RUHR2010 Teil XXX: Volkers Klassikseiten im Ruhrpott!

Auf diesen Tag hatte ich mich schon so lange gefreut: Rita und Volker, Ulrike und Werner, Iris und Karl-Heinz, Italo-Wolle und ich haben vorgestern, 21.11.2010 bei bestem Wetter das Ruhrgebiet unsicher gemacht!

Edouard Manet "Die Eisenbahn"

Getroffen haben wir uns am Museum Folkwang, wo seit Oktober 2010 die Ausstellung „die Impressionisten in Paris“ stattfindet. Mit einer öffentlichen Führung haben wir uns in die große Expansionsperiode der französischen Metropole Ende des 19. Jahrhunderts begeben. Von Van Gogh, Gauguin, Renoir, Manet, Caillebotte und Monet sind alle vertreten. Die Ausstellung war thematisch in sich sehr geschlossen und wurde neben den Malereien mit Fotographien aus der Zeit von Napoléon III. und seinem Architekten Haussmann abgerundet. Die Ausstellung ist noch bis zum 30.01.2011 in Essen zu sehen. www.museum-folkwang.de

St. Ludgerus Essen-Werden (Foto: WernerK)

Weiter gehts nach Essen Werden, zur Basilika St. Ludgerus. 799 von Luitger als Benediktinerabtei gegründet war sie ein Christianisierungsstützpunkt unter Karl dem Großen. Nach der Zerstörung der Kirche durch einen Brand wurde der neue Bau 1275 im Übergangsstil von der Romanik zur Gotik geweiht. Architektonischer Höhepunkt ist der achteckige Vierungsturm dessen Kuppelgewölbe zu den Höhepunkten der rheinischen Baukunst gehört. In der Confessio, der Ringkrypta und ältestem Teil der Kirche befindet sich das Ludgerusgrab. Der bronzene Sarkopharg stammt aus dem Jahre 1984. www.st.ludgerus-werden.de

Hochofen Henrichshütte (Foto: VolkerH)

Mittagessen auf der Henrichshütte in Hattingen in der Gastronomie „Henrich´s“, ein modern eingerichtetes Restaurant in der architektonischen Synthese mit der Industriekultur. Der Kampf der Henrichshütte endete 1987, als der Hochofen gegen großen Widerstand ausblasen wurde. 150 Jahre spuckte er das flüssige Eisen aus und in Hochzeiten arbeiteten bis zu 10.000 Menschen auf der Henrichshütte. Unter teilweise schwierigen Bedingungen verdienten die Menschen dort ihren Lebensunterhalt. Die archaische, riesige Brache der Schwerindustrie macht erlebbar, „wodurch unser Wohlstand erschaffen wurde“ (Kalla). http://www.lwl.org/LWL/Kultur/wim/portal/S/hattingen/ort/

spätnachmittägliche Impressionen auf der Henrichshütte (Foto: WernerK)

Unser letzter Programmpunkt und gleichzeitiger Höhepunkt ist die Dorfkirche Stiepel in BO. 900 erstmals urkundlich im Güterverzeichnis des Klosters Werden als Villa Stipula erwähnt, wird 1008 mit Zustimmung des Kölner Erzbischofs Heribert die Erlaubnis für den Bau einer Hofkirche erteilt. Mit ihren fast 800 Jahren alten Malereien aus der Frühzeit der Kirche ist sie ein Kulturdenkmal von überregionaler Bedeutung (ich berichtete bereits auf Volkers Klassikseiten). Um 18.00 Uhr findet heute dort die Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ BWV 140 im Rahmen der „Momente der Ewigkeit“ (Ruhrpott-Kantate) statt. Vorher konnte noch Kaffee und Kuchen auf dem Adventsbasar eingenommen werden. www.evkirchebochum.de/stiepel

Dorfkirche Bo-Stiepel (Foto: VolkerH)

Sopran: Ulrike Hellermann, Alt: Katharina Wagner, Tenor: Stefan Kuhlich, Bass: Peter Lutz

Barockorchester Caterva musica, Leitung und Orgel: Kantor Michael Goede, Liturgie und Ansprache: Pfarrer Jürgen Stasing

„Wachet auf ruft uns die Stimme“ wurde am 25.11.1731 in Leipzig uraufgeführt. Zugrunde liegt Philipp Nicolais Gedicht, mit der populären Melodie gregorianischen Ursprungs. Sie handelt von dem Gleichnis der 10 Jungfrauen, die sich auf die Ankunft des Bräutigams vorbereiten. In ihrer ganzen Stimmung lassen Bach, Nicolai und ein anonymer Textdichter nun die grimmigen Texte und Sündenvorwürfe der Trinitatiszeit hinter sich und orientieren sich in ihrem festlichen Charakter eindeutig in Richtung der Adventszeit.

Nervosität kommt auf, wo ist der Chor? Herr Goede hat sich tatsächlich für eine solistische Besetzung entschieden, was zum intimen Rahmen des Konzerts aber gut passt. Akustisch ist dies jedoch nicht so glücklich gewählt gewesen: Sopran und Alt haben partiell sehr tiefe Partien, so dass sie nur wahrgenommen werden, wenn es in die höheren Bereiche geht. Tenor und Bass haben es etwas leichter, sie haben auch die interessanteren Parts, verkörpern sie doch die ungeduldigen Seelen, die auf den Bräutigam warten. Höhepunkt der Aufführung ist das etwas erotisch angehauchte Duett zwischen Bass und Sopran „Mein Freund ist mein-und ich bin Dein“, unterstrichen von den vielsagenden Blicken der Ausführenden.

Wenn auch Geige und Bratsche nicht richtig stimmten, die Oboe manchmal nicht flüssig durchlief und die solistische Besetzung nicht durchweg meine Zustimmung fand, war es dennoch eine stimmungsvolle, auf den Advent einstimmende Kantate, die durch die phantastische Atmosphäre eine würdige Abrundung fand. Wie Kalla meinte: „In so einer Kirche brauchst Du nicht zu predigen“

Schlussapplaus

Es war ein wunderschöner, erlebnisreicher Tag mit Euch! Danke auch für die super-Fotos! Gruß, Claudia

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3 Gedanken zu „RUHR2010 Teil XXX: Volkers Klassikseiten im Ruhrpott!

  1. Volker

    Danke Claudia für deinen eindrücklichen Bericht über unser Blog-Treffen in der Kulturhauptstadt Essen2010 und Ruhrgebiet2010. Es waren sehr eindrückliche Stunden und wurden gewahr, wie schön die Ruhrmetropole bei Sonnenschein sein kann. Beeindruckend unsere Fahrt durch die Villen-Gegend von Essen Richtung Velbert-Hattingen, kein Flachland, sondern hügelige Landschaften mit dem schönen Ruhrtal, ich habe das sehr genossen.

    Bewundert habe ich das Museum Folkwang, wohl dem, der so einen Kunstmäzen besitzt und diesen prächtigen Bau stiften und mit Inhalt bauen kann. Das waren eindrückliche Bilder der „Impressionisten in Paris“ und bekamen den entsprechenden Anschaungs-Untericht während der einstündigen Führung vermittelt. Das hat Spaß gemacht und die Zeit ging viel zu schnell dem Ende entgegen.

    Befremdent wirkte auf mich die Henrichshütte in Hattingen, ich kannte es noch als ein pulsierendes Stahl-Werk in meinen 70er-Dienstjahren und nun dass, vor sich hinrostende Arbeitsgegenstände aus der Vergangenheit stimmten mich ein wenig traurig darüber, was mit einer still gelegten Industriefläche dann passieren kann. Erfreulich das von dir im Beitrag bereits erwähnte Restaurant Hinrich’s – in einer ehemaligen Werkhalle der Henrichshütte modern und einladend eingerichtet, hier haben wir schöne Stunden im Gespräch und Fachsimpeln erleben können.

    Das Highlight erlebten wir anschließend in der Dorfkirche Stiepel mit der Bach-Kantate „Wachet auf ruft uns die Stimme.“ Schon beeindruckend diese Urkirche aus den 1000-er Jahren erbaut, klein aber oho, mit einer intimen Atmosphäre die uns sofort angenehm auffiel. Der solistische Chor war zwar gewöhnungsbedürftig, aber die heraushörbaren Einzelstimmen haben mich doch begeistert, wie schnell gehen diese Feinheiten bei einem großen Chor verloren, hier waren sie präsent und gut zu vernehmen, das habe ich sehr genossen. Der Satz 6 der Kantate mit dem Duett für Sopran und Bass: „Mein Freund ist mein“ gelang den Solisten topp, das war ein inniger Gesangsvortrag, der mich sehr berührt und begeistert hat.

    Dir @Claudia, sage ich an dieser Stelle noch einmal meinen herzlichen Dank für das wunderbar zusammengestellte Programm und die tollen Kultur-Stunden, die wir miteinander erleben durften.
    Ich rufe aus:
    „Da capo“ 2011 in Ostwestfalen für den Ruhrpott und das Münsterland,
    hier begeben wir uns auf die Spuren des „Bückeburger Bach“ und können uns entsprechend revanchieren für die genossenen Kulturstunden im Ruhrgebiet2010.

    Grüße Volker

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  2. Claudia

    Lieber Volker, es war ein Tag wie aus dem Bilderbuch, bestes Wetter, nette Leute, musikalische Gespräche, eine Kantate, Kultur, Kunst und Geschichte. Gefallen hat mir auch, wie unkompliziert wir alles in der kirche mit Kaffee, Kuchen und Plätzefreihalten organisiert haben. Danke für´s Kommen!
    Ich freue mich schon auf OWL!
    Claudia

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  3. adamo

    Liebe Claudia! Liebe FreudeINNEN!

    Auch ich denke gerne an diesen Tag zurück. Ich kam ja erst spät 10.45 Uhr im Museum Folkwang an-, ich bin zwar den ‚blauen Steinen‘ (=Kulturpfad) treu nachgegangen, habe sie aber dann in den Hauptverkehrtstraßen verloren-, aber das Museum liegt ja auf der Berkuppe und strahlte mich von Weitem schon an.

    Nett war es-, Euch alle wiedezusehen! Die Führerin hat uns durch interessante Einsichten und Durchsichten fast bis unter das Eisengeflecht des noch im Bau befindlichen Tour Eiffel geführt. Köstlich war auch der Maler-Impressionist, der den Beschauer als unsichtbaren Hundesbesitzer quasi ‚in die Luft‘ malt, in dem er ihn an das Ende einer Hundeleine stellt.

    Die romanische Kirche in ….. ließ mich erstaunen, ob der glorreichen christlichen Vergangenheit der Region um Essen. Später am Abend sollte dann zu diesem großartigen Kirchenbau aus der Zeit Karls des Großen mit der intimenen Dorfkirche von Stiepel ein Kontrapunkt gesetzt werden.

    Mit Werner und Ulrike sind wir drei als Nachzügler dann bei herrlichstem Sonmnenschein in Richtung Baldeney-See gefahren, ließen Euch ob einer Postleitzahlen-Verwirrung am festlichen Esstisch warten. Schön-, dass ihr Geduld mit uns hattet. Dafür durftet ihr von oben durch geschmackvolle Glasfenster einen langen Blick in eine längst vergangene Arbeitswelt werfen.

    Der gemeinsame Rundgang durch die Eisenerz-Hütte lies uns etwas von den Entbehrungen erahnen, denen die Kumpels im 19.Jh ausgestzt waren.

    Rechtzeitig zum Basar kamen wir in Stiepel an und da schlug sich in der mittelalterlichen Dorfkirche ein reiches und farbiges Bilderbuch auf: Jüngstes Gericht und Chor der Seligen, Himmel und Hölle, Engel und Teufel! Dazu dann die passende Bach-Kantate:‘ Wachet auf, ruft uns die Stimme, hört, der Bräutigam kömmt!!

    Doch uns war klar, dass unser ‚Jüngstes Gericht‘ uns nicht unvorbereitet überfällt, denn wir tragen Bach’s Botschaft im Herzen und verhalten uns weitgehend so, wie die ‚klugen Jungfrauen und Jungmänner‘ es uns empfehlen. Ich hoffe es jedenfalls.

    Ja-, wir müssen ihm-, dem Gottessohn, entgegengehn und tun das so gut, wie das jeder von uns kann. Bach ist dabei unser Wegweiser.

    Na ja-, nach dem mehr kammermusikalischen Konzert lockte das nur zehn Schritte entfernt gegenüberliegende Gasthaus, denn wir hatten uns viel zu sagen.

    Ich lernte Werner und Ulrike weiter kennen, die mich so ruhig und gesprächsbreit durch das Revier kuschierten und mich dann um Punkt 22 Uhr in der Jugendherberge Münster am Aasee absetzten.

    Solche Exkursionen sollte unser Bach-Blog mindestens einmal im Jahr machen, wir Ostwestfalen wollen Euch dann vor Ostern zur Johannes-Passion einladen und unsere Reichtümer im ‚Hilligen Hervorde‘ zeigen.

    Danke für den gelungenen Tagesausflug, danke für Euer + unser freundliches Miteinander.

    Übermorgen hören wir davon, dass der ‚Heiden-Heiland‘ in Gestalt von BWV 61+62 zu uns kommt-, jeder von uns gestattet sich dabei seine Bequemlichkeit, aber nach diesem aufregendem Tag wird alles mit guten Gedanken an unser Miteinander im Bach-Blog sein.

    Mit gesegneten Adventsgrüßen an alle.

    Wolfgang

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