Ein berührendes Abschieds-Konzert im Konzerthaus der HfM-Detmold am 28.5.2011 mit der h-Moll-Messe von Prof. Gerhard Weinberger

Liebe Bachfreunde!

Programmheft Abschiedskonzert 28. Mai 2011 Prof. Weinberger HfM Detmold

Ein großer Bach-Interpret als Organist und Dirigent: „Professor Gerhard Weinberger“ verabschiedete sich am Samstag, 28. Mai 2011, mit einem berührenden Vokal-Konzertabend im Konzerthaus der HfM Detmold mit der h-Moll-Messe, BWV 232, von Johann Sebastian Bach.

Als Vorab-Information war in der Zeitung: LT in Detmold folgendes veröffentlicht worden:

Ein 28 Jahre langer Spagat über 600 Kilometer geht zu  Ende. Mit Applaus? Bestimmt. Vor allem aber mit großer Musik. Gerhard  Weinberger dirigiert in seinem Abschiedskonzert Bachs h-Moll-Messe.

Seit 1983 ist Gerhard Weinberger Professor für Orgel und Leiter der Abteilung Kirchenmusik an der Detmolder Hochschule für Musik – jetzt geht er in den Ruhestand. Seit 28 Jahren pendelt er zwischen Detmold und München, wo er seinen Wohnsitz behalten hat. Eine anstrengende Übung, klar – andererseits hält so ein Spagat ja auch beweglich. „Ich habe das immer als künstlerisch und menschlich bereichernd empfunden“, sagt Weinberger. 

Johann Sebastian Bach ist eine zentrale Größe im Leben des Organisten. „Für mich sind Bachs Kompositionen das Non plus ultra“, da stimmt jede Note. Seine Musik hat Größe, Drive, Innigkeit, Virtuosität“, schwärmt Gerhard Weinberger. „Gerade die h-Moll-Messe ist so ein wahnsinniges Stück.“

Konzerthaus HfM Detmold

Bereits eine halbe Stunde vor Konzert-Beginn waren die Parkplätze vor dem Konzerthaus der HfM Detmold fast vollständig belegt und galt als ein Hinweis, dass sich an diesem Abend etwas Grossartiges ereignen wird. Überragend der Zuspruch an jungen Besucher-Gruppen sowie viele Honoratioren waren in den Gängen auszumachen, die bei diesem 1. Weinberger Verabschiedungs-Konzert unbedingt ihre Referenz erweisen wollten.

Barock-Orchester und Vokal-Chor HfM Detmold

Der Besucher-Zuspuch war überragend und das Konzerthaus war fast vollständig ausverkauft. Bemerkenswert was @Wolfgang und mir sofort auffiel, das jugendliche Studenten-Barock-Orchester und der junge studentische Vokal-Chor, wann gibt es das einmal zu bestaunen. Die Einstudierung für das Studenten-Barock-Orchester lag in den Händen von der Dozentin an der HfM Detmold: Ulrike-Anima Mathé und für den Studenten-Vokal-Chor bei „Benno Schachtner“ einem ehemaligen Schüler von Prof. Gerhard Weinberger und seit 2007 sein Assistent. Benno Schachtner fungierte in dem Konzert als Gesangs-Solist in den Alt-Partien als „Altus.“

Von links die Gesangs-Solisten: Klaus Mertens (Bass) Sebastian Kohlhepp (Tenor) Benno Schachtner (Altus) Catalina Bertucci (Sopran)

Das Barock-Orchester spielte teilweise mit historischen Instrumenten und fungierte sehr selbstsicher und in einer gekonnten Interpretation des Bach’schen Werkes und wusste in ihrer barocken Klangpracht sehr zu gefallen. Der junge 39-köpfige Vokal-Chor (Studenten/innen für Sologesang) bestach durch ein stimmlich profundes Singen und war ein erhebender Genuss, diese frische Gesangs-Kunst war eine Offenbarung und entpuppte sich für die h-Moll-Messe als eine ideale Besetzung. Hierzu prägnant  die akustischen Möglichkeiten im Konzerthaus der HfM Detmold – (*Wellenfeld-Synthese, Bildung von virtueller Klangräume) – war optimal und ein beeindruckendes Erlebnis, ein kleiner Nachhall am Ende eines Satzes war unverkennbar zu bemerken. Die Gesangs-Solisten reihten sich prächtig in den großartigen Konzertabend mit ein und machten dieses 1. Abschieds-Konzert von Prof. Weinberger zu einem bezaubernden Konzert-Erlebnis für OWL (Ostwestfalen-Lippe).  Nicht endend wollender Applaus bezeugt davon, dass es eine überragende Aufführung gewesen war, die von dieser jungen Studenten-Riege so überzeugend dargeboten wurde, es war ein pures Hörvergnügen und hoffe, dass das Konzert mitgeschnitten wurde und als ein Meilenstein in der Aufführungsgeschichte der HfM Detmold auf einer CD als ein Nachklang erhalten und angeboten wird.

Mit Bedauern nimmt der Protagonist Abschied von einem großartigen Bach-Interpreten, der so schnell nicht zu ersetzten sein wird. Prof. Weinberger ist bekannt als ein bekennender Bach-Interpret und wusste durch seine Konzerte in Höxter (Closter Corveyer-Musikwochen) und in Detmold immer zu überzeugen. Weinberger setzte in seinem Bereich mit der Alten Musik Akzente und gründete 2003 an der HfM Detmold mit der Professorin: Ulrike-Anima Mathé die Barockakademie  um den Studenten eine Möglichkeit zu schaffen, die Erarbeitung der Alten Werke  in einer historisch orientierten und fundierten Aufführungspraxis kennen zu lernen die für die berufsbezogenen Zukunft des Studierenden von unschätzbaren Wert ist. Geprobt wird immer projektbezogen für zwei oder drei Konzerte im Jahr.  Prof. Mathé zuständig für das Instrumentalsolisten-Ensemble und Prof. Weinberger mit der Leitung des Vokalsolisten-Ensembles betraut ergänzten sich in harmonischer und überzeugender Weise.

Verabschiedungs-Konzert HfM Detmold Prof. Gerhard Weinberger

Wehmut komm auf, dass dieser großartige Bach-Kenner als Organist und Dirigent uns für immer verlässt, was wird uns in Zukunft für ein Nachfolger präsentiert, ich kann nur inständig hoffen, dass es ebenfalls ein Barock-Bach-Bekennender sein wird und die begonnene Arbeit im Sinne von Prof. Weinberger an der hiesigen HfM fortsetzen wird…!!

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*) Anmerkung zur Wellenfeldsynthese im Konzerthaus der HfM Detmold:

Das System umfasst 360 unabhängige Lautsprecherkanäle verteilt auf ein durchgehendes Lautsprecherarray rund um das Publikum (500 Plätze) sowie Deckenlautsprecher. Da der Saal für ein breites Repertoire genutzt wird (Kammermusik, Orchesterbesetzungen, zeitgenössische Musik, Big Band etc.) kann das System auch eine variable Raumakustik zur Verfügung stellen.

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Zur Biographie von Prof. Gerhard Weinberger

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7 Gedanken zu „Ein berührendes Abschieds-Konzert im Konzerthaus der HfM-Detmold am 28.5.2011 mit der h-Moll-Messe von Prof. Gerhard Weinberger

  1. Claudia

    Hallo Volker, hallo Wolli, habe ja schon mit Spannung euren Bericht erwartet. Es tritt ja nicht nur ein großer Bach-Interpret in den Ruhestand, sondern auch ein sympatischer Musiker. Hat er euch denn interpretatorisch mit einigen Sichtweisen überrascht? Wenn wir nicht in Stuttgart gewesen wären, wäre ich auch gekommen.
    Als nächstes freue ich mich erst mal auf euch am 11.
    Claudia

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  2. adamo

    Lieber Volker!
    Liebe Bach-FreundINNEN!

    Danke für den ausführlichen Bericht über die Detmolder Aufführung der H-Moll-Messe, mit der der langjährige und bewährte Musik-Professor Gerhard Weinberger, Abschied von seiner Hochschule, den Studenten, Schülern und Kollegen und letztlich auch von der Musikszene OWL nahm.

    Es war beindruckend, mit wieviel Spannkraft und deutlichem Einsatz Prof.Weinberger die ca. 2 1/2 stündige Aufführung leitete.

    Ein solches ‚geballtes Live-Ereignis‘ hatte mich alles vergessen lassen, was ich an CD-Produktionen der H-Moll-Messe im Regal stehen habe.

    Natürlich wußte ich davon, daß der Unisono-Einsatz des Kyrie überwältigend ist-, genauso wie mir der Übergang vom pp des ‚passus et sepultus est'(Nr.17) zum ff des ‚Et resurrexit'(Nr.18) von der Musik-Konserve her vertraut ist. Auch das der letzte Chor des ‚Dono nobis pacem'(Nr.27) wie ‚aus einem Weihrauchfass aufsteigend‘ eine flehentliche, doch großartige Bitte zum Abschluß ist. Doch an diesem Detmolder Abend kam das alles noch treffender rüber, weil eben der besondere Augenblick des Abschieds eines Langbewährten da war. Dieser Abschied kombinierte sich aber mit den Früchten seiner Lehrtätigkeit in Ausbildung und Forschung. Da war zunächst der jugendliche Chor, die Besten ihres Faches im professioinellen Gesangsstudium, die in den Betonungen und Phrasierungen alles haargenau umsetzten, was sie sich in den Proben erarbeitet hatten und jetzt in der Aufführung erwartet wurde. Da war das von Prof.Weinberger geführte und längst in OWL arrivierte Barockorchester der HfM. Auch das souveräne Solisten-Quartett, das von dem Bariton Klaus Mertens nobel angeführt wurde. Dies alles entwickelte sich als einmaliges Klangerlebnis im holzgetäfelten Detmolder Konzert-Haus, das mit seiner raffinierten Technik (Wellenfeld-Synthese)in der Tonmeister-Ausbildung, die auch in Detmold angeboten wird, führend ist.

    So war dies für mich ein besonderer Abend, den ich mit Volker zusammen genießen durfte.

    Gruß

    @Wolfgang

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  3. barbara57

    Lieber Volker,
    Du schilderst einen beeindruckenden Abend. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie Musik berühren kann. Vor allen, wenn man, wie Du sicher an diesem Abend, schon emotional bewegt zu einem Konzert hingeht. Dann kommt solch eine großartige Musik wie Bachs h-moll-Messe, dazu Interpreten, die wirklich den Sinn dieser Musik erfassen, und dann passiert wieder einmal dieses Unglaubliche, nämlich, dass diese Musik einen ganz erfüllt und ausfüllt. Es scheint, dies war so ein Abend für Dich und er hinterlässt in Dir hoffentlich ein ganz großes Gefühl der Dankbarkeit für die musikalischen Höhenflüge, die Du dank Gerhard Weinberger erleben durftest. Liebe Grüße
    Barbara

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  4. Volker Autor

    Ihr lieben Bach-Liebhaber!

    Ich bin überwältigt von der spontanen Kommentar-Flut zu diesem Bach-Higlight in Detmold. Ja, es war ein unvergesslicher Abend und hinterliess bei mir sehr große Emotionen. Ich habe es so eindrücklich schon formuliert gehabt, dass wir einen lieben und großartigen Bach-Interpreten in OWL verlieren werden der so liebenswürdig einem im Gespräch als eine Selbstverständlichkeit Auskunft erteilt und für ein Foto immer zur Verfügung steht. Das macht seine Größe aus und bin dafür sehr sehr dankbar, diesen fantastischen Menschen und Künstler in meinem Leben mehrmals begegnet zu sein und seine zahlreichen Konzerte in OWL und beim Bachfest in Mühlausen sehr genossen habe.

    @Wolfgang hat auf die Anfrage von @Claudia sehr schön geantwortet und kann das nur vollends unterstreichen. Mir ist es ebenso ergangen und habe mich immer wieder gewundert, wie verschiedenartig die Interpreten die h-Moll-Messe aufführen. Hier ist mir Gerhard Weinberger als Interpret an diesem Abend besonders stark aufgefallen, wie nuanciert er Akzente zu setzen weiss, was ich bei Gardiner in dieser Art noch nicht gehört habe. Da trennen sich Welten, Gardiner mit seiner forschen und dynamischen Art gefällt mir sehr… aber in einer ganz ruhigeren und unaufgeregten Art interpretiert Gerhard Weinberger diese großartige Messe mit einem jungen Barockorchester und seinen jungen Vokalsängern die mit ganzem Herzen und voller Freude dabei sind und ein großartiges Musizieren und Können beweisen.

    Da wird mir im Gegensatz zu Gerhard Weinberger beim Monteverdi Choir manchmal alles zu profihaft vorgetragen, sie sind wirkliche großartige Könner und ich mag diese Form ebenfalls, aber das vom inneren Herzen aus Singen vermisse ich doch ein wenig das bietet so spektakulär die junge Schar von der HfM Detmold. Diesen Abend mit @Wolfgang werde ich nie vergessen, das war für mich eine Lehrstunde, wie eine h-Moll-Messe ebenfalls erklingen kann und das ist das wunderbare an Bach seiner Musik, jede Interpretation hat seine Daseinsberechtigung und kann die Mithörer mitnehmen und in eine Schwerelosigkeit der Einmaligkeit versetzten und das geschah mit mir so unvergleichlich an diesem Abend.

    Ich wünsche allen einen schönen Himmelfahrts-Sonntag.
    Liebe Grüße
    Volker

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  5. Volker Autor

    Liebe Barbara,

    ich danke dir, wieder eine fantastische Fassung als Biographie über Benno Schachtner, das passt sehr gut zu dem besuchten Konzert in Detmold.
    Lieben Gruß
    Volker

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    Antwort

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