G.F. Händel Messias- Adaptionen von Bernd Wefelmeyer

Post von @Luise vom 21.1.2011

DVD Händel-Adaption Messias Prof. Bernd Wefelmeyer

(Von @Luise gestellte Anfrage unter Herreweghe-Kommentare von @Claudia’s Bericht aus der Philharmonie-Essen, Matthäus-Passion)

Liebe Fangemeinde,

Von Zeit zu Zeit „wildere ich aber auch in anderen Gärten“, habe momentan den Messias von Händel am Wickel. Bei der Suche nach verschiedenen Aufführungen über DVD stieß ich auf Messias- Adaptionen von Bernd Wefelmeyer. Nach einem kurzen Schock bin ich so etwas von begeistert. Da mir in meiner unmittelbaren Umgebung ein Gedankenaustausch fehlt, würde mich interessieren, ob das jemand kennt und vielleicht einmal seine Gedanken dazu mitteilen würde.

Viele Grüße
Luise

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P.S. Eine Anmerkung dazu von @Volker:

Auf  YouTube habe ich einen Filmausschnitt dazu entdeckt und stelle dieses Video hier mit ein..!! Ein Mitschnitt von der Aufführung aus der Magdeburger Pfarrkirche St. Petri vom 03.10.2001.

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7 Gedanken zu „G.F. Händel Messias- Adaptionen von Bernd Wefelmeyer

  1. upeuker

    Ich kenne diese Variante nicht.
    Generell ist gegen eine Interpretation (im weitesten Sinne) klassischer Werke mit modernen musikalischen Mitteln nichts einzuwenden, im Gegenteil. Das ist schon immer auch eine Tradition in der Geschichte der Musik und es gibt aus Vergangenheit und Gegenwart viele gelungene Beispiele.

    In diesem Fall gefällt mir persönlich diese Adaption nicht so besonders, nach dem was ich in den Videoausschnitten gesehen habe.
    Der Grund: Aus meiner Sicht ist hier die Musik die in ihrer Komplexität doch eigentlich sehr einfach ist zu weit in den Hintergrund gedrängt und die Interpretation ist mir zu „schmalzig“ (mir fällt kein besseres Wort ein) und schlagerhaft, zu sehr auf Effekt getrimmt, was das Händelsche Original in meinen Augen nicht nötig hat.

    Aber das ist wie gesagt meine persönliche Ansicht!

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  2. Volker Autor

    Hallo Luise,

    erst einmal Danke für deine Anfrage zu der Händel-Messias-Adaption!

    Ich kannte diese neuartige und moderne Händel-Messias-Adaption nicht und musste mich dazu im Internet einmal umsehen. Ich gehe davon aus, dass anderen es genau so ergeht und möchte zur Erhellung dazu etwas Näheres hier anführen:

    Prof. Bernd Wefelmeyer hat mit „a child is born“ den Messias wieder aufgegriffen und popsinfonisch neu bearbeitet. Eine Musik, die nicht nur in die Ohren geht, sondern auch in die Herzen des Publikums dringen kann.

    Georg Friedrich Händels 1742 uraufgeführtes Oratorium „Der Messias“ wurde in einem völlig neuen Arrangement von Bernd Wefelmeyer verfasst. In dessen zeitgemäßen „Sinfonische Adaptionen“ wird die dramatische Gestaltung des Originals ausgebaut sowie die klassischen musikalischen Motive durch Impulse der Popmusik bereichert und zu einer neuartigen Komposition verschmolzen.

    Seit der erfolgreichen Premiere am 10.11.1989 im Palast der Republik in Berlin erlebt das Werk bereits 33 Konzerte in 15 Städten, u.a. in der Magdeburger Pfarrkirche St. Petri, wo das vorliegende Konzert mitgeschnitten wurde. Die bekannten Interpreten Anke Lautenbach, Eva Maria Pieckert und Mike Kilian fungieren als Solisten. Diese werden unterstützt von den Stouxingers, der Köstritzer Jazzband und dem Symphonic Sound Orchestra.

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    Wie @upeuker, im vorangegangenem Kommentar schon anmerkte, ist diese Fassung für einen Klassik-Barock-Hörer s e h r gewöhnungsbedürftig und wird sicherlich die Popmusik-Generation mehr ansprechen als den Klassikfreund, der den geistigen und tiefen Ursprung der Händel-Komposition in der Barockmusik den Vorzug geben wird. Das ist mir alles zu seicht und volkstümlich neu interpretiert worden. Ich bin kein großer Pop- Gospelmusik-Freund und kann mich nur unschwer dieser Musikgattung anschließen. Das ist meine subjektive Meinung dazu und kann nicht verallgemeinert werden, Die Popfreunde werden wahrscheinlich voll auf ihre Kosten kommen und diese Adaption sehr mögen.

    Ein Beispiel persönlich erlebt:
    Im vergangenen Jahr besuchte ich mit Blog-Freunden das Weihnachtsoratorium in der Fassung von Bill Dobbins mit der WDR Big-Band Köln und den King’s Singers in Oeynhausen-OWL. Das war ein feurig fetziges Rock- Gospelkonzert allererster Qualität.

    In meiner Rezension führte ich dazu aus:
    Wenn der erste Schock der Trommel-Eröffnung von „Jauchzet frolocket“ verklungen ist, findet sich ein Bach-Klassik-Freund in dieser andersartig gelagerten Musikwelt sich nicht unbedingt sofort zurecht, dass ist Jazz-Rock-Latin-Music und Gospel in einem vereint und hat mit der Urform einer Barockwiedergabe nichts mehr gemein. Meines Erachtens ist hier mehr der Spaß an dem Dargebotenen zu sehen, die Gesichter der Besucher spiegeln das wieder, wie sie diese neue Version eines alten WO-Favoriten hören, starren mit weit geöffneten Augen auf das Geschehen und lächeln süffisant sich gegenseitig aufmunternd zu….!!

    So würde es mir genauso ergehen, wenn ich eine „Händel – Messias-Adabtion“ mir anhören würde, alles nett in Rock-Gospelmanier arrangiert und anhörbar – aber – mein Favorit ganz klar:
    Urfassung: G.F. Händel Messias in 1741 komponiert..!!

    Wer diese moderne Art der Messias-Wiedergabe mag, wird sicherlich voll auf seine Kosten kommen und wäre wahrscheinlich nicht abgeneigt, sich als neuer Klassikhörer die Urfassung einmal anzuhören und das wäre eine tolle Werbung für neue junge Besuchergruppen – und ich hoffe inständig, dass dem so ist das wär’s dann doch, die Jugend an die Klassik heranzuführen!!

    Grüße Volker

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  3. Claudia

    Hallo Volker, ich bin ja für alles offen, aber das wird die Jugend sicher nicht ansprechen. Auf mich wirkt das ganze wie eine Hybride aus Rondo Veneziano, Andre Rieu und dem zusammengekratzten Schmalz aus Tränendrüsen-reizenden Weihnachtsplatten. Es ist wichtig, dass die alten Meister auch mal einen anderen Anstrich bekommen und wenn es nur dazu dient, die „Originale“ noch mehr zu schätzen.
    Trotzdem interessanter Bericht mit Zündstoff-Potenzial.
    Claudia

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    1. adamo

      Liebe Luise, Claudia, Volker und @upeuker!

      Da schlummerte doch in meinem Keller noch eine Kassette ‚handel’s youngh messiah‘
      und von Bach’s Johannes-Passion gab’s meiner Erinnerung nach auch so eine Adaption. Laut cover produced in Nashville Tennesse, leider ohne Jahr, conductor Larry White. Baptist Virginia Choir, Norfolk.

      Ich hatte mir die Kassette mal zugelegt, um sie in der Schule und anderen Unterrichszwecken mal vorzuspielen.

      Das ganze ist auch von einem atemlosen,forschen Sound getragen, musikalisch nicht langweilig und sollte wohl auch eine Botschaft von unserrem ’savior‘ rüberbringen.

      Na ja-, damals in den 70 er Jahren wollte ich als Religionslehrer aufgeschlossen sein und wer weiß, vielleicht hat es den Schüler (12-15 Jahre) ja zu was hingeführt.
      Um solche Kassetten heute nochmal wenigstens teilweise zu hören, muß ich schon den richtigen ‚drive‘ in mir spüren und der sollte ja unabhängig von Alter oder klassischer Bildung immer in uns spürbar sein.

      Wir hatte in unserem blog schon öfters festgestellt, dass gerade die barocken Komponisten sich für solche Aktualisierungen eigen.

      Schlimmer finde ich, wenn Mönchsgesänge der liturgischen Traditionen (Antiphonen und Psalmtöne) in einer pseudo-religiösen Weise von pop-Gruppen beschlagnahmt werden und diese als ’sakrales Geheimnis‘ eine diffuse Religiösität transportieren.

      Auch aus anderen Gebieten heutiger Medienwirklichkeit, B.die faustdicken Wälzer mit Erlösungsstoffen, die in leider dominierenden Buchhandlungs-Ketten über die Hälfte der Büchertische einnehmen, kennen wir das ja.

      Gruß

      QWolfgang

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  4. upeuker

    Wie gesagt, ich habe nichts gegen „Modernisierungen“ einzuwenden. Aber diese finde ich persönlich in ihrer Art nicht gelungen, weil ich das Gefühl habe, der Effekt steht im Vordergrund.
    Auch die Präsentation von Mönchsgesängen als POP-Musik würde ich nicht per se ablehnen. In meinen Augen tritt die Frage der Religiositat in den Hintergrund, das ist für nich eher ein Mitschwimmmen im allgemeinen Trend von Mittelalter-Renaissance in unserer Zeit. Warum das so ist und warum die Esoterik ihren Platz einnimmt (ist der wirklich sio bedeutsam ?) könnte man auch diskutieren, ist aber glaube ich, etwas am Thema hier vorbei.

    Uwe

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  5. Luise

    Lieber Volker,
    lieber upeuker, liebe Claudia, lieber Wolfgang,

    euere Meinungen zu meiner Frage habe ich mit größtem Interesse gelesen, und ich danke euch für die vielen Ideen zu dem Thema „Adaptionen“. Danach habe ich diese mit eueren Gesichtspunkten im Hinterkopf wieder angehört, und ich kann diese Art der Interpretation besser einordnen.
    Ich stelle aber auch fest, daß ein Blick in das You Tube-Video von ein paar Minuten zur Beurteilung vielleicht auch nicht ganz ausreicht.

    Volker, dir danke ich besonders, was du ergänzend zu meiner Frage noch eingestellt hast!

    Mich fasziniert nach wie vor, daß bei der Darbietung auch mal Emotionen, Musizierfreude und Freude an der textlichen Botschaft gezeigt werden, eben als eine andere Möglichkeit. Dies geschieht meines Erachtens mit großer Professionalität und ich denke, daß Bernd Wefelmeyer ein starkes Ensemble gefunden hat, um seine Vorstellungen umzusetzen.

    Bei dem Stichwort „Rondo Veneziano“ bin ich schon etwas zusammengezuckt. Ich muß zugeben, darauf kann man stellenweise kommen. Vielleicht liegt das grundsätzlich an der gewissen Beschwingtheit Händelscher Musik, und daß R. V. auch diese Musik bearbeitet hat, wir das noch im Ohr haben.

    Ich habe einen für mich tröstlichenn Vergleich gefunden: Ich habe ein hundertjähriges Klavier und seit graumer Zeit auch noch ein Digital-Klavier. An letzterem habe ich je nach dem meine absolute Freude, was das alles kann mit seinen neuen technischen Möglichkeiten. Aber umso mehr schätze ich dann mein altes Klavier, und würde es um keinen Preis der Welt tauschen.
    Nach meinem Hör-Exkurs zu den Adaptionen war ich auch gespannt, wie sich die Aufführung im klassischen Sinne wieder anhört. Das war für mich ein spannender Moment. Schon nach den ersten Tönen fühlte ich mich wie „nach Hause gekommen“.
    Ein „Spaziergang“ hin und wieder ist aber auch ganz erfrischend, wie auch euere Diskussion dazu.

    Favorit bleibt natürlich für mich auch der Messias von 1741, wie du, lieber Volker, eindeutig feststellst.

    Also danke nochmals und herzliche Grüße
    Luise

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  6. Volker Autor

    Liebe Luise,

    jeder Musik-Freund hat seine persönliche Sichtweise zu den klassischen Werken und die entsprechenden Adaptionen dazu. Ich verhehle nicht, dass mir moderne Arrangements absolut gefallen können. Wie ich in meinem neuesten Beitrag angemerkt hatte, gefiel mir die moderne a-capella-Chormusik des norwegischen Komponisten Knut Nystedt sehr gut, zumal es von einem hervorragenden Chor gesungen wurde und ich live dabei sein konnte. Wenn ich dieses Stück mir im Radio angehört hätte, weiß ich nicht, wie ich dann reagiert hätte.

    Ich finde es immer wieder spannend, Neuland betreten zu können und einmal eine andere Sichtweise im neuzeitlichen Musikgeschehen bekommen zu können. Deshalb kann ich jedem nur empfehlen, sich mit modernen Arrangements auseinander zu setzten. Die Musik ist heute so vielfältig geworden und das ist das Schöne, so etwas miterleben zu können.

    Ob eine Adabtion eines alten Werkes auch mit dem geistlichen Inhalt einem gefällt, muss jeder für sich ausmachen, eine Verurteilung oder Zerriss würde ich nie anstellen, dafür sind die Empfindungen und subjektive Meinungen des Einzelnen maßgebend und nicht die der Masse..!!

    Liebe Grüße Volker

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