadt gestoppt. An der Route der Industriekultur findet sich heute der „Chemiepark“. Im Glaskasten sind zwar nicht die bahnbrechenden Objekte zur Lichtkunst ausgestellt, aber beherbergt es doch interessante moderne Kunst, die ziemlich freakig ist.

Collection Tours Bus / Foto: Frank Vinken

Die Touren, die den Besuch mit Führung durch 3 RuhrKunstMuseen beinhalten, kostet incl. Lunchpaket 25,- Euro p.Person und dauert ca. 6 Stunden. Einige Termine sind noch realisierbar. Eine lohnende Fahrt mit super Besichtigungen, neuen Einblicken und netten Begegnungen.

Grüße, ClaudiavF

http://ruhrkunstmuseen.ruhr2010.de/collection-tours.html

RUHR2010 Teil XXX: Volkers Klassikseiten im Ruhrpott!


Auf diesen Tag hatte ich mich schon so lange gefreut: Rita und Volker, Ulrike und Werner, Iris und Karl-Heinz, Italo-Wolle und ich haben vorgestern, 21.11.2010 bei bestem Wetter das Ruhrgebiet unsicher gemacht!

Edouard Manet "Die Eisenbahn"

Getroffen haben wir uns am Museum Folkwang, wo seit Oktober 2010 die Ausstellung „die Impressionisten in Paris“ stattfindet. Mit einer öffentlichen Führung haben wir uns in die große Expansionsperiode der französischen Metropole Ende des 19. Jahrhunderts begeben. Von Van Gogh, Gauguin, Renoir, Manet, Caillebotte und Monet sind alle vertreten. Die Ausstellung war thematisch in sich sehr geschlossen und wurde neben den Malereien mit Fotographien aus der Zeit von Napoléon III. und seinem Architekten Haussmann abgerundet. Die Ausstellung ist noch bis zum 30.01.2011 in Essen zu sehen. www.museum-folkwang.de

St. Ludgerus Essen-Werden (Foto: WernerK)

Weiter gehts nach Essen Werden, zur Basilika St. Ludgerus. 799 von Luitger als Benediktinerabtei gegründet war sie ein Christianisierungsstützpunkt unter Karl dem Großen. Nach der Zerstörung der Kirche durch einen Brand wurde der neue Bau 1275 im Übergangsstil von der Romanik zur Gotik geweiht. Architektonischer Höhepunkt ist der achteckige Vierungsturm dessen Kuppelgewölbe zu den Höhepunkten der rheinischen Baukunst gehört. In der Confessio, der Ringkrypta und ältestem Teil der Kirche befindet sich das Ludgerusgrab. Der bronzene Sarkopharg stammt aus dem Jahre 1984. www.st.ludgerus-werden.de

Hochofen Henrichshütte (Foto: VolkerH)

Mittagessen auf der Henrichshütte in Hattingen in der Gastronomie „Henrich´s“, ein modern eingerichtetes Restaurant in der architektonischen Synthese mit der Industriekultur. Der Kampf der Henrichshütte endete 1987, als der Hochofen gegen großen Widerstand ausblasen wurde. 150 Jahre spuckte er das flüssige Eisen aus und in Hochzeiten arbeiteten bis zu 10.000 Menschen auf der Henrichshütte. Unter teilweise schwierigen Bedingungen verdienten die Menschen dort ihren Lebensunterhalt. Die archaische, riesige Brache der Schwerindustrie macht erlebbar, „wodurch unser Wohlstand erschaffen wurde“ (Kalla). http://www.lwl.org/LWL/Kultur/wim/portal/S/hattingen/ort/

spätnachmittägliche Impressionen auf der Henrichshütte (Foto: WernerK)

Unser letzter Programmpunkt und gleichzeitiger Höhepunkt ist die Dorfkirche Stiepel in BO. 900 erstmals urkundlich im Güterverzeichnis des Klosters Werden als Villa Stipula erwähnt, wird 1008 mit Zustimmung des Kölner Erzbischofs Heribert die Erlaubnis für den Bau einer Hofkirche erteilt. Mit ihren fast 800 Jahren alten Malereien aus der Frühzeit der Kirche ist sie ein Kulturdenkmal von überregionaler Bedeutung (ich berichtete bereits auf Volkers Klassikseiten). Um 18.00 Uhr findet heute dort die Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ BWV 140 im Rahmen der „Momente der Ewigkeit“ (Ruhrpott-Kantate) statt. Vorher konnte noch Kaffee und Kuchen auf dem Adventsbasar eingenommen werden. www.evkirchebochum.de/stiepel

Dorfkirche Bo-Stiepel (Foto: VolkerH)

Sopran: Ulrike Hellermann, Alt: Katharina Wagner, Tenor: Stefan Kuhlich, Bass: Peter Lutz

Barockorchester Caterva musica, Leitung und Orgel: Kantor Michael Goede, Liturgie und Ansprache: Pfarrer Jürgen Stasing

„Wachet auf ruft uns die Stimme“ wurde am 25.11.1731 in Leipzig uraufgeführt. Zugrunde liegt Philipp Nicolais Gedicht, mit der populären Melodie gregorianischen Ursprungs. Sie handelt von dem Gleichnis der 10 Jungfrauen, die sich auf die Ankunft des Bräutigams vorbereiten. In ihrer ganzen Stimmung lassen Bach, Nicolai und ein anonymer Textdichter nun die grimmigen Texte und Sündenvorwürfe der Trinitatiszeit hinter sich und orientieren sich in ihrem festlichen Charakter eindeutig in Richtung der Adventszeit.

Nervosität kommt auf, wo ist der Chor? Herr Goede hat sich tatsächlich für eine solistische Besetzung entschieden, was zum intimen Rahmen des Konzerts aber gut passt. Akustisch ist dies jedoch nicht so glücklich gewählt gewesen: Sopran und Alt haben partiell sehr tiefe Partien, so dass sie nur wahrgenommen werden, wenn es in die höheren Bereiche geht. Tenor und Bass haben es etwas leichter, sie haben auch die interessanteren Parts, verkörpern sie doch die ungeduldigen Seelen, die auf den Bräutigam warten. Höhepunkt der Aufführung ist das etwas erotisch angehauchte Duett zwischen Bass und Sopran „Mein Freund ist mein-und ich bin Dein“, unterstrichen von den vielsagenden Blicken der Ausführenden.

Wenn auch Geige und Bratsche nicht richtig stimmten, die Oboe manchmal nicht flüssig durchlief und die solistische Besetzung nicht durchweg meine Zustimmung fand, war es dennoch eine stimmungsvolle, auf den Advent einstimmende Kantate, die durch die phantastische Atmosphäre eine würdige Abrundung fand. Wie Kalla meinte: „In so einer Kirche brauchst Du nicht zu predigen“

Schlussapplaus

Es war ein wunderschöner, erlebnisreicher Tag mit Euch! Danke auch für die super-Fotos! Gruß, Claudia

RUHR2010 Teil XXIX: Night Prayer 21.09.10-Merkez Moschee DU-Marxloh


Merkez Moschee

Nach Streitgesprächen über Deutschlands derzeit meistdiskutiertestes Buch, haben meine Bekannte Ulrike und ich nach heftigen Diskussionen entschieden, uns mit den Menschen zu beschäftigen, die sich hinter den Zahlen und Statistiken verbergen. Mein Vorschlag zum Night Prayer in die Duisburger Moschee mit abschliessendem Konzert zu fahren, wurde von ihr begeistert angenommen. Gleichzeitig fand an 9 weiteren Orten anderer Glaubensrichtungen eine ähnliche Veranstaltung statt, z.B. im Hindu-Tempel in Hamm-Uentrop, der Serbisch-Ortodoxen Gemeinde in Dortmund, der Alevitischen Gemeinde in Bergkamen oder auch im Essener Dom. Um 20.00 Uhr fand dann in jeder Location ein typisches Konzert statt.

LINK: http://www.essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de/no_cache/presse-medien/pressemitteilungen/detailseite/article/night-prayer-faszinierende-spirituelle-konzerte-der-weltreligion.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=631

Kuppel I

19.00 Uhr Führung mit Koranlesung: Pünktlich zur Führung treffen wir ein. Wir sind beeindruckt, die Kuppeln, reich verziert mit Kalligraphien und Bildschmuck im osmanischen Stil sind eine Augenweide, dazu der weiche Teppich, der noch neu riecht, lädt zum Verweilen ein. Der Iman intoniert einen Vers und gerät wortwörtlich ins Schwitzen. Das Gebäude wurde 2008 fertiggestellt und ist mit rund 1800 Plätzen eine der größten Moscheen Deutschlands. Die Gemeinde ist ausserdem sehr aktiv, Führungen werden angeboten, verschiedene Bildungsprogramme mit Sprachkursen uvm. rundet das Angebot ab.

20.00 Uhr Konzert: Im Schulungsraum der Gemeinde findet das Konzert mit den Stars der türkischen Klassik statt. WDR 3 überträgt das Konzert. Die Moderation hat die WDR Mitarbeiterin Asli Sevendim, selbst aus DU-Marxloh.
Es spielt das Istanbuler Ensemble „Mizrabin Nefesi“ was so mit der mystischen Übersetzung von „atmendes Plektron“ zu übersetzen ist, in nachfolgender Besetzung:

Kuppel

Langhalslaute „Tanbur: Birol Yayla, Murat Aydemir, Özata Ayan

Längsflöte „Ney“: Aziz Senol Filiz, Salih Bilgin, Bülent Özbek

Rahmentrommeln: Fahrettin und Ferruh Yarkin und Gesang: Mehmet Kemiksiz

Mizrabin Nefesi

Die Komponisten entstammen von ca. 1700-zeitgenössisch, wobei sich einige Musiker des Ensembles auch als Komponisten betätigt haben. Viele Stücke erinnern mich an das Konzert vom Freitag, aber es ist weniger meditativ, sondern im prallen Leben angesiedelt. Neben uns sitzt ein Typ, der wie in Trance zum Rhythmus mit dem Kopf wackelt. Dadurch, dass wir so nah dran sitzen, erleben wir alles natürlich auch sehr intensiv. Zudem ist es rhythmisch sehr ansteckend. So super hatten wir es nicht erwartet.

Die einzigen zwei Kritikpunkte, die ich anzubringen habe ist, dass es keine Pause gab, wo eventuell ein Austausch mit Gemeindemitgliedern oder Musikern hätte stattfinden können. Als zweites, nicht alle Veranstaltungen auf einen Zeitpunkt zu legen, mich hätte auch der Hindu Tempel oder die Synagoge interessiert.  Auf jeden Fall waren wir uns einig, dass der Besuch heute eine gute Idee war und so hat uns Herr Sarrazin indirekt einen interessanten Abend beschert.

RUHR2010 Teil XXVII: Kloster Saarn in Mülheim und die „Krötenpfütze“


Heute sind wir in Kloster Saarn in Mülheim a.d. Ruhr:  Um das Jahr 1214 wurde Saarn als Zisterzienserkloster für ein Frauenkonvent gegründet und dem Kloster Kamp in Kamp-Lintfort angegliedert. Aus der gotischen Bauphase ist noch der ursprüngliche Kirchenbau, sowie ein gotisches Grabkreuz erhalten.

Innenhof des Kreuzgangs

Im 18. Jahrhundert wurde Saarn um einige Wirtschaftgebäude erweitert und die Kirche barock umgestaltet.

Säkularisiert wurde das Kloster 1808. Der im selben Jahr von den Franzosen für Mülheim eingesetzte Bürgermeister hat in einem Brief an seinen Vorgesetzten die Auflösung der alten Institution bedauert mit dem Hinweis auf die vorbildliche Sittlichkeit und Wohltätigkeit, die vom Kloster ausgingen. Von 1214 bis 1808 haben nachweislich 36 Äbtissinnen den Konvent geführt, die erste war Wolberna, die letzte Agathe von Heinsberg. Letztere hat ihr Grab unter einem Steinkreuz an der Südseite der Kirche, wo sich einst der Friedhof befand.

Kloster Saarn - Eingang zum Museum / Café

Seit 1960 ist der Orden des hl. Franz von Sales hier beheimatet, so dass auch wieder aktives Klosterleben stattfindet. Besonders hervorzuheben ist das Klostermuseum, das im historischen Keller Einblicke in den Alltag des Klosterlebens informiert, sowie die aktuelle Sonderausstellung „Mit Brief und Siegel“ Urkunden des Klosters im Mariensaal Saarn. Klein, aber fein! Allerdings ist es nur am Wochenende geöffnet.

Link: http://www.museum-kloster-saarn.de/index.phtml

alter Klosterbrunnen im Museum

Dazu bietet das Kloster ein reichhaltiges musikalisches Angebot, wir konnten bei der Probe von Psalm 42 von Mendelssohn für das morgige Orchesterkonzert zuhören.

Link: http://www.musik-im-kloster-saarn.de/start.html

Dem Umstand, dass die Gebäude nach der Säkularisation als Gewehrfabrik (preußische Besatzung), als Bauernhof, Wohnung und als Tapetenfabrik genutzt wurden, ist es zu verdanken, dass Saarn einer der wenigen komplett erhaltenen Klosterkomplexe nördlich des Mains ist.

Chor und Apsis der Klosterkirche

An der Straße von E-Kettwig nach Mülheim-Saarn entlang der Ruhr ist uns das Schloss Hugenpoet (sprich: Hugenpoht) einen Besuch wert, das soviel wie „Krötenpfütze“ bedeutet, was auf sumpfige Ruhrauen in vorindustrieller Zeit schliessen läßt. Als Königsgut Karls des Großen (!) findet es 778 erstmals urkundliche Erwähnung. Während des 30-jährigen Krieges wurde die Burg von hessischen Truppen zerstört.

Schloss Hugenpoet I

Johann Wilhelm von Nesselrode zu Hugenpoet ließ gemeinsam mit seiner Frau Anna von Winkelhausen sämtliche Ruinen im Jahre 1647 abreißen und an deren Stelle Schloss Hugenpoet im Wesentlichen in seiner heutigen Form neu aufbauen.

Dessen Nachkommen hatten nicht die finanziellen Mittel, die Anlage zu halten, und so wurde das mittlerweile verfallene Schlossgut im Jahr 1831 vom Freiherrn Leopold von Fürstenberg ersteigert, dessen Nachfahren noch heute im Besitz des Schlosses sind.

Schloss Hugenpoet II - Innenhof

Heute befindet sich in dem historischen Gemäuer ein 5-Sterne Hotel sowie ein Restaurant mit einem Michelin-Stern. Liebe Grüße, Claudia

RUHR2010 Teil XXVI: Kulturlinie 107


Kulturlinie 107 Foto: Evag Essen

http://www.kulturlinie107.de/

Am 28.08.10 haben wir eine Tour mit der EVAG (Essener Verkehrsbetriebe) gebucht. 2 ehemalige Busfahrer führen uns zu ausgewählten Stationen in Essen, die entlang der Kulturlinie 107 liegen. Start ist am Rüttenscheider Stern im Chi-Chi-Viertel Rüttenscheid. Dort regnet es dann auch zum letzten Mal.

Grillo Theater

Von dort fahren wir in die Innenstadt, wo wir im Bankenviertel viel neues zu teilweise denkmalgeschützten Häusern aus den 20er Jahren erfahren. Auf der Kettwiger Straße, die Einkaufsmeile von Essen sind dann gleich mehrere Highlights: Das Grillo Theather, die Lichtburg und das Domensemble. http://www.theater-essen.de/asp/gesamt.asp

Lichtburg / Kino

Die legendäre Lichtburg – im Herzen der Stadt Essen gelegen – war und ist mit 1250 Sitzplätzen Deutschlands größter Filmpalast. Bereits zur Eröffnung 1928 galt das Kino als das modernste Filmtheater in Deutschland. 1943 brannte der viel gerühmte Zuschauerraum völlig aus. Der Wiederaufbau im Stil der 50er Jahre machte die Lichtburg zu einem der elegantesten Filmtheater des Landes.

Die Lichtburg ist mehr als ein Filmpalast: Über Jahrzehnte fanden hunderte Premieren, Filmgalas, nationale und weltweite Uraufführungen statt. Nationale und internationale Stars gaben sich die Klinke in die Hand und begeisterten die Massen, unter ihnen u.a. Gary Cooper, Romy Schneider, Pierce Brosnan, Wim Wenders, Götz George oder Tom Tykwer.

Die denkmalgeschützte Lichtburg wurde von März 2002 bis März 2003 bis ins Detail restauriert und renoviert, und mit neuester Kino- und Bühnentechnik ausgestattet. www.lichtburg-essen.de

Ensemble Dom+Bischofsgebäude

Interessant finde ich diese Synthese mit dem Hochhaus und dem mitteralterlichen Bild, rechts über dem Bischofspalast erhebt sich die Kuppel der alten Synagoge, die größte Europas.

Kreuzgang im Dom

Immer wieder schön, die Ruhe und Beschaulichkeit mitten in der hektischen Einkaufswelt. Im Essener Dom findet ein reiches und anspruchsvolles Musikleben statt, daher mal ein Link dazu, es gibt das Programm fürs 2. Halbjahr. http://www.dommusik-essen.de/index.php?id=95

Marktkirche Essen

Die  Marktkirche ist das älteste protestantische Gotteshaus in der Essener Innenstadt. Sie ist heute die Gottesdienststätte des Kirchenkreises. Außerdem hat die zentrale Wiedereintrittsstelle der Evangelischen Kirche in Essen hier ihren Sitz. Regelmäßig finden in der Marktkirche Konzerte, Vorträge und Ausstellungen statt. http://www.ekir.de/essen-marktkirche/

Highlight Konvent der Karmeliterinnen in Stoppenberg

Erste urkundliche Erwähnung fand der Ortsteil Stoppenberg mit dem Bau der Stiftskirche Maria in der Not auf dem Stoppenberg genannten Hügel durch die Essener Fürstäbtissin Schwanhild im Jahre 1073. Sie wurde als Nikolauskapelle 1074 von Erzbischof Anno II. geweiht. Die ältesten Spuren einer Besiedelung von Stoppenberg wurden am Anfang des 21. Jahrhunderts an der Twentmannstraße gefunden und stammen aus dem 11. Jahrhundert, eben aus jener Zeit, in der die Fürstäbtissin Schwanhild die Stiftskirche bauen ließ. www.kultur-im-bistum-essen-2010.de

Seit 1965 ist das Stift wieder von Karmeliterinnen bewohnt, leider ist die Kirche nicht mehr jederzeit zugänglich, da Vandalen vor kurzem die Opferstöcke heraus gerissen haben.

Inneres der Klosterkirche Stoppenberg Maria in der Not

Die St. Nikolauskirche ist dem Karmel vorgelagert und liegt direkt an der 107, sie ist eine Jugendstilkirche, die 1907 geweiht wurde. Man hatte Carl Moritz damit beauftragt, der sonst für seine Theaterarchitektur bekannt war und so kam es dann auch, dass Kardinal Fischer, Erzbischhof von Köln sich zuerst weigerte die Kirche zu weihen, da es eine Oper wäre. Es befinden sich des weiteren ein sehenswerter Kreuzweg, eine neoromanische Apsis und ein schöner Hochaltar in der Kirche. www.st-nikolaus-essen.kirche-vor-ort.de

St. Nikolauskirche

Ganze 2 Stationen weiter erreichen wir Zollverein, das Ziel der Tour. Ein Rundgang über das Gelände schliesst sich an, wir erreichen als letzten Punkt das neue Sanaa Gebäude. Einen Würfel monumentaler Größe, doch völlig unerwarteter Raumatmosphären und Immaterialisierung hat das japanische Architektenpaar SANAA in Essen verwirklicht. Kaum vorstellbar dünn wie Papier erscheinen seine Wände aus Beton, rätselhaft und geheimnisvoll das Innenleben eines Hauses, dessen 134 transparente Perforationen unterschiedlicher Größe keiner erkennbaren Logik folgen.
Wenn man den Würfel betritt, betritt man nüchterne Betonkühle. Zuerst sollte dort eine Zweigstelle der Folkwang-Uni einziehen, wegen der bescheidenen Akustik ist dies nicht erfolgt. Auch Firmenevents stellen eine Schwierigkeit dar. Es mangelt an haustechnischer Infrastruktur, die Steckdosen sind nur mit 16 Amper gesichert. Genial ist allerdings die Beheizung. Das Wasser, dass vom Zollverein-Gelände abgepumpt wird, beheizt das Gebäude. Besichtigt werden kann der Kubus im Rahmen der Ausstellung „Ruhrblicke“. http://www.zollverein.de/agenda.php?f_filter=AUST&f_month=9

SANAA Gebäude auf Zollverein

Wir bedanken uns bei Hr. Adam Gacki und Hr. Martin Floß für den aufschlussreichen und wirklich witzigen Tag.

RUHR2010 Teil XXV: Besuch des Ruhratolls


Nachdem wir ja bei der Eröffnung des Ruhratolls mit gigantischem Feuerwerk dabei waren, haben wir uns nun entschieden auch einmal die Inseln, die ja begehbar sind, zu besuchen. Gestern, 25.08.10 war das Wetter betreffend, der richtige Tag dafür.

Baldeneysee mit Atollen

Ich hatte eine Seeführung gebucht, die uns zuerst geologische und geschichtliche Aspekte des Baldeneysees näher bringen soll. Ich werde das Gefühl nicht los, dass der Typ ziemlichen Müll erzählt. Baldeney= Göttin Bardenia (gab´s die? Nie gehört) und Nibelungenschwert Waldung, ziemlich abstrus. Dann will er MIR auch noch erzählen, dass in Wagners Tetralogie das Siegfried Schwert auch Waldung heisst. Nein, widerspreche ich lautstark, Nothung heisst es. Da ist die Erläuterung von Claus viel einleuchtender: Balde=tief, eye=Aue, Brede=schräg (setze zusammen: Baldeney, Bredeney). Was will der uns erzählen? Wir sind doch fast alles Werdener, da wäre ich vorsichtig!

Da ich die Boote vorgebucht hatte, können wir zügig zum Atoll-Besuch starten. Erster Besuch ist der Eisberg:

„Auf seinem Plateau steht eingegraben in das ewige Eis ein orangefarbenes Zelt.Es dringen Naturgeräusche aus dem Berg − oder aus dem Zelt?. Das Heulen des Windes, das Grollen eines Donners, das Prasseln des Regens oder das Rauschen des Meeres. Naturgeräusche, die zugleich regenerierbare Ressourcen als auch zerstörerische Naturkräfte darstellen.

Eingang zum Eisberg

In den ICEBERG ist ein Container eingebaut, der ähnliche Ausmaße hat wie die PALAOA Messstation (Perennial Acoustic Observatory in the Antarctic Ocean) des Alfred-Wegener-Instituts (AWI). Die Energieversorgung des Containers auf der antarktischen Schelfeiskante ist eine Insellösung: Solarzellen, Windgenerator und Methanol-Brennstoffzelle. Die Forschungsarbeiten des AWI entschlüsseln dort unter einmaligen Bedingungen die globalen Veränderungen, die teils natürlich und teils durch Menschen hervorgerufen sind. Kann ich mich in mein Zelt zurückziehen und darauf warten, dass die Forschung es schon richtet? Können Messergebnisse das Handeln bestimmen oder sind es nicht letztlich medial erzeugte „Ereignisse“, die Veränderungen erreichen? Hat die Zahl der Naturkatastrophen wirklich zugenommen oder spielt uns das eine global vernetzte Medienwelt nur vor? Wahrheit durch Messbarkeit? Wir sind trotzdem vom Eisberg ein wenig enttäuscht, mit Videokunst habe ich noch nie was anfangen können.“

Das U-Boot: Ich kann, weil ich will, was ich muss.

Atoll U-Boot

„Hier werden Zusammenhänge, in die das Themenfeld „Energie“ eingebettet ist, in Gestalt eines scheinbar im Baldeneysee auf Grund gelaufenen U-Boots. Sie holen damit bildhaft die exportierten Kriege und das Konfliktpotential um Energieressourcen nach Europa zurück, und zwar an einen Ort, der historisch eng mit dem hohen Energiebedarf als Grundlage für unseren Lebensstandard zusammenhängt.

Im Inneren des U-Bootes

Sichtbar ist nur der Aussichtsturm eines U-Boots, aus dessen Außenwänden der Schriftzug „Ich kann, weil ich will, was ich muss.“ herausgeschnitten wird. Die so entstehenden ‚Fenster‘ werden anschließend wieder durch politische Bilder in Form verschlossen, wie es uns in seiner Wirkungsweise aus gotischen Kirchen vertraut ist. In den buchstabenförmig platzierten Bildwelten spiegelt sich die Bandbreite des natürlichen und zivilen Lebens wieder mit allen dazugehörigen Höhen und Tiefen der Geschichte und aktuellen Ereignissen, denn jede Bewegung und damit das Leben selbst, verdankt sich energetischen Prozessen. Dieses Atoll hat uns begeistert.“

Die Schrott-Insel: Ein Projekt zum Schutz der natürlichen Ressourcen

Kabakov Insel

„Ilya und Emilia Kabakovs Projekt zum Ruhr-Atoll bildet einen optischen und inhaltlichen Kontrast zum Gesamtprojektes, der als Spannungspol den wissenschaftlich und formal ausgeklügelten anderen Kunst-Inseln gegenübergestellt ist. Kabakov, der als seine eigentliche Heimat auch heute noch die UdSSR mit all ihren Schwächen angibt, hat in fast allen seinen Arbeiten die Diskrepanz von wissenschaftlicher oder ideologischer Perfektion und der häufig improvisierten aber menschlichen Realität in bestechender Manier dargelegt. Das von Kabakov vorgeschlagene Projekt „Zum Schutz der natürlichen Ressourcen“ zeigt ein hintersinniges aber liebenswürdiges Ensemble zur wissenschaftlichen Wasseruntersuchung, wobei sowohl der menschliche Eingriff in die Natur als auch die wissenschaftliche Methode ganz der zeitgemäßen Forderung einer ökologischen Nachhaltigkeit – wenn auch Augen zwinkernd und leicht ironisch – angepasst sind. Dass Kabakov hier auf den Gegenpart eines Wissenschaftlers verzichtet, liegt in dem Inhalt der Installation selbst begründet und gibt dem Werk die Stellung eines künstlerischen Kommentars zu dem Gesamtprojekt.“ Es sieht von weitem jedoch besser aus, als wenn man es betritt. Mein Mann nennt es die Klempner-Insel.

Frosch und Teemeister (Nicht begehbar)

„Das Projekt ist ein west-östlicher Dialog über das Wohnen auf unserem Planeten. Es fasst in einem stillen Bild auf dem Wasser die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen zusammen: Thematisiert wird dies mit einem japanisch anmutenden Teehaus (ein Ort der inneren Einkehr) mit seiner großen Schale (ein Urbild für die Gegenwart des Menschen) und einem Gemüsegarten hinterm Haus, einer schon fast vergessenen Selbstverständlichkeit gerade im Ruhrgebiet.

Frosch und Teemeister

Kazuo Katase aktualisiert hier sein Projekt „Apokalypse Amazonas“ von 1992 für die Ausstellung „Arte Amazonas“ in Rio de Janeiro, anlässlich des UN-Erdgipfels. Hier wird diese Arbeit über Mensch und Natur im Inseldialog „Frosch und Teemeister“ fortgeführt, einem Inselprojekt, welches von menschlicher und von der Fossilenergie dieser Region, aber auch von Zukünftigem erzählt. 2004 lud Kazuo Katase den Architekten und „Baufrosch“ Michael Wilkens ein, mit ihm diesen Dialog zu führen. Denn die „Baufrösche“ beschäftigen sich seit ihrer Gründung 1978 mit einem Wohnungsbau „aus der Froschperspektive“: und dem, was sie „Vollständiges Wohnen“ nennen: „Jede Wohnung, auch die im 5. Stock, ist ohne einen kleinen Garten unvollständig. Und die Karotten müssen nicht um den halben Globus transportiert werden.“ Zwei 10x10m große Pontons sind durch einen Steg verbunden. Der eine trägt das Teehaus und die große Schale, auf dem anderen ist ein Garten mit 10 Gemüsebeeten angelegt. Eine solar angetriebene Wasserpumpe füllt einen Wassertank, der auf einem Förderturm im Zentrum des Teehauses platziert ist. Dieser Schwerkrafttank versorgt die 10 Gemüsebeete mit Wasser. Das Überflusswasser fließt über das Dach in eine Regenrinne, dann in die große Schale und von dort in den See zurück.“

Die Führung hätte man sich schenken können, aber den Bootsparcours fanden wir klasse. Mal eine andere Art Museum. Es gibt ausserdem noch eine neue, anonyme, ökologisch sehr kritische Installation, die ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Anonymes Atoll zur Ölkatastrophe

… und Ihr die Pest

Das Ruhr-Atoll bleibt noch bis Ende September / Anfang Oktober auf dem Baldeneysee http://www.ruhr-atoll.de/, der Bootsparcours ist bis Einbruch der Dunkelheit in Betrieb.

Tickets, Bootsparcours und Ruhratollhalle sind hier einzusehen: http://www.ruhr-atoll.de/index.php?id=147

Quelle der Atollinformationen: Ruhr-Atoll Homepage / RWE