Archiv der Kategorie: Barockmusik

ALL OF BACH veröffentlicht das BWV 812 – Französiche Suite in d-moll


ALL OF BACH veröffentlicht das BWV 812 – „Französiche Suite in d-moll“

„Klassisch!“

                                             Das Bartolotti House, Amsterdam

Die erste dieser französischen Suiten kombiniert eine sehr reine französische Courante mit einer deutschen Sarabande.

Die Suite in d-Moll ist die klassischste der sechs französischen Suiten. Bach hält sich strikt an die übliche Reihenfolge der Tänze: Allemande, Courante, Sarabande, zwei Menuette und eine Gigue. Laut Francesco Corti ist es möglicherweise sogar die archaischste aller Bachs Suiten. Mit anderen Worten, es ist ein ideales Stück, um sich mit dem Genre und den verschiedenen Tanzformen in ihrem reinsten Stil vertraut zu machen. Vielleicht öffnet Bach deshalb die Serie mit diesem Stück. Es ist auch die Suite, die Bach später am wenigsten überarbeitet hat.

Der Kontrapunkt ist makellos und selbst in den scheinbar einfachen kleinen Menuetten gibt es komplexe Polyphonie. Gleiches gilt für die Allemande, die sehr an das Repertoire der Laute erinnert, mit harmonisch aufregenden gebrochenen Akkorden, die fast improvisiert zu sein scheinen.

Die Courante in dieser Suite ist die französische der ganzen Serie. Damals war die französische Courante langsamer und bot große Möglichkeiten für ausdrucksstarke harmonische Ergänzungen. Und natürlich hat Bach diese Gelegenheit eifrig ergriffen. Es gibt verschiedene Manuskripte der französischen Suiten, die verschiedene Stufen der Stücke zeigen. Francesco Corti spielt aus dem Manuskript Heinrich Nicolaus Gerber, einem Schüler Bachs. Gerber notierte sehr viele Ornamente, und diese ganze Verschönerung scheint die Tatsache zu bestätigen, daß das Tempo dieser Courante stabil war, sonst wäre es einfach unmöglich, die Ornamente zu spielen.

Die Sarabande in dieser Suite ist jedoch deutscher Art. Die Struktur wird eher von der harmonischen Entwicklung als von der Melodie bestimmt. Auch hier hat Gerbers Manuskript einige wundervolle Ornamente, die Francesco Corti in den Wiederholungen spielt.

Die Gigue ist in einer ungewöhnlichen und eher altmodischen zweiteiligen Zeit geschrieben, die nur zweimal in Bachs Oeuvre zu sehen ist. Es ist ein Hinweis auf die deutsche Orgel-Tradition früherer Generationen (Johann Jakob Froberger, Georg Böhm und Dietrich Buxtehude).

Bartolotti Haus, Amsterdam

Cembalist Francesco Corti

Wir machten diese Aufnahme im Bartolotti House, in der Herengracht 170 und 172. Das Haus auf der Rückseite von Nr. 170 wurde von Cembalist, Organist und Dirigent Gustav Leonhardt von 1974 bis zu seinem Tod 2012 besetzt.

Leonhardt war einer der Pioniere der Alten Musik in den Niederlanden. Als Lehrer und Performer inspirierte er viele Cembalospieler auf der ganzen Welt.

Es ist eines der beeindruckendsten Gebäude im alten Zentrum von Amsterdam. Es wurde um 1620 als Residenz im Auftrag des wohlhabenden Geschäftsmannes Willem van den Heuvel erbaut, der von einem kinderlosen Onkel, der heiratete, Giovanni Battista Bartolotti, der aus Bologna stammte, viel Geld geerbt hatte. Das niederländische Renaissance-Design wurde wahrscheinlich vom Amsterdamer Stadtarchitekten Hendrick de Keyser entworfen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Haus aufgeteilt und mehrere Modernisierungen durchgemacht. Von den verschiedenen Renovierungsarbeiten können Sie noch viele wundervolle historische Dekorationselemente sehen. Die beiden Teile des Bartolotti-Hauses kamen in den Besitz von Vereniging Hendrick de Keyser, der jetzt sein Büro hat.

Französische Suiten, BWV 812-817

Bach komponierte seine „französischen“ Suiten als junger Mann von dreißig Jahren, als er am Köthener Hof arbeitete. Die Suiten haben jedoch nichts mit dem Gericht zu tun. Bach schrieb sie zu Lehrzwecken in seinem eigenen privaten Kreis. Die ersten fünf erscheinen in ihrer ursprünglichen Form in dem kleinen Musikbuch, das er 1722 für seine zweite Frau Anna Magdalena Bach zusammengestellt hat, möglicherweise als Hochzeitsgeschenk. Aber Bach überarbeitete die Stücke weiter. Die späteren Versionen mit dem Zusatz einer sechsten Suite haben dank der vielen Kopien seiner Schüler überlebt. Sie belohnen Übungsstücke, die trotz gewisser kompositorischer Komplexität (schließlich Bach) keine extremen Anforderungen an den Spieler stellen.

Das Epitheton „Französisch“ wurde von Bach selbst nicht gegeben und erscheint zum ersten Mal in einem Text von 1762, zwölf Jahre nach Bachs Tod. Die Stücke sind nicht mehr französisch als seine anderen Keyboard-Suiten, genauso wie die zuvor komponierten ‚englischen‘ Suiten auch nicht besonders englisch sind. Tatsächlich folgen die englischen Suiten mit ihren umfangreichen Präludien in gewissem Maße tatsächlich dem französischen Modell. Aber wie immer verwendet Bach eine kosmopolitische Sprache; eine geniale Synthese verschiedener europäischer Stile.

Die französischen Suiten haben keinen Auftakt, sondern starten direkt in den ersten Tanz: eine Allemande. Darauf folgt die klassische Abfolge von Courante, Sarabande und Gigue mit einer etwas freieren Auswahl an Tänzen zwischen Sarabande und Gigue, vom Menuett über die Gavotte bis hin zum Bourrée und der weniger verbreiteten Loure.

BWV 812

Titel
Suite in d-moll

Beiname
‚Französisch‘ Suite Nr. 1

Genre
Tastaturarbeit

Serie
‚Französische‘ Suiten / Klavierbüchlein Anna Magdalena Bach

Jahr
ca. 1722

Stadt
Köthen

Veröffentlichungsdatum
13. Oktober 2017

Aufnahmedatum
28. Januar 2017

Ort
Bartolotti Haus, Amsterdam

Cembalist
Francesco Corti

Cembalo
Bruce Kennedy nach Michael Mietke

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Video:  J.S. Bach – BWV 812 „ALL OF BACH“

Zum Video: In den obigen Text oder Foto klicken!

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„Ich wünsche viel Freude mit dem BWV 812“

Grüße Karin

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Namhafte Barock-Komponisten zu J.S. Bach und seiner Zeit – mit besonderen Kompositionen!


Namhafte Barock-Komponisten zu J.S. Bach und seiner Zeit – mit besonderen Kompositionen!

                                  Barock-Komponisten

Ein Beitrag über den folgenden Barock-Komponisten:

Heinrich Bach  (1615-1692)

Heinrich Bach (* 16. Septemberjul./ 26. September 1615 in Wechmar; † 10. Juli 1692greg. in Arnstadt) war ein deutscher Organist aus der Familie Bach.

Heinrich Bach ist der Stammvater der so genannten Arnstädter Linie der Musikerfamilie Bach. Nach dem Tod seines Vaters Johannes Bach  (1550 oder 1580 bis 1626) übernahm sein ältester Bruder Johann Bach (1604-1673)  die weitere Erziehung und unterwies Heinrich Bach im Orgelspiel. Sie sind zeitweilig nach Suhl und Schweinfurt gezogen.

1635 trat Heinrich Bach in die von Johann Bach (1604-1673) geleitete Erfurter Ratsmusikanten-Compagnie ein und war von 1635 bis 1641 Ratsmusikant in Erfurt. Im Jahre 1641 erhielt er das Organistenamt an der Arnstädter Liebfrauen- und Oberkirche, das er bis zu seinem Tode versah. 1642 heiratete er Eva, die jüngere Tochter des Suhler Stadtpfeifers Hoffmann, deren ältere Schwester Barbara die erste Frau Johann Bachs war. Aus der Ehe gingen sechs Kinder, darunter drei musikalisch hoch begabte Söhne, hervor.

Drei seiner Söhne, Johann Christoph Bach (1642-1703), Johann Michael Bach (1648-1694)

und Johann Günther Bach (1653-1683), waren hervorragende Musiker.

Von Heinrich Bach sind nur wenige Kompositionen erhalten geblieben!

                  Johann Christoph Bach (1642-1703)

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Heinrich Bach (1615-1692) „Sonata a cinque II en fa mayor“

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Video:  Heinrich Bach

Orgelwerk „Erbarm dich mein“

Die Aufnahme erfolgte an der Arp-Schnitger-Orgel in Steinkirchen.

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Heinrich Bach : Vokalwerk: „Ich danke dir, Gott“

Reinhard Goebel,  /  Cologne Musica Antiqua

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Ich wünsche viel Freude mit dieser neuen Veröffentlichung!

Herzliche Grüße

Volker

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ALL OF BACH veröffentlicht das „Doppelkonzert für zwei Violinen d-Moll“ – BWV 1043


ALL OF BACH veröffentlicht das „Doppelkonzert für zwei Violinen d-Moll“ – BWV 1043

„Die besten acht Minuten Musik aller Zeiten.“

                                                   Muziekgebouw aan ’t IJ in Amsterdam

Unter Johann Sebastian Bachs Namen sind zwei Konzerte für Violine, Streicher und Continuo überliefert sowie ein Doppelkonzert für zwei Violinen (ebenfalls mit Streichern und Continuo). Sie tragen die Nummern BWV 1041 bis 1043. Möglicherweise schrieb Bach die Konzerte für Johann Georg Pisendel oder Jean-Baptiste Volumier in Dresden – vielleicht auch für sich selbst, denn sein Sohn Carl Philipp Emanuel Bach bescheinigt ihm im Nekrolog, bis ins hohe Alter die Violine „rein und durchdringend“ gespielt zu haben.

Bis heute zählen Bachs Violinkonzerte zum beliebten Programmbestandteil vieler Violinisten, an die in den Stücken große spieltechnische Ansprüche gestellt werden. Dennoch halten viele Musikwissenschaftler die Cembaloversionen für die von Bach gewollten Endfassungen, da Bach bei der Umarbeitung viele Details verbesserte und nebenbei mit der Abschaffung des Basso continuo einen musikgeschichtlich wichtigen Schritt machte.

Die beiden Solostimmen dieses Konzertes haben in Bachs eigener Handschrift überlebt. Dieses Autogramm stammt aus der Zeit um 1730, wenige Jahre nachdem der Komponist von Köthen nach Leipzig gezogen war. Bach komponierte die meisten seiner Instrumentalkonzerte in den Jahren 1717-1723, während er am Hof ​​Leopold von Anhalt-Köthen arbeitete, aber diese Arbeit scheint eine Ausnahme zu sein. Es kann jedoch nicht so einfach sein.

Auf den ersten Blick ist dies ein Konzert in drei Sätzen im Vivaldi-Stil und ähnelt anderen Konzerten von Bach. Ein sorgfältigeres Lesen und Hören zeigt jedoch Besonderheiten auf, beispielsweise in Bezug auf die traditionellen Kontrastwirkungen zwischen Refrains (Ritornellos) und dazwischen liegenden Solo-Episoden. Diese Bausteine ​​sind hier weniger abgegrenzt als üblich. Tatsächlich sind alle drei Sätze tatsächlich in drei Teile gegliedert. Der erste Satz ist zum Beispiel einer Fuge nachempfunden, aber die Viola zieht sich aus dem Fugaldiskurs zurück. Dieses Konzert könnte auch als Triosonate für zwei Violinen und Basso continuo aufgeführt werden, und es entstand wahrscheinlich als solches. Bringt das uns zurück nach Köthen?

                                                        All of Bach – Instrumental: BWV 1043

Nach dem fugalen Eröffnungssatz entfaltet sich ein verträumter Siciliano, in dem sich die beiden Violinstimmen in liebevoller Weise über eine einfache Akkordbegleitung verflechten. „Die besten acht Minuten Musik aller Zeiten“, sagt die Geigerin Emily Deans.

Im letzten Satz sind die beiden Soloviolinen einander heiß auf den Fersen. Noch mehr als der erste Satz ruft dieses Allegro den Verdacht auf, dass die Teile für das begleitende Ensemble später hinzugefügt werden. Die Tatsache, daß Bach die Soloviolinen spielbegleitende Figuren (wiederholte Achteln in Doppelstopps) für sieben Takte zweimal während der Auseinandersetzung spielt, steht im Widerspruch zu der Hypothese einer Triosonate. Der Komponist spielt hier in der Ecke Puss, da in diesen Passagen die eigentlichen Solostimmen einfach auf das begleitende Ensemble übertragen wurden. Die Solisten Shunske Sato und Emily Deans genießen diesen „Kopfschlag, Rock’n’Roll-Moment“ – wie auch immer die Ursprünge sein mögen.

BWV
1043

Titel
Konzert für zwei Violinen in d-Moll

Genre
Orchesterwerk (Doppelkonzert)

Jahr
ca. 1730 oder ca. 1720?

Stadt
Leipzig oder Köthen?

Besondere Hinweise:
Bach arrangierte später dieses Doppelkonzert für zwei Cembali, Streicher und Continuo (BWV 1062), transponiert auf die Tonart c-Moll.

Besetzung:

Veröffentlichungsdatum
6. Oktober 2017

Aufnahmedatum
7. Oktober 2016

Ort der Aufführung:

Muziekgebouw aan ‚t IJ, Amsterdam


1. Violine

Shunske Sato

Geige

Emily Deans


Violine 1

Lucia Giraudo, Lidewij van der Voort


Viool 2

Anneke van Haaften, Paulien Kostense, Annabelle Ferdinand

Viola

Pieter Affourtit, Jan Willem Vis

Cello

Lucia Swarts, Barbara Kernig

Kontrabass

Hen Goldsobel

Cembalo

Siebe Henstra


Video:   Zum Start in das Foto oder diesen Text anklicken !

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„Ich wünsche allen viel Freude mit dem BWV 1043“

Grüße Karin

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Aufschlussreiche Publikationen in der Reihe „Geschichte der Alten Musik in Deutschland“ im 17. Jahrhundert!


Aufschlussreiche Publikationen in der Reihe „Geschichte der Alten Musik in Deutschland“ im 17. Jahrhundert!

Nachdem Jérôme Lejeune die Entwicklung der italienischen und französischen Musik des 17. Jahrhunderts erforscht hat, widmet er sich in seiner neuen Ausgabe der Reihe ‚History of Early Music‘ dem Schauplatz Deutschland.

Im 17. Jahrhundert, in dem sich die lutherische Musiktradition immer weiterentwickelte, befand sich Deutschland in einer besonders spannenden Phase. Während einerseits die deutsche Musik in die Welt hinausgetragen wurde, fand gleichzeitig eine Assimilation von italienischen und französischen Stilen voller neuer Ideen statt. Diese Umstände waren Voraussetzung für die Entwicklung, die schließlich zu Johann Sebastian Bach führte.

MUSIK IN DEUTSCHLAND VON SCHÜTZ BIS BACH

INTERPRET: Ricercar Consort, Cantus Cölln, Vox Luminis u. a.

KOMPONIST: Schütz, Bruhns, Walther, Schein, Scheidt, Bach u. a.

LABEL: RICERCAR (B)TONTRÄGER: 8 CDs + Buch 

PREISCODE: Z359

BESTELLNUMMER: RIC109

EAN 5400439001091 

Mit seinen aufschlussreichen Publikationen in der Reihe ‚Geschichte der Alten Musik‘ hat der Musikwissenschaftler und Labelgründer von RICERCAR, Jérôme Lejeune, in der breitenwirksamen Vermittlung musikwissenschaftlicher Themen neue Maßstäbe gesetzt.

In Verbindung mit fundierter Textinformation werden dem interessierten Musikliebhaber umfangreiche Hörbeispiele herausragender Einspielungen bekannter Interpreten und Ensembles aus den Katalogen verschiedener Speziallabels geboten. In der vorliegenden Edition beschäftigt sich Lejeune mit der Musik in Deutschland aus dem 17. Jahrhundert.

Eine Epoche, die zwar durch den Dreißigjährigen Krieg überschattet wurde, aber dennoch mit Schütz einen der bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte hervorbrachte. Die zweite Jahrhunderthälfte ist geprägt von einer neuen kulturellen Renaissance, die durch die einzigartige Assimilierung italienischer und französischer Einflüsse einen eigenen musikalischen Stil kreiert.

Diese Zeit bildet den Hintergrund für das Schaffen Buxtehudes und seiner Zeitgenossen, die wiederum das Fundament für das Wirken von Johann Sebastian Bach legen.
Lejeune zeichnet das musikalische Panorama der spannenden und bewegten Epoche von Schütz bis Bach allgemeinverständlich nach. Da er dabei auch weniger bekannte Zeitgenossen berücksichtigt, bietet er dem interessierten Leser und Hörer eine Horizonterweiterung bzw. Wissensvertiefung, die mit viel hörenswerter Musik bekannt macht.

Die Neuveröffentlichung erscheint in Kürze..!!

Info im Web beim Label RICERCAR: 

https://www.outhere-music.com/de/albums/music-in-germany-from-schutz-to-bach-ric-109

Vertriebs-Partner in Deutschland:

OUTHERE MUSIC Germany GmbH
Vondelstraße 29 – 31
50677 Köln
Deutschland
Email: infodeutschland@outhere-music.com
Tel.: (+49)221-60608415


Herzliche Grüße

Volker

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Namhafte Barock-Komponisten zu J.S. Bach und seiner Zeit – mit besonderen Kompositionen!


Namhafte Barock-Komponisten zu J.S. Bach und seiner Zeit – mit besonderen Kompositionen!

                                  Barock-Komponisten

Mein neuer Beitrag für den folgenden Barock-Komponisten:

Nicolaus Bruhns (1665-1697)

Nicolaus (auch: Nikolaus) Bruhns (manchmal Bruhn oder Bruns; * Dezember 1665 in Schwabstedt; † 29. März-jul./ 8. April 1697-greg. in Husum) war ein Komponist der norddeutschen Orgelschule und ein Orgel- und Geigenvirtuose. Sein überliefertes Werk umfasst vier vollständige Orgelwerke sowie zwölf geistliche Kantaten und enthält einige außergewöhnlich originelle Stücke.

Bruhns entstammte einer schleswig-holsteinischen Musikerfamilie. Sein Großvater Paul war Lautenist und Musikmeister in der Kapelle des Gottorper Herzogs. Nicolaus’ Onkel Friedrich Nicolaus Bruhns war Direktor der Hamburger Ratsmusik. Nicolaus’ Vater Paul – möglicherweise ein Schüler von Franz Tunder (1614-1667) – war Organist in Schwabstedt, wo er die Tochter des Vorgängers heiratete.

Der Werdegang von Nicolaus Bruhns ist nur bruchstückhaft überliefert.

Nicolaus erhielt ersten Unterricht vermutlich von seinem Vater. Wie Ernst Ludwig Gerber später in seinem Lexikon der Tonkünstler schrieb, beherrschte er bereits in frühem Alter das Orgelspiel und fertigte „gute“ Kompositionen für Klavier und Stimme an. Wahrscheinlich wirkten auch musikalische Eindrücke aus dem benachbarten Husum, der wohl reichsten Stadt der nordfriesischen Küste, auf ihn ein. Nicolaus bewies genügend Talent, um auf Anraten seines Vaters mit 16 Jahren bei seinem Onkel Peter, Ratsmusiker in Lübeck, Geige und Gambe zu erlernen. Auf diesen Instrumenten erwarb er „eine solche Fähigkeit, dass ihn jeder, wer ihn nur hörte und kennen lernte, bewundern und schätzen musste“ (Gerber). Von allen Lübecker Violinisten – deren Kunstfertigkeit im In- und Ausland bestaunt wurde – war Bruhns der jüngste Vertreter. Außerdem war er der Lieblingsschüler Dietrich Buxtehudes, bei dem er Komposition studierte und sein Orgelspiel vervollkommnete. Laut Matthesons Musiklexikon war Buxtehude Bruhns’ größtes Vorbild.

Bis zu seinem frühen Tod im Alter von 31 Jahren blieb Bruhns weiterhin in Husum. Am 2. April 1697 wurde er zu Grabe getragen, „von jedermann bedauert, dass ein solcher trefflicher Meister in seiner Profession, auch vertragsamer Mann nicht länger hat leben sollen“. Laut dem Kirchenarchiv der Stadt starb Bruhns an der „Schwindsucht“.

Bruhns vereinte Stilelemente zweier entgegengesetzter Musikgattungen, nämlich des von Schütz geprägten geistlichen Konzerts und des bis dahin weitgehend der weltlichen Musik vorbehaltenen Madrigals. Ebenso wie die Kompositionen für Orgel zeugen die Vokalwerke von einem großen Gespür für die Affektwirkung.

Weitere ausführliche Informationen zu Nicolaus Bruhns auf Wikipedia

Ein geistliches Werk von Nicolaus Bruns

Kantate: „Hemmt eure Tränenflut“

Vierstimmiger Chor (Sopran, Alt, Tenor, Bass), vier Einzelstimmen, Streicher und Generalbass.

Textquelle unbekannt

Dieses möglicherweise letzte Werk des Meisters zelebriert das Osterfest. Instrumentale Ritornellos und im Sologesang vorgetragene Strophen wechseln ab. Am Schluss steht ein Amen, das auf dem Choral Christ lag in Todes Banden basiert.

Aufführende:

Collegium Vocale der Salzburger Bachgesellschaft:

Katharina Gutschi, Birgit Kuchlmaier, Mayumi Shibata, sopran
Marcus Blöchl, Waltraud Grabherr-Hartinger, alt
Ernst Lachinger, Taro Takagi, tenor
Albert Hartinger, Christoph Schöffmann, bass

La Divina Armonia:
Stefano Barneschi, Mayumi Hirasaki, viool
Chiara Zanisi, altviool
Noelia Reverte, viola da gamba
Marco Tesori, cello
Vanni Moretto, violone
Benoît Laurent, hobo
Lorenzo Ghielmi, orgel

Aufführungsstätte August 2012: Domkerk te Utrecht

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Video:

Kantate: „Hemmt eure Tränenflut“

https://youtu.be/CYa6LHVXSpo


Nicolaus Bruhns (1665-1697) – Orgelwerke

Organist: Friedhelm Flamme

Nicolaus Bruhns galt weit über die Stadtgrenzen Husums hinaus als Orgel- und Violinvirtuose. Wie Mattheson berichtet, habe er dann und wann gleichzeitig Geige und an der Orgel mit dem Pedal den Bass gespielt.

Die Orgelwerke weisen typische Merkmale des norddeutschen Orgelstils auf: Kontrast von homophonen und fugierten Abschnitten, Arpeggio und virtuose Pedalpassagen mit Trillern. Auffallend sind die kühne Harmonik und verschachtelte Rhythmik. Bruhns schöpfte alle Freiheiten des Stylus Phantasticus aus, um affektreiche, zuweilen herb und fast „modern“ anmutende Kompositionen zu schaffen. Da die schnellen Läufe der Praeludien klare und präzise Rhythmik – teilweise unter Einsatz des Doppelpedals – erfordern, stellen sie hohe Anforderungen an den Interpreten.

Video:

https://youtu.be/nq9nl4IN_us

Die Einspielung erfolgte an der Christian-Vater-Orgel, St. Petri-Kirche in Melle (Niedersachsen) Aufnahme in 2004.


Organist: Friedhelm Flamme

Friedhelm Flamme (* 1963 in Volkmarsen) ist ein deutscher Organist, Chorleiter, Musikwissenschaftler, Musikpädagogeund Hochschullehrer.

Seit seiner Jugend der Kirchenmusik verbunden, war Friedhelm Flamme schon als Jugendlicher als Organist tätig. Er studierte an der Hochschule für Musik Detmold und an der Universität/Gesamthochschule Paderborn Schulmusik, Kirchenmusik, Orgel (Konzertexamen mit Auszeichnung bei Gerhard Weinberger), Dirigieren, Tonsatz, Erziehungswissenschaft und Theologie. Weitere Studien führten ihn zu Guy Bovet, Ewald Kooiman, Jon Laukvik, Thierry Mechler, Josef Mertin, Harald Vogel, Herbert Wulf und Wolfgang Zehrer.

Seit 1991 arbeitet er als Kirchen- und Schulmusiker im Sprengel Göttingen und an der Paul-Gerhardt-Schule Dassel in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. 1991–2004 war er Kantor an der Laurentiuskirche Dassel, von 1991 bis 2007 hatte er die kirchenmusikalische Fachaufsicht im Sprengel Göttingen Nord inne.

1993 wurde er zum Kirchenmusikdirektor ernannt. Seit 2002 ist er Lehrbeauftragter an der Hochschule für Musik Detmold. Er leitete eine Vielzahl von Vokalkonzerten, vor allem zyklische Aufführungen der Bachschen Oratorien mit dem Vokalensemble Südniedersachsen.


Ich wünsche viel Freude mit dieser neuen Veröffentlichung!

Herzliche Grüße

Volker

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ALL OF BACH veröffentlicht das Orgelwerk – BWV 607 „Von Himmel kam der Engel Schar!“


ALL OF BACH veröffentlicht das Orgelwerk – BWV 607 „Von Himmel kam der Engel Schar!“

„Schnelle Engel und langsame Engel“

                                          St-Bavokerk, Haarlem – Müller-Orgel (Holland)

„Eine Weihnachtshymne in Moll verleiht dem Werk einen vorsichtigen Klang.“

„Vom Himmel kam der Engel Schar“ ist ein von Martin Luther im Jahr 1543 veröffentlichtes Weihnachtslied.

Die musikalische Symbolik hier ist unverwechselbar; Schwärme von Engeln fliessen durch die Alt- und Tenorstimmen, während die himmlische Annoucement in der Sopranistin darüber steigt. In einer inspirierten Komposition verfolgt die Bassstimme die Engel in der Augmentation in (Viertelnoten gegen die Engelsexzehnte). Die Stimme hier beinhaltet Streicher und Chor in die Sopranistin, Orgelflöte stoppt in den inneren Stimmen und Orgelpedal mit akustischem Bass, der im Bass spielt.

                        Organist Bart Jacobs an der Müller-Orgel, St-Bavokerk, Haarlem

Bei der Erstellung seines Orgelbüchleins folgte Bach dem Kirchenkalender. Obwohl für den Organisten nützlich, behaftet sie das Risiko der Monotonie – immer fröhlich zu Weihnachten und immer traurig in der Passionswoche zu sein. So hat Bach gelegentlich einen anderen Klang in den „Weihnachtscluster“ komponiert. Diese Anordnung von „Vom Himmel kam der Engel Schaar“ ist wegen seines freudigen Themas nur gering, um den Ernst des Geheimnisses des Glaubens zu betonen.

Die Worte der von Luther geschriebenen Hymne erzählen von den Verkündigungen an die Hirten Jesu in der Krippe. Die Hymne versichert uns, dass jeder, der an den wahren Gott glaubt, vor Sünde und Tod sicher ist. Bach drückt die Engel aus dem Himmel mit schnellen Läufen in den Alt- und Tenor-Parts und langsam im Bass-Part. Übrigens zeigt Bachs Manuskript eine weitere Überraschung: Die ständig wachsenden Koloraturen, die das Werk charakterisieren, scheinen eine spätere Ergänzung zu sein wie man an den Notizen feststellen kann!

BWV
607

Titel
„Von Himmel kam der Engel Schar“

Genre
Orgelarbeit

Serie
Orgelbüchlein

Jahr
ca. 1708-1717

Stadt
Weimar

Veröffentlichungsdatum
29. September 2017

Aufnahmedatum
22. September 2016

St-Bavokerk, Haarlem

Organist
Bart Jacobs

Organ
Müllerorgel


Video:   Zum Start in das Foto oder diesen Text anklicken !

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„Ich wünsche allen viel Freude mit dem BWV 607“

Grüße Karin

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Namhafte Barock-Komponisten zu J.S. Bach und seiner Zeit – mit besonderen Kompositionen!


Namhafte Barock-Komponisten zu J.S. Bach und seiner Zeit – mit besonderen Kompositionen!

                          Komponisten der Barockzeit

Diese Reihe hatte ich schon einmal in meinen wöchentlichen Sonntags-Kantaten veröffentlicht. Mir ist zum Bewusstsein gekommen, dass durch die vielen Informationen zum jeweiligen Sonntag diese Veröffentlichungen kaum Beachtung gefunden haben. Somit werde ich in Zukunft unter dieser neuen Rubrik:

„Namhafte Barock-Komponisten zu J.S. Bach und seiner Zeit – mit besonderen Kompositionen!“

 mit ihren Kompositionen vorstellen.

Ich beginne diese Veröffentlichung mit dem Barock-Komponisten:

Georg Anton Bender (1722-1795)

Georg Anton Benda, (1722-1795) Kupferstich von Schröter nach Mechau.

Georg Anton Bender (auch Jiří Antonín; getauft 30. Juni 1722 in Alt-Benatek an der Iser (nordöstlich von Prag), Böhmen; † 6. November 1795 in Köstritz war ein böhmischer Kapellmeister und Komponist.

Georg (Anton) Benda war der vierte Sohn des Leinewebers und Musikers Hans Georg Benda und seiner Ehefrau Dorothea (1686–1762), geborene Brixi, Tochter des Dorfkantors Heinrich Brixi in Skalsko. Sein ältester Bruder war der Violinist und Komponist Franz Benda (1709-1786) wie dieser (seit 1733) waren auch die Brüder Johann Georg (seit 1734) und Joseph (seit 1742) als Violinisten Mitglieder der Hofkapelle von Friedrich dem Großen.

Der Vater hatte die Familie zusätzlich durch Auftritte (Hackbrett, Oboe, Schalmei) bei Tanzveranstaltungen in Gasthäusern ernährt, wobei ihn teilweise auch die Kinder mit Instrumenten und Gesang begleiten mussten (Georg Anton spielte Geige und Oboe). Nach einem Besuch in Potsdam waren die Eltern in Böhmen wiederholt Verhören ausgesetzt, bis Friedrich II. bei ihrem Lehnsherrn die Ausreise der restlichen Familie erwirkte. Am 5. März 1742 fuhren die Eltern mit den Kindern Viktor (ebenfalls Leineweber) und Anna Franziska bei Georg Antons Internat in Gitschin vor und nahmen ihn mit nach Preußen.

Georg Anton Benda konnte sich als Nachfolger des 1749 verstorbenen Hofkapelldirektors Gottfried Heinrich Stölzel (1690-1749), am Hof von Gotha vorstellen, wo er insbesondere durch sein Klavierspiel und seine Freimaurer-Zugehörigkeit überzeugte.

Zum 1. Mai 1750 ernannte Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha (1699–1772) Benda zum Hofkapellmeister mit der Hauptaufgabe, den sonntäglichen Gottesdienst auf Schloss Friedenstein musikalisch zu gestalten.

                   Friedrich III. von Sachsen-Gotha

Zusammenfassend lässt sich der Stellenwert Georg Bendas als „kleines b zwischen zwei großen B“, zwischen Johann Sebastian Bach (Barock) und Ludwig van Beethoven (Klassik) bezeichnen. In dieser Epoche der Vorklassik, auch Zeitalter der Empfindsamkeit genannt, schuf Benda sein vielseitiges Werk aus innerem Bedürfnis heraus mit viel Gefühl und Temperament.

Weitere inhaltsreiche Angaben über

Georg Anton Benda bei Wikipedia


Georg Anton Bender (1722-1795) – komponierte die Kantate „Eilet Eilet das Gesetz zu hören“ für den 13. So. nach Trinitatis.

Es gibt eine Einspielung dieser Kantate von Ludger Rémy, er verstarb plötzlich am 21. Juni 2017 in Bremen.

Ausführende:

Dorothee Mields, Sopran; Britta Schwarz, Alt;

Aufnahme von 1998 aus der St. Bonifatius Kirche in Ditfurt (bei Quedlinburg)


Ich wünsche viel Freude mit dieser Veröffentlichung und werde in Zukunft weitere Barock-Komponisten zu J.S. Bach´s Zeiten vorstellen.

Grüße

Volker

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