J. S. Bach – Die Matthäus Passion – BWV 244 erklang in der Neustädter Marienkirche in Bielefeld

Liebe Bachfreunde/Innen!

Neustädter Marienkirche Bielefeld.

Neustädter Marienkirche Bielefeld.

Ein deutsch-amerikanisches Gemeinschaftsprojekt ließ in den Tagen vor Palmsonntag in unserer Region Ost-Westfalen-Lippe in 2 erstaunlichen Aufführungen Bach’s Matthäus-Passion, BWV 244 erklingen.

Die beiden Musikhochschulen Detmold und die University of Minnesota School of Musik besuchen sich in einer Partnerschaft schon seit Jahren gegenseitig. Jetzt stellten sie ihr diesjährig gemeinsam erarbeitetes Musik-Werk vor. Bachs Matthäus-Passion-, aufgeführt zuerst in Detmold und am Tag danach in der in der Neustädter Marienkirche in Bielefeld.

Schon oft hatte ich die Matthäus-Passion gehört, doch jetzt leitete mit Anne Kohler, Professorin für Chormusik an der Musikhochschule Detmold eine Frau die Aufführung. Am Tag zuvor war ihr amerikanischer Kollege Mark Russell Smith der Dirigent.

Teilnehmer

                                  Teilnehmer

Frau Kohler setzte in ihrem Dirigat beachtliche Akzente und konnte einen beeindruckenden Spannungsbogen aufbauen. Die Solisten hatten mir alle gefallen. An ihrer Sangeskunst und ihrem Einfühlungsvermögen in den dramatischen Aufbau des Werkes kann ich keine Kritik üben. Eher möchte ich meine Empfindungen in EINEM BILD erfassen.

Barockorchester HfM Detmold und Minesota

Barockorchester HfM Detmold und Kammerorchester University of Minnesota

Das Bild von der MÜHSELIGEN BERGWANDERUNG UND DEM BEFREIENDEM TALBLICK.

‚Das geht meiner Seele nah, weil hier die Unschuld schuldig stirbt.‘ singt die Altistin in ihrem Rezitativ Nr.59. Auch meiner Seele geht es nah, was da als Drama alles passiert: Zuerst setzt sich angefangen mit dem beeindruckendem Eingangschor ‚Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen (Nr.1), eine Prozession von Trauernden in Bewegung. Die Trauernden sehen ihn, den Unschuldigen, nur indirekt und verdeckt, (‚Seht ihn, da, den Bräutigam, als wie ein Lamm‘= Chor II). Von den Anschuldigungen des Volkes und der Hohenpriester wird er verfolgt. Mühsam geht es für alle bergauf, den Weg nach Golgatha. Und immer wieder treibt ein erregter Erzähler (Evangelist) in seinen Rezitativen die Handlung weiter.

Chor der University of Minnesota und Chor der Hochschule für Musik Detmold

Chor der University of Minnesota und Chor der Hochschule für Musik Detmold

Teilnehmer der University of Minnesota und der Hochschule für Musik Detmold.

Teilnehmer der University of Minnesota und der Hochschule für Musik Detmold, Mädchenkantorei Paderborn

Zum Glück gibt es Haltepunkte zum Ausruhen-, eben die Choräle. Auch sind Sopran-und Altarien als tröstliche Betrachtungen eingestreut. Aber sie geben den WANDERNDEN nur wenig Kraft zurück und so treibt das Geschehen unerbittlich einem Höhepunkt entgegen. Pilatus versucht, noch einen Ausweg zu finden (Nr.45-50). Aber das Volk will das Opfer des Lammes. All die ‚falschen Lügen‘ und die ‚falschen Zungen‘ (Nr.33-35) können sich durchsetzen und der Gipfel ist endlich nah. Kein Prophet Elias kommt dem Lamm zur Hilfe (Nr.61d). Jesus schreit abermals laut und die Prozession kann nur noch bitten: ‚Reiß’mich aus all den Ängsten!‘ (Nr.61+62). Die WANDERNDEN erkennen noch, daß ‚dieser wahrlich Gottes Sohn gewesen‘ ist (Nr.63b).

Jetzt kommt für mich der WENDEPUNKT der Passion. GIPFELRUHE breitet sich aus! Und diese Ruhe geht auf den Hörer/in über. Mit dem Bass-Rezitativ und der nachfolgenden Bass-Arie (Nr.64+65) wird ein abendlicher, von Leid und Schmerz befreiter Blick in eine weite, grünende EBENE geöffnet. Ein ‚Friedensschluss‘ ist eingekehrt, In langen, sich wiegenden Noten wird er in der wunderbaren Bass-Arie besungen. Und stehend, wie auf einem ‚Himmelsbalkon‘ treten jetzt die VIER HEROLDE auf, die als Sopran, Alt, Tenor und Bass (Nr.67) in den uns zur Verfügung stehenden VIER Stimmlagen DEN LOHN DER MÜHSAMEN BERGWANDERUNG ausrufen. ‚Die Müh’ist aus!

Der Schlußchor (Nr.68) kann dann nur noch bestätigen, daß die WANDERNDEN sich endlich setzten können und die ‚ängstlichen Gewissensbisse‘ Ruhe finden.

Damit schließt sich mein Bild von der BERGWANDERUNG.

Blumen für die Dirigentin Annette Köhler, Bildmitte.

Blumen für die Dirigentin Annette Kohler, Bildmitte.

Liebe Bachfreunde/Innen!

Zugegeben-, meine Deutung der Matthäus-Passion ist etwas elegisch und symbolhaft, doch ich möchte nach vielen gehörten Bach-Passionen auch mal den Standpunkt einer ‚dürren, laienhaften Musikkritik‘ verlassen und eher die den Menschen aufbauenden und stärkenden Motive beschreiben. Bach verbindet als ‚transatlantischer‘ Brückenbauer und richtet den hörenden Menschen auf. Das reicht mir, um Ostern zu feiern.

Mit vielen Ostergrüßen

Ihr und Euer ADAMO

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Das komplette Konzert vom 18.03.2016 aus dem „Konzertsaal der Hochschule für Musik Detmold“ ist zum Nachhören von der HfM Detmold freigeschaltet worden.

Video: Hochschule für Musik Detmold J.S. Bach - BWV 244 "Matthäus Passion."

        Video: Hochschule für Musik Detmold J.S. Bach – BWV 244 „Matthäus Passion.“

Zum Anhören in das Foto klicken, oder in diesen Text..!!

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Live übertragen am 18.03.2016
Solisten:

Florian Cramer, Evangelist
Jeffrey Martin, Jesus
Carine Tinney, Sopran
Julia Maria Spies, Alt
Maximilian Vogler, Tenor
Mathis Koch, Fabian Kuhnen, Bass
Barockakademie und Orchester der Hochschule für Musik Detmold
Chor und Kammerorchester der University of Minnesota School of Music
Aufbauchor der Mädchenkantorei Paderborn
Leitung: Mark Russell Smith
Eine Veranstaltung der Reihe MUSICA SACRA 2016

Tonmeister: Stefan Antonin, Benjamin Reichert

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Ein Gedanke zu „J. S. Bach – Die Matthäus Passion – BWV 244 erklang in der Neustädter Marienkirche in Bielefeld

  1. Volker

    Danke lieber Wolfgang, für deine Bemühung, uns an der Aufführung der Matthäus Passion teilnehmen zu lassen.!!

    Zur Abrundung von Wolfgangs Rezension zur Matthäus Passion gibt es dazu Aussagen von der HfM Detmold die ich allen zur Verfügung stellen möchte.

    Hochschule für Musik Detmold Medienmitteilung

    Veranstalter ziehen positive Bilanz
    Kooperationsprojekt zwischen HfM Detmold und University of Minnesota School of Music geht zu Ende.

    Detmold/21.03.16: Am letzten Samstag ging die gemeinsame Zusammenarbeit zwischen HfM Detmold und University of Minnesota School of Music zu Ende. Zwei nahezu ausverkaufte Konzerte in Detmold und Bielefeld waren das Ergebnis einer reibungslosen und künstlerisch wertvollen Zusammenarbeit zwischen zwei international angesehenen Hochschulen. Zum Gelingen des Projektes trugen nicht nur die Künstler, sondern auch die Sparkasse Paderborn-Detmold, die Goldbeck Stiftung, die Sibylle und Hannes Frank Stiftung sowie der DAAD mit seiner finanziellen Unterstützung bei.

    120 Musiker, davon 50 Studenten aus Detmold und 40 aus Minneapolis, dazu der 30-köpfige Aufbauchor der Mädchenkantorei der Domsingschule Paderborn, widmeten sich Bachs Matthäus-Passion. Auf 17 gemeinsame Tage war die komplette Zusammenarbeit angelegt und umfasste insgesamt zwei Arbeitsphasen: 10 Tage verbrachten die Detmolder Studenten in Minnesota und widmeten sich dort der szenischen Aufführung. Im Anschluss daran erfolgte der Gegenbesuch der Amerikaner, die für sieben Tage zu Gast in Detmold waren. Beide Hochschulen befassten sich jedoch schon lange im Voraus mit der Thematik. Fragen nach der Bedeutung von Bachs großer Passion im Hier und Jetzt standen dabei ebenso im Vordergrund wie Aspekte der Aufführungspraxis zu Bachs Zeiten. „Hier war der Austausch zwischen beiden Studentengruppen stets sehr fruchtbar und gewinnbringend“, waren sich die beiden Künstlerischen Leiter, Mark Russell Smith und Anne Kohler einig. Die Wahl bei der erneuten Zusammenarbeit fiel dabei nicht ganz ohne Grund auf Bachs umfangreichstes Sakralwerk. Nachdem 2012 mit Brittens War Requiem ein angelsächsisches Werk auf dem Programm stand, war nun ein Werk aus dem deutschen kulturellen Kontext an der Reihe. Die Initialzündung einer erneuten Kooperation hatte Mark Russell Smith, den eine gemeinsame Studienzeit mit der Detmolder Gesangsprofessorin Caroline Thomas verbindet.

    Beide Hochschulen waren sich um die Wichtigkeit eines solchen Austauschprojektes bewusst: „Für die Studierenden unserer Hochschule sind Kooperationsprojekte wie mit der University of Minnesota School of Music ein riesiger Gewinn. Durch das gemeinsame Musizieren wurden verschiedene Zugänge zu Bachs Musik praktisch erfahren und die Kombination aus musikalischer, kultureller und persönlicher Begegnung zwischen den Teilnehmenden hat vom ersten Moment an Früchte getragen. Projekte solcher Intensität fördern die Ausbildungsziele unserer Hochschule in besonderem Maße. Ich bin sicher, dass wir über dieses Projekt hinaus die Zusammenarbeit mit unserer amerikanischen Partnerhochschule erfolgreich
    Medienmitteilung der Hochschule für Musik Detmold fortsetzen werden“, resümierte Hochschulrektor Prof. Dr. Thomas Grosse zum Abschluss.

    Foto der Beteiligten:

    Bildunterschrift: Beteiligte ziehen erfolgreich Bilanz (v.l.n.r.): Gabriele Sichler-Karle (Einstudierung Aufbauchor der Mädchenkantorei Paderborn), Mark Russell Smith (einer der Künstlerischen Leiter), Kathy Romey (Einstudierung Chor der University of Minnesota School of Music), Prof. Martin Christian Vogel (Vorstandsmitglied der Sibylle und Hannes Frank Stiftung), Hans Laven (Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Paderborn-Detmold) sowie Prof. Dr. Thomas Grosse (Rektor der HfM Detmold) © HfM Detmold/Plettenberg
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