Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantaten-Beschreibung für den „11. Sonntag nach Trinitatis“

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800 Jahre Thomanerchor Konzert in Werne

800 Jahre Thomanerchor auf Konzertreise..!!

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Liebe Bach-Freunde/innen !

Eine Übersicht der Bach-Kantaten zum aktuellen Sonntag im Kirchenjahr steht zum Download bereit:

 Link: 

Bach-Kantaten im Kirchenjahr

als PDF-Download

Weiterhin stelle ich für jeden Sonntag / Feiertag im Kirchenjahr für die Besucher von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag-Feiertag im Kirchenjahr zur Verfügung.

Am 19.08.2012 

begehen wir den

11. Sonntag   nach Trinitatis

Der 11. Sonntag nach Trinitatis widmet sich unserer Einstellung zu Gott und zu seinem Gnadenhandeln. Dafür werden im Evangelium die zwei völlig unterschiedlichen Charaktere des Pharisäers und des Zöllners einander gegenüber gestellt. Die übrigen Texte weisen mehr in die Richtung des „Seligwerdens aus Gnade“ und nicht aus Werken. Unsere Einstellung zu der Gnade Gottes ist entscheidend dafür, ob wir sie auch empfangen werden. Am 11. Sonntag nach Trinitatis hören wir die Erzählung vom Pharisäer und Zöllner und erfahren, dass unser Glaube nicht unser Verdienst, sondern die Gabe Gottes ist. Wir freuen uns an dieser Gabe, aber wir erkennen auch, dass wir dennoch fähig sind, gegen den Willen Gottes zu handeln. Darum sind wir froh und dankbar, dass Gott uns immer wieder die Möglichkeit zur Buße, zur Umkehr schenkt.

Wochenspruch: 

Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. (1. Petr 5, 5)

Wochenlied: 

„Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ (EG 299)

YouTube – Musikvideo zum Wochenlied

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(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Bach-Kantaten für den 11. Sonntag  nach  ”Trinitatis

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BWV 113 –  „Herr Jesu Christ, du höchstes Gut“

BWV 179 – „Siehe zu, dass deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei“

BWV 199 – „Mein Herze schwimmt im Blut“.

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R a d i o – Programme mit:

Bach-Kantate 

WDR3 – Geistliche Musik

Sendung: 09:05 Uhr bis 10:00 Uhr.

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WDR3 – Livestream-Link: 

http://www.wdr.de/wdrlive/wdrplayer/wdr3player.html

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Allgemein Link: 

http://www.wdr.de/radio/wdr3/

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Programm: Link: 

http://www.wdr.de/programmvorschau/programDateDateSender.jsp?programmeId=3;dayOffset=0.

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WDR3 – Auszüge aus dem Programm:.

Geistliche Musik – Sonntag: 09:05 bis 10:00 Uhr

 

Johann Sebastian Bach

BWV 113 „Herr Jesu Christ, du höchstes Gut“

Kantate zum 11. Sonntag nach Trinitatis für Soli, Chor, Traversflöte,

2 Oboen d’amore, Streicher und Basso continuo;

Sibylla Rubens, Sopran; Annette Markert, Alt;

Christoph Prégardien, Tenor; Klaus Mertens, Bass;

Amsterdam Baroque Choir and Orchestra

Leitung: Ton Koopman

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NDRkultur – (Kantate)

Sendung: 08:03 Uhr bis 08:40 Uhr

Livestream – Link:  

http://www.ndr.de/ndrkultur/programm/livestream243.html

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Programm – Link:

http://www.ndr.de/ndrkultur/programm/programmuebersichten/index.html

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Archiv zum Nachhören:

http://www.ndr.de/ndrkultur/programm/zum_nachhoeren/ndr2234.html

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.NDRKultur – Auszüge aus dem Programm:

.Geistliche Musik am Sonntag um 08:03 bis 08:40 Uhr

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Johann Sebastian Bach:

BWV 199 „Mein Herze schwimmt im Blut

Edita Gruberova, Sopran / Deutsche Bachsolisten

Leitung: Helmut Winschermann

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SWR2

Sendung: 08:03 Uhr bis 08:30 Uhr

Programm: 

http://www.swr.de/swr2/programm/-/id=661104/1rcmvqp/index.html

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Webradio:  

http://www.swr.de/swr2/-/id=7576/nid=7576/did=1586900/pv=mplayer/10idhq8/index.html

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SWR2 – Auszüge aus dem Programm:

Geistliche Musik am Sonntag um 08:03 bis 08:30 Uhr

.Johann Sebastian Bach: 

BWV 113 „Herr Jesu Christ, du höchstes Gut“

Yukari Nonoshita (Sopran) Robin Blaze, (Countertenor)

Peter Kooij, (Bass) Bach Collegium Japan

Leitung: Masaaki Suzuki

 

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rbb kulturradio

Sendung: 09:30 Uhr bis 10:00 Uhr

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Programm:  http://www.kulturradio.de/programm/index.html

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Livestream http://www.kulturradio.de/livestream/index.html

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rbb-kulturradio – Auszüge aus dem Programm:

Sonntag von 09:30 Uhr bis 10:00 Uhr

Johann Sebastian Bach

BWV 199 „Mein Herze schwimmt im Blut

Edita Gruberova, Sopran / Deutsche Bachsolisten

Leitung: Helmut Winschermann

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mdr-figaro

Sendung: 06:30 Uhr bis 07:00 Uhr

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Kantate

Programm:  http://www.mdr.de/mdr-figaro/programm/.

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mdr-figaro Live: http://www.mdr.de/mdr-figaro/index.html .

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mdr-figaro – Auszüge aus dem Programm:

Sendung: Sonntag: um 06:30 Uhr bis 07:00 Uhr

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Johann Sebastian Bach:

6:25 Uhr – Einführung zur Kantate

800 Jahre Thomana

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06:30 Uhr Kantate

Johann Sebastian Bach

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BWV 179 „Siehe zu, dass deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei“ 

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Bayern-Klassik
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Sendung: 08:05 Uhr bis 08:39 Uhr
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Live-Stream:  (Hier ist ein wenig Geduld gefordert bis der Player erscheint..!!)
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oder
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Bayern-Klassik – Auszüge aus dem Programm:
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Sendung: Sonntag um 08:05 Uhr bis 08:30 Uhr
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Die Bach-Kantate:
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Johann Sebastian Bach:
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BWV 113 „Herr Jesu Christ, du höchstes Gut“

Kantate zum 11. Sonntag nach Trinitatis,

Magdalena Kožená, Mezzosopran; William Towers, Countertenor;

Mark Padmore, Tenor; Stephan Loges, Bass;

Monteverdi Choir; English Baroque Soloists:

Leitung: John Eliot Gardiner

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Videos mit Bach-Kantaten zum 11. Sonntag nach Trinitatis
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/ YouTube: BWV 113 –   „Herr Jesu Christ, du höchstes Gut“–  (Interpret: Leonhardt)

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/ YouTube: BWV 179 –  „Siehe zu, dass deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei“–  (Interpret: Harnoncourt)
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/ YouTube: BWV 199 –  „Mein Herze schwimmt im Blut“–  (Interpret: Dessay/Haim )
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In loser Reihenfolge stelle ich bemerkenswerte Instrumentalmusik, Arien, Rezitative, Duette, etc.

aus Bach-Kantaten vor..!!

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Heute die Motette „Der Gerechte kommt um“

Der Urheber der Motette ist umstritten Kuhnau / Bach?

Anmerkung zur Motette: „Der Gerechte kommt um“

Bearbeitung der Johann Kuhnau zugeschriebenen Motette „Tristis est anima mea“ Die Motette „Der Gerechte kommt um“ ist innerhalb der Passionskantate „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld“ von Carl Heinrich Graun überliefert, in die später auch Sätze verschiedener anderer Komponisten, darunter J.S. Bachs und Telemanns, interpoliert wurden. Nach den Untersuchungen von Diethard Hellmann, dem Herausgeber der vorliegenden Ausgabe, handelt es sich bei der Motette ursprünglich um eine A-cappella-Komposition Johann Kuhnaus auf den Text „Tristis est anima mea“.

Die dann – höchstwahrscheinlich von Bach – durch Neutextierung und Hinzufügung eines Instrumentalsatzes umgearbeitet wurde.

Es war bis ins 18. Jahrhundert hinein üblich, Werke anderer Komponisten für den neuerlichen Gebrauch zu bearbeiten und anzupassen.

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Musikbeispiel aus dem Stück Tristis est anima mea von Johann Kuhnau    – (Quelle Wikipedia)

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Das Beispiel oben zeigt einen Ausschnitt aus der dem Leipziger Komponisten Johann Kuhnau zugeschrieben Motette: „Tristis est anima mea“ (obere Grafik) in der Bearbeitung von Johann Sebastian Bach (Der Gerechte kommt um“ – um Orchesterbegleitung erweitert; untere Grafik). Bach, der das Stück von f-Moll nach e-Moll transponierte, fügte das Motiv B-A-C-H in der Altstimme ein (gibt dem Alt als einziger Stimme an dieser Stelle einen synkopischenRhythmus), und bearbeitete den harmonischen Satz. Kurz darauf fährt die Altstimme mit den Worten „und niemand achtet drauf“ fort; ein treffendes Beispiel für Bachs subtiles Arbeiten und ironisches Selbstverständnis.

In Bearbeitungen anderer Kompositionen verwendete Bach seinen Namen oft auf diese Weise, um sie mit seiner „Unterschrift“ zu versehen; meistens ist das Motiv jedoch so eingefügt, dass es nur schwer allein durch das Hören zu erkennen ist, sondern besser im Notentext zu sehen ist.

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Musikbeispiel Bachs mit den Noten B-A-C-H

Musikbeispiel Bachs mit den Noten B-A-C-H           – (Quelle Wikipedia)

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Meine persönliche Anmerkung:

Welchem Thomas-Kantor – Kuhnau oder Bach – die Motette nun wirklich zugeschrieben wird, es ist ein sehr berührendes Werk und gefällt mir großartig.

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YouTube-Video –  Motette „Der Gerechte kommt um“   – (Interpret: Helmuth Rilling)

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Sir J.E. Gardiner

hat die Motette ebenfalls veröffentlicht und stelle sie als Gegenpool zu Rilling seiner Aufnahme zur Verfügung..!!

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YouTube-Video Motette „Der Gerechte komm um“     – (Interpret: J.E. Gardiner)

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CDs – Bach-Kantaten: für den 11. Sonntag nach Trinitatis

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veröffentlicht von der DGG (Deutsche Gramophon Gesellschaft)

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Cover: DGG Kantaten - BWV 113 BWV 179 und BWV 199

Cover: DGG Kantaten – BWV 113 BWV 179 und BWV 199

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Inhalt eine CD

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BWV 113  – „Herr Jesu Christ, du höchstes Gut“

BWV 179 –  „Sieh zu, dass deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei“

BWV 199 – „Mein Herze schwimmt in Blut“

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Link zur CD-Bestellung der DGG

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CDs – Bach-Kantatenfür den  12. und 13. Sonntag nach Trinitatis“    

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Cover:  SDG 134 –  Vol. 6

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CD-Bestellung  zum  Link:   CD  Bach-Kantaten – SDG 134 – Vol. 6

Aufführungsorte:

Kantaten für den „12. und 13. Sonntag nach Trinitatis“ 

Jakobskirche, Köthen am 10. September 2000

Dreikönigskirche, Frankfurt am 17. September 2000

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CD –  e i n s  – Inhalte:

Kantaten für den „12. Sonntag nach Trinitatis“

 
BWV 35  “Geist und Seele wird verwirret“ 

Gardiner Pilgrimage CD – SDG 134 – Vol.  6 – CD  1

BWV 69 a “Lobe den Herrn, meine Seele

Gardiner Pilgrimage CD – SDG 134 – Vol.  6 – CD  1

BWV 137  Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren

Gardiner Pilgrimage CD  – SDG 134–  Vol. 6 – CD 1

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CD –  z w e i  – Inhalte:

Kantaten für den „13. Sonntag nach Trinitatis“ 

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BWV  33 – „Allein zu dir, Herr Jesu Christ“

Gardiner Pilgrimage CD 134 Vol. 6  – CD 2

BWV 77 – „Du sollst Gott, deinen Herren, lieben“

Gardiner Pilgrimage CD 134 Vol. 6 – CD 2

BWV 164 – „Ihr, die ihr euch von Christo nennt“

Gardiner Pilgrimage CD 134 Vol. 6 – CD 2

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Anmerkung:

Für den 11. Sonntag nach Trinitatis liegt ein Reisetagebuch von Sir Gardiner nicht vor, die Kantaten für den 11. So. nach Trinitatis wurden von der DGG (Deutschen Gramophon Gesellschaft) eingespielt und veröffentlicht.

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Kantaten für den 12. Sonntag nach Trinitatis 

Jakobskirche, Köthen am 10. September 2000

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Kantaten-Beschreibung: Lobe den Herrn, meine Seele“ –  BWV 69 a 

Als Bach 1717 in Köthen ankam, um als Kapellmeister und ‚Director derer Cammer-Musiquen’ in den Dienst des jungen Fürsten Leopold zu treten, dürfte ihm klar gewesen sein, was man von ihm erwarten würde und dass er keine neue Kirchenmusik zu liefern hätte. Fürst Leopold war, wie sein Vater vor ihm, streng reformierten Glaubens, und die in der Jakobskirche, der am Marktplatz gelegenen Hauptkirche der Stadt, praktizierte kalvinistische Liturgie bot – bis auf ganz besondere Gelegenheiten – keinen Platz für figurierte Musik. Als wir das herrliche spätgotische Bauwerk betraten, um dort zu proben, versuchte ich mir vorzustellen, wie diese Kirche im März 1729 ausgesehen haben mochte, ‚schön erleuchtet, doch ganz mit Schwarz ausgeschlagen’, als Leopold zu später Stunde in der Fürstengruft beigesetzt wurde. War Bach unbehaglich zumute, oder fühlte er sich gar ein bisschen bestätigt, als er, diesmal mit Anna Magdalena und seinem ältesten Sohn Friedemann an seiner Seite, seinem geliebten ehemaligen Dienstherrn die letzte Ehre erwies? Während seiner fünfeinhalbjährigen Amtszeit war ihm und seiner Familie, ebenso wie Leopolds verwitweter Mutter, der Gottesdienstbesuch nur in der lutherischen Agnuskirche gestattet gewesen, und zwischen den Pfarrern der beiden Kirchen bestand offene Feindschaft, wie er es in Mühlhausen erlebt hatte, als er Anfang zwanzig war. Ungefähr sechs Jahre nach seiner Abreise nach Leipzig kehrte nun Bach mit einem umfangreichen Werk zurück, das Arien und Chöre aus der Trauerode BWV 198 und der Matthäus-Passion parodierte. Für die Trauergemeinde und die aus Leipzig, Halle und verschiedenen Nachbarstädten aufgebotenen Musiker muss das Erleben dieser Musik im Rahmen einer neuen Trauerfeier außerordentlich bewegend gewesen sein.

Wir hingegen waren mit einer Rarität nach Köthen gekommen – einem der fröhlichsten Programme der ganzen Trinitatiszeit. Nach so vielen Wochen voller Feuer und Schwefel, furchteinflößenden Warnungen vor teuflischen Verführungen, Doppelzüngigkeit, falschen Propheten und ähnlich schrecklichen Dingen war es eine Wohltat, heiteren, festlichen Stücken zu begegnen, das eine mit obligater Orgel und zwei mit Pauken und Trompeten, Instrumente, die für Bach zum Talisman geworden waren. Die Sorge, diese Pauken-und-Trompeten-Eingangschöre in C- oder D-dur könnten recht formelhaft oder ewig gleich wirken, ist unbegründet: Sie weisen in Stimmung, Textur und Affekt subtile Unterschiede auf. Der Eingangschor von BWV 69a „Lobe den Herrn, meine Seele“, später für die Ratswahl umgearbeitet, ist eine freie Komposition erhabenster Größe. Bach jubiliert und frohlockt, er zieht aus den Farbkontrasten zwischen den drei Instrumentengruppen in seinem Orchester (Blechbläser, Holzbläser und Streicher) und den Unterteilungen innerhalb jeder Gruppe den größten Nutzen. Das Markenzeichen dieser Fantasie ist die Art, wie zwei harmlos klingende Takte mit trillerartig aufsteigendem Figuren einem frohlockenden, zwerchfellerschüttenden Motiv aus zwei kurzen Noten weichen, die auf der zweiten Zählzeit aufeinanderfolgender 3/4-Takte wiederholt werden – euphorisch, bukolisch, doch dem Text aus Psalm 103 durchaus angemessen: ‚Lobe den Herrn, meine Seele’. Ein solcher Chor lässt erkennen, wie unscharf die Trennung ist (wenn sie überhaupt existiert) zwischen Bachs geistlicher Festmusik und seiner Musik für weltliche Feiern – den Geburtstagsoden oder auch den Quodlibets, die seine Familie bei ihren jährlichen Zusammenkünften sang.

Der Hauptteil des Chorfugatos beginnt mit einer kreiselnden Variante der trillerartigen Eröffnung, die sich zu einer lyrischen Schlusswendung glättet. Der zweite Teil ist insgesamt lyrischer, enthält längere Noten mit Vorhalten und verweist voller Pathos auf die Worte ‚Vergiss nicht’. Doch wie vorauszusehen ist, wird das Beste erst noch kommen: Bach führt die beiden Fugen zusammen, und die Musik feuert plötzlich aus allen Rohren. Die erste Trompete schmettert das erste Fugenthema, fast wie eine Generalprobe für den widersinnigen Lick, der in den letzten sieben Takten von ‚Cum sancto Spirito’ aus der h-moll-Messe auftaucht, über Fanfareneinwürfe der tiefen Blechbläser und ein aufstrebendes Thema für Sopran- und Tenorstimmen gelagert und mit der Garantie, wie nur Bach sie zu liefern vermag, dass alle Emotionen angesprochen werden, dass allein ihre Begeisterung, ihr rhythmischer Schwung die Stimmung hebt. Keine Segmentierung der Bauelemente in der Verarbeitung dieser Fuge – alle führen auf Motive zurück, die im Orchestervorspiel und in der Verteilung auf die verschiedenen Gruppen (Chor und dreigeteiltes Orchester) zum ersten Mal zu hören waren – vermag Bachs Erfindungsgabe, seine Art, dem Hörer ständig neue Überraschungen zu bieten und doch alle Bauelemente nahtlos ineinander zu verweben, auch nur ansatzweise zu bestimmen, geschweige denn auf das Wesentliche zu reduzieren.

Wer auch immer Bach den Text zu dieser Kantate geliefert haben mag, er übernahm, mit geringfügigen Änderungen, einen Text für diesen Sonntag, den Johann Knauer drei Jahre zuvor in Gotha veröffentlicht hatte. Dieser verwendet Markus’ Bericht, wie Jesus einen Taubstummen heilt, als Metapher für Gottes ‚Hut und Wacht’ und liefert dem Psalmisten den Vorwand, zum Lobpreis Gottes aufzurufen. Die Verweise auf das Wunder sind zahlreich; ‚Ach, dass ich tausend Zungen hätte… zu Gottes Lob…’ im Eingangsrezitativ des Soprans, die Verwendung des Wortes ‚hephata’ (aramäisch für ‚öffne dich’), mit dem Jesus den Tauben geheilt hat, im Alt- Rezitativ (Nr. 4), und eine Verknüpfung zwischen dem Wunder und dem Psalmtext, ‚alsdenn singt mein Mund mit Freuden’, in der Bass-Arie (Nr. 5). Diese weist, wie zuvor die Tenor-Arie, einen Dreiertakt auf, erstere eindrucksvoll in der Verflechtung klanglich differenzierter Holzblasinstrumente (Blockflöte, Oboe da caccia und Fagott), letztere in der Natürlichkeit der Textausdeutung. Wenn man die ersten beiden Zeilen, ‚Mein Erlöser und Erhalter, nimm mich stets in Hut und Wacht’, laut spricht, wird man sofort verstehen, warum sich Bach für einen schwungvollen 3/4- oder 9/8-Takt entschieden hat, dessen rhythmisches Muster der Sarabande mit ihren punktierten französischen Rhythmen entspricht: triolisierte Melismen über einem langsamen chromatischen Abstieg im Continuo bei dem Gebet ‚Steh mir bei in Kreuz und Leiden’, blumiger Überschwang bei dem Versprechen ‚alsdenn singt mein Mund mit Freuden’. Diese Gegensätze rhythmischer Deklamation und Stimmung unterstreicht Bach, wie es gar nicht seine Art ist und sehr ausgiebig, mit akribischen Angaben zur Dynamik im Solopart der Oboe und den begleitenden Streichern, von forte über poco forte bis piano und pianissimo, die alle dazu dienen, die Stimmen deutlich herauszuarbeiten und die Ausdrucksbewegung dieser herrlichen Arie genau festzulegen. Der abschließende Choral stammt aus der Weimarer Kantate BWV 12 Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen, verzichtet jedoch merkwürdigerweise auf ihre ausdrucksvolle Oberstimme. 

© John Eliot Gardiner 2007

Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch

Übersetzung: Gudrun Meier

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Kantaten-Beschreibungen von „Sir John Eliot Gardiner“ 

ist als PDF-Download nachstehend hinterlegt !

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  Sir Gardiners Kantaten-Beschreibungen zum „82. und 13. Sonntag nach Trinitatis“

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                   Gardiner Reisetagebuch SDG 134 – zum Download als PDF

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  Künstler-Beitrag:  Künstlerbeitrag Valerie Botwright, Kontrabass – zum Download  als PDF 

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..Link:  >> Bilder & Töne <<  – Wissenswertes vom Klangquartier Leipzig! –
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Bachfest Leipzig 2013 – „Vita Christi“
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vom 14.06.2013 – 23.06.2013 
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Erstmals wagt sich ein Veranstalter daran, die theologischen, dramaturgischen und kompositionstechnischen Verbindungslinien der großen oratorischen Kompositionen Bachs in eine unmittelbare Beziehung zu setzen: Weihnachts-Oratorium, Johannespassion, Oster- und Himmelfahrts-Oratorium fügen sich zu einem inhaltlich wie musikalisch bestimmten Großprojekt zusammen. Unter Leitung von Trevor Pinnock, Thomas Hengelbrock und Sir John Eliot Gardiner werden die entscheidenden Stationen der Vita Christi an insgesamt drei Konzertabenden zu einem einzigartigen Musikerlebnis.
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Umrahmt werden die Aufführungen von den Magnificat-Kompositionen  von Johann Sebastian Bach und Carl Philipp Emanuel Bach im Eröffnungs- sowie der h-Moll-Messe im Abschlusskonzert.
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Die Thematik für das Bachfest 2013 wird Vita Christi sein.
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Die nachstehenden Termine unter Vorbehalt..!!
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Sir J.E. Gardiner wird mit dem Monteverdi Choir am Donnerstag, 20.6.2013 in der Thomaskirche die „Johannes-Passion“ aufführen.
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Am Samstag, 22.6.2013 erfolgt dann  mit Sir J.E. Gardiner in der Nikolaikirche ein Kantatenkonzert u.a. mit den Bach-Werken:
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BWV 249 „Kommt eilet und laufet“ und BWV 11 „Lobet Gott in seinen Reichen.“
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Weitere Informationen nachstehend:
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Ich grüße Euch aus der Schweiz und wünsche allen einen schönen „Trinitatis-Sonntag!“
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Herzliche Grüße
Volker
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Advertisements

3 Gedanken zu „Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantaten-Beschreibung für den „11. Sonntag nach Trinitatis“

  1. wolfgang2

    Liebe BachfreundINNEN, lieber Volker!

    WDR III brachte die Bachkantater BWV 113-, eine Choralkantate, die sich in virtuosen Arien (3= B,T, S+A)) und einem bemerkenswerten Recitativ des Tenores gemäß der Ausrichtung des Sonntags (Gleichnis vom ’stolzen Pharisäer‘ und dem dagegen ‚ehrlichen Zöllner‘ das ‚arme Sünderlein‘ vorknöpft.

    Gerade das Verhalten des ’stolzer Pharisäers‘ und dagegen das des ‚ehrlichen und Einsicht fähigen Zöllners‘ könnte unserer Gesellschaft viel sagen. Aber dies ist ein anderes Thema!

    An diesem heißen Sonntag KÜHLT eher das Rezitativ des Tenores mein Gemüt. Ich blieb heute morgen im Schwimmbad mit meinen Gedanken an diesem Motiv hängen.

    Ich will dieses Motiv mal den ‚HEROLDSRUF‘ nenen. Der Herold im Tenor-Rezitativ geht von seiner Tatsache aus (Der Heiland nimmt die Sünder an!‘). Von der ist er überzeugt. Diese seine Überzeugung ruft er seinen Menschen zu.

    Was ist denn das WICHTIGSTE bei so einem Herold? Seine klare, deutliche und helle Stimme. Wer will schon einem knödeldem und herausquetschendem Herold zuhören?

    Hier bei Bach verwendet der Herold natürlich viel ‚Sprache Kanaans‘ (mühselig und beladen; Brunnquell aller Gnaden; auserkoren; vergossenes Blut; reinmachen usw). Aber allen Zuhörern fällt natürlich sofort der Gebrauch des Wörtchens ‚blöd‘ auf. Ist zwar auch aus Barocksprache, aber heute ziemlich zeitgemäß!

    Langer Rede, kurzer Sinn:

    mir gefiel in der WDR III Wiedergabe die Transparenz der Arien und auch der etwas melancholische Chor. Gar nicht gefallen und Ziel verfehlt hatte aber m.Mg. der Tenor. Wenn dieser Tenor auch einen heutigen guten Namen hat, als Herold ist er eine Fehlbesetzung !!! Dieses gequetschte und mühselige Zurufen einer frei machenden Botschaft wirkt unglaubwürdig !!!
    Zum Glück hatte ich in meinem CD-Regal noch die alte gute Rilling-Aufnahme von 1991. Und siehe da: Adalbert Kraus sang den Tenor-Part mit klarer, heller und mühelosen Stimme. Zum Vergleich zog ich dann noch die alte Gardiner Aufnahme von 2000 heran. Da war es Marc Padmore, der den Herold sang. Aber sein Auftritt überzeugte mich nicht.

    Bei Bach wird der Herold zum Evangelisten. Damit wird der Auftrag des Herolds noch tiefer eingepflanzt. Der Inbegriff des Evangelisten ist für viele von uns wahrscheinlich Fritz Wunderlich. Unvergesslich bleibt seine Interpretation des Evangelisten in den Aufnahmen des WO mit Karl Richter. Aber auch in den Passionen gibt es m.Mg.nicht mehr Klarheit und Helle als in dieser so früh verstummten Stimme.

    Am Schluß nochmal zurück zur Kantate BWV 113:

    Es erhöht meine Aufmerksamkeit, daß in vielen der acht Sätze die Choralmelodie durchbricht.
    Bei Bach ist das ja keine Seltenheit.Unser verdienter blog-Chef Volker setzt ja jetzt auch immer vor den Beiträgen eine You tube-Aufnahme vom Wochenlied-Choral. So werden wir in die musikalische Thematik in ihrer Grund-Substanz eingestimmt.

    Soweit einige Schwimmbad-Gedanken (Wasser bereits 28,6 Grad) zur sonntäglichen WDR III – Kantate.

    Vom heißgelaufenem PC zurück in’s Kühle!

    Gruß

    Adamo

    Gefällt mir

    Antwort
  2. Volker Autor

    Lieber Wolfgang !

    Trotz großer Hitze findest Du entsprechende Worte zu der Sonntags-Kantate BWV 113 “Herr Jesu Christ, du höchstes Gut.” Deine Kritik kann ich verstehen und wundere mich ebenfalls über diesen Gesangsvortrag. Die Aufnahme von Koopman scheint aus den 90er Jahren zu sein.

    Wer die von Wolfgang angesprochene Aufnahme nicht kennt, kann sie sich anhören unter:

    Alles gediegen und und seiner Zeit entsprechend eingespielt worden.

    Ich persönlich freue mich, nach ereignisreichen Urlaubstagen wieder unter Euch zu sein und mit den Veröffentlichungen der Kantaten zum entsprechenden Sonntag hat ja alles wunderbar geklappt. Ich hatte sie im Vorfeld aufbereitet und terminiert unter WordPress abgespeichert gehabt.

    Über unseren Besuch des Konzertes der J.S. Bach-Stiftung St. Gallen am Freitag, 17.8.2012 wird es von mir aus einem gegebenen Anlass nur einen kleinen Artikel geben und bitte um euer Verständnis.

    Herzliche Grüße
    Volker

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