Meisterkonzert-Bericht vom Sonntag, 29.01.2012 – Auferstehungskirche Arnsberg

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Auferstehungskirche Arnsberg

Ein Bericht vom  Meisterkonzert in der Auferstehungskirche Arnsberg. 

Wir hatten am Sonntag, 20-01-2012 ein sagenhaftes Konzert in Arnsberg in der Auferstehungskirche. Valery Oistrach – ein Enkel von David Oistrach – war an einer sagenhaften Guarneri Violine von 1751 und hat u.a. die Chaconne (BWV 1004) so sagenhaft, berückend schön, so ausdrucksvoll, so genial gespielt, dass ich das Luftholen vergessen habe.

Am Cembalo (histroische Kopie nach Grimaldi 1721) saß Prof. Grosser. Er ist gebürtiger Arnsberger und ist heute als Dirigent, Organist, Pianist und Cembalist weltweit anerkannt. Ein sehr virtuoses Spiel voller Einfälle, voller Freude und Enthusiasmus brachte er uns – aber auch große Zurückhaltung wenn er V. Oistrach begleitete. Seine Frau war der gute Geist der Beiden. Sie blätterte die Noten um, nahm ihm beim Spielen die Brille ab, wenn er`s vergessen hatte und kümmerte sich um sein künstliches Herz. Er trägt es in einem kleinen schwarzen Beutel über der Schulter. Sein eigenes Herz ist zu schwach. Jedes mal, wenn er sich ans Cembalo setzte, nahm sie sein „Herz in die Hand“, wenn er anschließend aufstand, um sich beim Publikum für den Applaus zu bedanken, hängte sie es ihm wieder um. Nicht nur die Musik war ergreifend, sondern auch seine völlig selbstverständliche Art mit zwei Herzen zu leben.

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Programm:

Händel, Sonate D-Dur, op. 1 Nr. 13

Händel, Suite Nr. XIV, G-Dur

Bach, Chaconne (BWV 1004)

Bach, Sonate h-moll (BWV 1014)

Bach, Sonate G-Dur (BWV 1021)

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Als das Programm vorüber war konnten wir uns nicht trennen. Keiner stand auf – ich glaube, uns war der Himmel ein Stückchen näher gekommen – alle blieben und warteten. Zwei Zugaben bekamen wir noch, dann mussten wir irgendwann schweren/leichten Herzens die Kirche verlassen.

Ich bin immer noch nicht ganz auf der Erde angekommen.

Grüsse

Iris

5 Gedanken zu „Meisterkonzert-Bericht vom Sonntag, 29.01.2012 – Auferstehungskirche Arnsberg

  1. Adamo

    Liebe Iris, lieber Kalle!

    Es freut mich, daß ihr beide so einen wunderbaren Abend in Arnsberg gehabt habt.

    Auch sehr berührend ist die Sache mit dem Herz des Künstlers, da ja ‚Herz‘ wirklich ein Symbol für die Entstehungsgeschichte der Chaconne bedeutet.

    Als Bach 1720 aus Karlsbad nach Köthen zurückkehrte – er hatte seinen Landesherrn zur Kur begleitet, fand er seine Kinder in schwarzer Trauerkleidung vor. Seine herzliebste 1.Ehefrau Maria Barbara war in ihrer Lebensmitte gestorben.

    Vielleicht war es Trauerarbeit, da der Name ‚Maria Barbara‘ codiert in einem Notenabschnitt aufgehoben ist.

    Ich lege mir meine Aufnahme mit Susanne Polger noch auf.

    Danke für die Anregung.

    Gute Nacht

    Adamo

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  2. Iris Budde

    Lieber Volker,
    vier Takte Thema, 256 Takte Variationen. Bei der Chaconne hat Bach trotz seiner bitteren Lebensumstände einen einzig artigen Geniestreich ausgeführt.
    Lieben Gruss
    Iris

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  3. Volker

    Ihr Lieben,

    @Iris danke ich erst einmal für die schöne Konzert-Rezension aus Arnsberg und @Wolfgang für seinen bereits abgegebenen Kommentar.

    Elektrisiert hörte ich gespannt zu, als ich die Übertragung aus der Nikolaikirche in Leipzig vom 9. Oktober 1989 „Wir sind das Volk“ mir angesehen hatte.

    Darunter war ein Programmpunkt:

    Programmpunkt: Chaconne Partitia d-Moll BWV 1004
    mit der Violonistin Victoria Mullova

    das war unglaublich faszinierend, wie sie das Violin-Solo vorgetragen hat. Diese Künstlerin hat mich mit ihrem Spiel eingenommen und war total ergriffen es war ein Glanzpunkt in dem Programm. Die russische Violonistin V. Mullova bewundere ich als eine vorzügliche Künstlerin. Ich wollte sie gerne in 2010 beim Bachfest in Köthen mit den Finnen hören, aber die Karten waren im Vorfeld leider sehr schnell vergriffen.

    Was bedeutet das Wort Chaconne und bekam dazu eine gut fundierte Auskunft:

    Bedeutung:
    Musik: ein spanischer Reigentanz im 3/4-Takt, der seit 1600 am spanischen Hofe und in den Dramen der spanischen Klassiker getanzt wurde
    Musik: ein Satztyp im 3/4-Takt über einem ständig wiederholten Bassthema, der im 17. und 18. Jahrhundert aus dem unter genannten Tanz entwickelt wurde

    Herkunft:
    aus gleichbedeutend französisch chaconne

    Beispiele:
    „Die berühmteste Chaconne ist die von Johann Sebastian Bach in seiner IV. Sonate für Violoncello.“
    „Johann Sebastian Bachs Chaconne ist für Geiger das Maß aller Dinge.“

    Hierzu passend eine Aussage von seinem Sohn Carl Philipp Emanuel Bach in einem Nekrolog mit seinem Schüler Johann Friedrich Agrico:

    Hat jemals ein Componist die Vollstimmigkeit in ihrer größten Stärke gezeiget; so war es gewiß unserer seeliger Bach. Hat jemals ein Tonkünstler die verstecktesten Geheimnisse der Harmonie in die künstlichste Ausübung gebracht; so war er gewiß unser Bach. Keiner hat bey diesen sonst trocken erscheinenden Kunststücken so viele Erfindungsvolle und fremde Gedanken angebracht, als eben er. 1)

    So ergeht es mir immer, wenn ich seine Kantaten- Instrumental- und Orgelwerke, etc. höre sein Einfallsreichtums an Melodik und Harmonie ist so unübertroffen und verblüfft mich immer wieder und ist allein aus diesem Grund mein Komponist, der mich immer überzeugen kann.

    Du liebe @Iris bist in den Genuss gekommen, dieses ungewöhnliche Violin-Solo gehört zu haben, wenn ich nicht die zitierte DVD von der Nikolaikirche besitzen würde, wäre ich ein wenig neidisch geworden. Schön, dass Du so ein tolles Programm mit großartigen Künstlern erleben durftest und kann deine Empfindungen dazu excellent nachvollziehen…!!

    —————————————-

    Die angesprochene DVD „Wir sind das Volk“ ist bei

    amazon: http://astore.amazon.de/blogdiskubach-21/detail/B00004VUHJ
    Preis 21,99 €

    und bei jpc (Preis: 24,99 €) zu bekommen.

    http://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/art/Wir-sind-das-Volk-Konzert-aus-St-Nicolai-Leipzig/hnum/7945442

    ————————————————-

    Herzliche Grüße
    Volker

    1) Textquelle: Christoph Wolff – J.S. Bach Seite 4)

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    Antwort
  4. Iris Budde

    Lieber Wolfgang, lieber Volker,
    wusstet Ihr, dass die Mullova am 07. 09. 2012 um 11.00 h in St. Agnus in Köthen aus den Sonaten von J. S. Bach spielt?! Ich werde auf jeden Fall versuchen, Karten zu bekommen. Im Notfall muss eben der Kartenstrich von Köthen wieder herhalten.
    Lieben Gruss
    Iris

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    Antwort
  5. Volker

    Ja liebe Iris, die Konzertankündigung von Victoria Mullova habe ich in dem Bachfest-Programm aus Köthen gelesen. Aber es soll irgendwie nicht sein, unser Tripp geht nach St. Gallen zu den Bachfreunden da müssen wir für Köthen leider passen.

    11 Uhr als Konzert in St. Agnus st schon ungewöhnlich wahrscheinlich hat Mullova noch einen weiteren Auftritt was sich in den Kartenpreisen günstiger auswirken könnte.

    Lieben Gruss
    Volker

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