Neue Reihe: Bach-Kantaten zum Sonntag im Kirchenjahr mit Hörbeispielen und Kantatenbeschreibung für den 14. Sonntag nach „Trinitatis“

Johann Sebastian Bach-Denkmal in Eisenach

Liebe Bach-Freunde/innen !

Nach den Veröffentlichungen einer Übersicht der BWV für Bach-Kantaten:

Link: BWV als PDF-Download im Blog 

stelle ich für jeden Sonntag im Kirchenjahr den Besuchern von

„Volkers Klassikseiten J.S. Bach“

eine Hör- oder Sehprobe und eine „Bach-Kantaten-Beschreibung“ für den entsprechenden Sonntag im Kirchenjahr zur Verfügung.

Am 25.09.2011 begehen wir den  14. „Sonntag nach Trinitatis“

Der 14. Sonntag nach Trinitatis redet von der heilenden Kraft Gottes. Das Thema dieses Sonntags ist diesmal von der Epistel her abgeleitet. Die anderen Texte haben wenig mit dem Thema zu tun. Wir hören am 14. Sonntag nach Trinitatis die Erzählung von der Heilung der zehn Aussätzigen. Wir erfahren die Kraft Gottes, durch die Menschen, die Außenseiter waren, wieder zu Gliedern der Gemeinde werden. Die lebendige Kraft des Geistes Gottes hat auch uns zur Gemeinde hinzugetan; in ihr bringen wir unseren Dank gegen Gott zum Ausdruck dafür, dass wir seine Kinder sein dürfen, indem wir einander achten und lieben.

(Textauszüge: ©  Martin Senftleben)

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Bach-Kantaten für den 14. Sonntag nach Trinitatis

BWV    17 –  „Wer Dank opfert, der preiset mich

BWV   25 –  „Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe

BWV   78 –  „Jesu, der du meine Seele

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„Bach-Kantate“ WDR3 – Geistliche Musik

Sonntag, 25.09..2011 von 09:05  – 10:00 Uhr

Livestream-Link: 

http://www.wdr.de/wdrlive/wdrplayer/wdr3player.html

Allgemein Link: 

http://www.wdr.de/radio/wdr3/

Programm: Link: 

http://www.wdr.de/programmvorschau/programDateDateSender.jsp?programmeId=3;dayOffset=0

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WDR3 – „Geistliche Musik“ – Programmauszug:

Johann Sebastian Bach

BWV 25 

„Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe,“

Kantate zum 14. Sonntag nach Trinitatis für Soli, Chor, Bläser, Streicher und Basso continuo;

Malin Hartelius, Sopran; James Gilchrist, Tenor; Peter Harvey, Bass;

Monteverdi Choir; English Baroque Soloists,

Leitung: John Eliot Gardiner

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Eine weitere Programmankündigung:

NDR-Kultur für den Sonntag, 25.09.2011

Online-Radio-Livestream: http://www.ndr.de/ndrkultur/livestream154.html

08:05 Uhr bis 08:40 Uhr Kantate
Geistliche Musik am Sonntagmorgen
08:00 Nachrichten, Wetter

Geistliche Musik am Tag des Erzengels Michael und aller Engel

Johann Christoph Bach:
Es erhub sich ein Streit, Kantate
Maria Zedelius, Sopran / Ulla Groenewold, Alt
Paul Elliott, Tenor / Michael Schopper und Stephen Varcoe, Bass / Rheinische Kantorei
Musica Antiqua Köln / Ltg.: Reinhard Goebel

Franz Tunder:
Herr Gott, dich loben wir, Choralfantasie
Albert Behrends, Orgel

Johann Sebastian Bach:

Kantate BWV 149

„Man singet mit Freuden vom Sieg“

Ausführende:  Malin Hartelius, Sopran / William Towers, Altus  / James Gilchrist, Tenor / Peter Harvey, Bass

Monteverdi Choir London / English Baroque Soloists  / Ltg.: John Eliot Gardiner 

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/ YouTube: BWV 25 – 

 Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe“  (Interpret: Gardiner)

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Kantaten-Beschreibung zum BWV 17, 25  und 78

Kantaten für den vierzehnten Sonntag nach Trinitatis –

Aufführungsort: Abbaye d’Ambronay, am: 24.9.2000

Manchmal bekommt man das Gefühl, Bach hätte Beethovens inneren Aufruhr verstehen können, auch wenn ihm die musikalische Sprache, in der er geäußert wurde, zum Teil (und zu jener Zeit schrecklich) fremd vorgekommen wäre. Aber Tatsache ist, dass auch Bach die Gladiatorenkämpfe zwischen Gut und Böse, Geist und Fleisch in der Brust des Menschen erlebte und seine Erfahrungen kundig zum Ausdruck brachte. Das erzählt uns seine Musik, und das erzählen auch die privaten Notizen und Unterstreichungen in seinem Exemplar des Kommentars zur Calov-Bibel. Diese ganze Trinitatiszeit hindurch hatte er uns ein Beispiel nach dem andern für die harschen moralischen Alternativen geboten, vor die wir täglich in unserem Leben gestellt werden. Da seine Bezüge und die vertonten Texte dieser Trinitatiskantaten eindeutig lutherisch sind, haben wir uns schnell daran gewöhnt, auf welche Weise der menschliche Akteur in Szenarien von Glaube und Fall, Sünde und Satan positioniert wird. Doch das schmälert keineswegs weder die zutiefst menschliche Sicht Bachs noch die Kühnheit seiner musikalischen Antworten.

Nehmen wir diese drei Kantaten für den vierzehnten Sonntag nach Trinitatis, die alle direkt oder im weitesten Sinne auf dem Evangelium des Tages basieren, der Geschichte, wie Jesus die zehn Aussätzigen heilt (Lukas 17:11–19). In seinem ersten Versuch, der Kantate BWV 25 Es ist nicht Gesundes an meinem Leibe, die am 29. August 1723 uraufgeführt wurde, behandeln Bach und sein anonymer Librettist das Thema Aussatz als Metapher für die ganze Menschheit, in einer Sprache plastischer Extreme: ‚Der erste Fall hat jedermann beflecket / und mit dem Sündenaussatz angestecket’ – die ganze Welt ist ‚nur ein Hospital’ für die unheilbar Kranken. Die Lösung? ‚Du, mein Arzt, Herr Jesu, nur / weißt die beste Seelenkur’ (Nr. 3). So wird auf typische Weise, wie in so vielen seiner Kantaten, für den einzelnen Sünder in seiner Verzweiflung der Plan zu einer spirituellen Reise aufgestellt; ein Weg wird gewiesen, und der schmerzhafte Prozess des Heilens kann beginnen. Manche meinen vielleicht, der Text und überhaupt das ganze Konzept seien schwierig zu verdauen, aber wie immer, wenn wir uns Bachs Musik zuwenden, werden erkennen wir, dass er alles daran setzt, die schlimmsten verbalen Exzesse auszugleichen.

In der Tat, was dieser Kantate eine überraschende Wende gibt, ist die Rolle, die der Musik im Genesungsprozess zugewiesen wird. Die zweite Arie (Nr. 5) bringt die Hoffnung des Sünders/Komponisten zum Ausdruck, dass seine ‚schlechten Lieder’ gnädig angenommen werden mögen, und es ist durchaus möglich, dass es hier für Bach persönliche Bezüge gab: Er stellt zwei Instrumental-‚Chöre’ nebeneinander, einen irdischen (Oboen und Streicher) und einen himmlischen (drei Blockflöten), als Vorfreude auf den Chor der Engel, in deren Mitte sein ‚Danklied besser klingen’ werde. Es ist ein Freudentanz im Dreiertakt, der nach dem vorherigen Geschehen eine willkommene Atempause schafft und Linderung gewährt. Doch gerade in diesen früheren Sätzen hat der Komponist auf seine besondere Art und mit unbeabsichtigter Ironie seine Marschrichtung zu erkennen gegeben.

Im Anfangschor steht hinter den Noten und jeder Zeile kontrapunktischer Verflechtung das klare Bewusstsein – und das Erschrecken darüber –, dass der Mensch durch die Sünde krank geworden ist. Es ist zum Beispiel bezeichnend für seine Art, wie er ein zweites Thema (‚und ist kein Friede in meinen Gebeinen’) über eine rastlose Basslinie legt, die aus einer Kette paariger Sechzehntel gebildet wird, ein so überzeugendes Symbol für das aufgewühlte Gemüt, wie man es sich nur vorstellen kann. Noch eindrucksvoller ist, wie er ein ganz neues Orchester aus drei Blockflöten, drei Posaunen und einem Zinken über die übliche Streicher-plus-Oboe-Gruppe setzt, um dem Passionschoral Herzlich tut mich verlangen, der bereits in langen Noten im Continuoteil vorgestellt wurde, besonderes Gewicht zu geben. Als Bass des Chorals trifft die Bassposaune zuweilen mit dem Generalbass zusammen, an anderer Stelle geht sie jedoch ihren eigenen Weg. Sie steht für den Felsen, auf dem zwölf separate Linien errichtet und verarbeitet werden können, eine Tour de Force kontrapunktischer Meisterschaft, selbst nach Bachs Maßstäben. (Es ist auch selten, dass Bach Posaunen auf diese Weise verwendet, völlig unabhängig von den Gesangslinien – und in Vorgriff auf das Finale zu Beethovens Fünfter Symphonie.)

Nach diesem opulenten Anfangschor beschränken sich die nächsten drei Sätze auf eine Continuobegleitung, so als sollte betont werden, dass der Patient persönlich spirituelle Heilung benötigt. Auf die Gefühle des Hörers oder eine drohende Übelkeit wird keine Rücksicht genommen. Krankheit, hitziges Fieber, Aussatzbeulen und der ‚hässliche Gestank’ der Sünde werden ausführlich geschildert und türmen sich zu einem leidenschaftlichen Appell an Christus als ‚Arzt und Helfer aller Kranken’, Erbarmen zu zeigen und zu heilen. Man könnte vermuten, das Ausforschen tonaler Modulationen, mit der Bach die Vorstellung von einer spirituellen Reise allegorisch zu wenden sucht, vor allem in dem Eingangsrezitativ des Tenors (Nr. 2), dürfte die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer garantieren, heißt es doch in seinem Nachruf: ‚Hat jemals ein Tonkünstler die verstecktesten Geheimnisse der Harmonie in die künstlichste Ausübung gebracht; so war es gewiss unser Bach.’ 

© John Eliot Gardiner 2006

Aus einem während der Bach Cantata Pilgrimage geschriebenen Tagebuch

Übersetzung: Gudrun Meier

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  Sir Gardiners Kantaten-Beschreibungen für den 12. und 13. Sonntag nach Trinitatis:

               Link:     h i e r  zum Download als PDF  Gardiner  

  Künstler-Beitrag –  Link: Künstlerbeitrag James Gilchrist, Tenor

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/ YouTube: BWV  17 – Part 1

  „Wer Dank opfert, der preiset mich  (Interpret: Harnoncourt)

 

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/ YouTube: BWV  17 – Part 2  (Interpret: Harnoncourt)

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/ YouTube: BWV 78 –  Part 1

 Jesu, der du meine Seele“   (Interpret: J.S. Bach-Stiftung St. Gallen)

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/ YouTube: BWV 78 –  Part 2  (Interpret: Harnoncourt)

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/ YouTube: BWV 164 –  Part 4  (Interpret: Harnoncourt)

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CD für den 14. Sonntag nach „Trinitatis“ 
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……Cover: CD’s – SDG 124 – Vol.  7  (CD 1)
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…….BWV 17 – Wer Dank opfert, der preiset mich
……BWV 25 – Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe
………………..BWV 78 – Jesu, der du meine Seele.
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Herzliche Urlaubsgrüße aus der Schweiz und ich wünsche allen Besuchern eine schönen

Trinitatis-Sonntag.

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Grüße

Volker

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