Neue Reihe: Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantatenbeschreibung für den 15. Sonntag nach „Trinitatis“

Die Musikstadt Leipzig auf einem Stich von J. C. A. Richter, um 1835..!!

Liebe Bach-Freunde/innen !

Nach den Veröffentlichungen einer Übersicht der BWV für Bach-Kantaten:

Link: BWV als PDF-Download im Blog 

stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.

Am 02.10.2011 begehen wir den 15. Sonntag nach „Trinitatis“

Der 15. Sonntag nach Trinitatis hat „Irdische Güter“ zum Thema. Es geht ums Sorgen, die Angst um die Zukunft, um das, was morgen kommt, die Sorge um das leibliche Wohl, um das Dach über dem Kopf. Mancher Predigttext legt eine gewisse Leibfeindlichkeit nahe, etwas, das einzuüben heute gewiss nicht ganz verkehrt ist. Dabei sollte man sich allerdings davor hüten, die Gaben Gottes, von denen wir leben, zu verteufeln. m 15. Sonntag nach Trinitatis wird unser Blick fortgelenkt von den irdischen Gütern. Sie sollen nicht unsere erste und alleinige Sorge sein. So werden wir frei zu einem Leben in der Nachfolge Jesu. oder oft haben wir uns durch mühsame Arbeit einen Lebensstandard geschaffen, der uns ein Gefühl der Behaglichkeit und des Wohlstandes vermittelt. Diesen Lebensstandard zu erhalten, wird jedoch immer schwieriger, und Sorge um die Zukunft bestimmt unser Leben zusehends. Heute, am 15. Sonntag nach Trinitatis, werden wir durch die Lesungen daran erinnert, dass alles, was wir hier schaffen, vergänglich ist. Es ist tröstlich zu wissen, dass Gott uns nicht im Stich lassen wird, selbst wenn das, was wir haben, verloren geht.

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Bach-Kantaten für den 15. Sonntag nach Trinitatis

BWV   51 –  „Jauchzet Gott in allen Landen

BWV   99 –  „Was Gott tut, das ist wohlgetan

BWV   138 –  „Warum betrübst du dich, mein Herz

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„Bach-Kantate“ WDR3 – Geistliche Musik

Sonntag, 02.10.2011 von 09:05  – 10:00 Uhr

Livestream-Link: 

http://www.wdr.de/wdrlive/wdrplayer/wdr3player.html

Allgemein Link: 

http://www.wdr.de/radio/wdr3/

Programm: Link: 

http://www.wdr.de/programmvorschau/programDateDateSender.jsp?programmeId=3;dayOffset=0

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WDR3 – „Geistliche Musik“ – Programmauszug:

Heinrich von Herzogenberg

Alle gute und vollkommene Gabe / Schmecket und sehet / Danket dem Herren

/ Halleluja / Amen, aus „Zum Erntedank“, op. 99;

Rheinische Kantorei, Leitung: Hermann Max

Dietrich Buxtehude

Wie schmeckt es so lieblich und wohl für 3 Singstimmen, Streicher und

Basso continuo; Katherine Hill, Sopran; Matthew White, Altus; Paul

Grindlay, Bass; Ariadna Ensemble, Leitung: Kevin Mallon

 Johann Sebastian Bach

BWV 99, „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ Kantate am 15. Sonntag nach Trinitatis für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo;

Yukari Nonoshita, Sopran; Daniel Taylor, Countertenor; Makoto Sakurada, Tenor; Peter Kooij, Bass;

Bach Collegium Japan, Leitung: Masaaki Suzuki

Johann Sebastian Bach

Präludium und Fuge C-dur, BWV 553 für Orgel; Gerhard Weinberger an der

Hoffmann-Orgel der Marienkirche Mechterstädt

Georg Philipp Telemann

Nun danket alle Gott, Kantate für Erntedankfest und andere Dankfeiern

für Soli, Chor, Bläser, Streicher, Pauken und Basso continuo; Gerhild

Romberger, Alt; Hans Jörg Mammel, Tenor; Gotthold Schwarz, Bass; Basler

Madrigalisten; L´arpa festante, Leitung: Fritz Näf

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Eine weitere Programmankündigung:

NDR-Kultur für den Sonntag, 02.10.2011

Online-Radio-Livestream: http://www.ndr.de/ndrkultur/livestream154.html

08:05 Uhr bis 08:40 Uhr Kantate
Geistliche Musik am Sonntagmorgen
08:00 Nachrichten, Wetter

Geistliche Musik am Erntedanktag

Heinrich Schütz:
Lasset uns doch den Herren, unseren Gott, loben Geistliches Konzert aus „Symphoniae Sacrae“, 3. Teil

Kammerchor Stuttgart mit Solisten / Musica Fiata Ltg.: Frieder Bernius

Johann Pachelbel:
Was Gott tut, das ist wohlgetan, Choralvariationen

Reinhard Ruge, Orgel

Johann Sebastian Bach:
Jauchzet Gott in allen Landen, Kantate BWV 51

Ruth Ziesak, Sopran / Reinhold Friedrich, Trompete Berliner Barock Compagney

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/ YouTube: BWV 51 – 

 „Jauchzet Gott in allen Landen  

(Interpret: Nancy Argenta, sopranoCrispin Steele-Perkins, trumpet

Ensemble Sonnerie Monica Huggett, conductor)

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Kantaten-Beschreibung zum BWV 51 – BWV 99 – BWV 138

Kantaten für den 15. Sonntag nach Trinitatis –

Kantaten für den 15. Sonntag nach Trinitatis, Aufführungsort: Kirche Unser Lieben Frauen, Bremen am 28.09.2000

Da im Jahr 2000 zwei Feiertage so dicht aufeinander folgten – Erzengel Michael (29. September) und der 15. Sonntag nach Trinitatis (1. Oktober) – und die Finanzlage unserer ‚Cantata-Pilgrimage’-Projektes angespannter denn je war, machten wir von dem Angebot Gebrauch, beim Musikfest Bremen zwei Konzerte aufzuführen. Die einst wohlhabende Hafenstadt Bremen war im 16. Jahrhundert Schauplatz einer langen blutigen und ausweglosen Auseinandersetzung zwischen den missgestimmten Anhängern beider Ausprägungen des Protestantismus – den Kalvinisten, die vorwiegend dem Kaufmannsstand angehörten, und den Lutheranern unter der Führung des Adels. Für uns bedeutete das Angebot, dass wir unsere beiden Konzerte an einem einzigen Ort (in der Kirche Unser Lieben Frauen) aufführen (und einspielen) und beide Programme dann in der Franziskanerabtei Neviges und – am 15. Sonntag nach Trinitatis – in der Bonner Münsterbasilika wiederholen konnten.

Ein Teil der Kantatenmusik Bachs enthält mehr Dunkelheit als Licht; in den Kantaten jedoch, die er für den 15. Sonntag nach Trinitatis komponiert hat, wird eine tiefe, satte Dunkelheit von zartem Lichtglanz durchflutet.

BWV 138 „Warum betrübst du dich“ ein herzzerreißendes Werk aus Bachs erstem Leipziger Zyklus, ist dafür ein typisches Beispiel: Es schildert, unterbrochen von aufmunternden Rufen des Chores, standhaft zu bleiben, die Reise des bekümmerten Christen aus tiefer Verzweiflung zur Festigkeit im Glauben. Die Form der Kantate wurde heftig kritisiert. Philipp Spitta (1881) vermochte nicht einzusehen, dass zwei auf unterschiedliche Weise angelegte Choralsätze aufeinander folgten (warum eigentlich nicht?), während Albert Schweitzer (1911) die Meinung vertrat, Bach habe ohne einen sehr klaren Plan zu komponieren begonnen. Ich fand, dass dergleichen heftige Kritik nicht mehr angemessen ist, sobald das Werk aufgeführt wird. Es steht außer Frage, dass BWV 138 eine ausgesprochen originelle, neue Möglichkeiten auslotende Komposition ist, zum einen altertümlich, vor allem in dem motettenartigen Satz in den Nummern 1 und 2 (die an seine frühen Stücke aus Mülhausen und Weimar erinnern), und gleichzeitig modern in der Weise, wie Bach drei aufeinander folgende Strophen eines Chorals aus dem 16. Jahrhundert in den Griff bekommt und dabei den auf Chorälen basierenden Satz der Kantaten aus seinem zweiten Leipziger Zyklus vorwegnimmt. Es ist ein kluger Kunstgriff, der ihm die Möglichkeit gibt, zwischen Angst (den rezitativischen Einwürfen des Solisten) und Glauben (den vom Chor dargebotenen Choralversen) die Spannung aufzubauen. Die Kantate gelangt nach halber Wegstrecke zu ihrem Wendepunkt – dem Gläubigen beginnt die Vorstellung zu dämmern, dass Gott zu seiner Rettung kommen wird (in Nr. 3), und er äußert sein Vertrauen in die göttliche Fürsorge (in Nr. 4). Die kunstvoll ausgestaltete Fantasia im 6/8-Takt des Schlusschorals bietet ein perfektes – und wohlkalkuliertes – Gegengewicht zu der düsteren und bekümmerten Stimmung der Anfangssätze.

„Jauchzet Gott in allen Landen“ BWV 51, von den uns erhaltenen Kantaten Bachs eine der sehr wenigen, die wirklich populär wurden, scheint nie ihren gleißenden Charme zu verlieren – vorausgesetzt allerdings, Sopran und Trompete sind den gewaltigen technischen Anforderungen gewachsen (was hier auf die beiden Schweden, Malin Hartelius und Niklas Eklund, mit Sicherheit zutrifft). Bei aller Brillanz der Ecksätze, die der Trompete den ersten Rang einräumen, sind meiner Meinung nach die Binnensätze – das Accompagnato (Nr. 2) und die himmlische Aria ‚Höchster, mache deine Güte’ im 12/8-Takt – von musikalisch größerem Reiz. Wäre es zu weit hergeholt, in dieser Musik Bachs zärtliche Gefühle gegenüber seiner zweiten Frau zu entdecken? Sie war eine arrivierte Kammersängerin, und mir ihr hat er möglicherweise in den 1730er Jahren das Werk am Weißenfelser Hof aufgeführt.

© John Eliot Gardiner 2004

Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch

Übersetzung: Gudrun Meier

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  Sir Gardiners Kantaten-Beschreibungen für den 15. Sonntag nach Trinitatis:

               Link:     h i e r  zum Download als PDF  Gardiner    

  Künstler-Beitrag –  Link: Künstlerbeitrag Mark Padmore, Tenor   

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/ YouTube: BWV  99 –

  „Was Gott tut, das ist wohlgetan  (Interpret: Carità by W. Bouguereau)

 

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/ YouTube: BWV  138 – 

„Warum betrübst du dich, mein Herz“  (Interpret: unbekannt)

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CD für den 15. Sonntag nach „Trinitatis“ 
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….
……Cover: CD’s – SDG 104 – Vol.  8  (CD 1)
……
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BWV 51 – Jauchzet Gott in allen Landen

BWV 99 – Was Gott tut, das ist wohlgetan

BWV 100 – Was Gott tut, das ist wohlgetan III

BWV 138 – Warum betrübst du dich, mein Herz

……….
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Ich wünsche allen Besuchern eine schönen Trinitatis-Sonntag.

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Grüße

Volker

6 Gedanken zu „Neue Reihe: Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantatenbeschreibung für den 15. Sonntag nach „Trinitatis“

  1. barbara57

    Lieber Volker,
    ich bin mit meiner meiner persönlichen Bach-Kantaten-Pilgerreise ein klein wenig ins Hintertreffen geraten. So bin ich gerade bei den Kantaten angelangt, die leider durch das sonntägliche Raster fallen – den Kantaten zum Michaelis-Fest. Dies sind meine absoluten Lieblingskantaten und ich fürchte, die Knataten vom 15. Sonntag nach Trinitatis müssen noch einwenig warten. So schnell kann ich mich nicht von ihnen trennen. Auch wenn Du mir mit Deinem Beitrag den Mund wässrig machen willst….
    Barbara

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    Antwort
  2. yo21031685

    Hallo Barbara,
    würdest Du uns verraten, warum die drei (nach BCA) Kantaten zum Michaelis-Fest Deine Lieblingskantaten sind? Jeder hat ja so seine Lieblinge unter den Bach-Kantaten. Manchmal sind es auch nur einzelne Sätze, die einen besonders ansprechen. Bei mir ist es z.B. die Tenorarie aus BWV 19: „Bleibt, ihr Engel, bleibt bei mir.“ Etwas großartigeres, tiefgehenderes findet sich auch bei Bach nur an wenigen Stellen, wenn man nur die Vokalwerke berücksichtigt.
    Dann habe ich noch eine zweite Frage an Dich: Wie wichtig sind Dir die Interpreten? Bist Du auf Gardiner fixiert oder können Dich auch andere Künstler stark beeindrucken (immer auf die Bachschen Kantaten bezogen).
    Liebe Grüße
    Yo

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    Antwort
  3. barbara57

    Hallo Jo,
    das ist ja eine Frage – darauf gibt es eigentlich gar keine Antwort. Warum mag der eine Rosenkohl und der andere läuft weg, wenn dieser auf dem Tisch steht? Ähnlich ist es doch mit Musik. Ein Komponist, ein Stück – den einen spricht es an und ein anderer findet es nur langweilig. Und einen dritten packt es so, dass die Welt sich ein klein wenig ändert, wenn er dies Stück hört. Ich habe vor kurzem gehört, dass man nur dann etwas im Gedächtnis behält, wenn es mit Emotionen verbunden wird. Ähnlich wird es mit „Lieblingsmusik“ sein. Beim Hören entstehen Emotionen, die dann mit dieser Musik und auch mit der Art, wie sie ausgeführt wird, verknüpft sind. Wenn Du die Tenorarie in BWV 19 ansprichst, wirst Du hier im Blog sicher mitbekommen haben, dass es kaum einen hier gibt, der nicht das Besondere in dieser Musik gespürt hat. Für mich ist das ein Stück, das mein Leben verändert hat. Klingt pathetisch, ist aber so. So gibt es in den Kantaten von Bach viele Schätze zu finden – einzelne Arien, Chöre oder auch ganze Kantaten. Für mich gehören die Osterkantaten, die Neujahrskantaten und diverse andere dazu. Aber die Michaeliskantaten sind halt etwas Besonderes für mich. Ich höre seit Neujahr die Bachkantaten analog zur Bach Cantata Pilgrimage halbwegs zur richtigen Zeit. Eine Kantate am Tag – vorbereitet mit den Lesungstexten, Dürr und dem Reisetagebuch Gardiners und dann Hören mit Partitur. Das ist eine ganz wunderbare Reise, ich bin immer wieder überwältigt von dieser Musik. Leider habe ich erst Mitte des Jahres angefangen, Kommentare dazu aufzuschreiben, wenn mir mal wieder ein Wow durch den Kopf ging. Die einzige CD, die nicht nur einmal durchlief, waren die Michaeliskantaten. Ich konnte mich kaum von ihr trennen. Das rechtfertigt, glaube ich den Titel „absolute Lieblingskantaten“. Warum ist eigentlich egal, bzw. wenn ich weiter darüber nachdenken würde, würde ich schon die Emotionen rund herum analysieren könne, aber das gehört wirklich nicht in ein öffentliches Forum.
    Damit kommen wir zur Frage der Interpreten. Auch hier ist es wieder so: einer lässt Dich innerlich tanzen und ein anderer ist bestenfalls „interessant“ zu nennen. Es gab eine Zeit, da war ich auf Gardiner fixiert, aber mittlerweile schaue ich doch ein wenig weiter um die Ecke. Bei einigen kann ich mich halt darauf verlassen, dass etwas in mir ins Schwingen gerät. Bei BWV19 -Tenor bin ich fixiert, bei einzelnen anderen Arien oder sogar ganzen Kantaten auch, bei anderen gar nicht. Das ist wieder das Spiel mit den Emotionen, s.o. Ich nehme zurzeit fleißig Bachkantaten mit anderen Ensembles auf. Für nächstes Jahr habe ich vor, Bachkantaten vergleichend zu hören. Eine Kantate, für die ich mir ganz viel Zeit lasse – eine Woche oder mehr – und die ich dann in drei oder vier Interpretationen höre. Das wird sicher richtig spannend. Aber ganz ehrlich – am schönsten ist Musik doch, wenn Noten, Texte, Erklärungen, wenn alles in die Ecke fliegt und die Musik uns einfach mitnimmt und schweben lässt. Dann ist es egal wer musiziert. Kluge Worte gibt es dann auch nicht. Aber ein Lächeln, mit dem es in den Alltag zurückgeht.
    Viele Grüße
    Barbara

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    Antwort
  4. yo21031685

    Liebe Barbara!
    Vielen, vielen Dank für Deine Antwort. Ich bin echt beeindruckt von Deiner Offenheit. Die Beschreibung Deiner Emotionen trifft ziemlich genau auch meine Gefühlslage beim Hören Bachscher Kantaten. Ich mache das schon seit sehr, sehr vielen Jahren und habe Dir gegenüber einen kleinen Vorsprung. Ich bin seit geraumer Zeit in der Phase des „vergleichenden Hörens“ angekommen, d.h. daß ich die Einspielungen der Kantaten von mehreren guten Interpreten besitze. Dabei habe ich dann ebenfalls die Entwicklung der Bach-Rezeption in Deutschland mitgemacht. Begonnen hat es vor über 30 Jahren mit Karl Richter (fand ich damals gut, heute ist er mir viel zu bombastisch) und seinen Riesen-Chören nebst Riesen-Orchester. Das krasse Gegenteil waren dann die wunderbaren Aufnahmen der Teldec mit Gustav Leonhardt und Nikolaus Harnoncourt. Das war schon ein Kontrastprogramm, wie es größer nicht sein konnte. Nicht gekauft habe ich die ebenfalls beachtenswerten Aufnahmen von Koopman oder Herreweghe. Als dann plötzlich für eine sehr kurze Zeit die Bach-Gesamtaufnahme des Hänssler-Verlags bei Zweitausendeins für sehr wenig Geld auf dem Markt war, konnte ich nicht anders als zuzuschlagen. So kam ich automatisch zu Rilling. Vorher hatte ich die Brilliant-Gesamtaufnahme erworben, die sich leider in großen Teilen (besonders die Kanten) als Fehl-Investition erwies. Nachdem ich das Bach Collegium Japan unter Masaaki Suzuki im Hamburger Michel gehört hatte, sah ich mich genötigt, seine beeindruckende Kantaten-Einspielung zu erwerben (soweit schon eingespielt).
    Alle meine Bachaufnahmen, die mittlerweile ganze Regale füllen, befinden sich auch als mp3-files auf dem Computer, so daß ich schnell und unkompliziert zwischen den diversen Interpretationen hin und her springen kann. Die Phase, in der Du Dich im Moment befindest (Studium jeder einzelnen Kantate bzw. Kantaten-Gruppe mit Noten und Dürr), fand ich ziemlich anstrengend und wurde mir dann auch irgendwann zu viel. Aus dieser Phase bin ich dann gelegentlich zu anderen Werken Bachs „geflüchtet“; der eingebaute Zufallsgenerator von Winamp half mir dabei.
    Deinen Schlußabsatz hätte ein Schriftsteller nicht besser formulieren können. Ich finde ihn so gut, daß ich ihn auf dem PC abgespeichert habe. Er trifft mein Gefühl für Bachsche Musik (nicht nur die Kantaten) so exakt, daß ich mich ein wenig ärgere, daß er mir nicht eingefallen ist.
    Ganz liebe Grüße
    Yo

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    Antwort
    1. adamo

      Liebe Barbara, liebe Jo!

      Eurem netten Gespräch über Euer innerliches Aufnehmen der Bach-Kantaten höre ich gerne zu. Mein Eurostar-Zug von Lecce nach pescara ruckelt zwar ein bisschen zum korrektem Schreiben. Aber diese kleinen Störungen bringen meine Gedanken in Trapp.

      Gerne habe ich schon immer gerade ie Kantaten vergleichend gehört und in Bach-Literatur auch vieles nachgearbeitet.
      Jetzt weiß ich zwar viel, aber weiss, dass Ich nichts weiss, wenn mir nicht im Alltag ein Rezitativ oder eine Arie durch den Kopf geht, dass ich am liebsten damit herausplatzen will.

      Gerade das Tenor Rezitativ: ‚des höchsten Güt und Treu, wird alle Morgen neu …‘ das passte genau in meine Reise-Stimmungslage und wirkte wie ein Vademekum, um beschwingt Abschied von Lecce/Puglien zu nehmen.

      Bach als Wohlfühltrunk in meiner
      Hausapotheke. Sowohl vom Text her als auch von den musikalischen Linien her könnte ich eigentlich für mich mal einen Bach – durchgehenden Querschnitt mi ausrüsten !!!

      Alles geht dann besser. Nur fliegen kann ich dami nicht

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      Antwort

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