Archiv der Kategorie: Johann Christoph Bach (1642-1703)

News aus der Klassikszene: Juli 2012

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Klassik-News Stand: 16.06.2012

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John Eliot Gardiner

John Eliot Gardiner

Sir John Eliot Gardiner 

Preisträger ECHO DEUTSCHER MUSIKPREIS KLASSIK 2012 

Preisträger mit dem Album:

Johann  Christoph Bach: „Welt, gute Nacht“

(Soli Deo Gloria/harmonia mundi)

Mehr Informationen über John Eliot Gardiner finden Sie im Netz

  Website

Die feierliche Preisübergabe findet

am 14. Oktober 2012 im Konzerthaus Berlin statt.

Das ZDF überträgt die Gala am selben Abend ab 22:00 Uhr.

CD - SDG 715 Johann Christoph Bach "Welt, gute Nacht"

CD – SDG 715 Johann Christoph Bach „Welt, gute Nacht“

Die Preisträger-CD SDG 715 ist >>  h i e r   << zu beziehen..!!
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Nachstehend ein Auszug von einer Kunden-Rezension:
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Mal vorweggeschickt um keine Missverstaendnisee aufkommen zu lassen – Gardiner ist immer eine Klasse fuer sich. Diese neueste Aufnahme des vielseitigen Briten, „Welt gute Nacht“, dessen Bach Kantaten Pilgrimage wohl zu den Meilensteinen der Bach Interpretation zu zaehlen ist, hat sich nun – als Live-Konzertmitschnitt veroeffentlicht – mit dem Onkel des grossen Thomaskantoren Johannn Christoph Bach beschaeftigt.
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Diese Musik ist stilistisch im Fruehbarock angesiedelt und wesentlich karger als die Werke seines Neffen. Dennoch sind die Motetten des Onkels musikalische Juwelen…. 
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Amerikanischer Organist Cameron Carpenter (Bild:BR)

Amerikanischer Organist Cameron Carpenter (Bild:BR)

Ritt auf dem Instrument (Orgel)

Cameron Carpenter ist der exzentrischste Organist der Welt – mühelos füllt er alle Säle und Kirchen.

Was diesem Mann an unschuldiger Musik unter die Hände und Füße kommt, verwandelt sich nicht immer zum Guten. Die Kompositionen werden gestylt und lackiert, bekommen Rouge ins Gesicht und High Heels an die Füße, und manchmal klingen sie nach Revue, nach Mummenschanz, zuweilen auch nach Bordstein. Cameron Carpenter ist eines der grellsten Phänomene der internationalen Musikszene: Er ist Organist und unfassbar virtuos. Kathedralen und Konzertsäle füllt er ohne Mühe.

Mit seinen Glitzerklamotten und den femininen Organistenschühchen gebärdet er sich so exzentrisch, wie er gar nicht sein will. Als Künstler ist er bestrebt, seriös bis in die Spitzen seines gegelten Haars zu sein. Nur will das niemand glauben, denn so einer – der muss ein bad boy sein. Ist er das, oder hat er bloß eine radikal eigene Sicht auf Performance und auf Werktreue?

Mehr zu diesem Orgel-Exzentriker in DIE ZEIT

Link: http://www.zeit.de/2012/18/KS-Carpenter

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YouTube-Video:

Cameron Carpenter in Akton

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You Tube: J.S. Bach Toccata und Fuge in d-moll BWV 565,

Cameron Carpenter

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Benno Schachtner (Contratenor)

Benno Schachtner (Contratenor)

Benno Schachtner in Leipzig ausgezeichnet

Der Contratenor Benno Schachtner, der lange Zeit in Detmold studiert hat, wurde beim Leipziger Bach-Wettbewerb mit dem 2. Preis ausgezeichnet. Darüber hinaus erhielt er den „Preis des Leipziger Barockorchesters“. Der Bach-Wettbewerb Leipzig zählt zu den weltweit bedeutenden Wettbewerben für junge Interpreten.

Schachtner ist dem Detmolder Konzertpublikum nicht nur als Sänger in der Klasse von Prof. Heiner Eckels in Erinnerung, sondern auch als Chorleiter – über lange Zeit hinweg war der Kirchenmusiker rechte Hand von Prof. Gerhard Weinberger.

Schachtner wurde 1984 in Illertissen (Bayern) geboren. Als Knabensopran und Solist bei den „Ulmer Spatzen“ unternahm er zahlreiche Reisen ins In- und Ausland (u.a. Luxemburg, Holland, Japan). Er war mehrmaliger Preisträger im Fach Klavier, Duo- und Sologesang bei „Jugend musiziert“ auf Landes- und Bundesebene (Landessieger in Baden-Württemberg). Parallel dazu erhielt er Orgelunterricht bei Christian Weiherer in Memmingen.

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Bachdenkmal Leipzig

Bachdenkmal Leipzig

Post mortem

Beethoven schrieb Tausende Briefe, Mozart Hunderte. Von Johann Sebastian Bach ist ein einziger privater Brief bekannt. Forscher glauben: Da muss mehr sein.

Leipzig im Jahr 1730. Johann Sebastian Bach ist gereizt. Das Gehalt als Thomaskantor zu niedrig. Das Leben in der Messestadt kostspielig. Acht Kinder sind zu versorgen. Die Arbeitsbedingungen schlecht. Immer nur Ärger mit dem Stadtrat, alles Kunstbanausen. Eine »wunderliche un der Music wenig ergebene Obrigkeit«. Unerträglich. Nichts wie weg!

Ein einziges Lamento ist dieser Brief an Georg Erdmann, seinerzeit kaiserlich-russischer Gesandter in Danzig. Bach hatte sich vier Jahre lang nicht bei seinem einstigen Mitschüler und lebenslangen Freund gemeldet, er bedauert das in dem Schreiben. Erdmann aber durfte sich glücklich schätzen, überhaupt eine Botschaft von ihm in Händen zu halten. Der Kantor in Leipzig nämlich scherte sich nicht groß um private Korrespondenzen….

Zum ganzen Artikel: DIE ZEIT  >> h i e r <<

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Radiotipps 16.2. – 19.2.2012

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Links zu den Radiosendern sind auf der Seite WebRadios zu finden:

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16.2.2012

SWR2
20:03-21:00

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Die wichtigsten Quellen der historischen Aufführungspraxis (2/7)
Johann Joachim Quantz: „Versuch einer Anweisung, die Flöte traversiere zu spielen“
Doris Blaich im Gespräch mit dem Flötisten Michael Schmitt-Casdorff

Der Titel dieses Buches ist ein Understatement: Johann Joachim Quantz, der Flötenlehrer von Friedrich dem Großen, hat hier nämlich nicht nur eine – sehr detaillierte – Flötenschule geschrieben, sondern auch wichtige Hinweise für Instrumentalisten jeglicher Couleur festgehalten: Der Konzertmeister findet Tipps, wie er ein Orchester gut anführen soll, Tutti-Streicher erfahren, worauf es im Orchester ankommt, Cembalisten können ihre „Pflichten“ nachlesen. Außerdem findet man wichtige Anmerkungen zur Musikästhetik des 18. Jahrhunderts. 1752 erschien in Berlin die erste gedruckte Ausgabe von Quantz‘ „Allrounder“. Für jeden, der sich für Barockmusik interessiert, ist dieses Buch eine Fundgrube – überdies ist es gut geschrieben, und der Humor kommt auch nicht zu kurz. Der Flötist Michael Schmidt-Casdorff erzählt im Gespräch mit Doris Blaich, was ihm Quantz‘ „Versuch“ bedeutet – für sein eigenes Musikmachen und für seine Unterrichtstätigkeit. Übrigens hat Schmidt-Casdorff, der ursprünglich von der Querflöte kam, das Spielen auf der historischen Traversflöte autodidaktisch mit diesem Buch gelernt. Heute unterrichtet er Traversflöte und Kammermusik an der Münchner Musikhochschule und spielt in einigen renommierten Alte-Musik-Ensembles. (Teil 3, Donnerstag, 23. Februar, 20.03 Uhr)

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18.02.2012
WDR3
13:04-15:00

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Musikpassagen
Einfach.Kompliziert.
Bach schreibt fünfstimmige Fugen: hätten es nicht auch vier Stimmen getan? Schon früh ist Musik, vor allem wenn sie sich als Kunst versteht, ein Spiel mit Komplexität. Was treibt den englischen Renaissance-Tüftler Thomas Tallis dazu, sein „Spem in alium“ als vierzigstimmige Raummusik zu notieren? Sein Landsmann Brian Ferneyhough schreibt, vierhundert Jahre später, kaum noch entzifferbare Partituren: wer kann noch folgen? Eine Musikpassage über das Hören von vertrackter Musik als Übung in „Komplexitätstoleranz“: Wer zulässt, nicht alles zu „verstehen“, findet neue Schätze, auch bei Beethoven.

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WDR3
19:00-20:00
Vesper

Altbachisches Archiv

Johann Bach
Unser Leben ist ein Schatten; Cantus Cölln, Leitung: Konrad Junghänel

Johann Michael Bach
Auf, lasst uns den Herren loben; Gérard Lesne, Countertenor; Il Seminario Musicale

Johann Christoph Bach
Es erhub sich ein Streit; Maria Zedelius, Sopran; Ulla Groenewold, Alt; Paul Elliott, Tenor; Stephen Varcoe und Michael Schopper, Bass; Rheinische Kantorei; Musica Antiqua Köln, Leitung: Hermann Max

Johann Sebastian Bach
Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn, BWV Anhang 159; Hilliard Ensemble

Johann Sebastian Bach
Capriccio E-dur, BWV 993 „In honorem Johann Christoph Bachii“; Masaaki Suzuki, Cembalo

Anonymus
Weinet nicht um meinen Tod; Cantus Cölln, Leitung: Konrad Junghänel

Adam Dreese
Nun ist alles überwunden; Cantus Cölln, Leitung: Konrad Junghänel

Johann Christoph Bach
Mein Freund ist mein und ich bin sein, aus „Meine Freundin, du bist schön“; Nele Gramß, Sopran; Ensemble Movimento

Johann Michael Bach
Nun hab ich überwunden; Choir of Trinity College, Leitung: Richard Marlow

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19.2.2012

rbb kulturradio
18:04-19:00
Musikland Brandenburg

Alte Musik wird in Brandenburg groß geschrieben. Viele Ensembles, die sich auf Alte Musik und Barockmusik spezialisiert haben, waren in den vergangenen Jahren in den Kirchen und den Konzertsälen der Region zu Gast – vom King’s Consort bis zu den English Baroque Soloists.

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Liebe Grüße

Barbara

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Neue Reihe: Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantatenbeschreibung für den 16. Sonntag nach „Trinitatis“

J.S. Bach-Denkmal Leipzig von Felix Mendelssohn-Bartholdy gestiftet

Liebe Bach-Freunde/innen !

Nach den Veröffentlichungen einer Übersicht der BWV für Bach-Kantaten:

Link: BWV als PDF-Download im Blog 

stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.

Am 09.10.2011 begehen wir den 16. Sonntag nach „Trinitatis“

Der 16. Sonntag nach Trinitatis ist geprägt vom Evangelium von der Auferweckung des Lazarus. In dieser Geschichte sowie in den Epistellesungen wird deutlich, dass mit Jesus weit mehr gekommen ist als nur ein großer Prediger. Er hat das Leben in diese Welt gebracht und den Tod besiegt. Dieser Sieg wird schon durch sein Handeln auf Erden sichtbar. Am 16. Sonntag nach Trinitatis hören wir das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus und wir staunen über die Worte Jesu. Diese Worte sprechen in keine alltägliche Situation, sondern sind Trauernden und bedrückten zugesprochen. Wir können getrost sein darüber, dass Gott alles Geschehen in userem Leben kennt und weiß, wann wir seiner besonderen tröstenden Hilfe bedürfen. Es ist gut zu wissen, dass nichts ohne seinen Willen geschieht.

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Bach-Kantaten für den 16. Sonntag nach Trinitatis

BWV    8 –  „Liebster Gott, wenn werd ich sterben

BWV   27 –  „Wer weiß, wie nahe mir mein Ende

BWV   95 –  „Christus, der ist mein Leben

BWV   161 –  Komm, du süße Todesstunde

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„Bach-Kantate“ WDR3 – Geistliche Musik

Sonntag, 09.10.2011 von 09:05  – 10:00 Uhr

Livestream-Link: 

http://www.wdr.de/wdrlive/wdrplayer/wdr3player.html

Allgemein Link: 

http://www.wdr.de/radio/wdr3/

Programm: Link: 

http://www.wdr.de/programmvorschau/programDateDateSender.jsp?programmeId=3;dayOffset=0

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WDR3 – „Geistliche Musik“ – Programmauszug:

 Johann Sebastian Bach

BWV 95 „Christus, der ist mein Leben“ Kantate zum 16. Sonntag nach Trinitatis für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo;

Dorothee Mields, Sopran; Hans Jörg Mammel, Tenor; Thomas Bauer, Bass;

Collegium Vocale Gent, Leitung: Philippe Herreweghe

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Eine weitere Programmankündigung:

NDR-Kultur für den Sonntag, 09.10.2011

Online-Radio-Livestream: http://www.ndr.de/ndrkultur/livestream154.html

PDF-Programm: 

http://www.ndr.de/ndrkultur/programm/programmuebersichten/programmuebersicht106.html

08:05 Uhr bis 08:40 Uhr Kantate
Geistliche Musik am Sonntagmorgen
08:00 Nachrichten, Wetter

Geistliche Musik am 16. Sonntag nach Trinitatis

Ernst Friedrich Richter:
Da Israel aus Ägypten zog, Motette
Junges Vokalensemble Hannover Ltg.: Klaus-Jürgen Etzold

Alexandre-Pierre-François Boëly:

sechs Kyrie-Versetten Eberhard Lauer, Orgel

Johann Sebastian Bach:
Christus, der ist mein Leben, Kantate BWV 95

Dorothee Mields, Sopran / Hans Jörg Mammel, Tenor Thomas Bauer, Bass /

Chor und Orchester des Collegium Vocale Gent / Ltg.: Philippe Herreweghe

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/ YouTube: BWV 161 – 

 „Komm du süße Todesstunde  – Part 1  (Interpret: Harnoncourt)

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/ YouTube: BWV 161 – 

 „Komm du süße Todesstunde  – Part 2  (Interpret: Harnoncourt)

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Kantaten-Beschreibung zum BWV 8 – BWV 27 – BWV 95 BWV 161

Kantaten für den 16. Sonntag nach Trinitatis –

Aufführungsort: Santo Domingo de Bonaval, Santiago de Compostela (Spanien) am 07.10.2000

Nordgalizien war in warmes Herbstlicht getaucht, die Sonne strahlte von einem wolkenlosen Himmel, als wir zum berühmtesten aller Pilgerziele flogen. Die vier Kantaten für den 16. Sonntag nach Trinitatis gehen auf die Geschichte aus dem Evangelium von der Auferweckung des Jünglings zu Nain zurück. Alle vier – BWV 161, 27, 8 und 95 – drücken die lutherische Todessehnsucht aus, und alle bis auf eine enthalten das Läuten der ‚Leichenglocken’. Doch ungeachtet der gleichen Thematik weisen Satz, Form und Stimmung eine ungeheure Vielfalt auf, und zusammen bilden sie eine überzeugende und tief bewegende Tetralogie – eine Musik, die heilsam und erhebend ist.

Es war eine Freude, „Komm, du süße Todesstunde“ BWV 161,

jene erstaunliche Kantate aus Bachs Weimarer Jahren, noch einmal aufzuführen, nachdem wir sie an Bachs Todestag (28. Juli) in der Abtei Iona gegeben hatten. Während dort in erster Linie die pastorale Textur den stärksten Eindruck hinterlassen hatte, ohne Zweifel deshalb, weil sie sich so herrlich in die Landschaft der Insel fügte, war es hier die herzzerreißende Schönheit der Tenorarie ‚Mein Verlangen’ (Nr. 3) mit ihrem sinnlichen Streichersatz, die besonders berührte, vor allem in der Weise, wie Mark Padmore sie sang.

Mit zwei ihrer Sätze im Dreiertakt (Nr. 3 und 5) scheint die Kantate BWV 161 für Bachs spätere Kantaten, die sich mit dem Ruf nach dem Tod befassen, das Muster vorzugeben – oder ist das nur ein Zufall? Könnte es ein absichtlicher Kunstgriff gewesen sein, das bekümmerte Herz zu beschwichtigen? Drei der vier Hauptsätze in BWV 95 weisen einen Dreierrhythmus auf. Das gilt auch für den zauberhaften Anfangschor von BWV 27 Wer weiß, wie nahe mir mein Ende, eine elegische Klage, in die Bach die modale Melodie des Kirchenliedes ‚Wer nur den lieben Gott lässt walten’ von Georg Neumark einflochten hat und die Ausführende und Hörer jedes Mal, wenn sie auf unserer Pilgerroute begegnete, in gleicher Weise begeisterte.

Die Vergänglichkeit der Zeit wird hier durch die langsamen Pendelschläge in den Bässen des Orchesters angedeutet; als Gegengewicht dazu schaffen die fallende Figur in den hohen Streichern und ein schmerzlich aufgebrochenes Thema in den Oboen den Hintergrund für die bedrückende Choralmelodie, die mit dem besinnlichen Rezitativ verflochten ist. Sogar das obligate Cembalo und die Continuolinie der munteren Altarie (Nr. 3) scheinen vom Geist der gemessenen Zeit inspiriert (hier im harten Anschlag der Cembalotasten zu hören), ein Merkmal, das in diesen Totenglocken-Kantaten häufig wiederkehrt. Die Bassarie in g-moll (Nr. 5) weist eine enge Verwandtschaft mit Petrus’ Verleugnungsarie ‚Ach mein Sinn’ in Bachs Johannespassion auf, zumindest in den einleitenden Takten des Abschieds vom eruptierenden ‚Weltgetümmel’, das die scheidende Seele mit Freuden zurücklassen wird.

Der kraftgeladene Streichersatz hier, eine Aktualisierung von Monteverdis stilo concitato, ist nicht Bachs einziger Blick zurück in die Vergangenheit. In dem abschließenden Choral (Nr. 6) zitiert er, was bei ihm ganz ungewöhnlich ist, fast unverändert die Komposition eines Vorgängers – Johann Rosenmüllers fünfstimmige Aria ‚Welt, ade! ich bin dein müde’, die 1652 in Leipzig im Druck erschienen war. Sie wirkt durchaus passend. Bach, der auf so unnachahmliche Weise Choräle vertonte, war vielleicht der Meinung, dass hier nichts besser gemacht werden konnte.

Der Anfangssatz von BWV 8 „Liebster Gott, wenn werd ich sterben?“ ist ein ungewöhnliches Klangtableau. Es besteht aus einer fast ununterbrochenen Bewegung im 12/8-Takt der beiden Oboen d’amore über einer gedämpften Staccato-Begleitung der hohen Streicher und einem Pizzicato im Bass. Über diese hinaus erhebt sich die Flöte, die außerhalb ihres normalen Tonbereichs spielt.2 Der Oboensatz lässt an Brahms denken, aber auch an Berlioz und an L’Enfance du Christ in der Instrumentierung und einigen der harmonischen Fortschreitungen, während der Beginn der vom Sopran gesungenen (und vom Zinken verdoppelten) Choralmelodie fast den Schwung einer Jahrmarktsmusik aufweist. Der ganze Satz ist von einer elegischen und schillernden Zärtlichkeit geprägt, die ihm seinen besonderen Charme verleiht. Die Totenglocken kehren (zumindest als Schlussfolgerung) in den lose aneinander gefügten Achtelnoten der Tenorarie (Nr. 2) bei den Worten ‚wenn meine letzte Stunde schlä-ä-ä- ä-ä-ä-gt’ und im Pizzicato der Continuobegleitung wieder. Als schönes Gegengewicht versichert die Bassarie (Nr. 4) voller Zuversicht, Jesus werde den Menschen ein besseres Leben zuteil werden lassen. Hier stattet Bach Sänger, Flöte und Streicher mit einer ungenierten Tanzmusik aus, einer Gigue in A-dur und im 12/8-Takt, die in ihrem prahlerischen Überschwang an das Finale des sechsten Brandenburgischen Konzertes erinnert.

 © John Eliot Gardiner 2004

Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch

Übersetzung: Gudrun Meier

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  Sir Gardiners Kantaten-Beschreibungen für den 15. und 16. Sonntag nach Trinitatis:

               Link:     h i e r  zum Download als PDF  Gardiner    

  Künstler-Beitrag –  Link: Künstlerbeitrag Mark Padmore, Tenor   

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/ YouTube: BWV  8 –

  „Liebster Gott, wenn werd ich sterben  (Interpret: J.E. Gardiner)

 

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/ YouTube: BWV  27 – 

„Wer weiß, wie nahe mir mein Ende“  (Interpret: J.E. Gardiner)

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/ YouTube: BWV  95 –  Part 1

„Christus, der ist mein Leben“  (Interpret: Harnoncourt)

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/ YouTube: BWV  95 –  Part 2

„Christus, der ist mein Leben“  (Interpret: Harnoncourt)

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CD für den 16. Sonntag nach „Trinitatis“ 
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……Cover: CD’s – SDG 104 – Vol.  8  (CD 2)
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BWV 8 – Liebster Gott, wenn werd ich sterben

BWV 27 – Wer weiß, wie nahe mir mein Ende

BWV 95 – Christus, der ist mein Leben

BWV 161 – Komm, du süße Todesstunde……….

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Ich wünsche allen Besuchern eine schönen Sonntag.

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Grüße

Volker

Neue Reihe: Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantatenbeschreibung für den 15. Sonntag nach „Trinitatis“

Die Musikstadt Leipzig auf einem Stich von J. C. A. Richter, um 1835..!!

Liebe Bach-Freunde/innen !

Nach den Veröffentlichungen einer Übersicht der BWV für Bach-Kantaten:

Link: BWV als PDF-Download im Blog 

stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.

Am 02.10.2011 begehen wir den 15. Sonntag nach „Trinitatis“

Der 15. Sonntag nach Trinitatis hat „Irdische Güter“ zum Thema. Es geht ums Sorgen, die Angst um die Zukunft, um das, was morgen kommt, die Sorge um das leibliche Wohl, um das Dach über dem Kopf. Mancher Predigttext legt eine gewisse Leibfeindlichkeit nahe, etwas, das einzuüben heute gewiss nicht ganz verkehrt ist. Dabei sollte man sich allerdings davor hüten, die Gaben Gottes, von denen wir leben, zu verteufeln. m 15. Sonntag nach Trinitatis wird unser Blick fortgelenkt von den irdischen Gütern. Sie sollen nicht unsere erste und alleinige Sorge sein. So werden wir frei zu einem Leben in der Nachfolge Jesu. oder oft haben wir uns durch mühsame Arbeit einen Lebensstandard geschaffen, der uns ein Gefühl der Behaglichkeit und des Wohlstandes vermittelt. Diesen Lebensstandard zu erhalten, wird jedoch immer schwieriger, und Sorge um die Zukunft bestimmt unser Leben zusehends. Heute, am 15. Sonntag nach Trinitatis, werden wir durch die Lesungen daran erinnert, dass alles, was wir hier schaffen, vergänglich ist. Es ist tröstlich zu wissen, dass Gott uns nicht im Stich lassen wird, selbst wenn das, was wir haben, verloren geht.

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Bach-Kantaten für den 15. Sonntag nach Trinitatis

BWV   51 –  „Jauchzet Gott in allen Landen

BWV   99 –  „Was Gott tut, das ist wohlgetan

BWV   138 –  „Warum betrübst du dich, mein Herz

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„Bach-Kantate“ WDR3 – Geistliche Musik

Sonntag, 02.10.2011 von 09:05  – 10:00 Uhr

Livestream-Link: 

http://www.wdr.de/wdrlive/wdrplayer/wdr3player.html

Allgemein Link: 

http://www.wdr.de/radio/wdr3/

Programm: Link: 

http://www.wdr.de/programmvorschau/programDateDateSender.jsp?programmeId=3;dayOffset=0

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WDR3 – „Geistliche Musik“ – Programmauszug:

Heinrich von Herzogenberg

Alle gute und vollkommene Gabe / Schmecket und sehet / Danket dem Herren

/ Halleluja / Amen, aus „Zum Erntedank“, op. 99;

Rheinische Kantorei, Leitung: Hermann Max

Dietrich Buxtehude

Wie schmeckt es so lieblich und wohl für 3 Singstimmen, Streicher und

Basso continuo; Katherine Hill, Sopran; Matthew White, Altus; Paul

Grindlay, Bass; Ariadna Ensemble, Leitung: Kevin Mallon

 Johann Sebastian Bach

BWV 99, „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ Kantate am 15. Sonntag nach Trinitatis für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo;

Yukari Nonoshita, Sopran; Daniel Taylor, Countertenor; Makoto Sakurada, Tenor; Peter Kooij, Bass;

Bach Collegium Japan, Leitung: Masaaki Suzuki

Johann Sebastian Bach

Präludium und Fuge C-dur, BWV 553 für Orgel; Gerhard Weinberger an der

Hoffmann-Orgel der Marienkirche Mechterstädt

Georg Philipp Telemann

Nun danket alle Gott, Kantate für Erntedankfest und andere Dankfeiern

für Soli, Chor, Bläser, Streicher, Pauken und Basso continuo; Gerhild

Romberger, Alt; Hans Jörg Mammel, Tenor; Gotthold Schwarz, Bass; Basler

Madrigalisten; L´arpa festante, Leitung: Fritz Näf

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Eine weitere Programmankündigung:

NDR-Kultur für den Sonntag, 02.10.2011

Online-Radio-Livestream: http://www.ndr.de/ndrkultur/livestream154.html

08:05 Uhr bis 08:40 Uhr Kantate
Geistliche Musik am Sonntagmorgen
08:00 Nachrichten, Wetter

Geistliche Musik am Erntedanktag

Heinrich Schütz:
Lasset uns doch den Herren, unseren Gott, loben Geistliches Konzert aus „Symphoniae Sacrae“, 3. Teil

Kammerchor Stuttgart mit Solisten / Musica Fiata Ltg.: Frieder Bernius

Johann Pachelbel:
Was Gott tut, das ist wohlgetan, Choralvariationen

Reinhard Ruge, Orgel

Johann Sebastian Bach:
Jauchzet Gott in allen Landen, Kantate BWV 51

Ruth Ziesak, Sopran / Reinhold Friedrich, Trompete Berliner Barock Compagney

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/ YouTube: BWV 51 – 

 „Jauchzet Gott in allen Landen  

(Interpret: Nancy Argenta, sopranoCrispin Steele-Perkins, trumpet

Ensemble Sonnerie Monica Huggett, conductor)

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Kantaten-Beschreibung zum BWV 51 – BWV 99 – BWV 138

Kantaten für den 15. Sonntag nach Trinitatis –

Kantaten für den 15. Sonntag nach Trinitatis, Aufführungsort: Kirche Unser Lieben Frauen, Bremen am 28.09.2000

Da im Jahr 2000 zwei Feiertage so dicht aufeinander folgten – Erzengel Michael (29. September) und der 15. Sonntag nach Trinitatis (1. Oktober) – und die Finanzlage unserer ‚Cantata-Pilgrimage’-Projektes angespannter denn je war, machten wir von dem Angebot Gebrauch, beim Musikfest Bremen zwei Konzerte aufzuführen. Die einst wohlhabende Hafenstadt Bremen war im 16. Jahrhundert Schauplatz einer langen blutigen und ausweglosen Auseinandersetzung zwischen den missgestimmten Anhängern beider Ausprägungen des Protestantismus – den Kalvinisten, die vorwiegend dem Kaufmannsstand angehörten, und den Lutheranern unter der Führung des Adels. Für uns bedeutete das Angebot, dass wir unsere beiden Konzerte an einem einzigen Ort (in der Kirche Unser Lieben Frauen) aufführen (und einspielen) und beide Programme dann in der Franziskanerabtei Neviges und – am 15. Sonntag nach Trinitatis – in der Bonner Münsterbasilika wiederholen konnten.

Ein Teil der Kantatenmusik Bachs enthält mehr Dunkelheit als Licht; in den Kantaten jedoch, die er für den 15. Sonntag nach Trinitatis komponiert hat, wird eine tiefe, satte Dunkelheit von zartem Lichtglanz durchflutet.

BWV 138 „Warum betrübst du dich“ ein herzzerreißendes Werk aus Bachs erstem Leipziger Zyklus, ist dafür ein typisches Beispiel: Es schildert, unterbrochen von aufmunternden Rufen des Chores, standhaft zu bleiben, die Reise des bekümmerten Christen aus tiefer Verzweiflung zur Festigkeit im Glauben. Die Form der Kantate wurde heftig kritisiert. Philipp Spitta (1881) vermochte nicht einzusehen, dass zwei auf unterschiedliche Weise angelegte Choralsätze aufeinander folgten (warum eigentlich nicht?), während Albert Schweitzer (1911) die Meinung vertrat, Bach habe ohne einen sehr klaren Plan zu komponieren begonnen. Ich fand, dass dergleichen heftige Kritik nicht mehr angemessen ist, sobald das Werk aufgeführt wird. Es steht außer Frage, dass BWV 138 eine ausgesprochen originelle, neue Möglichkeiten auslotende Komposition ist, zum einen altertümlich, vor allem in dem motettenartigen Satz in den Nummern 1 und 2 (die an seine frühen Stücke aus Mülhausen und Weimar erinnern), und gleichzeitig modern in der Weise, wie Bach drei aufeinander folgende Strophen eines Chorals aus dem 16. Jahrhundert in den Griff bekommt und dabei den auf Chorälen basierenden Satz der Kantaten aus seinem zweiten Leipziger Zyklus vorwegnimmt. Es ist ein kluger Kunstgriff, der ihm die Möglichkeit gibt, zwischen Angst (den rezitativischen Einwürfen des Solisten) und Glauben (den vom Chor dargebotenen Choralversen) die Spannung aufzubauen. Die Kantate gelangt nach halber Wegstrecke zu ihrem Wendepunkt – dem Gläubigen beginnt die Vorstellung zu dämmern, dass Gott zu seiner Rettung kommen wird (in Nr. 3), und er äußert sein Vertrauen in die göttliche Fürsorge (in Nr. 4). Die kunstvoll ausgestaltete Fantasia im 6/8-Takt des Schlusschorals bietet ein perfektes – und wohlkalkuliertes – Gegengewicht zu der düsteren und bekümmerten Stimmung der Anfangssätze.

„Jauchzet Gott in allen Landen“ BWV 51, von den uns erhaltenen Kantaten Bachs eine der sehr wenigen, die wirklich populär wurden, scheint nie ihren gleißenden Charme zu verlieren – vorausgesetzt allerdings, Sopran und Trompete sind den gewaltigen technischen Anforderungen gewachsen (was hier auf die beiden Schweden, Malin Hartelius und Niklas Eklund, mit Sicherheit zutrifft). Bei aller Brillanz der Ecksätze, die der Trompete den ersten Rang einräumen, sind meiner Meinung nach die Binnensätze – das Accompagnato (Nr. 2) und die himmlische Aria ‚Höchster, mache deine Güte’ im 12/8-Takt – von musikalisch größerem Reiz. Wäre es zu weit hergeholt, in dieser Musik Bachs zärtliche Gefühle gegenüber seiner zweiten Frau zu entdecken? Sie war eine arrivierte Kammersängerin, und mir ihr hat er möglicherweise in den 1730er Jahren das Werk am Weißenfelser Hof aufgeführt.

© John Eliot Gardiner 2004

Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch

Übersetzung: Gudrun Meier

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  Sir Gardiners Kantaten-Beschreibungen für den 15. Sonntag nach Trinitatis:

               Link:     h i e r  zum Download als PDF  Gardiner    

  Künstler-Beitrag –  Link: Künstlerbeitrag Mark Padmore, Tenor   

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/ YouTube: BWV  99 –

  „Was Gott tut, das ist wohlgetan  (Interpret: Carità by W. Bouguereau)

 

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/ YouTube: BWV  138 – 

„Warum betrübst du dich, mein Herz“  (Interpret: unbekannt)

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CD für den 15. Sonntag nach „Trinitatis“ 
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……Cover: CD’s – SDG 104 – Vol.  8  (CD 1)
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BWV 51 – Jauchzet Gott in allen Landen

BWV 99 – Was Gott tut, das ist wohlgetan

BWV 100 – Was Gott tut, das ist wohlgetan III

BWV 138 – Warum betrübst du dich, mein Herz

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Ich wünsche allen Besuchern eine schönen Trinitatis-Sonntag.

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Grüße

Volker

Neue Reihe: Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantatenbeschreibung für den 14. Sonntag nach „Trinitatis“

Johann Sebastian Bach-Denkmal in Eisenach

Liebe Bach-Freunde/innen !

Nach den Veröffentlichungen einer Übersicht der BWV für Bach-Kantaten:

Link: BWV als PDF-Download im Blog 

stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.

Am 25.09.2011 begehen wir den  14. „Sonntag nach Trinitatis“

Der 14. Sonntag nach Trinitatis redet von der heilenden Kraft Gottes. Das Thema dieses Sonntags ist diesmal von der Epistel her abgeleitet. Die anderen Texte haben wenig mit dem Thema zu tun. Wir hören am 14. Sonntag nach Trinitatis die Erzählung von der Heilung der zehn Aussätzigen. Wir erfahren die Kraft Gottes, durch die Menschen, die Außenseiter waren, wieder zu Gliedern der Gemeinde werden. Die lebendige Kraft des Geistes Gottes hat auch uns zur Gemeinde hinzugetan; in ihr bringen wir unseren Dank gegen Gott zum Ausdruck dafür, dass wir seine Kinder sein dürfen, indem wir einander achten und lieben.

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Bach-Kantaten für den 14. Sonntag nach Trinitatis

BWV    17 –  „Wer Dank opfert, der preiset mich

BWV   25 –  „Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe

BWV   78 –  „Jesu, der du meine Seele

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„Bach-Kantate“ WDR3 – Geistliche Musik

Sonntag, 25.09..2011 von 09:05  – 10:00 Uhr

Livestream-Link: 

http://www.wdr.de/wdrlive/wdrplayer/wdr3player.html

Allgemein Link: 

http://www.wdr.de/radio/wdr3/

Programm: Link: 

http://www.wdr.de/programmvorschau/programDateDateSender.jsp?programmeId=3;dayOffset=0

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WDR3 – „Geistliche Musik“ – Programmauszug:

Johann Sebastian Bach

BWV 25 

„Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe,“

Kantate zum 14. Sonntag nach Trinitatis für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo;

Malin Hartelius, Sopran; James Gilchrist, Tenor; Peter Harvey, Bass;

Monteverdi Choir; English Baroque Soloists,

Leitung: John Eliot Gardiner

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Eine weitere Programmankündigung:

NDR-Kultur für den Sonntag, 25.09.2011

Online-Radio-Livestream: http://www.ndr.de/ndrkultur/livestream154.html

08:05 Uhr bis 08:40 Uhr Kantate
Geistliche Musik am Sonntagmorgen
08:00 Nachrichten, Wetter

Geistliche Musik am Tag des Erzengels Michael und aller Engel

Johann Christoph Bach:
Es erhub sich ein Streit, Kantate
Maria Zedelius, Sopran / Ulla Groenewold, Alt
Paul Elliott, Tenor / Michael Schopper und Stephen Varcoe, Bass / Rheinische Kantorei
Musica Antiqua Köln / Ltg.: Reinhard Goebel

Franz Tunder:
Herr Gott, dich loben wir, Choralfantasie
Albert Behrends, Orgel

Johann Sebastian Bach:

Kantate BWV 149

„Man singet mit Freuden vom Sieg“

Ausführende:  Malin Hartelius, Sopran / William Towers, Altus  / James Gilchrist, Tenor / Peter Harvey, Bass

Monteverdi Choir London / English Baroque Soloists  / Ltg.: John Eliot Gardiner 

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/ YouTube: BWV 25 – 

 Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe“  (Interpret: Gardiner)

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Kantaten-Beschreibung zum BWV 17, 25  und 78

Kantaten für den vierzehnten Sonntag nach Trinitatis –

Aufführungsort: Abbaye d’Ambronay, am: 24.9.2000

Manchmal bekommt man das Gefühl, Bach hätte Beethovens inneren Aufruhr verstehen können, auch wenn ihm die musikalische Sprache, in der er geäußert wurde, zum Teil (und zu jener Zeit schrecklich) fremd vorgekommen wäre. Aber Tatsache ist, dass auch Bach die Gladiatorenkämpfe zwischen Gut und Böse, Geist und Fleisch in der Brust des Menschen erlebte und seine Erfahrungen kundig zum Ausdruck brachte. Das erzählt uns seine Musik, und das erzählen auch die privaten Notizen und Unterstreichungen in seinem Exemplar des Kommentars zur Calov-Bibel. Diese ganze Trinitatiszeit hindurch hatte er uns ein Beispiel nach dem andern für die harschen moralischen Alternativen geboten, vor die wir täglich in unserem Leben gestellt werden. Da seine Bezüge und die vertonten Texte dieser Trinitatiskantaten eindeutig lutherisch sind, haben wir uns schnell daran gewöhnt, auf welche Weise der menschliche Akteur in Szenarien von Glaube und Fall, Sünde und Satan positioniert wird. Doch das schmälert keineswegs weder die zutiefst menschliche Sicht Bachs noch die Kühnheit seiner musikalischen Antworten.

Nehmen wir diese drei Kantaten für den vierzehnten Sonntag nach Trinitatis, die alle direkt oder im weitesten Sinne auf dem Evangelium des Tages basieren, der Geschichte, wie Jesus die zehn Aussätzigen heilt (Lukas 17:11–19). In seinem ersten Versuch, der Kantate BWV 25 Es ist nicht Gesundes an meinem Leibe, die am 29. August 1723 uraufgeführt wurde, behandeln Bach und sein anonymer Librettist das Thema Aussatz als Metapher für die ganze Menschheit, in einer Sprache plastischer Extreme: ‚Der erste Fall hat jedermann beflecket / und mit dem Sündenaussatz angestecket’ – die ganze Welt ist ‚nur ein Hospital’ für die unheilbar Kranken. Die Lösung? ‚Du, mein Arzt, Herr Jesu, nur / weißt die beste Seelenkur’ (Nr. 3). So wird auf typische Weise, wie in so vielen seiner Kantaten, für den einzelnen Sünder in seiner Verzweiflung der Plan zu einer spirituellen Reise aufgestellt; ein Weg wird gewiesen, und der schmerzhafte Prozess des Heilens kann beginnen. Manche meinen vielleicht, der Text und überhaupt das ganze Konzept seien schwierig zu verdauen, aber wie immer, wenn wir uns Bachs Musik zuwenden, werden erkennen wir, dass er alles daran setzt, die schlimmsten verbalen Exzesse auszugleichen.

In der Tat, was dieser Kantate eine überraschende Wende gibt, ist die Rolle, die der Musik im Genesungsprozess zugewiesen wird. Die zweite Arie (Nr. 5) bringt die Hoffnung des Sünders/Komponisten zum Ausdruck, dass seine ‚schlechten Lieder’ gnädig angenommen werden mögen, und es ist durchaus möglich, dass es hier für Bach persönliche Bezüge gab: Er stellt zwei Instrumental-‚Chöre’ nebeneinander, einen irdischen (Oboen und Streicher) und einen himmlischen (drei Blockflöten), als Vorfreude auf den Chor der Engel, in deren Mitte sein ‚Danklied besser klingen’ werde. Es ist ein Freudentanz im Dreiertakt, der nach dem vorherigen Geschehen eine willkommene Atempause schafft und Linderung gewährt. Doch gerade in diesen früheren Sätzen hat der Komponist auf seine besondere Art und mit unbeabsichtigter Ironie seine Marschrichtung zu erkennen gegeben.

Im Anfangschor steht hinter den Noten und jeder Zeile kontrapunktischer Verflechtung das klare Bewusstsein – und das Erschrecken darüber –, dass der Mensch durch die Sünde krank geworden ist. Es ist zum Beispiel bezeichnend für seine Art, wie er ein zweites Thema (‚und ist kein Friede in meinen Gebeinen’) über eine rastlose Basslinie legt, die aus einer Kette paariger Sechzehntel gebildet wird, ein so überzeugendes Symbol für das aufgewühlte Gemüt, wie man es sich nur vorstellen kann. Noch eindrucksvoller ist, wie er ein ganz neues Orchester aus drei Blockflöten, drei Posaunen und einem Zinken über die übliche Streicher-plus-Oboe-Gruppe setzt, um dem Passionschoral Herzlich tut mich verlangen, der bereits in langen Noten im Continuoteil vorgestellt wurde, besonderes Gewicht zu geben. Als Bass des Chorals trifft die Bassposaune zuweilen mit dem Generalbass zusammen, an anderer Stelle geht sie jedoch ihren eigenen Weg. Sie steht für den Felsen, auf dem zwölf separate Linien errichtet und verarbeitet werden können, eine Tour de Force kontrapunktischer Meisterschaft, selbst nach Bachs Maßstäben. (Es ist auch selten, dass Bach Posaunen auf diese Weise verwendet, völlig unabhängig von den Gesangslinien – und in Vorgriff auf das Finale zu Beethovens Fünfter Symphonie.)

Nach diesem opulenten Anfangschor beschränken sich die nächsten drei Sätze auf eine Continuobegleitung, so als sollte betont werden, dass der Patient persönlich spirituelle Heilung benötigt. Auf die Gefühle des Hörers oder eine drohende Übelkeit wird keine Rücksicht genommen. Krankheit, hitziges Fieber, Aussatzbeulen und der ‚hässliche Gestank’ der Sünde werden ausführlich geschildert und türmen sich zu einem leidenschaftlichen Appell an Christus als ‚Arzt und Helfer aller Kranken’, Erbarmen zu zeigen und zu heilen. Man könnte vermuten, das Ausforschen tonaler Modulationen, mit der Bach die Vorstellung von einer spirituellen Reise allegorisch zu wenden sucht, vor allem in dem Eingangsrezitativ des Tenors (Nr. 2), dürfte die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer garantieren, heißt es doch in seinem Nachruf: ‚Hat jemals ein Tonkünstler die verstecktesten Geheimnisse der Harmonie in die künstlichste Ausübung gebracht; so war es gewiss unser Bach.’ 

© John Eliot Gardiner 2006

Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch

Übersetzung: Gudrun Meier

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  Sir Gardiners Kantaten-Beschreibungen für den 12. und 13. Sonntag nach Trinitatis:

               Link:     h i e r  zum Download als PDF  Gardiner  

  Künstler-Beitrag –  Link: Künstlerbeitrag James Gilchrist, Tenor

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/ YouTube: BWV  17 – Part 1

  „Wer Dank opfert, der preiset mich  (Interpret: Harnoncourt)

 

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/ YouTube: BWV  17 – Part 2  (Interpret: Harnoncourt)

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/ YouTube: BWV 78 –  Part 1

 Jesu, der du meine Seele“   (Interpret: J.S. Bach-Stiftung St. Gallen)

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/ YouTube: BWV 78 –  Part 2  (Interpret: Harnoncourt)

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/ YouTube: BWV 164 –  Part 4  (Interpret: Harnoncourt)

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CD für den 14. Sonntag nach „Trinitatis“ 
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……Cover: CD’s – SDG 124 – Vol.  7  (CD 1)
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…….BWV 17 – Wer Dank opfert, der preiset mich
……BWV 25 – Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe
………………..BWV 78 – Jesu, der du meine Seele.
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Herzliche Urlaubsgrüße aus der Schweiz und ich wünsche allen Besuchern eine schönen

Trinitatis-Sonntag.

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Grüße

Volker

Label SDG veröffentlicht für Mitte August eine CD – SDG 715 – mit Werken von Johann Christoph Bach (1642-1703)

Cover: CD - SDG 715 Johann Christoph Bach

Liebe SDG-Freunde!

Es ist wieder soweit und die Vorfreude darauf ist riesig. Vom Label solideogloria.co.uk – wird für Mitte August 2011 die CDSDG 715 – mit Werken von

Johann Christoph Bach (1642-1703)

veröffentlicht.

CD-Inhalt, eine CD:

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Johann Christoph Bach 

„Welt, gute Nacht“
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Herr, wende dich und sei mir gnädig, Dialogus

Mit Weinen hebt sich’s an, Aria

Wie bist du den, o Gott, Lamento

Der Gerechte, ob er gleich zu zeitlich stirbt, Motet 

Ach, dass ich Wassers g’nug hätte, Lamento 

Fürchte dich nicht, Motet 

Es ist nun aus mit meinem Leben, Aria

Meine Freundin, du bist schön, Dialogus

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Aufnahmeort: Cadogan Hall, London – 16 April 2009

Soloists: Julia Doyle | Katharine Fuge
Clare Wilkinson | Jeremy Budd | James Gilchrist
Nicholas Mulroy | Matthew Brook | Peter Harvey

The English Baroque Soloists | Maya Homburger; Violine | John Eliot Gardiner; Leitung

Hierzu sehr bemerkenswert als PDF-Veröffentlichung die Werksaussagen dazu von „Richard Campbell.“

  Die deutsche Fassung als PDF Werks-Beschreibung SDG 715

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Eine Hörprobe zur CD – SDG 715 – ist beim Label: solideogloria.co.uk   hinterlegt worden..!!

SDG 715 – Johann Christoph Bach Welt, gute Nacht 
6.  Fürchte dich nicht – Motet Stream Audio
7.  Es ist nun aus mit meinem Leben – Aria Stream Audio

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CD’s der SDG-Reihe können – h i e r – erworben werden!

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Herzliche Grüße

Volker