Neue Reihe: Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantatenbeschreibung für den 16. Sonntag nach „Trinitatis“

J.S. Bach-Denkmal Leipzig von Felix Mendelssohn-Bartholdy gestiftet

Liebe Bach-Freunde/innen !

Nach den Veröffentlichungen einer Übersicht der BWV für Bach-Kantaten:

Link: BWV als PDF-Download im Blog 

stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.

Am 09.10.2011 begehen wir den 16. Sonntag nach „Trinitatis“

Der 16. Sonntag nach Trinitatis ist geprägt vom Evangelium von der Auferweckung des Lazarus. In dieser Geschichte sowie in den Epistellesungen wird deutlich, dass mit Jesus weit mehr gekommen ist als nur ein großer Prediger. Er hat das Leben in diese Welt gebracht und den Tod besiegt. Dieser Sieg wird schon durch sein Handeln auf Erden sichtbar. Am 16. Sonntag nach Trinitatis hören wir das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus und wir staunen über die Worte Jesu. Diese Worte sprechen in keine alltägliche Situation, sondern sind Trauernden und bedrückten zugesprochen. Wir können getrost sein darüber, dass Gott alles Geschehen in userem Leben kennt und weiß, wann wir seiner besonderen tröstenden Hilfe bedürfen. Es ist gut zu wissen, dass nichts ohne seinen Willen geschieht.

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Bach-Kantaten für den 16. Sonntag nach Trinitatis

BWV    8 –  „Liebster Gott, wenn werd ich sterben

BWV   27 –  „Wer weiß, wie nahe mir mein Ende

BWV   95 –  „Christus, der ist mein Leben

BWV   161 –  Komm, du süße Todesstunde

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„Bach-Kantate“ WDR3 – Geistliche Musik

Sonntag, 09.10.2011 von 09:05  – 10:00 Uhr

Livestream-Link: 

http://www.wdr.de/wdrlive/wdrplayer/wdr3player.html

Allgemein Link: 

http://www.wdr.de/radio/wdr3/

Programm: Link: 

http://www.wdr.de/programmvorschau/programDateDateSender.jsp?programmeId=3;dayOffset=0

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WDR3 – „Geistliche Musik“ – Programmauszug:

 Johann Sebastian Bach

BWV 95 „Christus, der ist mein Leben“ Kantate zum 16. Sonntag nach Trinitatis für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo;

Dorothee Mields, Sopran; Hans Jörg Mammel, Tenor; Thomas Bauer, Bass;

Collegium Vocale Gent, Leitung: Philippe Herreweghe

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Eine weitere Programmankündigung:

NDR-Kultur für den Sonntag, 09.10.2011

Online-Radio-Livestream: http://www.ndr.de/ndrkultur/livestream154.html

PDF-Programm: 

http://www.ndr.de/ndrkultur/programm/programmuebersichten/programmuebersicht106.html

08:05 Uhr bis 08:40 Uhr Kantate
Geistliche Musik am Sonntagmorgen
08:00 Nachrichten, Wetter

Geistliche Musik am 16. Sonntag nach Trinitatis

Ernst Friedrich Richter:
Da Israel aus Ägypten zog, Motette
Junges Vokalensemble Hannover Ltg.: Klaus-Jürgen Etzold

Alexandre-Pierre-François Boëly:

sechs Kyrie-Versetten Eberhard Lauer, Orgel

Johann Sebastian Bach:
Christus, der ist mein Leben, Kantate BWV 95

Dorothee Mields, Sopran / Hans Jörg Mammel, Tenor Thomas Bauer, Bass /

Chor und Orchester des Collegium Vocale Gent / Ltg.: Philippe Herreweghe

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/ YouTube: BWV 161 – 

 „Komm du süße Todesstunde  – Part 1  (Interpret: Harnoncourt)

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/ YouTube: BWV 161 – 

 „Komm du süße Todesstunde  – Part 2  (Interpret: Harnoncourt)

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Kantaten-Beschreibung zum BWV 8 – BWV 27 – BWV 95 BWV 161

Kantaten für den 16. Sonntag nach Trinitatis –

Aufführungsort: Santo Domingo de Bonaval, Santiago de Compostela (Spanien) am 07.10.2000

Nordgalizien war in warmes Herbstlicht getaucht, die Sonne strahlte von einem wolkenlosen Himmel, als wir zum berühmtesten aller Pilgerziele flogen. Die vier Kantaten für den 16. Sonntag nach Trinitatis gehen auf die Geschichte aus dem Evangelium von der Auferweckung des Jünglings zu Nain zurück. Alle vier – BWV 161, 27, 8 und 95 – drücken die lutherische Todessehnsucht aus, und alle bis auf eine enthalten das Läuten der ‚Leichenglocken’. Doch ungeachtet der gleichen Thematik weisen Satz, Form und Stimmung eine ungeheure Vielfalt auf, und zusammen bilden sie eine überzeugende und tief bewegende Tetralogie – eine Musik, die heilsam und erhebend ist.

Es war eine Freude, „Komm, du süße Todesstunde“ BWV 161,

jene erstaunliche Kantate aus Bachs Weimarer Jahren, noch einmal aufzuführen, nachdem wir sie an Bachs Todestag (28. Juli) in der Abtei Iona gegeben hatten. Während dort in erster Linie die pastorale Textur den stärksten Eindruck hinterlassen hatte, ohne Zweifel deshalb, weil sie sich so herrlich in die Landschaft der Insel fügte, war es hier die herzzerreißende Schönheit der Tenorarie ‚Mein Verlangen’ (Nr. 3) mit ihrem sinnlichen Streichersatz, die besonders berührte, vor allem in der Weise, wie Mark Padmore sie sang.

Mit zwei ihrer Sätze im Dreiertakt (Nr. 3 und 5) scheint die Kantate BWV 161 für Bachs spätere Kantaten, die sich mit dem Ruf nach dem Tod befassen, das Muster vorzugeben – oder ist das nur ein Zufall? Könnte es ein absichtlicher Kunstgriff gewesen sein, das bekümmerte Herz zu beschwichtigen? Drei der vier Hauptsätze in BWV 95 weisen einen Dreierrhythmus auf. Das gilt auch für den zauberhaften Anfangschor von BWV 27 Wer weiß, wie nahe mir mein Ende, eine elegische Klage, in die Bach die modale Melodie des Kirchenliedes ‚Wer nur den lieben Gott lässt walten’ von Georg Neumark einflochten hat und die Ausführende und Hörer jedes Mal, wenn sie auf unserer Pilgerroute begegnete, in gleicher Weise begeisterte.

Die Vergänglichkeit der Zeit wird hier durch die langsamen Pendelschläge in den Bässen des Orchesters angedeutet; als Gegengewicht dazu schaffen die fallende Figur in den hohen Streichern und ein schmerzlich aufgebrochenes Thema in den Oboen den Hintergrund für die bedrückende Choralmelodie, die mit dem besinnlichen Rezitativ verflochten ist. Sogar das obligate Cembalo und die Continuolinie der munteren Altarie (Nr. 3) scheinen vom Geist der gemessenen Zeit inspiriert (hier im harten Anschlag der Cembalotasten zu hören), ein Merkmal, das in diesen Totenglocken-Kantaten häufig wiederkehrt. Die Bassarie in g-moll (Nr. 5) weist eine enge Verwandtschaft mit Petrus’ Verleugnungsarie ‚Ach mein Sinn’ in Bachs Johannespassion auf, zumindest in den einleitenden Takten des Abschieds vom eruptierenden ‚Weltgetümmel’, das die scheidende Seele mit Freuden zurücklassen wird.

Der kraftgeladene Streichersatz hier, eine Aktualisierung von Monteverdis stilo concitato, ist nicht Bachs einziger Blick zurück in die Vergangenheit. In dem abschließenden Choral (Nr. 6) zitiert er, was bei ihm ganz ungewöhnlich ist, fast unverändert die Komposition eines Vorgängers – Johann Rosenmüllers fünfstimmige Aria ‚Welt, ade! ich bin dein müde’, die 1652 in Leipzig im Druck erschienen war. Sie wirkt durchaus passend. Bach, der auf so unnachahmliche Weise Choräle vertonte, war vielleicht der Meinung, dass hier nichts besser gemacht werden konnte.

Der Anfangssatz von BWV 8 „Liebster Gott, wenn werd ich sterben?“ ist ein ungewöhnliches Klangtableau. Es besteht aus einer fast ununterbrochenen Bewegung im 12/8-Takt der beiden Oboen d’amore über einer gedämpften Staccato-Begleitung der hohen Streicher und einem Pizzicato im Bass. Über diese hinaus erhebt sich die Flöte, die außerhalb ihres normalen Tonbereichs spielt.2 Der Oboensatz lässt an Brahms denken, aber auch an Berlioz und an L’Enfance du Christ in der Instrumentierung und einigen der harmonischen Fortschreitungen, während der Beginn der vom Sopran gesungenen (und vom Zinken verdoppelten) Choralmelodie fast den Schwung einer Jahrmarktsmusik aufweist. Der ganze Satz ist von einer elegischen und schillernden Zärtlichkeit geprägt, die ihm seinen besonderen Charme verleiht. Die Totenglocken kehren (zumindest als Schlussfolgerung) in den lose aneinander gefügten Achtelnoten der Tenorarie (Nr. 2) bei den Worten ‚wenn meine letzte Stunde schlä-ä-ä- ä-ä-ä-gt’ und im Pizzicato der Continuobegleitung wieder. Als schönes Gegengewicht versichert die Bassarie (Nr. 4) voller Zuversicht, Jesus werde den Menschen ein besseres Leben zuteil werden lassen. Hier stattet Bach Sänger, Flöte und Streicher mit einer ungenierten Tanzmusik aus, einer Gigue in A-dur und im 12/8-Takt, die in ihrem prahlerischen Überschwang an das Finale des sechsten Brandenburgischen Konzertes erinnert.

 © John Eliot Gardiner 2004

Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch

Übersetzung: Gudrun Meier

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  Sir Gardiners Kantaten-Beschreibungen für den 15. und 16. Sonntag nach Trinitatis:

               Link:     h i e r  zum Download als PDF  Gardiner    

  Künstler-Beitrag –  Link: Künstlerbeitrag Mark Padmore, Tenor   

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/ YouTube: BWV  8 –

  „Liebster Gott, wenn werd ich sterben  (Interpret: J.E. Gardiner)

 

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/ YouTube: BWV  27 – 

„Wer weiß, wie nahe mir mein Ende“  (Interpret: J.E. Gardiner)

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/ YouTube: BWV  95 –  Part 1

„Christus, der ist mein Leben“  (Interpret: Harnoncourt)

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/ YouTube: BWV  95 –  Part 2

„Christus, der ist mein Leben“  (Interpret: Harnoncourt)

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CD für den 16. Sonntag nach „Trinitatis“ 
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……Cover: CD’s – SDG 104 – Vol.  8  (CD 2)
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BWV 8 – Liebster Gott, wenn werd ich sterben

BWV 27 – Wer weiß, wie nahe mir mein Ende

BWV 95 – Christus, der ist mein Leben

BWV 161 – Komm, du süße Todesstunde……….

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Ich wünsche allen Besuchern eine schönen Sonntag.

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Grüße

Volker

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