CD-Vorstellung: Schubert „Die Winterreise“ mit James Gilchrist und Anna Tilbrook

Aller guten Dinge sind drei: nach Die schöne Müllerin und Schwanengesang ist jetzt mit der Winterreise die Aufnahme des dritten großen Liederzyklus von Franz Schubert mit James Gilchrist und Anna Tilbrook bei ORCHID Classics veröffentlicht worden. Und – um es vorweg zu nehmen – diese Aufnahme bietet noch einmal eine Steigerung, und ich möchte meinen Eindruck ganz profan zusammenfassen: Das Beste kommt zum Schluss!

In Winterreise vertonte Franz Schubert, wiederum wie bei Die schöne Müllerin, Gedichte von Wilhelm Müller. Auch hier gibt es ein den ganzen Zyklus durchziehendes Grundgerüst. Ein junger Mann verlässt seine Freundin/Geliebte und die Stadt, in der sie lebt. Im Laufe der folgenden 23 Lieder durchlebt er alles, was ein an der Liebe verzweifelter Mensch aushalten zu müssen glaubt. Die erste Hälfte des Zyklus ist eher von der Flucht aus der Stadt und von dem Blick auf sein Inneres bestimmt, während sich in der zweiten Hälfte, die Schubert ein halbes Jahr später vertonte, der Blick des jungen Mannes eher nach außen richtet und die Todessehnsucht immer mehr wächst. Zum Schluss hat er als Begleitung nur einen alten Leiermann, der an seiner Leier drehend im Nichts entschwindet. Als Schubert seinen Freunden die erste Hälfte des Zyklus vorführte, waren diese über das düstere Wesen der Lieder bestürzt. Schubert jedoch hielt sie für seine besten Werke. Mittlerweile gehört die Winterreise zu den wichtigsten Werken im Bereich des Kunstliedes.

Cover WinterreiseNach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen, mich diesem Werk zu nähern, wartete ich gespannt auf diese CD, nachdem ich durch die beiden zuvor erschienen vom Saulus zum Paulus im Bereich Lied bekehrt wurde. Und James Gilchrist ist gemeinsam mit Anna Tilbrook wieder der Sänger, der sich NICHT auf das Podium stellt und den Zuhörer ob seiner großen Kunst in Ehrfurcht erstarren lässt. Nein, er klettert herunter auf Augenhöhe und ist der Erzähler, der mitleidet, der auf alle Distanz verzichtet, der den Zuhörer an die Hand nimmt und ihm dank seiner Eindringlichkeit keine Chance gibt, sich den geballten Emotionen zu entziehen. Da höre ich, wie getrieben sich der junge Mann fühlt, wie hilflos, wie die Zeit stehen bleibt, er wie gelähmt ist oder wie plötzlich das Grauen und der Schmerz mit großer Kraft hervorbricht. Ich höre große Spannungsbögen, ganz fahle, aber auch sehr innige, zarte Töne, sowie Töne, die einfach verschwinden und andere, die wehtun. Ich höre und fühle die Erschöpfung und die Verzweiflung darüber, die ganze Seelenqual und die Aggressivität, die emotionale Berg- und Talfahrt, die Eiseskälte in der Winterlandschaft und im Herzen und das Fragezeichen ganz am Ende. Gilchrist scheut sich nicht, bis an die Grenzen des Singbaren und auch darüber hinaus zu gehen. Dadurch wird es eine ganz besonders berührende Reise, mit einer Spannung, die sich von Lied zu Lied steigert. Ich brauchte eine lange, sehr lange Zeit der Stille, bis ich wieder bei mir selbst war – in der Gewissheit, dass nach jedem Winter ein Frühling kommt, dass es nach jeder Dunkelheit wieder hell wird. Denn auch dies steckt in der Musik. Nicht im Text, aber in der Musik. So habe ich es jedenfalls bei dieser Aufnahme empfunden. Ich lasse es jetzt bei diesem Gesamteindruck und gehe nicht auf einzelne Lieder ein. Denn als ich den Versuch machte, die Lieder mit Text vor den Augen und Stift in der Hand zu hören, packte mich sehr schnell dieser Sog, den beide Künstler entfachen, nämlich sich einfach der Musik zu überlassen und mit auf die Reise zu gehen.

Hilfreich ist dabei natürlich auch die exzellente Aussprache von James Gilchrist, die in kaum einem Punkt den nicht muttersprachlichen Sänger erkennen lässt. Jedenfalls hat mich nichts aus meiner Versenkung während des Hörens herausgeholt. Ganz im Gegenteil – dieser Sänger weiß ganz genau, was er singt und er bezieht das Element Sprache und den Sprachfluss sehr bewusst in seine Interpretation mit ein. Da gibt es z.B. zart hingetupfte, an anderen Stellen explodierende Konsonanten, wie es in dem jeweiligen Kontext einfach nicht anders sein kann. Das ist selbst bei deutschen Sängern, auch bei durchaus sehr bekannten, nicht selbstverständlich. Ganz besonders fiel mir der natürliche Sprachfluss auf. Vielleicht ist es ja auch für einen ausländischen Sänger von Vorteil, unbelastet mit den Unterrichtseinheiten zu Sturm und Drang während der Schulzeit und der in jedem Wunschkonzert anzutreffenden Silcherschen Männerchorversion von Am Brunnen vor dem Tore dieses Werk zu entdecken und somit vielleicht nicht als „Lyrisches Ich“ Distanz halten zu müssen.

Anna Tilbrook und James Gilchrist
A. Tilbrook + J. Gilchrist, © Patrick Allen, operaomnia.co.uk

Man hört, dass James Gilchrist und Anna Tilbrook dieses Werk schon sehr oft gemeinsam aufgeführt haben, wie James Gilchrist in seinem umfangreichen Beitrag zur Winterreise im Allgemeinen und im Besonderen im Booklet (auch wieder in deutscher Übersetzung) ausführt und dass sie sehr, sehr vertraut damit sind. Meiner Meinung nach ist dies die ausgereifteste und am meisten berührende Interpretation, die ich von beiden zusammen bzw. von James Gilchrist im Bereich Lied gehört habe. Fast bedauere ich es etwas, dass Franz Schubert nicht 4 große Liedzyklen vertont hat und diese kleine Reihe hiermit beendet ist.

Dies sind meine ganz persönlichen Eindrücke, die ganz bestimmt nicht jeder teilen wird. Aber hört selbst und bildet Euch Euer eigenes Urteil.

Diese Aufnahme ist vor der renommierten britischen Musikzeitschrift „BBC Music Magazine“ in seiner Weihnachtsausgabe als „Einspielung des Monats“ ausgezeichnet worden. Unter der Überschrift „Eine abschreckende Winterreise“ zeigt sich Michal Tanner beeindruckt von James Gilchrists „verheerender Winterreise“. Ein paar kurze, übersetzte Auszüge zeigen dies deutlich:
[…]Dies ist eine eindrucksvolle, tief beunruhigende Einspielung dieses bedeutendsten Liederzyklus. […]
[…]Gilchrist ist stetig frisch und erfrischend in seinem Annäherungsversuch, ohne jemals gekünstelt zu wirken. Das Gleiche gilt, eigentlich noch mehr, für seine Pianistin Anna Tilbrook. Sie setzt in nahezu jedem Lied neue Glanzlichter […]
[…]Gilchrist und Tilbrook brechen zu der langen Reise mit viel Hoffnung und Erwartung auf, als ob sie eine Chance spüren, dass die Dinge nicht so schlimm sind wie sie scheinen. Dies verstärkt nur das unerträgliche Leiden, das später kommt, wenn dem Wanderer die Hoffnung verloren geht[…]
[…]Natürlich ist die Winterreise so metaphysisch großartig, dass mehr als eine Einspielung einschließlich der verschiedenen „Wilden“ unbedingt erforderlich ist. Ich werde die CD jedoch als eine der unbedingt erforderlichen Interpretationen ebenso wie eine der am besten ausgewogenen zwischen zwei Partnern schätzen. […]

Derzeit ist die CD in Deutschland bei Amazon und JPC zu erhalten. Wer über ein PayPal-Konto verfügt, kann auch direkt beim Label Orchid Classics bestellen. Dank günstigem Kurs und Verzicht auf Versandkosten auch nach Deutschland ist das eine günstige Alternative.

Link zu JPC  (Volkers Partnerkonto)

Link zu AMAZON (Volkers Partnerkonto)

Link zu Orchid Classics 

Link zum BBC Music Magzine Podcast  (Beginn des Beitrages zur Winterreise nach ca. 1 1/2 Minuten)

 

Deutschsprachige Rezensionen

Einsatz aus dem Nichts
KulturSPIEGEL 2/2012, Seite 32/33

Differenzierte Winterreise
Klassik.com, 2.2.2012

 

Andere zum Thema passende Blogartikel: 

Biografie James Gilchrist 

Der Textverfasser des Liederzyklus: „Schubert’s Winterreise“ Johann Ludwig Wilhelm Müller, Dessau 

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27 Gedanken zu „CD-Vorstellung: Schubert „Die Winterreise“ mit James Gilchrist und Anna Tilbrook

  1. Claudia

    Hallo Barbara, da ist sie nun endlich, die langerwartete Winterreise zu Beginn des (wunderschönen) Herbstes. Deine Rezension ist sehr einfühlsam und berührt alle Aspekte, die dieses Werk so einzigartig machen. Die CD steht schon auf dem Wunschzettel.
    Gruß, Claudia

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  2. Volker

    Liebe Barbara,

    eine ganz ausgezeichnete Besprechung mit „Schuberts Winterreise“ ist dir so vortrefflich gelungen, Hier spürt der Leser, dass Du emotionell genau die Punkte triffst worauf es dabei ankommt. Damit hast Du uns sehr neugierig auf die neue CD mit Anna Tilbrook und James Gilchrist gemacht und wird als Wunsch-CD in den Weihnachtskorb landen.

    Die beiden Interpreten scheinen durch die Dauer der Zusammenarbeit das ideale Paar zu sein, dic sich blind verstehen und das Werk zu einem Höhepunkt werden lassen. Die Hörproben bei jpc können wohl nur in etwa das wiedergeben, was sich auf der Original-CD sich dann als ein erstes Produkt erweist. Bei meinem Besuch auf der jpc-Seite erwies sich die Klangqualität einer Hörprobe nur als ein unvollständiges Produkt es sind leider nur sehr kurze Ausschnitte zu hören. Umso gespannter erwarte ich die CD und werde sie nach deiner ausgezeichneten Besprechung richtig genießen..!!

    Liebe Grüße
    Volker

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  3. barbara57 Autor

    Liebe Claudia, lieber Volker,
    Ihr werdet es nicht bereuen, da bin ich sicher. Wenn Ihr es bereut, dann sollten wir mal darüber sprechen.
    Und – Volker – ich kann es nur immer wieder betonen: die Hörprobe geben nicht im Entferntesten die Qualität dieser oder überhaupt jeder anderen Aufnahme wieder. Sie müssen aus bestimmten Gründen (GEMA oder ähnliches) so kurz sein. Aus demselben Grund kann ich auch kein Beispieltrack in den Blog stellen. Aber selbst ein einzelnes Lied gibt nicht annähernd die Klasse dieser CD wieder. Ich hatte bei BBC ein Lied gehört und gedacht, fein, könnte ganz gut werden, aber vom Hocker gehauen hat es mich nicht. Das kam erst, als ich von Anfang bis Ende hörte und als ich mich mitnehmen ließ durch das ganze Auf und Ab der Emotionen in dieses Wunderland.
    Einen schönen Abend
    Barbara

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  4. Claudia

    Hallo Barbara, bisher waren ja alle Deine CD-Empfehlungen erste Sahne. Die Hörproben habe ich gar nicht angehört, da ich das Stück ja gut kenne und lieber die Gesamtheit geniessen möchte. Ja, das Wunderland das trifft es, aber man muss wieder den Ausgang finden, d.h. immer mal einen Bach oder (ich mach´s zumindest) Wagner hören, damit auch die Erlösung nicht zu kurz kommt, sonst besteht die Gefahr in den depressiven Sog eingesogen zu werden. Da ich bei JPC kein Konto habe, werde ich wohl so lange warten müssen, bis der Amazonas sie dann hat.
    Schöne, kurze Woche wünscht Euch,
    Claudia

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  5. barbara57 Autor

    Hallo Claudia,
    das fand ich ja das Erstaunliche – keine Depri-Stimmung. Das hatte ich eigentlich befürchtet. Aber für mich endet die Winterreise mit einem Fragezeichen und die Antwort darauf ist nach einer langen Pause mit absoluter Ruhe ein „Ja, es wird wieder warm!“. Bis jetzt ist es so. Mal sehen, was noch kommt, wie sich das alles über die Zeit verändert…
    Hast Du eigentlich vor einem Jahr die private Mail von mir bekommen? Du fragtest nach anderen moderneren Liedeinspielungen von James Gilchrist und das sprengte ein wenig den Blograhmen. Zu der Zeit ist viel, was hier bei uns losgeschickt wurde, in SPAM-Filtern hängen geblieben.
    Bei JPC brauchst Du kein Kundenkonto. Ich bestelle immer, ohne mich einzuloggen. Da gibt es den Punkt „Ohne jpc-Konto bestellen“. Und das Ganze geht auch mit Rechnung. Amazon hat bis jetzt nur die mp3s, das aber so wie ich weiß ohne Booklet. Aber wenn gewünscht, stelle ich die Downloadadresse auch noch dazu.
    Dir auch eine schöne Restwoche
    Barbara

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  6. Volker

    Liebe Barbara, liebe Claudia,

    diese CD von der Winterreise gibt es bereits auf Amazon zu erwerben, wer daran Interesse besitzt, kann sie über das Partner-Konto von Volkers Klassikseiten erwerben. der Link nach Amazon nachstehend:

    http://astore.amazon.de/blogdiskubach-21/detail/B005YN3SZM

    Bei Amazon heisst es dazu: Sie sparen EUR 7,01 gegenüber dem Kauf der Einzeltitel. Die Einzel-Titel können als mp3 im Download gekauft werden..!!

    Ich habe sie noch nicht erworben und weiss nicht, ob sie mit der Klangqualität von dem Label in England Stand halten wird, Es ist nur eine Information und ein jeder muss es persönlich entscheiden, wo er sie erwerben möchte. Ein Partner-Link besteht meinerseits auch bei jpc, der Link lautet:

    http://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/art/Franz%20Schubert%20%20Winterreise%20D.%20911/hnum/9888052/iampartner/K84

    diese CD kostet dort 19,99 EURO es wird dort kein mp3-Download angeboten es ist die CD, die wohl den Preisunterschied ausmacht..!!

    Grüße
    Volker

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  7. barbara57 Autor

    Lieber Volker,
    der JPC-Link ist so von mir schon im Hauptbeitrag hinterlegt worden.
    Bei Amazon ist das NICHT die CD,sondern der Link zum MP3-Download. Von der Qualität reicht es beim normalen Hören, vor allem auf mp3-Playern. Bei guten Anlagen hört man schon den Unterschied. UND es ist normalerweise kein Booklet dabei. Dies ist der kleine, aber feine Unterschied. Ich setzte den Link oben mit ein.
    Beim Label Orchid selbst kostet die CD übrigens 13 Pfund, das ist im Augenblick irgendetwas zwischen 15 und 16€.
    Gruß Barbara

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  8. Volker

    Liebe Barbara,

    danke für deine Rückantwort. Also, ich konnte es nicht abwarten und habe bei amazon per MP3 die Winterreise heruntergezogen und bin hellauf begeistert über die Klangqualität. Ich besitze einen hochsensiblen Kopfhörer und habe keine Nebengeräusche alles Glasklar zu hören, einfach wunderbar und bin restlos erfüllt. Ich habe vor einer Viertelstunde begonnen mit dem Hören und kann nur ausrufen: eine traumhafte Wiedergabe und bin überglücklich.

    Meine Stellungnahme werde ich zu der Winterreise noch gesondert in einem weiteren Kommentar abgeben.

    Achtung, wer bei amazon per MP3 die gesamten Titel per Download erwerben möchte darf nicht die einzelnen Titel anklicken, dann schnellt der Preis für die Einzeltitel auf ca. 16 EURO. Auf der Seite oben rechts von Amazon den Button in den Einkaufswagen legen anklicken, das ist ganz wichtig dann ist der Download für 9,31 € gesichert.

    Herzliche Grüße
    Volker

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  9. Iris Budde

    Hallo, Ihr Lieben,
    Dank Barbara habe ich die CD auch schon und bin einfach hin- und weg! Überhaupt keine Traurigkeit wie bei den üblichen Winterreisen. Einfach genial. Mich fasziniert auch das Zusammenspiel zwischen A. Tilbrook und J. Gilchrist. So ein Gleichklang, so eine Einheit ist schon berückend.
    Herzl. Gruss
    Iris

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  10. Claudia

    Hallo liebe Winterreisende, liebe Barbara,

    so, dank Barbaras Link habe ich 2 CDs über Volkers Amazonseite (eine zum verschenken) bestellt. An Deine private Mail zu den modernen Anregungen kann ich mich gut erinnern und auch die Gilchrist-Aura. Ich bin sehr gespannt und freue mich auf die CDs.
    Schöne Woche,
    Gruß, Claudia

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  11. barbara57 Autor

    Liebe Claudia,
    fein, das freut mich. Ich wage mal die Behauptung, Du wirst es nicht bereuen. und ein schönes Geschenk ist die CD allemal. Habe ich schon ausprobiert…
    Viel Freude beim Hören
    Barbara

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    Antwort
  12. Volker

    Liebe Winterreise-Sopranistin Claudia,

    herzlichen Glückwunsch zum Erwerb der Winterreise und das noch über mein Partner-Konto dafür herzlichen Dank. Im Allgemeinen wird behauptet, dass die Winterreise am besten durch einen Bass-Bariton vorgetragen klingen würde. Mit dieser CD wird das alles absurdum gestellt, diese Frische und Innigkeit des künstlerischen Vortages mit einem überzeugenden Tenor: James Gilchrist und der vorzüglichen Pianistin: Anna Tilbrook ist es für mich zu einer Referenz-Aufnahme geworden, die allen Kiritikern eines Besseren belehren werden…

    Wie schwer habe ich in der Vergangenheit den Zugang zum Kunstgesang gefunden Du warst neben Barbara der auslösenden Moment, mich damit einmal eingehend zu befassen. Danke sage ich im Nachhinein für deinen Gesangs-Vortrag im Siemshof im Juni, wo ich die entsprechenden Einblicke zur Winterreise während der Probenarbeit mit Dimitri und Dir bekam, das war schon spannend und überzeugend und nun die Krönung mit dieser fantastischen Einspielung. Wie Barbara es mir schon sagte, hat sie und ich es ihr nachgemacht und in einer stillen Stunde genossen den Vortragenden zu lauschen und mich einfach durch die Musik mitnehmen zu lassen, so dass ich meine Umwelt gar nicht mehr wahrgenommen habe, es war traumhaft schön und kann es dir ebenfalls so empfehlen. Hier bekommt man jede Feinheiten mit, die im allgemeinen Alltagstrubel so nicht zu bemerken wären.
    Ich bin darauf gespannt, wie dein Résumé dazu ausfallen wird denn durch eine Sopranistin – wie Du es praktizierst, klingt die Winterreise auf einer ganz anderen Ebene durch die andersartige Stimmlage bedingt. Ich wünsche dir sehr viel Freude mit dieser Aufnahme und nehme dich dann gerne n den Kreis der inspirierten J.G. und A.T.- Fangruppe mit auf..!!

    Liebe Grüße an dich und Barbara

    Volker

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  13. barbara57 Autor

    Lieber Volker,
    Dir auch herzlichen Glückwunsch. Solche Momente, sich ganz in die Musik zu verlieren, sind ganz besondere. Und wenn Du dann auch etwas ganz Neues jenseits Deiner Hörgewohnheiten entdeckst, dann wird Dein Leben wieder ein wenig reicher. Ich bin gespannt, ob Du weiter in dieser Region auf dem Entdeckerpfad sein wirst.
    Aber: Fanclub??? Leute, da sind wir doch mittlerweile ein wenig zu alt und zu erfahren, um ganz unkritisch Hurra zu schreien. Mich jedenfalls müssen die Beiden gemeinsam oder einzeln jedes Mal neu überzeugen. Wobei es natürlich hilft, dass ich nur selten enttäuscht worden bin. Deshalb lohnt es sich auch, immer wieder hinzuhören, wenn etwas Neues kommt. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass wieder etwas Neues kommt. Auch wenn es für die Ohren ungewohnt ist.
    Viele Grüße
    Barbara

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  14. Volker

    Liebe Barbara,

    Zitat von mir:

    …und nehme dich dann gerne n den Kreis der inspirierten J.G. und A.T.- Fangruppe mit auf..!!

    Das war auf jeden Fall ein freundlicher Wink als Jux, der nicht so ernst genommen werden sollte. Bis jetzt konnten mich die Aufnahmen von J. Gilchrist absolut überzeugen und wurde noch nicht enttäuscht und hoffe, es bleibt so. Mich überrascht immer seine Wortverständlichkeit der deutschen Sprache die glasklar zu verstehen ist, da schneiden andere Sängergrößen aus Deutschland/Europa entschieden schlechter ab. Also doch Gründung eines Fanclubs? Dann bin ich dabei und schmunzle…….

    Lieben Gruß
    Volker

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  15. barbara57 Autor

    Lieber Volker,
    das war von mir genauso schmunzelnd gemeint….
    Ich hatte da spontan einen 3-kleine-Siebtklässler-Mädels-Fanclub vor Augen, die für …. Nein, ich oute mich nicht, singen konnte der Typ nach meinen heutigen Maßstäben nicht. Und ein Jahr später war es dann die örtliche Bundesliga-Fussballmannschaft! Zum Glück bin ich mittlerweile erwachsen.
    Aber wenn es da einen Sänger wie J. Gilchrist gibt, der einfach eine andere Sicht auf Vieles hat als andere Sänger und für mich da, wo ich bei anderen Interpretationen „ganz nett“ sage und meine Bügelwäsche nebenbei erledige, den Alltag ein wenig weniger grau werden lässt, dann genieße ich das einfach, dass ich mich darauf verlassen kann, dass da etwas ganz Besonderes kommt.
    In diesem Sinne – Fanclub Nein, immer wieder Hören – Ja.
    Viele Grüße
    Barbara

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    Antwort
  16. Volker

    Das haben sie sich verdient, Aufnahme des Monats..!!

    Magazine Classical Music.com
    The official website of BBC Music Magazine

    Recording of the Month

    Issue: Christmas 2011
    ‚This is an impressive, deeply disturbing recording of the greatest of song cycles‘ Hilary Finch

    Schubert
    Winterreise
    James Gilchrist (ten), Anna Tilbrook (pno)
    Orchid ORC 100018 74:19mins

    Audio clip: from ‚Der Sturmische Morgen‘

    For a full review, take a look at the Christmas issue of BBC Music Magazine

    http://www.classical-music.com/issue/christmas-2011

    You can download a free track from our Recording of the Month as part of this month’s free playlist on iTunes. Simply go to

    http://www.classical-music.com/iTunes

    Grüße Volker

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  17. barbara57 Autor

    Hallo Volker,
    das sind ja tolle Neuigkeiten. Nicht nur gute Bewertungen zu bekommen oder gar Top-CD im Bereich Choral-Song zu werden, sondern CD des Monats im BBC Music Magazine zu werden, ist eine der Top-Auszeichnungen im britischen Markt. Aber das haben sie sich wirklich verdient. Es ist eine so großartige CD, für mich die CD, die mich in diesem Jahr am meisten beeindruckt hat – also meine persönliche CD des Jahres.
    Viele Grüße
    Barbara

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    Antwort
  18. Volker

    Ja liebe Barbara, das freut mich ungemein, dass diese zwei Ausnahme-Künstler(in) diese Auszeichnung erhalten haben ich hatte in England immer schon darauf geluxt, wann sie nun endlich einmal die CD des Monats sind, es ist nun Wirklichkeit geworden und das freut nicht nur uns, sonder die beiden werden das ebenfalls sehr genießen und das zu Recht.

    Lieben Gruß
    Volker

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    Antwort
  19. barbara57 Autor

    Volker hatte es schon ausgegraben: die „Winterreise“ mit James Gilchrist und Anna Tilbrook ist in der Weihnachtsausgabe des BBC Music Magazine als CD des Monats ausgezeichnet worden. Die Besprechung ist sehr ausführlich. Michael Tanner als Rezensent geht auch auf einige Lieder direkt ein. Ich habe ein paar kurze, allgemeinere Ausschnitte übersetzt und in den Hauptbetrag eingefügt.

    Auf der Website des BBC Music Magazine gibt es einen Podcast, in dem der Herausgeber Oliver Condy und die für die Besprechungen verantwortliche Redakteurin Rebecca Franks die verschiedenen ausgezeichneten Einspielungen in unterschiedlichen Kategorien vorstellen. Die CD des Monats hat hierbei natürlich den größten Anteil. Der Beitrag beginnt ungefähr nach eineinhalb Minuten und dauert ca. 10 Minuten.
    http://www.classical-music.com/news/bbc-music-magazine-christmas-podcast

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  20. barbara57 Autor

    Im heutigen Spiegel/Kulturspiegel ist ein interessanter Vergleich der Winterreise mit James Gilchrist mit der ebenfalls erst vor kurzem erschienen Einspielung mit Florian Boesch erschienen:

    Einsatz aus dem Nichts

    Von Saltzwedel, Johannes

    So verschieden können Schuberts Lieder klingen: Florian Boesch singt sie dramatisch, James Gilchrist als tönende Lyrik. …
    Der ganze Artikel ist hier zu lesen oder hier als PDF.

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  21. Volker

    Danke liebe Barbara für den Hinweis mit dem Spiegel-Link. Barbara, der Link zum Artikel klappt nicht, ebenso zum PDF kannst Du das noch einmal überprüfen!!

    Ein aktueller Hinweis für alle. Neuerdings sind Klagen der Süddeutschen Zeitung und Frankfurter Allgemeine Zeitung Rechtskräftig beschieden worden. Sie haben einen Vokalsänger angeklagt, weil er Zeitungsrezensionen in seiner Homepage von den vorgenannten Zeitungen veröffentlicht hat. Daraufhin erging ebenso ein Urteil an ein Stadttheater, das ebenso verfahren hat, sie sind zu 7.500 Euro verdonnert worden. Es gab zwar einen riesigen Aufschrei aber die Groß-Verlage versuchen dass zu unterbinden, deshalb Vorsicht bei Zeitungs-Rezensionen oder Artikel…!!

    Ich bin zwar jetzt ein wenig vom Thema abgekommen aber durch die Angabe von @Barbara wollte ich einmal darauf hingewiesen haben.

    Grüße
    Volker

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  22. barbara57 Autor

    Vielen Dank, lieber Volker. Die Tücken von HTML, aber jetzt funktionieren die Links.

    Was Deinen anderen Hinweis bezüglich der Verwendung von urheberrechtlich geschütztem Material angeht, dies ist mein Reden seit Jahr und Tag. Da kann man gar nicht vorsichtig genug sein. Kannst Du mir – vielleicht als Mail – den Link zu obigem Fall zukommen lassen?

    Hier in diesem Fall gestattet Spiegel ausdrücklich die Verlinkung. Links zu setzen ist meines Wissens unkritisch, die Verwendung ein oder zwei Sätzen eines Artikel als Zitat dagegen schon. Aber bei kompletten Artikel habe ich grundsätzlich um die Erlaubnis zur Veröffentlichung gebeten ebenso wie bei Fotos, die nicht direkt zur Veröffentlichung gekennzeichnet sind und bei denen der Author bekannt ist. Das ist manchmal nicht unkompliziert und endet in langen Mailketten. Aber bisher habe ich noch nie ein „Nein“ bekommen. Nur man muss halt vorher fragen. Demnächst mehr dazu in einem neuen Beitrag…Grüße
    Barbara

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  23. barbara57 Autor

    Diese CD wird anscheinend auch in Deutschland, dem Mutterland des Liedes, durchaus beachtet. Nach einer Würdigung im Kulturspiegel ist jetzt auch eine sehr ausführliche Besprechung mit dem Titel „Differenzierte Winterreise“ bei Klassik.com erschienen. Der Autor Dr. Matthias Lange geht hier sehr ausführlich u.a. der Frage nach, wie sich die große Erfahrung James Gilchrist als profilierter Sänger der Alten Musik auf seine Interpretation romantischer Lieder auswirkt.
    Der ganze Beitrag ist hier zu lesen.

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