Archiv der Kategorie: Berühmte Cellisten

ALL OF BACH veröffentlicht – Präludium und Fuge b-Moll BWV 867 (Das Wohltemperierte Klavier, I. Teil)

ALL OF BACH veröffentlicht – Präludium und Fuge b-Moll BWV 867 (Das Wohltemperierte Klavier, I. Teil)

Präludium und Fuge b-Moll, BWV 867, bilden ein Werkpaar im 1. Teil des Wohltemperierten Klaviers, einer Sammlung von Präludien und Fugen für Tasteninstrumente von Johann Sebastian Bach.

Cembalist: „Kris Verhelst“ Cembalo Emile Jobin nach Johannes Daniel Dulcken 1747.

Orgelpunkte, frei einsetzende Dissonanzen, ostinater Rhythmus und vollstimmiger Satz kulminieren im drittletzten Takt auf einer Fermate mit neunstimmig gesetztem vermindertem Septakkord. Dies alles summiert sich zum Affekt gewichtigen Ernstes und pathetischer Würde. Das Präludium wird üblicherweise in sehr langsamem Zeitmaß, piano und in weich konturiertem Rhythmus gespielt. Möglich und vertretbar, vor allem auf dem Klavier, ist aber auch ein Vortrag in ruhigem Viertelpuls und im Forte, verbunden mit rhythmischer Strenge.

Das Stück enthält 24 Takte; die Mitte wird durch die dünnstimmig gesetzten Takte 13 bis 15 deutlich hervorgehoben. Nach dem ersten Achtel in Takt 20 setzt ein intendiertes Crescendo ein, das Bach vor allem durch zunehmende Stimmenzahl realisiert.

Diese Fuge und diejenige in cis-Moll aus dem 1. Teil sind die einzigen fünfstimmigen Beispiele aus dem Wohltemperierten Klavier. Das Notenbild suggeriert hier eine Nähe zum stile antico, die allerdings durch den nach einer Pause eintretenden Nonensprung innerhalb des Themas relativiert wird. Das Thema endet nicht beim Einsatz des Comes, sondern reicht über diesen hinweg, bis zum Beginn von Takt 4.

In der Exposition wird das Thema in fünf Stimmen von oben (Sopran) nach unten (Bass) bis Takt 18 eingeführt. Nachdem in Takt 25 die Paralleltonart Des-Dur erreicht ist, folgt eine Durchführung mit vier dicht aufeinander folgenden Themeneinsätzen; der fünfte Themeneinsatz erfolgt bei der Kadenz nach As-Dur in Takt 37, in der Mitte der Fuge. Die Takte 50 bis 53 suggerieren wiederum eine mehrfache Engführung; doch auch diese ist nur vorgetäuscht, da jeweils nur der Themenbeginn wiederholt wird. Erst ab Takt 67 erklingt als Höhepunkt eine tatsächlich fünffache Engführung – vermutlich einzigartig in Bachs gesamtem Fugenschaffen.

Veröffentlichungsdatum
17. März 2017
Aufnahmedatum
17. September 2016
Ort
Antwerpen, Belgien

Cembalist
Kris Verhelst
Cembalo
Emile Jobin nach Johannes Daniel Dulcken, 1747

Zum Anhören in das Foto oder in diesen Text klicken !

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„Ich wünsche viel Freude“ – mit dem Wohltemperierten Klavier!

Grüße sommerk

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ALL OF BACH veröffentlichte am 18.11.2016 von J.S. Bach das BWV 849 „Präludium und Fuge cis-Moll“

Info: J.S. Bach BWV 849 „Präludium und Fuge cis-Moll“ (Wohltemperiertes Klavier)

„Präludium und Fuge cis-Moll“, BWV 849, bilden ein Werkpaar im 1. Teil des Wohltemperierten Klaviers, einer Sammlung von Präludien und Fugen für Tasteninstrumente von Johann Sebastian Bach.

Der feierlich-expressive, rezitativische Charakter der melodischen Linie erinnert an Bachs Passionsvertonungen. Eine direkte Beziehung zwischen dem Präludium und der folgenden Fuge ist schwer festzuhalten, es finden sich jedoch einige Andeutungen: der absteigende Halbtonschritt von Cis zu his erscheint schon zu Beginn des Präludiums in der Bassstimme, und die Tonfolge gis-fis-a-gis im abschließenden Takt 39 könnte als Vorwegnahme des Fugenthemas verstanden werden.

Das Hauptmotiv des Präludiums enthält einen aufsteigenden Oktavsprung, der sich durch das ganze Stück hinzieht, in Takt 9/10 zu einer None und in Takt 33 sogar zu einer Dezime gesteigert wird. Eine Abschrift des Präludiums ist im Clavier-Büchlein für Wilhelm Friedemann Bach überliefert.

Mit 115 Takten ist dies eine von Bachs längsten und am meisten und dichtesten ausgearbeiteten Fugen. Sie enthält drei Themen; es ist jedoch strittig, ob sie als Tripelfuge oder als Fuge mit zwei obligaten Kontrapunkten bezeichnet werden soll. Die Fünfstimmigkeit erscheint zu Beginn der Fuge in aufsteigender Reihenfolge, beginnend mit der Bassstimme.

Sie wird jedoch bald nach dem fünften Themeneinsatz in der Sopranstimme aufgegeben, im Mittelteil zu einer Dreistimmigkeit reduziert und erscheint erst wieder im Schlussteil ab Takt 99, hervorgehoben durch einen Passus duriusculus (absteigende Halbtöne) von cis2 nach gis1. Die Fuge weist zahlreiche Engführungen auf, enthält jedoch keine themenfremden Zwischenspiele.

Das erste Thema cis-His-e-dis ist ein Kreuzmotiv in halben und ganzen Noten, mit ähnlichen Tonschritten wie B-A-C-H. Das zweite Thema erscheint als lebhafte, rhythmisch kontrastierende Achtelbewegung, erstmals in der Oberstimme ab Takt 36. Es wird ab Takt 49 mit dem dritten Thema kombiniert, einer einfachen Kadenzformel. Als abschließende Krönung erscheint in den letzten zwölf Takten eine ausgedehnte Kadenzierung, wobei die überraschende Dissonanz.


Info von ALL OF BACH zum BWV 849

Es gibt unzählige Analysen und Interpretationen von Bachs Wohltemperirte Clavier. Je weiter wir von unseren rationalen Zeiten zu romantischeren verlaufen, desto schöner sind die Beschreibungen. So nennt der Kommentator des neunzehnten Jahrhunderts Hugo Riemann dieses Werk in cis-moll das »heilige Allerheilig«, gefüllt mit »Würde, Inspiration und edlen Gefühlen«. Das Vorspiel mit seinen ausgezogenen Linien sollte als »die Sehnsucht eines großen Herzens« gehört werden, während die Fuge wie eine »mächtige Kathedrale« steht. So viel Mystik klingt uns heute fremd.

Leicht und sinnlich:

Wie sollen wir nun diese Arbeit lesen? Bertrand Cuiller entscheidet sich für eine leichte, sinnliche Annäherung, besonders im Vorspiel. Gezogene Feierlichkeiten und elegante Arpeggien schaffen eine edle Atmosphäre, während die Spannung durch den großen Sprung in das Thema und eine Reihe von nicht-recht-Kadenz-Linien in der Mitte Abschnitt zur Verfügung gestellt wird. Der sanft rollende Siciliano-Tanzrhythmus verdeckt ein rastloses harmonisches Spiel – einige Sätze wiederholen sich mit Präzision in der Fuge – so ist das Stück nicht so sorglos, wie es erscheint.

Es ist bemerkenswert, dass die komplexe Fuge das kürzeste Thema in der ganzen Sammlung hat. Die fünf Töne enthalten auch eines der zehnten Intervalle – ein vermindertes 4.. Wenn Sie auf ein solches destilliertes Thema aufbauen, kommen Sie bald in einen harmonischen Morast – und zu viele Töne passen nicht mehr in die barocke Ästhetik. Also betrog Bach etwas (obwohl er die Regeln befolgte). Intervalle eines Halbtones werden manchmal ein ganzer Ton und der verminderte 4. wird sogar hier und da perfekt – alles zu guter Wirkung. Die fünf Teile betreten ordnungsgemäß von niedrig nach hoch, worauf das Thema nicht weniger als 24 mal zurückkehrt, oft direkt am Anfang oder ganz unten im Bau. Aber es gibt noch zwei andere Themen: eine lange Reihe von verdrehten Ornamenten und eine kurze von hartnäckigen Wiederholungen. Es braucht einen scharfen Sinn, um dieses mentale Puzzle zu entwirren.

Das Wohltemperirte Clavier, BWV 846-893

Das Komponieren von 48 Tastenstücken in allen 24 Tasten war die Art von Herausforderung, die Bach genoss. In jedem der beiden Teile des Wohltemperirten Klaviers brachte er das musikalische Paar Präludium und Fuge 24 mal zusammen; Zwölf in Moll-Tasten und zwölf in Dur. In den Präludien gab er seiner Phantasie freien Lauf und zeigte mathematische Touren in den Fugen. Im Gegensatz zu der eisernen Disziplin musste sich Bach auf seine kirchlichen Kompositionen anwenden, hier konnte er sich auf die intellektuelle Spielerei verlassen, ohne sich um Fristen zu kümmern.

Der erste Teil des Wohltemperirten Claviers stammt aus dem Jahre 1722, obwohl er einige Musik enthält, die in den letzten fünf Jahren geschrieben wurde. Es gibt weniger Klarheit über die Geschichte des zweiten Teils. Bach kompilierte diese zweite Manuskript nur um 1740, obwohl wieder einmal einige der Präludien und Fugen es enthält Datum aus einer viel früheren Zeit. Bach beschrieb die Zielgruppe für diese Stücksammlung wie folgt: „Zum Nutzen und Gebrauch der Lehr-Begierigen Musikalischen Jugend, auch hier in diesem Studio schon habil seyenden besonderem ZeitVertreib“ (Für die Ausbildung des fleißigen musikalischen Jugendlichen und des Genusses Von denen, die in diesem Material vertraut sind).

RELEASE DATE 18 November 2016
RECORDING DATE 15 September 2016
LOCATION Bois le Roi, France
HARPSICHORDIST Bertrand Cuiller

Video von ALL OF BACH – J.S. Bach BWV 849 „Präludium und Fuge cis-Moll“

all-of-bach-bwv-849

 

Zum starten des Videos in das Foto oder diesen Text anklicken!

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Ich wünsche viel Freude mit dem Video von ALL OF BACH !

Grüße

sommerk

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Zwei Interviews: Die Kirchen sind leer, es sei denn, es gibt Musik von Johann Sebastian Bach

Liebe Bachfreunde(innen) !

Lange hat es keine Interviews mehr in der aktuellen Presselandschaft von berühmten Interpreten zum Thema „Johann Sebastian Bach“ gegeben und nun sind zwei sehr interessante Interviews mit dem Bach-Interpreten: „Nikolaus Harnoncourt“ und dem Cellisten: „Mischa Maisky“ veröffentlicht worden.

Nikolaus Harnoncourt - Dirigent „Nikolaus Harnoncourt

in WELT  ONLINE am 25. Dezember 2011

mit der Überschrift als Leitartikel:

 Harnoncourt – „Über Bach kann man nicht lachen“ 

 Die Kirchen sind leer, es sei denn, es gibt Musik von Johann   Sebastian Bach. Warum? Weil seine Werke vollkommen  sind, sagt Stardirigent Nikolaus Harnoncourt.

Am Eingangstor fehlt das Namensschild. Es müsste aber auch ziemlich breit sein für den vollen Namen des Hausherrn. Johann Nicolaus Graf de la Fontaine und d’Harnoncourt-Unverzagt entstammt steinaltem Hochadel, er ist mit den Habsburgerkaisern verwandt.

Als Nikolaus Harnoncourt wurde er zum Bach-Guru und zum einflussreichsten Dirigenten der Gegenwart. Seit Jahrzehnten lebt er hier mit seiner Frau Alice auf dem alten Pfarrhof in St. Georgen, Oberösterreich. Hühner laufen frei herum, auf einer Wiese weiden Schafe. 

Hier geht es zum ganzen Interview:  (auch als Download)

 http://www.welt.de/kultur/musik/article13774559/Harnoncourt-Ueber-Bach-kann-man-nicht-lachen.html

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Mischa Maisky Cellist

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In der Badische Zeitung wurde ein Interview geführt mit dem berühmten Cellisten:

Mischa Maisky am 4. Januar 2012.

Überschrift als Leitartikel:

„Meine Wurzeln reichen tief“    

Sein Leben ist ein Abenteuer. Er spielte schon in den berühmtesten Konzertsälen der Welt, saß aber auch im Gefängnis und mischte Zement in einem russischen Arbeitslager. Mischa Maisky, 1948 in Riga geboren, ist der einzige Cellist, der bei Mstislav Rostropowitsch und bei Gregor Piatigorsky studierte. In dieser Saison ist der Lette Artist in Residence im Festspielhaus Baden-Baden. Vorm ersten Porträtkonzert dort sprach Georg Rudiger mit ihm über die Musik Bachs, Zementmischen im Arbeitslager und über sein zweites Leben. 

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BZ: Haben Sie heute schon Cello geübt?
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Mischa Maisky: Heute Morgen leider noch nicht. Ich hatte anderes zu tun. Aber eigentlich versuche ich immer, jeden Morgen eine Bach-Suite vor dem Frühstück zu spielen. Das ist eine gute Übung zum Wachwerden.

Hier geht es zum ganzen Interview:  (auch als Download)

http://www.badische-zeitung.de/klassik-2/meine-wurzeln-reichen-tief–54388962.html

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Grüße
Volker