Archiv der Kategorie: Konzertbesuche-Rezensionen

Eine bewegende Matthäus-Passion erklang im Palau de la Musica Catalana am 10.04.2017 in Barcelona!

Eine bewegende Matthäus-Passion erklang im Palau de la Musica Catalana am 10.04.2017 in Barcelona!

                    Palau de la Musica Catalana in Barcelona mit der Büste von J.S. Bach

Eine vollbesetzte Konzerthalle empfing die Besucher zu einer bewegenden Aufführung der Matthäus-Passion – BWV 244 von J.S. Bach unter der Stabführung von René Jacobs.

René Jacobs brachte jetzt keine himmlischen Heerscharen mit zu seiner großartigen Matthäus-Passion. Mit gut zwei Dutzend Sängerinnen und Sänger, die praktisch durchweg Solistenqualität haben, machen schon etwas her, wenn sie noch dazu vor den Instrumentalisten platziert sind. Diese Variante war für mich neu und wurde somit zu einem profunden Klangerlebnis. Gegenüber der Variante von Sir Gardiner im Jahr 2016 – ist diese Platzierung von René Jacobs genial. Das Orchester konzertierte erhöht hinter dem Chor und spielte zeitweise im Stand so dass ein großartiger Raumklang entstand.

                      René Jacobs mit dem BWV 244 im „Palau de la Musica in Barcelona“

Ausgeklügelt die Platzierung auch im Detail: Im Chor I wirkten die vier Hauptsolisten mit, der damit etwas größer war und – auch wenn letztere begreiflicherweise gelegentlich markierten – auch so klang. Herausragend in seiner entspannten Ungekünsteltheit der Evangelist von Julian Prégardien, herrlich nobel neben ihm Johannes Weisser als Christus.

Die Alt-Partien übernahm auf dieser Seite der glasklare und überzeugende Countertenor Benno Schachtner. Wunderbar mit ihrer Glockenstimme der Sopran Sunhae Im. Im Chor II fand sich ein zweites, weitgehend aus den Reihen der Choristen bestücktes Solistenquartett.

                                Benno Schachtner (Countertenor) auf dem Foto 2. von rechts

Die Akademie für Alte Musik Berlin und der RIAS Kammerchor agierten überragend. Es war feststellbar, dass sie alle eingespielt waren aufgrund ihrer wochenlangen Europatour. Zu spüren war die hellwachste, vergnügteste und musizierfreudigste Atmosphäre für eine Musik, die hochprofessionell in den innersten Kern des Zuhörers zielt. Etwas störend für uns nach dem Schlusschoral das sofort einsetzende Applaudieren. Das ist Südeuropa, das Temperament der Besucher ist anders gelagert als in Mitteleuropa.

Nach dem Konzert war es für uns noch möglich, von René Jacobs ein Autogramm zu bekommen, was uns im Jahr 2016 von Sir Gardiner verweigert wurde. Zwei unterschiedliche Maestros, die wir in kurzer Zeit erleben durften. Bei René Jacobs Aufführung erlebten wir eine erfrischende und mitnehmende Aufführungsform, die zu Herzen ging. Beim Sir Gardiner in 2016 erschien uns alles zu routinehaft vorgetragen und vermissten sehr diese packende Frische und Mitnahme im Konzert.

Gesangs-Solisten von rechts: Sunhae Im (Sopran) – Benno Schachtner (Counter) – Julian Prégardien (Tenor-Evangelist) – Johannes Weisser (Bass – Christus)

Eine herzliche Begrüßung und ein Gespräch ergab sich noch am Ausgang mit Benno Schachtner, der lange Zeit an der „Hochschule für Musik Detmold“ studiert hat und als Assistent von Prof. Gerhard Weinberger aktiv war. Die HfM Detmold bildet großartige Nachwuchskünstler aus, wie geschehen mit dem Countertenor Benno Schachtner, der in jungen Jahren eine steile Karriere erzielt hat.

Ausführende:

Julian Prégardien, Tenor – Evangelist

Johannes Weisser, Bass – Jesus

Sunhae Im, Sopran

Anja Petersen, Sopran

Kristina Hammarström, Alt

Benno Schachtner, Countertenor

Minsub Hong, Tenor

Jonathan de la Paz Zaens, Bass

RIAS Kammerchor

Akademie für Alte Musik Berlin

Leitung: René Jacobs

—————————————-

Ein Kurz-Video von dem Konzert füge ich bei. Zu hören ist der Schluss-Choral aus der Matthäus-Passion:

„Wir setzen uns mit Tränen nieder Und rufen dir im Grabe zu: Ruhe sanfte, sanfte Ruh!“ 

Ein Video mit René Jacobs und der „Johannes-Passion – BWV 245 ist auf YouTube vorhanden! Es handelt sich um eine aktuelle Aufnahme aus Paris vom 19.08.2015 – auf der Facebook-Seite von René Jacobs veröffentlicht.

https://youtu.be/Aw6J1EVX3n4

—————————————–

Herzliche Grüße

Volker

—————————–

Advertisements

In der Münsterkirche Herford – erklang eine bewegende Matthäus-Passion von J.S. Bach

In der Münsterkirche Herford – erklang eine bewegende Matthäus-Passion von J. S. Bach

Neue Westfälische – Anna Mönks

Gelungene Aufführung der Matthäus-Passion in der Münsterkirche!

Der Münsterchor und der Kinder- und Jugendchor laden unterStefan Kagl zum Höhepunkt der Passionszeit und hinterlassen ein sichtlich berührtes Publikum.

Münsterkantor Stefan Kagl lud zu Bachs Matthäuspassion in die Münsterkirche. Der große Chor – eigentlich drei Chöre – entwickelte einen beeindruckenden Klang. Links oben im Bild verbirgt sich der Kinderchor, der seine anspruchsvolle Partie souverän und klangschön darbot. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach gehört zu den bewegendsten Werken der Musikgeschichte. Münsterkantor Stefan Kagl hat sie am Sonntagnachmittag in der Münsterkirche zur Aufführung gebracht. Möglich war dies durch die Zusammenarbeit des Herforder Münsterchores und des Kinder- und Jugendchores mit der Lemgoer Kirche St. Marien und den dortigen Chören unter der Leitung des Kantors Volker Jänig. Ergänzt durch das Ensemble für alte Musik „arcipelago“ und fünf hervorragende Solisten war es ein beeindruckendes Aufgebot, das im Altarraum und auf der Seitenempore der Münsterkirche Platz genommen hatte.

Mit fluffigem Tempo ging Kagl das Werk um das Leiden Christi an. Das brachte das kunstvolle Ineinandergreifen der drei Chöre (Doppelchor plus Kinderchor) besonders zur Geltung, zumal Kagl bei allem Tempo stets dem Nachhall Raum gab. Dem üppigen und vollen Chorklang gegenüber stand der fragile, silbrige Klang der historischen Instrumente. Eine reizvolle, wenngleich nicht ganz unproblematische Kombination.

Es war großartig, mit wie viel Verve der Chor diese Musik anging. Die Herausforderung der schnellen, kurzen Einwürfe („Herr, bin ich?s?“ „Lass ihn kreuzigen!“) darf nicht unterschätzt werden. Es bedarf einer gehörigen Portion Chuzpe, mit voller Stimme einzusetzen und nicht den Nachbarn singen zu lassen um sich dann unauffällig dranzuhängen. Stefan Kagl bereitete diese Einwürfe sorgfältig vor und nahm seine Sänger auf diese Weise mit. Sie dankten es ihm mit großem Klang. Wenn eine solche Menge „Barrabam!“ in das Kirchenschiff gellt, dann ist das beeindruckend.

Ergreifend: Evangelist Florian Feth (links) und Bassist (Jesus) Jörn Dopfner nahmen die Zuhörer mit. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Abgerundet wurde die Aufführung durch die Gesangssolisten: Sopranistin Uta Singer, (mit klarer Stimme), Altistin Vera Alkemade (wundervoll zentriert und warm im Klang) und Bassist Dieter Goffing (starke und volle Stimme). Tenor Florian Feth, überzeugte als Evangelist mit klaren und volltönenden Höhen und gab einen wunderbaren Erzähler,Jörn Dopfer, sang mit wohlig rundem Bass den Jesus und vermochte es, seine Partie derart lebendig zu gestalten, dass die Zuhörer das Leid beklemmend unmittelbar mitempfanden. Angst, Zweifel und Enttäuschung wie im Garten Gethsemane wurden auf diese Weise greifbar.

Der Klang der historischen Instrumente des Orchesters war eine faszinierende Ergänzung.

Am Taktstock: Stefan Kagl führte die Akteure mit Umsicht durch das Werk. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Am Ende schenkte Stefan Kagl dem Publikum die Stille. Nach dem Tod Jesu schien die Zeit anzuhalten, und auch der letzte Chor rührte mit seiner ruhigen Klarheit und dem schmerzlichen Vorhalt im Innersten. Der Schlusston verklang, die Münsterglocken läuteten, das Publikum erhob sich schweigend und ließ die Passion nachhallen. Ein bewegender Moment.

Zum ganzen Artikel der Neuen Westfälischen Zeitung!


Eine weitere Rezension von der Matthäus-Passion in St. Marien, Lemgo!

St. Marien Lemgo Matthäus Passion.jpg

Großaufgebot mit mehr als 200 Mitwirkenden: Zwei Chöre, zwei Orchester und fünf Solisten brillieren unter Leitung von Volker Jänig. Uta Singer und Vera Alkemade harmonieren in schwebender Transzendenz (vorn von links). (© Thomas Krügler)

Lemgo. Zu lang, zu opulent, zu theatralisch!“ – diesen Eindruck hatte in Lemgo niemand. So lautete jedoch die Kritik am Karfreitag 1727 in der Thomaskirche zu Leipzig, als Bachs Matthäus-Passion erstmals aufgeführt wurde.

Nach 100 Jahren Dornröschenschlaf wurde sie von Mendelssohn erneut wachgeküsst. Fast 300 Jahre nach ihrer Entstehung zählt Bachs Klangdichtung heute zum Wunder abendländischer Musik und berührt die Seelen weltweit.

In 68 Sätzen wird der Leidensweg Christi vom Abendmahl bis zur Kreuzigung vertont. Tod und Schmerz verschmelzen in getragener Melancholie und paaren sich mit tänzerischer Freude. Geradezu swingend kamen die rund 200 Musiker bei der Aufführung in St. Marien Lemgo daher: „Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen.“ Das vitale Dirigat von Kantor Volker Jänig motivierte den tänzerischen Gestus und erzielte große Transparenz…..

Link zum Artikel:

http://www.lz.de/lippe/kultur/21738556_Getragene-Melancholie-und-taenzerische-Freude-vereinen-sich.html

————————————————–

Herzliche Bach-Grüße

Volker

————————————-

Eine bewundernswerte Aufführung von zwei Bach-Kantaten in der Universität Barcelona von BZM

Eine bewundernswerte Aufführung von zwei Bach-Kantaten in der Universität Barcelona von BZM

Paranimf“ in der Universität de Barcelona Cantates BWV 173 und 198 de J.S. Bach von BZM – (BACH ZUM MITSINGEN) am 18. März 2017.

„Paranimf – Auditorium“ des historischen Gebäudes der Universität von Barcelona, erbaut vom Architekten Elies Rogent. Das Auditorium ist das Wahrzeichen des historischen Gebäudes. Gedacht als das Herz des Universitätslebens , liegt im zentralen Teil des Gebäudes befindet sich direkt über der Lobby. Der Bau des Auditoriums wurde 1884 beendet. Die sechs große Gemälde mit historischen Themen beeindrucken. Das „Paranimf“ ist Schauplatz von zahlreichen akademischen, wissenschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen.

—————————-

Der Bach-Zyklus wurde fortgesetzt von BZM  (BACH ZUM MITSINGEN) mit zwei der bekanntesten Kantaten von J.S. Bach.

BWV 173 & BWV 198 

Freier Eintritt mit begrenzter Kapazität von 400 Personen.

Carine Tinney, Sopran (Schottland)
Maria Chiara Gallo, Mezzosopran (Italien)
Matthew Thomson, Tenor (Australien / z.Zt. in Spanien)
Oriol Mallart, Bariton (Spanien)

(Solisten: GRANT BACH 2017)

Katy Elkin, Oboe d’amore
Daniel Ramirez, Oboe d’amore
Marina Comas, Travers
Haben Clara, Travers
Anna Casademunt, Viola da gamba
Rahmen Linde, Viola da gamba
Maria Roca, Violine
Nuno Mendes, Violine
Nuria Pujolràs, Viola
Igor Davidovics, Laute
Frances Bartlett, Cello
Daniel Tarrida, Orgel und

Dirigent: Pau Jorquera


„Erhöhtes Fleisch und Blut“ (BWV 173) ist eine Kirchen-Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie in Leipzig für den 2. Pfingsttag und führte sie wahrscheinlich am 29. Mai 1724 zum ersten Mal auf. Ihre Musik beruht vollständig auf der Köthener Glückwunschkantate Durchlauchtster Leopold, BWV 173a.

„Laß, Fürstin, laß noch einen Strahl“ (BWV 198)  ist eine weltliche Kantate , die von Johann Sebastian Bach als Trauerfeier komponiert wurde , die erstmals am 17. Oktober 1727 aufgeführt wurde . In Wolfgang Schmieders Katalog von Bachs Werken ( BWV) wurde ihm die Nummer 198 zugewiesen . Es ist auch bekannt als Trauerode oder als Trauerode: auf den Tod der Königin Christiane Eberhardine .


Beim Betreten des Paranimf – Auditorium umfing uns sofort die großartige Atmosphäre dieses wunderbaren Paranimf mit seinen gewaltigen und beeindruckenden Wand-Gemälden aus der Geschichte von Katalonien. Hohe Decken und ein Steinfliesboden ergaben eine gute Akustik.

BZM führte die Kantaten BWV 173 und das BWV 198 auf.

Der Chor, aus Laiensänger mittleren Alters und das Barockorchester mit historischen Instrumenten, wurden ihrer Aufgabe, die zwei Kantaten zu interpretieren, vollauf gerecht. Die Gesangs-Solisten rekrutierten sich aus dem Bach-Projekt für „Junge Künstler“, das alljährlich von BZM durchgeführt wird. Hier sollen sie in einem öffentlichen Konzert ihre Praxis des Erlernten, vervollständigen können.

Hier war leider von den Gesangs-Solisten ein absolutes Manko zu bemerken. Der Deutsche Text fiel ihnen offensichtlich schwer, im Gesang darbieten zu können. Eine Ausnahme war der spanische Bariton Oriol Mallart, der den deutschen Text gut und verständlich auszudrücken vermochte.

Das Barock-Orchester bestand aus sehr jungen Mitgliedern, die mit einer herzerfrischenden Freude einen guten Eindruck zu vermitteln mochten. Ein rühriger und junger Dirigent des Gesamt-Projektes: Pau Jorquera, wurde seiner Aufgabe mehr als gerecht und führte das Orchester, Chor und die Gesangs-Solisten mit einem ruhigen Dirigat gekonnt durch die Kantaten.

Ein absolutes Manko aus deutscher Sicht, wie sich alle in der Kleidung präsentiert haben. Hier werden sie den Vokal-Werken von Johann Sebastian Bach nicht gerecht. Bachs tiefe Frömmigkeit sollte von allen auch in ihrer äußeren und inneren Anteilnahme zum Ausdruck gebracht werden. Turnschuhe, Sporthemden und Sport-Hosen machten das gesamte Eindrucksbild zu einem Fiasko. Solch Auftreten wäre in Deutschland nicht möglich und sollte zu einem Umdenken vom BZM führen. Ich hoffe und wünsche, dass in Zukunft in Barcelona vom BZM mehr darauf geachtet wird, in einer festlicheren Kleidung J.S. Bachs Werke den Besuchern zu übermitteln.

Gesangs-Solisten von Links: Carine Tinney (Sopran) Maria Chiara Gallo (Mezzosopran) Matthew Thomson (Tenor) Ariel Mallart (Bariton).

Ein großartiger Schlussapplaus der Besucher bedankte sich bei allen Beteiligten.

Ein kleines Video, aufgenommen mit dem iPhone, füge ich meiner Rezension bei. Es ist der Schlusschoral aus dem BWV 198 „Laß, Fürstin, laß noch einen Strahl“ – „Doch, Königin! du stirbest nicht“


Herzliche Grüße

Volker

—————————-

Das Weihnachtsoratorium von J.S. Bach – BWV 248 in der Münsterkirche, Herford

Weihnachtsoratorium im Herforder Münster

Unter Leitung von Münsterkantor Stefan Kagl erklangen vier Kantaten aus Johann Sebastian Bachs populärem Werk

Unter der Leitung von Stefan Kagl führen Münsterchor, Kinderchöre am Münster, Solisten und das Orchester "La "Réjouissance" Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium auf. - Foto: © Ralf Bittner

Unter der Leitung von Stefan Kagl führen Münsterchor, Kinderchöre am Münster, Solisten und das Orchester „La „Réjouissance“ Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium auf. – Foto: © Ralf Bittner

Herford. „Jauchzet, frohlocket, auf preiset die Tage“ jubelten Münsterchor, Kinder- und Jugendchor, begleitet von Pauken und Trompeten des Orchesters „La Réjouissance“ im Münster.

Mit dem mächtigen, jubilierenden Choral beginnt Johann Sebastian Bachs 1734/35 uraufgeführtes Weihnachtsoratorium. In der 1. Kantate wird die Geburt des Jesuskindes gefeiert, dementsprechend war sie ursprünglich zur Aufführung am 1. Weihnachtstag gedacht. Die fünf weiteren Kantaten sollten an Festtagen in der Zeit bis bis zum Epiphaniasfest, dem Dreikönigsfest am 6. Januar, aufgeführt werden. Obwohl das Oratorium die Zeit von Jesu bis zum Besuch der drei Weisen aus dem Morgenland behandelt, hat Bachs populäres Werk bis heute seinen festen Platz in der Adventszeit.

Mehr als 500 Zuhörer im Münster stimmten sich mit dem von Münsterkantor Stefan Kagl geleiteten Konzert am Sonntag auf ihr Weihnachtsfest ein. Auf dem Programm standen…..

weiter zum ganzen Artikel der NW

Kantatengottesdienst mit dem Herforder Münsterchor am Sonntag, 27.11.2016 – BWV 186a „Ärgre dich, o Seele, nicht“

Kantatengottesdienst des Herforder Münsterchors

Mit sicherer Hand: Münsterkantor Stefan Kagl leitet das philharmonische Bachorchester und den Münsterchor. Foto: © Tenta

Mit sicherer Hand: Münsterkantor Stefan Kagl leitet das philharmonische Bachorchester und den Münsterchor. Foto: © Tenta

Julia Borchert trat als Solistin auf !

Herford. Vor genau 300 Jahren komponierte Johann Sebastian Bach die Adventskantate BWV 186aÄrgre dich, o Seele, nicht“ über einen Text von Salomon Franck. In seiner Zeit als Thomaskantor hat Bach dieses Werk noch erweitert. Münsterkantor Stefan Kagl hat sich, zusammen mit dem Herforder Münsterchor, der seltener zu hörenden Urfassung dieses Werks angenommen.

Für die vier Soloarien konnten vier exzellente Solisten gewonnen werden. Dieter Goffing überzeugte mit seiner Bass-Arie, schlicht aber eindringlich begleitet von tiefen Instrumenten. Besondere Freude bereitete die Gelegenheit, Julia Borchert in Herford erneut hören zu können. Die heute deutschlandweit gefragte Sopranistin hatte als Schülerin in Herford erste kirchenmusikalische Erfahrungen gewonnen. Ihr Mitwirken bei dieser Aufführung war auch als Dank an ihre damalige Chorleiterin, Annette Lindenkamp zu verstehen, der mit diesem Festgottesdienst für ihr jahrzehntelanges Engagement für das Musikleben in Herford gedankt wurde (die NW berichtete).

 

Stefan Kagl führte den Münsterchor und das philharmonische Bachorchester mit sicherer Hand durch die anspruchsvolle Komposition. Der Chor schien schwerelos zu singen, getragen von einfühlsamen, kompetenten Instrumentalisten.

Pfarrer Hans-Detlef Hoffmann ging in seiner anschließenden Predigt auf die zuvor gehörte Kantate ein. Mit theologischer Gelehrsamkeit und musikalischer Sachkenntnis wurde Bachs selten gehörtes Werk noch einmal lebendig gemacht. Manche Gottesdienstbesucher haben sich sicher im Anschluss gewünscht die Kantate ein zweites Mal, mit neu gewonnener Erkenntnis erleben zu können.

Münsterkantor Stefan Kagl war an diesem Sonntag nicht nur als Dirigent, sondern auch als Organist zu erleben. Als Begleiter der Kirchenlieder begnügt er sich nicht damit die Gemeinde hinter sich her zu ziehen, sondern nützt diese Aufgabe zur kreativen Gestaltung. Mit dem von ihm vorgetragenen Orgelnachspiel von Heathcote Statham, konnte ein in Deutschland selten zu hörender Komponist entdeckt werden. Während Stathams Orgelspiel war 1938 die Orgel der Norwich Kathedrale in Flammen geraten. Kagls Interpretation der Fantasie über „Veni Emmanuel“ war hingegen, gottlob „nur“ herzerwärmend.

Copyright © Neue Westfälische 2016

——————————————-

Zum Video: J.S. Bach Adventskantate BWV 186a „Ärgre dich, o Seele, nicht“

J.S. Bach – Kantate BWV186a „Ärgere dich, o Seele, nicht“ (Musik verschollen)

Eine Rekonstruktion der Kantate wurde 1963 von Diethard Hellmann veröffentlicht.

Besetzung Soli: S A T B, Coro: S A T B, Oboe I/II, Taille, Fagotto, Violino I/II:, Viola, Continuo
Entstehungszeit: 1716 Weimar
Text: Salomo Franck 1717
Bemerkungen: Musik verschollen aber in wesentlichen Teilen in BWV 186 erhalten.
Anlass: 3. Adventssonntag

1. Coro Oboe I/II, Taille, Fagotto, Violino I/II, Viola, Continuo

Ärgre dich, o Seele, nicht,
Dass das allerhöchste Licht,
Gottes Glanz und Ebenbild,
Sich in Knechtsgestalt verhüllt.
Ärgre dich, o Seele, nicht!

2. Aria B Continuo

Bist du, der da kommen soll,
Seelenfreund im Kirchengarten?
Mein Gemüt ist zweifelsvoll,
Soll ich eines andern warten?
Doch, o Seele, zweifle nicht.
Lass Vernunft dich nicht verstricken,
Deinen Schild, o Jakobs Licht,
Kannst du in der Schrift erblicken!

3. Aria T Viola, Continuo

Messias lässt sich merken
Aus seinen Gnadenwerken,
Unreine werden rein.
Die geistlich Lahme gehen,
Die geistlich Blinde sehen
Den hellen Gnadenschein.

4. Aria S Violino I/II, Continuo

Die Armen will der Herr umarmen
Mit Gnaden hier und dort!
Er schenket ihnen aus Erbarmen
Den höchsten Schatz, des Lebens Wort!

5. Aria S A Oboe I/II, Violino I/II, Viola, Continuo

Lass, Seele, kein Leiden
Von Jesu dich scheiden,
Sei, Seele, getreu!
Dir bleibet die Krone
Aus Gnaden zu Lohne,
Wenn du von Banden des Leibes nun frei.

6. Choral Oboe I/II, Violino I/II, Viola, Fagotto, Continuo

Darum, ob ich schon dulde
Hie Widerwärtigkeit,
Wie ich auch wohl verschulde,
Kommt doch die Ewigkeit,
Ist aller Freuden voll,
Dieselb ohn einigs Ende,
Dieweil ich Christum kennt,
Mir widerfahren soll.
————————————————
Die Kantate basiert auf einem Kantatentext von Salomo Franck für den Dritten Adventssonntag, der 1717 in den Evangelischen Sonn- und Fest-Tages-Andachten erschienen ist. Seine Texte enthalten die Sätze 1, 3, 5, 8, 10 des späteren Werkes und einen anderen Schlusschoral von Ludwig Helmbold. J.S. Bach komponierte die Musik, BWV 186a, 1716 in Weimar, wo sie zum ersten Mal am 13. Dezember 1716 aufgeführt wurde.

Ensemble: Ton Koopman

————————————————-

Herzliche Adventgrüße

Volker

—————————————-

Der Dresdner Kreuzchor sang in der Marienkirche Herford

Der Dresdner Kreuzchor sang in der Marienkirche Herford

Die etwa 70 zwischen 9 und 18 Jahre alten Sänger zeigten Chormusik auf höchstem Niveau!

Der Dresdner Kreuzchor gab ein Konzert in der Marienkirche Herford

        Der Dresdner Kreuzchor gab ein Konzert in der Marienkirche Herford. Foto: Ralf Bittner

Herford. „Eigentlich hatten wir den Chor so kurz nach dem Tag der deutschen Einheit eingeladen, um Gott für diese zu danken“, sagte Pfarrer Mathias Storck zu Begrüßung der 700 Konzertbesucher in der Marienkirche, jetzt gebe es aber einen zweiten Anlass, nämlich zu zeigen, dass zwei Jahre Pegida in Dresden 800 Jahre Musik zum Ruhme Gottes nicht übertönen könnten.

70 Sängerknaben: seit 1997 leitet Roderich Kreile als 28. Kreuzkantor seit der Reformation den inzwischen 800 Jahre alten Chor. Foto Ralf Bittner

70 Sängerknaben: seit 1997 leitet Roderich Kreile als 28. Kreuzkantor seit der Reformation den inzwischen 800 Jahre alten Chor. Foto Ralf Bittner

Seit inzwischen 800 Jahren, besteht der heute von Roderich Kreile geleitete Dresdner Kreuzchor mit Sängern im Alter zwischen 9 und 18 Jahren. Der Chor erlebte dabei nicht nur historische Umwälzungen verschiedener Art und die Reformation, sondern auch die Entwicklung der Musik von anfangs eher schlichter Einstimmigkeit bis zu den zeitgenössischen, teils achtstimmigen Werken. Auch das eineinhalbstündige Programm, das der Chor präsentierte, deckte fast 500 Jahre geistliche Musikgeschichte ab…..

Zum ganzen Artikel der NW


Video: Am 9. Oktober 2009 gastierte der Dresdener Kreuzchor in der Salvatorbasilika der Eifelstadt Prüm. Zum Abschluss eines sehr anspruchsvollen Programms gab es die Mottete „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“, BWV 226, von Johann Sebastian Bach.

Herzliche Grüße
Volker

John Eliot Gardiner und die Matthäus-Passion in Königslutter

Mittwoch, 15. Juni 2016 im Kaiserdom zu Königslutter

Johann Sebastian Bach

IMG_2373_Dom

Der Kaiserdom in Königslutter (Foto: mb)

Matthäus-Passion

Mitwirkende:
James Gilchrist, Evangelist
Stephan Loges, Jesus
Hannah Morrison, Sopran
Eleanor Minney, Alt
Reginald Mobley, Countertenor
Andrew Tortise, Gareth Treseder, Tenor
Alex Ashworth, Ashley Riches, Jonathan Sells, Bass
Thomaner Nachwuchschor
Thomaner Anwärter
Monteverdi Choir
English Baroque Soloists
Leitung: John Eliot Gardiner

 

Gardiner + Bach + Matthäuspassion

Was soll ich da noch schreiben? Diese drei Begriffe sagen eigentlich alles. Wir erlebten ein unglaublich intensives Konzert. Ich scheue mich eigentlich, diesen Abend Konzert zu nennen, so stark fühlte ich mich in das Geschehen mitten im Kirchenschiff hinein gezogen.

Aber von vorne.

IMG_2371_Kirchenschiff

Die Bühne (Foto: mb)

Die Bühne war wieder in der Mitte des Kirchenschiffes aufgebaut, sodass das Publikum rechts und links davon saß und selbst auf den besten Plätzen zum Teil deutliche Sichteinschränkungen hatten. Einige wenige Plätze gab es auch frontal zum Orchester im Seitenschiff, aber auch dort werden die Säulen die Sicht beschränkt haben. Akustisch war es auch nicht ideal. Die „Turbo“-Turba-Chöre verschwanden dann schon mal wie „Blitze und Donner“ in den Wolken, sprich, manches der sehr filigranen Chöre waren doch etwas verwaschen. Je nachdem, welchem Zuschauerblock die Solisten entgegensangen, waren sie mal intensiver und mal weniger intensiv zu hören. Und manchmal gab es dann auch, je nach unterschiedlichem Schallweg, schwebende Harmonien, die Bach so nicht vorgesehen hatte. Oder hatte er doch? Denn auch das machte für mich einen Teil der Magie dieses Abends aus. Es war kein Konzert, in dem die einzelnen Nummern so gut und so schön wie möglich musiziert wurden, nein, alles war im Schwingen, es wogte hin und her und so entstand etwas jenseits der reinen Schallwellen, was mich zutiefst berührte.

Der Chor und alle Solisten sangen auswendig! Ich denke, das erklärt zum Teil die ungeheure Intensität. Sie hatten das Werk wirklich „in sich“ und konnten es nun „leben“.

Szenenfoto

„Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen“ (Foto: mb)

Dies begann mit dem Evangelisten James Gilchrist, der die Geschichte mit einer solchen Inbrunst erzählte, dass auch mal (gewollt) die Stimme versagte. Er putschte je nach Situation die anderen Mitwirkenden oder wies ihnen mit ganz viel Empfindsamkeit den Weg zur folgenden Musik. Nur eins ließ er nicht zu: unbeteiligt und distanziert zu sein. Ihm gegenüber stand Stephan Loges, der Jesus mit wunderbar warmem Bass sang. Dadurch entstand ein Dialog zwischen beiden Sängern, der fesselte. Überhaupt Dialog: dass das Orchester durchaus kammermusikalisch musiziert und damit einen große Lebendigkeit entstehen lässt, kennen wir von den English Baroque Soloists. Dass Solisten auch im Konzert miteinander agieren, haben wir auch schon gesehen. Aber dass ein Chor, oder wie hier ein Doppelchor sich die Stichworte zusingt, das habe ich so noch nicht gesehen. Dieses Miteinander und aus dem Herzen kommende Musizieren war schon außergewöhnlich. Die Solisten waren durch die Bank weg einfach wunderbar, nun gut mit einer Arie als Ausnahme. Sie haben die Grenzen in alle Richtungen ausgelotet, sei es mit der herzzerreißenden Arie “ Aus Liebe will mein Heiland sterben“ oder dem verzweifelten und auch aggressiven „Gebt mir meinen Jesum wieder“. Da bebte das Dach. Auch wenn ich hier die Solisten nicht einzeln mit ihren Arien vorstelle, möchte ich doch einen Sänger herausstellen. Es ist vielleicht noch bekannt, dass ich nicht gerade bekennender Countertenor-Fan bin. Aber so schön und so zu Herzen gehend wie hier von Reginald Mobley habe ich die Alt-Arien selten gehört. Diesen Namen wird man sich merken müssen. Dem stand auch Eleanor Minney in nichts nach. So intensiv und „gelebt“ habe ich das „Erbarme dich“ noch nie gehört. Dabei dachte ich schon manches Mal, dass es nicht mehr intensiver geht.

Es ist unfassbar, wie John Eliot Gardiner es immer wieder schafft, solche magischen Momente entstehen zu lassen. Besonders die Ausdeutung der Choräle mit der gewaltigen Intensität in alle Richtungen war für mich sehr bewegend. Da bin auch ich als Zuhörer Teil des Ganzen gewesen.

Es war nicht alles perfekt. Aber mir hat es wieder gezeigt, dass mein Credo „Perfektion ist langweilig“ immer noch gilt und Besonderes nur entstehen kann, wenn das Unmögliche gewagt wird. Wir haben wieder eine Sternstunde erleben dürfen. Dafür bin ich zutiefst dankbar.

Und nein, mit Flipflops habe ich niemanden gesehen. Das Publikum war auf meiner Seite auch sehr konzentriert, auf der anderen Seite war das wohl nicht so der Fall. Aber man kann nicht alles haben.

Meine Gedanken, meine Gefühle – ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
Seid gegrüßt
Barbara