Biografie James Gilchrist – Tenor

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James Gilchrist, © operaomnia.co.uk
© operaomnia.co.uk

Der Tenor James Gilchrist sammelte seine ersten sängerischen Erfahrungen im Kirchenchor, bevor er als Knabensopran im Chor des New College in Oxford und als Tenor im Chor des King’s College in Cambridge sang. Schon während seines Medizinstudiums trat er mit Ensembles wie den Tallis Scholars oder TheSixteen auf. 1996 entschloss er sich, den Arztberuf aufzugeben und sich ganz der Musik zu widmen. Mittlerweile ist James Gilchrist einer der gefragtesten Tenöre im Bereich der barocken Musik. Sein Repertoire ist jedoch sehr weit gefasst und reicht von Monteverdis Marienvesper über die Liederzyklen Schuberts bis hin zu zeitgenössischer Musik.

International bekannt wurde er durch seine Mitwirkung bei der Bach Cantata Pilgrimage 2000 des Monteverdi Choir und den English Baroque Soloists unter der Leitung von John Eliot Gardiner.

In Deutschland war James Gilchrist auch nach der Bach Cantata Pilgimage häufiger unter John Eliot Gardiner zu hören. So konnte er in L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato von Händel, der Schöpfung von Haydn und als Evangelist in der Johannespassion sowie mit Kantaten von Johann Sebastian Bach gehört werden. Bach-Kantaten sang er auch in Arnstadt mit dem Magdalena Consort und mit der NDR Radiophilharmonie in Hannover und Hildesheim. In der Laeiszhalle in Hamburg wirkte er in der Rolle des Jonathans in einer vom NDR übertragenen Aufführung von Händels Saul mit. Mehrfach trat er mit dem Bachverein Köln in der Philharmonie auf, zuletzt als Evangelist in der Matthäuspassion von Bach. An gleicher Stelle war er mit Werken von Händel als Mathan in Athalia unter Ivor Bolton und in der Brockes-Passion mit dem Collegium Vocale Gent zu hören. In der Dresdener Frauenkirche war er an der Aufführung von Brittens War Requiem mit der Dresdener Philharmonie beteiligt. In der Alten Oper in Frankfurt sang er unter Daniel Reuss in einer Aufführung aller sechs Kantaten von Bachs Weihnachtsoratorium.

Sein Opernrepertoire umfasst Rollen wie Ferrando in Cosi fan tutte, Gomaz in Zaide oder Il Contino Belfiore in La Finta Giardiniera von Mozart, Quint in The Turn of the Screw oder Hyllus in Händels Hercules, Scaranuccio in Strauss‘ Ariadne auf Naxos, Evandre in Glucks Alceste, Purcells King Arthur und Antonio in Der Sturm von Frank Martin. An der Staatsoper Berlin trat er in Acis & Galatea auf.

Im Konzertbereich arbeitet James Gilchrist regelmäßig mit Dirigenten wie Ton Koopman, Sir John Eliot Gardiner, Philip Herreweghe, Paul McCreesh und Roger Norrington sowie mit Ensembles wie der Academy of Ancient Music, dem BBC National Orchestra of Wales, dem Tonhalle Orchester Zürich und dem Ensemble Pygmalion und seinem Leiter Raphaël Pichon zusammen. Hier führte er Werke wie Brittens Serenade für Tenor, Horn und Orchester, Haydns Oratorien Die Schöpfung und Die Jahreszeiten, die Passionen von J.S. Bach, die großen Oratorien Händels, z.B. Judas Maccabeus, Athalia oder Alexander’s Feast, bis hin zu Oedipus Rex und Pulcinella von Strawinsky auf. Eine umfangreiche Repertoireliste ist in der englischen Biographie unter http://www.hazardchase.co.uk/artists/james_gilchrist
zu finden.

James Gilchrist gilt auch als bedeutender Interpret zeitgenössischer Musik. Werke wie Sir Michael Tippets The Knot Garden und Frank Martin’s Der Sturm gehören hier zu seinem Repertoire. Er wirkte bereits an zahlreichen Uraufführungen mit, darunter Knut Nystedts Apocalypsis Joannis, John Taveners Total Eclipse und Helen Ottawas The Echoing Green, ein Auftragswerk für das Salisbury Festival.

Einen Schwerpunkt in der Tätigkeit des Sängers nimmt der Liedgesang ein. Gemeinsam mit der Pianistin Anna Tilbrook, mit der er regelmäßig zusammenarbeitet, ist er in zahlreichen Konzertsälen Großbritanniens, in New York sowie im Concertgebouw Amsterdam mit den großen deutschen Liedzyklen von Schubert, Schumann und Wolf aufgetreten. Ebenso arbeitet er mit führenden Liedbegleitern wie Julius Drake und Malcolm Martinu sowie mit der Harfenistin Alison Nicholls zusammen. Einen besonderen Stellenwert hat für ihn das englische Liedrepertoire mit Werken von Henry Purcell, Gerard Finzi, Ralph Vaughan Williams, Robin Holloway, Michael Tippett und Benjamin Britten. Auch im Bereich des Liedgesanges führt er regelmäßig neue Werke von Komponisten wie Alec Roth, Howard Skempton oder Huw Watkins auf.

James Gilchrist ist ein häufiger Gast bei den großen Festivals in ganz Europa wie z.B. PROMS in London, Edinburgh Festival, Three Choirs Festival in Worcester, Gloucester und Hereford, den Salzburger Festspielen, Festival de Beaune, Anima Mundi in Pisa sowie Wratisalvia cantans und Misteria Paschalia in Polen. In Deutschland ist er bei Festivals wie MDR Musiksommer, Händelfestpiele in Halle, Bachfest Köthen und Rheinvokal aufgetreten.

James Gilchrist wirkte bei vielen CD-Aufnahmen mit. So sang er unter anderem in Aufnahmen der Opern Albert Herring und Owen Wingrave von Benjamin Britten, den Passionen von Johann Sebastian Bach sowie geistlicher Musik von Johann Kuhnau und Claudio Monteverdi mit dem King’s Consort. Neben den Aufnahmen der Bach Cantata Pilgrimage mit Monteverdi Choir und English Baroque Soloists unter Sir John Eliot Gardiner sind auch Aufnahmen von Bachs Kantaten unter Ton Koopman und Masaaki Suzuki erschienen. Die großen Oratorien Händels wie Messiah, Joshua und Jephta sind ebenso wie zeitgenössische Werke wie The  Cloud of Unknowing von Francis Pott in seiner umfangreichen Diskographie zu  finden. CD-Einspielungen von Liedprogrammen reichen von Elisabethanischen  Lautenliedern When Laura smiles mit Matthew Wadsworth bis zu English Songs Oh Fair to See von Gerald Finzi. Seine Debüt-CD bei dem Label Linn Records On Wenlock Edge mit Werken von Vaughan  Williams, Warlock, Bliss & Gurney zusammen mit der Pianistin Anna Tilbrook und dem Fitzwilliam String Quartet wurde mit einer Nominierung bei den renommierten Classic FM Gramophone Awards ausgezeichnet. Die Liederzyklen Die schöne Müllerin,  Schwanengesang und Die Winterreise von Franz Schubert sind  kürzlich bei dem jungen Label Orchid Classics erschienen. Auf seinen CD’s finden sich auch Ersteinspielungen wie in Romantic Residues mit Werken von Roth, Britten, Skempton u.a. gemeinsam mit der Harfenistin Alison Nicholls oder die dahin weitgehend ungekannten Songs von Muriel Herbert. Als jüngste CD mit einem erstmals eingespielten Werk ist mit Earth, Sweet Earth von Kenneth Leighton zusammen mit Winter Words von Benjamin Britten eine von der Fachpresse hochgelobte Aufnahme erschienen. Darüber hinaus dokumentieren zahlreiche Rundfunkübertragungen seine künstlerische Arbeit.

http://www.jamesgilchrist.co.uk

http://www.hazardchase.co.uk/artists/james_gilchrist

http://www.bach-cantatas.com/Bio/Gilchrist-James.htm

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Pressestimmen

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[…] er ist zur Zeit unter den  lyrischen Tenören unübertroffen an Anmut und technischer Sicherheit ebenso wie  an musikalischen Intelligenz. […]
The Independent

Franz Schubert – Die Winterreise
[…] Gilchrist bevorzugt erwartungsgemäß die feinen expressiven Differenzen: Zwar kultiviert er mit seiner Klavierpartnerin Tilbrook einen durchaus romantisch umwehten Zugriff, doch lässt er etliche Erfahrungen und Qualitäten aus der Praxis der Alten Musik fruchtbar werden. […] Denn Gilchrist verfügt über eine durchaus interessante Schlagkraft, die er übrigens auch im älteren geistlichen Repertoire stets überzeugend zur Geltung zu bringen wusste, bei Schubert vielleicht noch um einen lyrisch-sehnenden Zug erweitert. Zugleich eröffnet dieses Potenzial Gilchrist die Möglichkeit, auf engem Raum Momente kontrastierender Schärfe und ausdrucksstarke Farbwechsel einzubringen. Das belebt die insgesamt fein gezeichnete Szenerie. […]
Klassik.com, Februar 2012
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Franz Schubert – Die Winterreise
[…] James Gilchrist scheint ganz ohne Deklamationstrickes auszukommen […] Einsätze wie aus dem Nichts, hinreißend zarte Spitzentöne und geradezu erstaunliches Atemvolumen […] Hier ist jemand am Werk, für den Lieder ein Ganzes sind […]
KulturSPIEGEL 2/2012, Seite 32/33
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Frank Martin- Der Sturm
[…] Aus dem übrigen Ensemble ragt James Gilchrist heraus, dessen Tenor als Antonio
mit vorbildlicher Artikulation ebenso lebendig wie exquisit diese Einspielung
bereichert. […]
Klassik.com, Oktober 2011
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Georg Friedrich Händel – Jephta
[…] Leider ist von den Solisten einzig James Gilchrists Interpretation von durchweg hervorragender sängerischer Qualität. Bei ihm befinden sich Textverständlichkeit, Ausdruck, Timbre und Tonsicherheit in perfekter Harmonie. Sein Gesang ist von klanglicher Schönheit und Expressivität. Wenn er an der Reihe ist, muss man sich keine Sorgen um die Musik machen.
Klassik.com, April 2011
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[…] Bei den Solisten war es als einzigem James Gilchrist (Evangelist, Tenor-Arien) vergönnt, auf weiter Skala alle Elemente des Chronisten, Kommentators und Mitleidenden zu gestalten, und er brachte seine gestalterischen Möglichkeiten dann auch zu bewegender Wirkung. […]
Kölner Stadt-Anzeiger, März 2010

[…] Und James Gilchrist ist ein Evangelist, wie man ihn kaum besser wünschen könnte: verlässlich und einfühlsam, ohnmächtig beobachtend und wütend kommentierend. […]
Mitteldeutsche Zeitung, September 2008

[…] Aus deren üppig besetzter Riege ragte womöglich der britische Tenor Games Gilchrist heraus – dank seiner unangestrengten Ausdrucksfülle, Stimmschönheit und allzeit stilgerechten darstellerischen Intensität […]
Kölner Stadt-Anzeiger, Juni 2008

R. Vaughan Williams: On Wenlock Edge
[…] Und dann sind da der Gesang und die Interpretation von James Gilchrist, der die Welten der vier Komponisten und ihrer Dichter mit größtem Engagement, größtmöglicher Inspiration und emotionaler Beteiligung erkundet und uns, wie gesagt, mit seinem Gesang in den Bann der Musik zieht. […]
Doch kommen wir noch einmal auf Gilchrist zu sprechen: Dieser Sänger hat etwas, was vielen anderen fehlt: Er hat einen sicheren Klanginstinkt und er kann seine Stimme extensiv dynamisch variieren. Er ist ein ganz exzellenter Sänger, der seine vielen Ausdrucksmittel, darunter ein sicheres Piano-Singen, eindrucksvoll einsetzt, immer im Dienste der Musik, immer sehr persönlich, immer sehr tiefschürfend
und unmittelbar ansprechend. […]
Pizzicato, November 2007
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[…] Eine exzellente Figur macht James Gilchrist als Evangelist – klar, akzentfrei, hoch emotional und trotzdem kontrolliert. Er vermittelt eine Vorstellung davon, wie man zu Bachs Zeiten Glaubensinhalte spannend und dabei dennoch vollkommen ernsthaft zu vermitteln wusste. […]
Rondo Magazin, Dezember 1999

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