MDR-Fernsehen ab 4.8.2010 Vierteiliger Fernsehfilm über J.S. Bach

Vierteiliger Fernsehfilm über J.S. Bach – DDR 1985

Sende-Termin vom 1. Teil am 4.8.2010 um 00:10 Uhr im  MDR-Fernsehen!

Weitere Sendetermine für Teile 2-4

am 11. – 18. und 25. August 2010 um 00:10 Uhr

„Die Herausforderung“ schildert Bachs künstlerische und  politische Auseinandersetzungen zu Beginn seines  Schaffens. 1717 wird der Hof August des Starken in  Dresden Schauplatz eines ungewöhnlichen Ereignisses.  Der französische Cembalist Louis Marchand hat zu einem  Wettstreit aufgerufen. Statt der erwarteten berühmten  Künstler nimmt jedoch nur ein unbekannter Musiker aus  der Provinz die Herausforderung an: Johann Sebastian  Bach aus Weimar. Obwohl der Sieg Marchands sicher  scheint, endet der Wettstreit mit einem Eklat. Marchand,  der als exzellenter Fachmann die überragende  Meisterschaft Bachs erkennt, verlässt fluchtartig die Stadt.  Bach versetzt die Dresdner Adelsgesellschaft in  Begeisterung.

Doch während Bach in Dresden Triumphe feiert, muss er in Weimar erleben, dass seine künstlerische Entwicklung immer stärker behindert wird. Als Hoforganist und Konzertmeister ist er in den Streit zwischen Herzog Wilhelm Ernst und seinem Neffen Ernst August geraten, denn er hat es an der nötigen Untertänigkeit fehlen lassen. Als ihm der Posten des Hofkapellmeisters verweigert wird, nimmt Bach eine Berufung als Kapellmeister an den Köthener Hof an. Bevor Bach mit seiner Familie nach Köthen umsiedeln kann, bekommt er jedoch die Willkür seines Herzogs zu spüren und wird erst nach vier Wochen Haft in Ungnaden nach Köthen entlassen.

Kamera: Andras Szalai
Buch: Klaus Eidam
Regie: Lothar Bellag

Johann Sebastian Bach – Ulrich Thein
Maria Barbara – Angelika Waller
Marchand – Juroslav Satoransky
Herzog Wilhelm Ernst – Berenec Bacs
Greif – Zoltan Gera
Meckbach – Wolfgang Greese
August der Starke – Wolfgang Dehler
Volumier – Gabor Sarosi
Erdmuthe – Dana Vavrova
Fürst von Köthen – Andras Kozak
u.a.

Zum 260. Todestag von Johann Sebastian Bach

http://www.mdr.de/

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Über diesen vierteiligen Fernseh-Film ist in 2009 eine DVD erschienen, näheres unter dem Link nachstehend:

Link:

Link zu meiner Partnerseite:

http://blogjsbachcantatapilgrimage2000.blogspot.com/2009/11/dvd-wiederveroffentlichung-leben-und.html

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Grüße

Volker

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4 Gedanken zu „MDR-Fernsehen ab 4.8.2010 Vierteiliger Fernsehfilm über J.S. Bach

  1. yo

    Lieber Volker!
    Du schreibst, daß Marchand Weimar fluchtartig verläßt, „weil er als exzellenter Fachmann die überragende Meisterschaft Bachs erkennt“. Das ist mir zu pauschal. Was meinst Du mit „Meisterschaft“? Meisterschaft im Cembalospielen? Das war ganz sicherlich nicht der Grund. Ich wiederhole hiermit einen Artikel, den ich in einem anderem Forum vor einiger Zeit verfaßte:
    „Die meisten von uns kennen den DDR-TV-Vierteiler mit Ulrich Thein als Bach. Dort wird ausführlich über den Wettstreit mit Louis Marchand, einem berühmten französischen Organisten und Cembalisten, berichtet. Ab 1708 war er Organist des frz. Königs Ludwig XIV. Im September 1717 kam es am Dresdner Hof zu dem Aufeinandertreffen, bei dem festgestellt werden sollte, wer denn nun der stärkste Cembalospieler Europas sei. Viele Musiker wurden eingeladen, nur Bach erschien. Am Tag darauf sieht und hört Marchand wie Bach sein Cembalo stimmt und sucht das Weite, ohne zum Wettkampf anzutreten. Was war geschehen, daß es Marchand einen solchen Schrecken einjagte. War Bach der bessere Spieler? Nein – mitnichten! Als exzellenter Spieler hätte Marchand leicht mit Bach mithalten können. In Versailles wurde sehr gute, „moderne“ Barock-Musik geboten, Marchand war neben Couperin ein wahrer Künstler. Was war es dann? Marchand hörte, daß Bach sein Cembalo so gestimmt hatte, daß er durch alle 24 Tonarten hindurch spielen konnte, ohne in die berüchtigte „Wolfsquinte“ zu geraten. Das war neu für ihn, er kannte nur das „Tempérament ordinaire“ und in diesem Punkt war er Bach chancenlos unterlegen. Das erkannte Marchand sofort und aus seiner Sicht war Flucht der einzige Ausweg, um nicht das Gesicht zu verlieren.

    Um zu verstehen, was geschehen war, ist ein wenig Theorie notwendig: Ein Tasteninstrument kann pro Oktave nur 12 verschiedene Halbtöne erzeugen. Es läßt sich aber nicht so stimmen, daß es in allen Tonarten mit absolut reinen Intervallen gespielt werden kann. Stellt euch den Quintenzirkel vor. Dort sind 12 reine Quinten aufeinander gesetzt mit einem Frequenzverhältnis von 2:3. Das Ergebnis nach 12 reinen Quinten ist ein Frequenzverhältnis von 1:129,746337890625 (siehe Wikipedia):
    http://de.wikipedia.org/wiki/Pythagoreisches_Komma
    Zum Vergleich stellt man 7 Oktaven aufeinander. Sie ergeben ein Frequenzverhältnis von 1:128. Die Differenz zwischen beiden Verhältnissen von 23,46 Cent (siehe Wikipedia):
    http://de.wikipedia.org/wiki/Cent_(Musik)
    nennt man Pythagoreisches Komma. Dieses Intervall von etwa einem Achtelton ist kein selbstständiger Tonschritt, aber für das Stimmen von Tasteninstrumenten von ganz entscheidender Bedeutung.

    Die heutige Forschung geht davon aus, daß Bach die theoretische und praktische Kenntnis des exakten und schnellen Cembalo-Stimmens nach der Andreas-Werckmeister-Methode (siehe Wikipedia:)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Werckmeister-Stimmung
    bei seinem 1705 eigenmächtig verlängerten „Urlaub“ in Lübeck von Dietrich Buxtehude gelernt hatte. Buxtehude hatte nämlich Werckmeister mit der Ausarbeitung zur Stimmung von Tasteninstrumenten beauftragt und beglückwünschte ihn zu seiner 1681 (vier Jahre vor Bachs Geburt) vorgelegten Arbeit. In den 12 Jahren zwischen 1705 und 1717 hatte Bach seine diversen Tasteninstrumenten so oft selbst von der mitteltönigen (dabei werden die häufig benutzten Großterzen möglichst rein erhalten) auf die „wohltemperiert“ genannte Stimmung gebracht, daß es ihm ein Leichtes war, sein ihm am Dresdner Hof zur Verfügung gestelltes Cembalo nach seinen Bedürfnissen und Kenntnissen zu stimmen. Das Ergebnis ist bekannt!

    Nun gibt es selbst bei Werckmeister verschiedene Methoden, das Pythagoreische Komma durch Stimmanpassung auf die 12 Quinten zu verteilen. Am bekanntesten und am häufigsten angewandt wurde „Werckmeister III“. Bei dieser Temperatur wird das pythagoreische Komma in vier gleiche Teile zerlegt, indem die vier Quinten C-G, G-D, D-A und H-Fis um ein viertel pythagoreisches Komma kleiner gemacht werden. Die anderen acht Quinten sind rein. Aber auch andere „wohltemperierte“ Aufteilungen sind machbar. Welche exakte Stimmung Bach anwandte ist bis heute nicht bekannt.

    Hier kommt nun das „Wohltemperierte Klavier“ WTK ins Spiel. Wir haben das große Glück, daß die Original-Partitur erhalten ist:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Wohltemperiertes_Klavier
    Teil 1 des WTK wurde 1722 vollendet. Wenn wir uns die erste Seite des Originals anschauen, fällt auf, daß am oberen Rand eine merkwürdige Girlande durch Bachs Hand angebracht wurde. Handelt es sich dabei nur um eine Verzierung des Titelblatts, oder hat es – was bei Bach immer zu vermuten ist – eine ernsthaftere Bedeutung? Musikwissenschaftler haben diese Girlande analysiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, daß Bach hier eine Anweisung zur „wohltemperierten“ Stimmung hinterlassen hat. Der Musikwissenschaftler Bradley Lehman
    http://www.larips.com/
    vertritt seit 2005 den Standpunkt, daß Bach eine eigene, innerhalb seiner Familie überlieferte Stimmung nutzte. Die Anzahl der Schwünge auf dem Titelblatt des WTK gebe Aufschluß über die genaue Stimmung jedes Halbtons, die von der Werckmeister-Stimmung abweiche. Eine Gesamtaufnahme des Werks in dieser Stimmung dokumentiert, daß sie mit der Musik des WTK harmoniert. Andere Musikwissenschaftler bezeichnen die vorgeschlagene Stimmung als wohlklingend und nicht unplausibel, weisen jedoch auf die große Zahl schwer begründbarer Annahmen hin, die Lehmans Deutung voraussetzt. Im Internet ist eine lebhafte Diskussion darüber entbrannt, was Bach exakt mit seiner „wohltemperierten Stimmung“ meinte. Es beteiligen sich Professoren, wie Bradley Lehman oder auch studierte Toningenieure (die das Ganze aus dem digitalen Blickwinkel sehen) und Musiker aus der ganzen Welt (die das Ganze aus dem analogen Blickwinkel sehen). Das Thema ist im Moment hochbrisant, ich verfolge es schon seit längerem. Wer sich daran beteiligen will, muß einfach mal ein wenig „googeln“.

    yo

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    Antwort
  2. Volker Autor

    Lieber yo,

    sicherlich ist das sehr pauschal von mir so zitiert worden:

    …dass Marchand Weimar fluchtartig verläßt, „weil er als exzellenter Fachmann die überragende Meisterschaft Bachs erkennt“….

    Es sollte nur eine kurze Inhaltsübersicht über den 1. Teil des Bach-Filmes bedeuten. Umso schöner, dass Du dir die Mühe gemacht hast und uns über die Einzelheiten u.a. das WTK aufklärst.

    Mir fiel in einer Diskussion zur Bach-Stimmung in den letzten Tagen folgendes auf:

    Welche Stimmung Bach im Sinn hatte lässt sich wohl nicht endgültig klären. Derzeit liegen die Werkmeister-Stimmungen in der Gunst der Musikwissenschaft eher weiter hinten.
    Neuer Stern am Stimmungshimmel ist Bradley Lehman, der die Schnörkel oben auf dem autografen Titelblatt als Stimmanweisung Bachs gedeutet hat.

    Es ist immer spannend zu verfolgen, wie sich Musikwissenschaftler die Köpfe heiss reden, um auf einen gemeinsamen Nenner in der Bach-Forschung zu kommen. Ich bin einmal gespannt, wie sich diese Diskussion weiter entwickeln wird. Da ich kein Wissenschaftler und Akustiker bin, kann ich zu der angesprochenen Thematik: „Bach-Stimmung“ wenig beisteuern, da verlass ich mich auf die Aussagen der Experten.
    @yo, Du wirst uns sicherlich in Zukunft dazu noch etwas aussagen können..!!

    Gruß
    Volker

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    Antwort
    1. yo

      Lieber Volker!
      Ich bin mir nicht sicher, ob das Thema „Stimmen eines Saiteninstruments“ in diesem Forum von Interesse ist, da ich nicht weiß, wie viele Musiker in diesem Forum sind. Wichtig ist nur, daß Bachs Wissen um die „wohltemperierte“ Stimmung den Ausschlag gab, die zur überstürzten Abreise Marchands führte und somit seinen Ruf am Dresdner Hof ins Unermessliche steigerte (Dresden steht über Versailles). Schon damals galt: Wissen ist Macht. Von Laien wird ja oft gemutmaßt, daß Bach der Erfinder dieser Stimmung gewesen sei, da er sich so prominent mir ihr im WTK auseinander gesetzt hat. Das trifft leider nicht zu; siehe oben.

      Wer Bradley Lehman beim Stimmen zuschauen möchte, kann dies tun unter:
      http://www.youtube.com/user/thebpl

      Wer sich generell für das Thema interessiert, dem seien folgende zwei Bücher empfohlen:
      Martin Vogel: Die Lehre von den Tonbeziehungen (Orpheus Verlag)
      Nikolaus Harnoncourt: Musik als Klangrede – Kapitel „Tonsysteme und Intonation

      Gruß
      yo

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      Antwort
  3. Volker Autor

    Lieber yo,

    Danke für deine Rückmeldung. Wer an dem ganzen Projekt Interesse besitzt, kann entsprechend deinen Link-Angaben folgen und sich mit dem Thema: WTK informieren und auseinandersetzten.
    Nett dass Du noch von YouTube im letzten Kommentar den Link mit angegeben hast, vorsichtshalber stelle ich ihn hier noch einmal mit rein von
    „Harpsichord tuning: Well-Tempered Clavier – Bradley Lehman.“

    Link: http://www.youtube.com/user/thebpl

    Damit könnte das Thema WTK erst einmal für den Blog als vollendet betrachtet werden, wer Rücksprache halten möchte, kann jederzeit im Blog dazu etwas anmerken und nachfragen.

    Schönes Wochenende und Grüße
    Volker

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    Antwort

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