Archiv der Kategorie: Aktuelles zum Thema: J.S. Bach

GEBURTSTAGSFEIER FÜR JOHANN SEBASTIAN BACH – Das Programm für den 21. März bis zum 24. März 2019


GEBURTSTAGSFEIER FÜR JOHANN SEBASTIAN BACH – Das Programm für den 21. März bis zum 24. März 2019

Zwei Tage der offenen Tür, Führungen, Kreativangebote und Konzerte am Leipziger Thomaskirchhof

                                                                     Bach-Museum in Leipzig

Am 21. März 2019 feiert Leipzig Johann Sebastian Bachs 334. Geburtstag. Thomaskirche und Bach-Museum Leipzig bieten bis einschließlich 24. März ein umfangreiches Festprogramm mit zwei Tagen der offenen Tür im Bach-Museum, Führungen, Konzerten und vielem mehr. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist der von Leipziger Schülerinnen und Schülern musikalisch umrahmte Anschnitt der Geburtstagstorte am 21. März mit Bürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke, den Thomaskirche und Bach-Museum traditionsgemäß um 12 Uhr auf dem Thomaskirchhof gemeinsam veranstalten.

Das Bach-Museum Leipzig lädt am 21. März von 10 bis 18 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein: ab 15.00 Uhr bringen Chöre der Anna-Magdalena-Bach-Grundschule im Foyer des Bach-Museums dem Jubilar ein Ständchen, später folgt ein Ständchen des ThomanerNachwuchsChores im historischen Sommersaal (begrenzte Kapazität, kostenfreie Zählkarten ab 15 Uhr erhältlich). Eine Sonderführung durch die Dauerausstellung findet um 13 Uhr statt. Zwei Sondertouren führen zudem 12.30 Uhr und 16 Uhr auf den Turm der Thomaskirche: Lohn des Aufstiegs ist ein faszinierender Ausblick über den Thomaskirchhof und die Leipziger Innenstadt. Die Anmeldung für beide Turmführungen erfolgt im Thomasshop.

Leipziger Schülerinnen und Schüler gestalten ab 11 Uhr ein musikalisches Geburtstagsprogramm für den Komponisten in der Thomaskirche. Die Teilnahme der Schülerinnen und Schüler am Bach-Geburtstag wird im Rahmen des Projekts »Singt Euch Ein!« von MusiklehrerInnen Leipziger Schulen in Zusammenarbeit mit der Thomaskirche und der Sächsischen Bildungsagentur organisiert und von der Neuen Bachgesellschaft e. V. finanziell unterstützt. Um 12 Uhr wird von den Schülerinnen und Schülern am Fuß des Bachdenkmals ein Geburtstagskanon angestimmt. Im Anschluss schneiden die Leipziger Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke, Pfarrerin Britta Taddiken und die Geschäftsführerin des Bach-Archivs Leipzig, Franziska Grimm, die Geburtstagstorte an – eine fantasievolle Kreation und ein Geschenk des Leipziger Konditormeisters René Kandler.

Ein Thomaskonzert unter Leitung von Universitätsmusikdirektor David Timm beschließt den Tag: Ab 19.30 Uhr musizieren Mitglieder des Leipziger Universitätschores und des Pauliner Barockensembles sowie Universitätsorganist Daniel Beilschmidt und die LeipzigBigBand in der Thomaskirche.

Tickets für dieses Konzert sind sowohl im Thomasshop als auch unter www.thomaskirche.org erhältlich.

Eine Orgelvesper mit Organist Haemi Oh aus Halle (Saale) bildet am Freitag, dem 22. März, 18 Uhr, den Auftakt zu weiteren Geburtstags-Überraschungen.

Unter dem Motto »L’Italiano è la lingua della musica!« feiert das Bach-Museum am 23. März 2019 von 10 bis 18 Uhr einen eintrittsfreien Familientag. In Kooperation mit Italiani a Lipsia (IAL) e. V. und der Designschule Leipzig wird ein italienisch-buntes Programm geboten: 11 Uhr musiziert Gianmario Strappati auf der Tuba Bachs Cello-Suite Nr. 2 in d-Moll, ein kleines Buffet mit italienischen Köstlichkeiten umrahmt dieses außergewöhnliche Konzert. Führungen durch die aktuelle Kabinettausstellung »Hof-Compositeur Bach« schließen sich um 12 Uhr sowie um 15 Uhr an. In einer Papier-Fashion-Show mit dem Titel »Esperimenti di moda« präsentieren Schüler der Designschule Leipzig um 16 Uhr barocke Kostüme aus Papier. »Accessori« und ein deutsch/italienisches Memory zur Sprache der Musik können Besucher von 10 bis 18 Uhr in der Museumswerkstatt gestalten.

In der Motette der Thomaskirche erklingt am 23. März 2019 um 15 Uhr, Johann Sebastian Bachs Kantate »Widerstehe doch der Sünde« BWV 54. Es musizieren die Altistin Britta Schwarz, der Organist Nicolas Berndt, die Leipziger Cantorey und das Sächsische Barockorchester unter Leitung von Thomaskantor Gotthold Schwarz (Eintrittsprogramm: 2 Euro).

Mit einer Überblicksführung im Bach-Museum, die ab 11 Uhr auch einen Blick in den barocken Sommersaal mit seinem beweglichen Deckengemälde ermöglicht, endet am 24. März 2019 das Festprogramm.

www.bachmuseumleipzig.de / www.thomakirche.org

                                                                           Thomaskirche Leipzig

Programm zum Bach-Geburtstag:

DONNERSTAG, 21. MÄRZ 2019
10.00–18.00 h / Bach-Museum

Tag der offenen Tür zu Bachs 334. Geburtstag
13.00 h: Überblicksführung durch die Dauerausstellung
ab 15.00 h: Ständchen der Chöre der Anna-Magdalena-Bach-Grundschule im Foyer des Bach-Museums, später Ständchen des ThomanerNachwuchsChores im historischen Sommersaal des Bach-Museums (begrenzte Kapazität, Zählkarten ab 15 Uhr erhältlich)
Eintritt frei

11.00 h / Thomaskirche
»Singt Euch Ein!«

Leipziger Schülerinnen und Schüler singen in der Thomaskirche
Nicolas Berndt, Orgel

12.00 h / Thomaskirchhof
Anschnitt der Geburtstags-Torte

Geburtstagsständchen der Leipziger Schülerinnen und Schüler
Grußwort von Dr. Skadi Jennicke, Bürgermeisterin für Kultur der Stadt Leipzig

12.30 und 16.00 h / Thomaskirchhof
Sonderturmführungen
Anmeldung im Thomasshop erforderlich!

19.30 h / Thomaskirche
Thomaskonzert

»Tobe, Welt, und springe«
Universitätsorganist Daniel Beilschmidt, Mitglieder des Leipziger Universitätschores, Mitglieder des Pauliner Barockensembles, LeipzigBigBand
Leitung: Universitätsmusikdirektor David Timm

Karten zu € 25,00/20,00/15,00, ermäßigt zu € 20,00/15,00/10,00
Schüler, Studenten und Leipzig-Pass-Inhaber € 5,00

FREITAG, 22. MÄRZ 2019
18.00 h / Thomaskirche
Motette
Orgelvesper mit Haemi Oh, Halle (Saale)
Eintrittsprogramm: € 2,00

                         Grabstätte von Johann Sebastian Bach in der Thomaskirche Leipzig

SAMSTAG, 23. MÄRZ 2019
10.00–18.00 h / Bach-Museum
Familientag zu Bachs Geburtstag Tag der offenen Tür

Erleben Sie unter dem Motto »L’Italiano è la lingua della musica!« in Kooperation mit Italiani a Lipsia (IAL) e. V. und der Designschule Leipzig ein italienisch-buntes Programm mit Führungen und Kreativangeboten.

10.00–18.00 h: »Gioca e armeggia con noi«. Spielt mit uns ein deutsch/italienisches Memory zur Sprache der Musik und gestaltet »accessori« aus Papier!

11.00 h: »Buon compleanno, signor Bach! « Cello-Suite Nr. 2 in d-moll, BWV 1008, arrangiert für Tuba, gespielt von Gianmario Strappati.

12.00 & 15.00 h: Führungen durch die Sonderausstellung »Hof-Compositeur Bach«

16.00 h: »Esperimenti di moda«. PapierFashionShow! Schüler der Designschule Leipzig präsentieren barocke Experimente in Papier.
Eintritt frei

15.00 h / Thomaskirche
Motette

Johann Sebastian Bach: Kantate »Widerstehe doch der Sünde« BWV 54.

Organist Nicolas Berndt; Britta Schwarz, Alt; Leipziger Cantorey
Sächsische Barockorchester
Leitung: Thomaskantor Gotthold Schwarz
Eintrittsprogramm: € 2,00

SONNTAG, 24. MÄRZ 2019
11.00 h / Bach-Museum

Überblicksführung mit Besichtigung des Sommersaales!
Eintritt: € 8,00 / ermäßigt: € 6,00 /
Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre: frei

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Bach-Sprechstunde Bach-Fest-Leipzig 2019


Bach-Sprechstunde Bach-Fest-Leipzig 2019

Liebe Bach-Spezialisten!

Zuerst einmal ein großes Lob zu Ihrem Angebot einer Bach-Sprechstunde am diesjährigen Bach-Fest. Als Mitglied der NBG und Bach-Liebhaber verfolge ich aufmerksam den Forschungsstand und bin immer wieder davon überzeugt, dass die Bach-Forschung im Fluß ist und sich aus Biografie und Werkinterpretation neue Ergebnisse zeigen.

Insofern macht uns Bach’s Oeuvre aufmerksam und lebendig.

Leider kann ich beim diesjährigen Bachfest in Leipzig nicht dabei sein und meine unten angegebene Frage nicht mündlich stellen. . Es gibt ja soviel Bach-Orte und -festivals, die ich gerne besuche.
Als ich im September 2016 beim Bach-Fest in Köthen war, fiel mir das ‚Cöthener Bach-Heft Nr.12/2004 in die Hände und damit auch die atemberaubenden Forschungen von Günther Hoppe.

Sie werden den gesamten Aufsatz in Ihrer Bibliothek finden und bestimmt lesen. Hoppe’s historisch-krische Arbeit finde ich gut begründet, daher glaubhaft..

Vgl. auch mein gesamtes Abend-Tage.Buch in https: //meinhardo.wordpress.com


(letzte Seite meines Abend-Tagebuchs)

„ … Doch-, jetzt muss ich doch noch meinen BACHKÜLLER loswerden. Er hatte mich, nachdem ich dieses CÖTHENER BACHHEFT Nr.12/2004 gelesen hatte, immer wieder bedrückt.

‚PEINLICH FÜR EINEN REICHSFÜRSTEN LEOPOLD! –
Die Reisekasse war leer-, So was kam im Hause des Klein-Fürsten zwar immer mal vor, aber jetzt betrifft dieser ‚Notstand ‚ auch Bach selbst. Leopold A. von Anhalt-Cöthen mußte bereits früher als geplant mit seinem Hofstaat- und HOFKAPELLMEISTER aus Carlsbad abreisen. (Ungefähr Mitte Juni 1720). Bach hat also seine Maria Barbara NOCH LEBENDIG ANGETROFFEN. So erstöberte es ein seriöser Bachforscher (vgl.Köthener Bachhefte Nr.12/2004). Am 7.Juli 1720 wurde Maria Barbara begraben. Bach muss also beim Begräbnis dabei gewesen sein !!!

Bach ließ sich einige Monate später von seinen Fürsten und Freund Leopold A. von dem vorgeschriebenen ‚Witwer-Trauerjahr befreien und heiratete die ihm vom Zerbster Hof schon bekannte ‚SINGJUNGFER‘ Anna Magdalena Wilke. Derer beider Tochter, die dann geboren wurde, war (oder durfte ?) nicht in der Kirche getauft werden.

Damit entfallen alle romantischen Vorstellungen von einem Bach, der aus CARLSBAD kommend nur noch am GRAB seiner Frau Abschied nehmen konnte.
(Zusammenfassung eines Aufsatzes von Günther Hoppe in den Köthener Bachheften)

Und damit schließe ich mein ‚Abend-Tagebuch‘

Adamo


Danke

Vielleicht bekomme ich ja von Ihnen eine Antwort, wie über diesen Punkt die Diskussion verlaufen ist.

Ihr Wolfgang Adam, Herford

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J.S. Bach´s Bruder – „Johann Jacob Bach“(1682-1722) erobert Leipzig!


J.S. Bachs Bruder – „Johann Jacob Bach“ (1682-1722) erobert Leipzig!

Eine musikalische Europareise durch die Zeit des Barocks im Leipziger Bach-Archiv

Schon vor über 300 Jahren hat Johann Sebastian Bach sich einen Namen als Virtuose und Komponist gemacht und zählt bis heute zu den bedeutendsten Musikern. Sein Leben wird erforscht, seine Werke weltweit verbreitet und verehrt. Über seinen Bruder Johann Jacob Bach (1682-1722) dagegen ist nahezu nichts bekannt.

Diesen Umstand hat der Literaturredakteur und Autor Olaf Schmidt genutzt, um einen historischen Roman über den Bruder des berühmten Musikers zu schreiben. »Das Reizvolle, jedenfalls für mich, daran war, eine Figur zu haben, die unmittelbar mit dem berühmten Johann Sebastian Bach zu tun hat, die auch Musiker gelernt hat, deren Geschichte aber so ganz anders ist als das, was wir über Johann Sebastian Bach wissen, der nie über seinen engen Wirkungskreis in Mitteldeutschland hinausgekommen ist. Der Bruder ist in Istanbul gewesen, in der Ukraine, Schweden und sonstwo«, sagt Olaf Schmidt.
In seinem Roman »Der Oboist des Königs« begleitet Johann Jacob Bach, als Oboist der Hofkapelle, den schwedischen König Karl XII. auf dessen Feldzügen durch Nord- und Osteuropa.

© Verlag Galiani Berlin

Der Autor erzählt weiterhin: »Man hat diese dürren, kleinen, biografischen Anhaltspunkte und muss das dann füllen. Das bedeutet, dass man recherchieren muss, über die Bachzeit und die musikalische Kultur, die in der Zeit in Deutschland und Europa herrschte. Das ist immer so eine Balance zwischen historisch korrekt und der fiktionalen Auffüllung. Da muss man sich, finde ich jedenfalls, schon bemühen, die historischen Begebenheiten möglichst authentisch wiederzugeben.«
Welcher Ort könnte für die Veröffentlichung dieses Werkes passender sein als das Leipziger Bach-Museum?

Die Bach-Statue am Thomaskirchhof mit Blick auf das Bosehaus. © Victoria Roth

Folgt man dem Blick der übergroßen Bronzestatue von Bach selbst, die sich stolz auf einem Sockel vor der Thomaskirche präsentiert, wandert das Auge über das Stationsschild Nr. 18 der Leipziger Notenspur mit der Aufschrift »Bosehaus« und »Bachmuseum«. Folgt man dem Pfeil auf dem Schild erkennt man auf der gegenüberliegenden Straßenseite auch das von außen etwas unscheinbar wirkende Bach-Archiv. Doch der erste Eindruck täuscht. Bereits nach dem Übertreten der Türschwelle wirkt das Haus mindestens doppelt so groß und man befindet sich in einem Vorraum mit Gewölbedecke, der sich weit ins Hausinnere erstreckt und viele Türen beherbergt.

Der Eingang zum Bach-Archiv und Bach-Museum. © Victoria Roth

Diese sind auch notwendig, denn die ungewöhnliche Einrichtung ist Forschungsinstitut, Bibliothek und Museum zugleich und beschäftigt sich ausschließlich mit dem Leben, Werk und Wirken Johann Sebastian Bachs und seiner Musikerfamilie. Hier wird geforscht, digitalisiert, Wissen vermittelt und bewahrt, während im Museum wertvolle Originaldokumente ausgestellt sind und Touristen im Souvenirshop nach musikalischen Andenken stöbern.

Der barocke Musenort des Bach-Museums Leipzig: im Sommersaal finden regelmäßig Konzerte statt. © Bach-Museum Leipzig/Martin Klindtworth

In edlem Glanz und barocker Festlichkeit präsentiert sich der Sommersaal des Bach-Museums, der mit seinem beweglichen Deckengemälde eine architektonische Besonderheit darstellt. In diesem wird am 07. März 2019 die Premierenlesung von »Der Oboist des Königs – Das abenteuerliche Leben des Johann Jacob Bach« mit passender musikalischer Untermalung erklingen.
Den Leipzigern dürfte das Bach-Archiv vor allem durch das jährlich veranstaltete Bachfest in Erinnerung sein.

Beitragsbild: © Victoria Roth


Adresse: Bach-Archiv Leipzig, Thomaskirchhof 15/16, 04109 Leipzig, www.bach-leipzig.de


Die Veranstaltung: Olaf Schmidt liest aus »Der Oboist des Königs – Das abenteuerliche Leben des Johann Jacob Bach«, musikalische Begleitung: Caroline Jahn (Traversflöte) und Thomas Stadler (Cembalo), Sommersaal im Bach-Museum, am 07.03.2019, 19.30 Uhr


Das Buch: Olaf Schmidt, Der Oboist des Königs – Das abenteuerliche Leben des Johann Jacob Bach. Galiani, Berlin 2019, 544 Seiten, 25,00 Euro, E-Book 19,99 Euro


Rezensentin:

 

 

Victoria Roth

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(Textquelle: Bach-Archiv)

BR – Klassik “ INTERPRETATIONEN IM VERGLEICH“ – J.S. BACHS MESSE IN H-MOLL


BR – Klassik „INTERPRETATIONEN IM VERGLEICH“ J.S. BACHS MESSE IN H-MOLL

Sie ist eine der außergewöhnlichsten Vertonungen des katholischen Messtextes und eine der ganz großen Meisterleistungen der abendländischen Musikgeschichte: die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach. Es gibt wohl kaum ein Werk, das in der Aufführungsgeschichte sein Wesen derart verändert hat. BR-KLASSIK-Redakteur Laszlo Molnar nimmt einige Einspielungen der h-Moll-Messe unter die Lupe.

Porträt Johann Sebastian Bach | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

„INTERPRETATIONEN IM VERGLEICH“ VOM 5. FEBRUAR 2019 ANHÖREN

OTTO KLEMPERER MIT DEM NEW-PHILHAROMONIA ORCHESTRA UND DEM BBC CHORUS

Bis etwa in den 1960er Jahren klangen die meisten Aufführungen von Bachs h-Moll-Messe mit professionellen Musikern so, wie bei Karl Richter oder Otto Klemperer: Ein großer Chor singt, ein großes Orchester spielt. Der Dirigent strebt nach großem Ausdruck, nach Überwältigung. Die Zuhörer sollen ergriffen werden. Alles auf höchstem Niveau, die Soli werden mit Opernsängern besetzt, den Stars der Zeit – Agnes Giebel, Janet Baker, Nicolai Gedda, Hermann Prey. Im BBC Chorus hören wir Stimmen, die auch in einem Opernchor singen könnten. In einer Aufnahme von 1967 mit Otto Klemperer am Pult des New Philharomonia Orchestras klingt das so:

NIKOLAUS HARNONCOURT MIT DEN WIENER SÄNGERKNABEN UND DEM CONCENTUS MUSICUS WIEN

Eine unverändert vorbildliche Aufnahme ist die von Nikolaus Harnoncourt von 1968. Nur ein Jahr nach der Einspielung mit Otto Klemperer und doch eine ganz andere Klangwelt. Harnoncourt wollte ergründen, warum das Werk so ist, wie es ist, und wie es Bach sich vorgestellt haben könnte. Eher langsame Tempi, sorgfältigste Artikulation, eine bis ins Kleinste überwachte Aufnahme hat bis zum heutigen Tag alles aus der Partitur herausgeholt, was möglich ist. Die Aufnahme zu hören ist, wie mit einem Leuchtzeiger durch die Noten zu gehen. Alles, was hier zum Klingen kommt, Soli, Tutti, Sänger, Instrumente ist wundervoll und beseelt. Hier ist die Aufnahme von 1968 mit den Wiener Sängerknaben und dem Concentus Musicus Wien unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt.

JOHN ELIOT GARDINER MIT DEM MONTEVERDI CHOIR UND DEN ENGLISH BAROQUE SOLOISTS

Ein weiterer Protagonist der Originalklangszene macht sich in den 80er Jahren bereit: John Eliot Gardiner. Zusammen mit dem Monteverdi Choir und den English Baroque Soloists hat er 1985 den Standard für die Interpretation der h-Moll-Messe als Virtuosenstück gesetzt. Wie kein anderer führt Gardiner eine Solistengruppe als Chor und lässt den Chor singen, als sei er ein Solist. Mit solch einer Besetzung unerreicht ist die emotionale Kraft, die Gardiner aus dieser Messvertonung entfesselt. Bei Gardiner hört man als Chor eine Versammlung geradezu verzückter einzelner Stimmen – hier in einer undatierten Aufführung mitzuerleben:

JOHN BUTT MIT DEN DUNEDIN CONSORT & PLAYERS

Die Messe in h-Moll ist Bachs letzte Komposition. Ihr gab der Komponist alles mit, was er an Kunst im Laufe seines Lebens als Organist, Komponist und Kapellmeister entwickelt hatte – vom strengen polyphonen Satz bis zu einer ins feinste verästelten Konzertfaktur und dem Modernsten an Arien, das es zur damaligen Zeit gab. Welche Arbeit tatsächlich darin steckt, hört man am besten in einer der radikalsten Aufführungen, die es auf Tonträger gibt: mit dem Dunedin Consort aus Edinburgh unter der Leitung von John Butt und nur zwei Sängern pro Stimme. Das hat mit einem Chor, wie er bei Klemperer zu hören war, nichts mehr zu tun. Das ist die Musik in ihrer athletischsten Gestalt. Hierhin führt der Weg, den das Verständnis von Bachs h-Moll-Messe genommen hat. Von der groß und breit daherkommenden oratorischen Chorkomposition zum durchtrainierten Stimm-Kunstwerk für eine Gruppe hochvirtuoser Solisten. Hier ist das „Sanctus“ mit den Dunedin Consort & Players unter der Leitung von John Butt zu sehen und zu hören:

PETER DIJKSTRA MIT DEM BR-CHOR UND CONCERT KÖLN

Die Aufnahme der h-Moll-Messe durch den Chor des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Peter Dijkstra, zusammen mit dem Concert Köln, aus dem Jahr 2016 scheint wie ein seltener Solitär. Denn man hört: diese Sängerinnen und Sänger arbeiten immer zusammen, sie proben Tag für Tag. Dijkstra konnte mit den Stimmgruppen an Nuancen arbeiten. Hören Sie, wie markant und kraftvoll, dabei auf das Feinste abgemischt, das Kyrie und alles Weitere mit dem BR-Chor und dem Concerto Köln unter Peter Dijkstras Leitung klingen:

Mitglieder des BR-Chors werfen Notenblätter in die Luft | Bildquelle: BR/Johannes Rodach

Bildquelle: BR/Johannes Rodach

Chor des Bayerischen Rundfunks, Concerto Köln, Peter Dijkstra
BR-Klassik (2016)

Video:

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Sendung:  „Interpretationen im Vergleich“ vom 5. Februar 2019  20.05 Uhr auf BR-KLASSIK –

Hier die ganze Sendung zum Anhören.

INTERPRETENLISTE DER SENDUNG „INTERPRETATIONEN IM VERGLEICH“ MIT BACHS H-MOLL-MESSE

Münchner Bach-Chor und Orchester, Karl Richter
Deutsche Grammophon Gesellschaft Archiv (1961)

Video: 

BBC-Chorus, New Philharmonia Orchestra, Otto Klemperer
EMI (1967)

Wiener Sängerknaben, Concentus Musicus Wien, Nikolaus Harnoncourt
Teldec (1968)

Gächinger Kantorei, Bach-Collegium Stuttgart, Helmuth Rilling
CBS (1977)

Video: 

The Bach Ensemble New York, Joshua Rifkin
Nonesuch Records (1982)

Video:  

The Monteverdi Choir, English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner
Deutsche Grammophon Gesellschaft Archiv (1985)

Collegium Vocale Ghent, Philippe Herreweghe
Virgin Classics (1989)

Video:  

Bach-Chor der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Münchner Philharmoniker, Sergiu Celibidache
EMI (1990)

Video:

Bach Collegium of Japan, Masaaki Suzuki
BIS-Records (2007)

Video:  

Dunedin Consort, Dunedin Players, John Butt
Linn-Records (2009)

Thomanerchor Leipzig, Freiburger Barockorchester, Georg Christoph Biller
DVD Accentus Music (2013)

Video: 

Chor des Bayerischen Rundfunks, Concerto Köln, Peter Dijkstra
BR-Klassik (2016)

All of Bach on December 15th 2016 at the Grote Kerk, Naarden.

Video:  

Collegium Vocale Leipzig, Merseburger Hofmusik, Michael Schönheit
Querstand (2018)

Video: 

BR-Klassik: INTERPRETATIONEN IM VERGLEICH – Johann Sebastian Bach: Messe h-Moll, BWV 232


BR-Klassik: Interpretationen im Vergleich – Johann Sebastian Bach: Messe h-Moll, BWV 232

Auf eine besondere Programm-Ankündigung von BR möchte ich alle Bachfreunde hinweisen.

Zum Live-Stream BR – Klassik

Sendung in BR – Klassik am 5. Februar 2019 um 20:05 Uhr bis 22:00 Uhr !

J.S. Bach

       J.S. Bach

Aufnahmen mit den Dirigenten Karl Richter, Helmuth Rilling, Joshua Rifkin, John Eliot Gardiner, Peter Dijkstra, John Butt und anderen Interpreten.

Ein Werk – zahlreiche ältere und neuere Einspielungen von großen Interpreten nebeneinander gestellt – einmal im Monat, dienstags ab 20.05 Uhr.

Die h-Moll-Messe – BWV 232 von Johann Sebastian Bach ist das Spitzenwerk der westlichen geistlichen Musik. Keine andere Messvertonung hat diesen Umfang. In keiner anderen Messvertonung werden die einzelnen Teile der katholischen Messe derart differenziert betrachtet und in Musik der verschiedensten Art gesetzt. 18 Chorsätze und neun Arien bilden zusammen das Werk, das Bach am Ende seines Lebens aus dem besten zusammenstellte, das er in seiner langen Laufbahn als einer der größten und kreativsten Musiker aller Zeiten komponiert hatte.

Die h-Moll-Messe ist daher nicht nur ein geistliches Werk. Sie ist eine Gesamtschau von allem, was auf dem Gebiet der Komposition zu Bachs Zeit möglich war; vom strengen Chorsatz im Stil der Vokalpolyphonie der Renaissance bis zur Opernarie nach dem aktuellsten Stand der Dresdner Hofoper. Bis zum heutigen Tag zieht die h-Moll-Messe Interpreten wie Zuhörer mit ihrem technischen Anspruch und ihrer vollendeten Schönheit in ihren Bann und wird weltweit als eine der größten und tiefgründigsten Schöpfungen der Musikgeschichte der westlichen Welt gewürdigt.

Der Interpretationsvergleich von Laszlo Molnar zeigt die verschiedenen Ansätze, mit denen sich Interpreten seit Beginn der 1960er Jahre der h-Moll-Messe genähert und mit welchen Mitteln sie den musikalischen Gehalt umgesetzt haben. Der Vergleich legt dar, wie sich dank der intensiven Bach-Forschung und des Aufkommens der historischen Aufführungspraxis das Verständnis von und für Bachs letzte(r) Komposition dramatisch gewandelt hat – von einem Chorwerk im Geiste der Oratorien Bachs, Händels und Mendelssohns über ein Virtuosenstück für professionelle Barock-Ensembles hin zum radikalen, kompromisslosen Stimm-Kunst-Werk, in dem auch die Chorsätze von hochqualifizierten Solisten aufgeführt werden.

Textquelle: BR-Klassik

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Interessante Aussagen von großen Bach-Interpreten, müssen zur Passionszeit allzeit Bach-Werke erklingen?


Interessante Aussagen von großen Bach-Interpreten, müssen zur Passionszeit allzeit Bach-Werke erklingen?
Fünf Dirigenten geben Antwort: „Alle Jahre wieder“
Von Susanne Benda 

Die biblische Geschichte von Leiden und Tod Christi haben viele Komponisten in Töne gefasst. Aufgeführt werden aber vor allem die Matthäus- und Johannespassion von Johann Sebastian Bach.

Hans-Christoph Rademann, hier am Pult seiner Gaechinger Cantorey, ist seit 2013 Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart. Foto: Holger Schneider
Hans-Christoph Rademann, hier am Pult seiner Gaechinger Cantorey, ist seit 2013 Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart. Foto: Holger Schneider

 

Stuttgart – Weihnachten ohne Bachs Weihnachtsoratorium ist ebenso wenig vorstellbar wie die Fasten- und Osterzeit ohne Bachs Matthäus- oder Johannespassion. Warum ist das so? Was zeichnet Bachs Bibelvertonungen aus, und warum führen auch Stuttgarter Chöre sie jedes Jahr von Neuem auf? Fünf Dirigenten versuchen eine Antwort zu geben.

 Hans-Christoph Rademann, Gaechinger Cantorey

„Bachs Passionen erfüllen das starke Bedürfnis der Menschen, das rätselhafte Passionsgeschehen nachzuvollziehen, und sie haben eine solche Tiefe und Klarheit, dass sie auch die Menschen erreichen, die keinen Bezug zur Kirche haben. Sie sind qualitativ überragend. Aber wenn wir uns nur auf sie fokussieren, schränkt uns das ein. Ich bemühe mich immer, das Neue im Alten zu finden. Man könnte aber auch das Neue im Neuen finden. Oder unbekannte Passionen des Barock vorstellen, zum Beispiel von Telemann. Als Musiker haben wir die Verantwortung, die alten Stücke so aufzuführen, dass sie wirken wie neu – oder sie zu brechen, wie wir es in unseren ‚Bachbewegt‘-Projekten tun.“

(Am Karfreitag um 9 Uhr ist die Aufzeichnung des Tanzprojektes zur Matthäuspassion unter Rademann im SWR-Fernsehen zu sehen.)

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„Ich muss an Karfreitag nicht immer Bach dirigieren – für mich sind diese Werke so heilig, dass ich auf keinen Fall in Routine verfallen will. Dass Bach überall bekannt und beliebt ist, finde ich erstaunlich – schließlich steht in seiner Musik nicht wie sonst bei erfolgreichen Stücken die Melodie im Zentrum, sondern wir hören eine Mischung aus rhythmischer Prägnanz, fesselnder Motorik und schlüssiger Harmonik. Permanent spielt Bach mit Dissonanzen und ihrer Auflösung, bei den Passionen kommt die Dramatik der Story hinzu – man muss immer weiter zuhören.“

(Am Karfreitag, 19 Uhr, dirigiert Johannsen in der Stiftskirche die Neufassung seiner Komposition „Credo in Deum“).

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Michael Culo, Knabenchor Collegium Iuvenum

„Bachs Passionen sind in unserer Kultur fest verankert, ihre Musik ist so qualitätvoll, dass sie unmittelbar anspricht, und im Gegensatz etwa zur Musik Händels wirkt Bachs Musik auch, wenn sie nicht erstklassig aufgeführt wird. Man kann darüber streiten, ob diese blutrünstige Geschichte heute noch zeitgemäß ist, und ob man die Darstellung der Juden so gelten lassen kann. Aber gespiegelt werden schlichtweg auch Themen unseres alltäglichen Umgangs miteinander. Das spüren die Knaben sehr – und sie lieben außerdem nicht nur die Volkschöre, sondern auch die Ruhe der Choräle.“

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Jörg-Hannes Hahn, Bachchor und Cantus Stuttgart

„Bachs Musik ist überall bekannt, wer sie aufführt, hat ein volles Haus. Ich selbst würde bei meiner Programmplanung gerne mehr auf Risiko gehen, muss aber auch schauen, dass der Haushalt stimmt. Bei ‚Musik am 13.‘ wechseln wir deshalb jährlich zwischen einer Bach-Passion und einem Passionswerk mit anderem Texthintergrund und einer anderen Emotionalität. Unsere Zuhörer sollen wach werden. Museales liegt mir fern.“

(Am Karfreitag um 15 Uhr dirigiert Hahn in der Lutherkirche eine neue Rekonstruktion von Bachs Markus­passion, von der nur der Text überliefert ist. Er wird hier mit Sätzen aus anderen Werken Bachs unterlegt.)

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Rainer Johannes Homburg, Hymnus-Knabenchor

„Bach vertont den Bibeltext eins zu eins, das macht seine Passionen besonders verständlich, und die Arien bringen als Kommentare die Fragen der Bibel auf den Punkt. Das gilt ganz besonders für die Matthäuspassion, die wir gerade aufgeführt haben. Sie teilt sich auch einem Knabenchor unmittelbar mit, und da Bach, als er sie 1727 komponierte, schon seit drei Jahren Thomaskantor war, trifft er hier auch präzise das Maß des Möglichen. Ich selbst habe allerdings lange gebraucht, um zu Bach zu finden. Eigentlich war erst der Knabenchor der Schlüssel, denn er ist das Instrument, für das Bach gedacht hat.“

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Mein Abendtagebuch, letzter Tag – J.S. Bach-Festival Arnstadt 16.3.-19.3.18


Mein Abendtagebuch, letzter Tag – J.S. Bach-Festival Arnstadt 16.3.-19.3.18

                                                 III. Sonntag abend (18.3.2018)

                 Der Anstellungsvertrag des Stadtregiments Arnstadt für den 18 jährigen J.S. Bach

Heute morgen (18.03.2018) gab’s den Gottesdienst mit der Bach-Kantate ‘Brich dem Hungrigen dein Brot’ (BWV 39). Die Predigt hielt der Thomas-Kirchen-Pfarrer i.R. Christian Wolff.

Video: J.S. Bach: BWV 39 „Brich dem Hungrigen dein Brot“

Fanie Antonelou, Sopran Lena Sutor-Wernich, Alt

Matthias Horn, Bass Stuttgarter Kantorei Stiftsbarock Stuttgart  Leitung: Kay Johannsen

Diesmal war nur die Kantorei der Bachkirche Arnstadt ausführend. Weniger Chorsänger als gestern, wo die Kantorei aus Suhl dabei war. Dafür aber nicht unbedingt schlechter. Von den Solisten fehlte nur der Tenor-Evangelist von gestern.

Sopranist und der Altistin hatten mir wieder sehr gefallen. Auch der Bass-Solist, – ausdrückliches Lob!-, erfüllte mit einfühlsamen Part sein Rezitativ und seine Arie.

Der Textdichter dieser 1726 in Leipzig entstandenen Kantate David Denicke und ein Anonymus gehen sehr fragend, aber dann auch mutmachend vor. ‚Tue Gutes mit deinen anvertrauten Gütern auf Erden.‘

Das Haus Kohlgasse 7, in Arnstadt das dem Hofmusiker Johann Christoph Bach Zwillingsbruder des Vaters von Joh.Seb. Bach gehörte! Hier wird der junge J.S. Bach oft seinen Aufenthalt gehabt haben.

Und dann kam endlich der schöne sonnen-beschiene Wintertag wieder. ‘Jetzt komme ich doch noch zum Rad-Fahren’, dachte ich. Frohgemut machte ich mich auf den Heimweg.

Nur die Deutsche Bundesbahn kapitulierte mal wieder mit ihren ICE‘s vor dem bisschen Schnee, der doch nur noch die Landschaft verschönerte. Dem Fahrrad machte das nichts aus.

So schließe ich mein Abend-Tagebuch und falle müde in mein eigenes Bett zu Hause.

Euer Adamo