Bachfest 2010 in Leipzig endete mit der h-moll Messe in der Thomaskirche, Kritik-Rezension

Abschlußkonzert mit dem Monteverdi Choir in der Thomaskirche unter Leitung von Sir J.E. Gardiner_Fotorechte: Wolfgang Zeyen

Das Bach-Fest 2010 in Leipzig endete am Sonntag, 20.6.2010 um 18:00 Uhr mit der h-moll Messe  – BWV 232  – von Johann Sebastian Bach in der ausverkauften Thomaskirche in Leipzig. Der Besucherzuspruch war mit ca. 65.000 Besuchern wieder hervorragend und entsprach den Erwartungen. „Obwohl das Bachfest einen Tag kürzer war als im vergangenen Jahr, konnten wir die Besucherzahlen stabil halten. Das ist ein hervorragendes Ergebnis, das auch durch die tiefe Akzeptanz des Festivals in der Leipziger Bevölkerung erreicht wird“, resümiert Dettloff Schwerdtfeger, Geschäftsführer des Bach-Archivs Leipzig. Der Anteil der Gäste, die aus Leipzig und Umgebung kommen, liegt bei etwa einem Viertel. Rund 9000 Besucher wurden trotz schlechten Wetters bei den kostenlosen Open-Air-Konzerten auf dem Augustusplatz gezählt. Zu „Bach im Bahnhof“ kamen rund 8000 Besucher, die sich die Aufführungen angehört, die Ausstellungen des Bach-Museums und des Schumann Vereins Leipzig angesehen haben.

Auf das Abschluss-Konzert mit der h-moll Messe von Johann Sebastian Bach in der Thomas Kirche Leipzig wird hier im Blog noch eine gesonderte Rezension in den nächsten Tagen erfolgen. Es war ein erhebendes Konzert und endete mit einem „Standing Ovation“ für Sir Gardiner, seinem Monteverdi Choir und English Baroque Soloists.

Zum Artikel der LVZ nachstehend:

Link: http://nachrichten.lvz-online.de/kultur/topthema_kultur/bachfest/65000-besucher-lauschen-bachfest-konzerten-in-leipzig/r-bachfest-a-36246.html

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Rezension-Kritik von NEUES DEUTSCHLAND

zum J.E. Gardiner-Abschluss-Konzert Thomaskirche Leipzig Messe h-moll BWV 232:

Von Werner Wolf 22.06.2010 / Feuilleton

Kraftvoller Ruf nach Gehör

Wenn man unmittelbar nach dem Erleben dieses alles überragenden Gipfelwerkes der Musik, Johann Sebastian Bachs Messe h-Moll, zumal in so kongenialer Interpretation wie mit The Monteverdi Choir und The English Baroque Soloists unter Sir John Eliot Gardiner zu schreiben beginnt, kann man nur schwärmen. Gardiner, einer der einst umstrittenen wagemutigen, experimentierfreudigen Protagonisten der historischen Aufführungspraxis, kann längst die Früchte jener Pionierarbeit ernten. In den von ihm gegründeten Ensembles wirken heute Künstler der zweiten Generation, für die das anfangs Ungewohnte, ja Umstürzlerische lebendige Musizierpraxis ist. Sie folgen Gardiner auf den kleinsten Wink. Und so kann er mit ihnen den Bachschen Kosmos vom einleitenden kraftvollen Ruf nach Gehör bis zur machtvoll gesteigerten Bitte um Frieden in all seinen Wendungen vom Zärtlichen bis zum Erhabenen in den feinsten Nuancen wie in großen Steigerungen erfüllen.

Link: http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1274172873691&openMenu=1013083806110&calledPageId=1013083806110&listid=1018881578428

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Mitteldeutsche Zeitung schreibt:

Sir John bietet himmlisches Vergnügen

VON UTE VAN DER SANDEN, 21.06.10

LEIPZIG/MZ. Die jüngste, noch immer im Handel erhältliche Aufnahme der h-Moll-Messe mit John Eliot Gardiner stammt von 1985. Längst wäre eine Neueinspielung fällig, doch dafür dürften er, sein Monteverdi Choir und die English Baroque Soloists schlichtweg keine Zeit haben. Quer durch Europa sind sie mit Bachs großer katholischer Messe unterwegs.

Nicht wenige Kunstkenner halten die Interpretation der britischen Originalklangpraktiker für die noch immer mit Abstand beste. Und sie teilen diese Ansicht, die von Gardiner und seine Hausensembles beim Abschlusskonzert des Leipziger Bachfests imposant manifestiert wurde, mit einer riesigen Fangemeinde. Seit Monaten war das Ereignis ausverkauft, Zuhörer saßen in fast jedem Winkel. Sie bekamen das Erhoffte: Spiritualität und Kontemplation, Kraft und Klangpracht, musikantischen Schwung und technische Perfektion – ein himmlisches Vergnügen. Vom ersten h-Moll-Akkord im „Kyrie“ an wuchs der traditionelle Abgesang des Festivals als Tonkathedrale in die Thomaskirche hinein.

Eine durchweg überzeugende, in Teilen mitreißende, bisweilen radikale Darbietung haben die Briten den Leipzigern am Sonntag hingezaubert. Sie zelebrierten einen sakralen Festakt, der mitten im Leben stand: sinnlich, schmissig, transzendent, mit atemberaubenden harmonischen Reibungen und von barocker Bodenständigkeit.

Alle Vokalsoli waren aus dem Chor besetzt, was der Homogenität des Musizierens sehr förderlich war. Wo es ging, ließ der auswendig dirigierende Maestro die Nummern attacca aufeinander folgen und unterbot damit locker die Zwei-Stunde-Marke. Die drei Trompeter leisteten sich nicht einen Kiekser, der „Cum Sancto Spiritu“-Chor fiel erst der Bass-Arie ins Wort, dann in unbeschreiblichen Jubel. Die Chöre in der Mitte des zweiten Teils fassten die Passionsgeschichte von Mariä Empfängnis bis zur Auferstehung, bevor sich das „Dona nobis pacem“ wie aus dem Nichts erhob und zur Innerlichkeit des Anfangs aufschloss.

Gewöhnungsbedürftig wirkte nur die Aussprache des lateinischen Textes mit ihrer merkwürdigen Vokalfärbung. Und Sir John? Als ihm der Jubel lang genug erschien, warf er das Handtuch lässig über die Schulter und ging. Er hinterließ nicht zuletzt die Gewissheit, dass die Interpreten der nächsten h-Moll-Messe kein leichtes Spiel haben werden.

Link: http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1274172873691&openMenu=1013083806110&calledPageId=1013083806110&listid=1018881578428

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Grüsse

Volker



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Besucherzähler für Homepage

4 Gedanken zu „Bachfest 2010 in Leipzig endete mit der h-moll Messe in der Thomaskirche, Kritik-Rezension

  1. Barbara

    Ich habe gerade Post bekommen!
    DANKE!!!
    Ich hab auch fleißig an Euch gedacht. Ich hatte ja so eine Ahnung, was da auf Euch zukommt.
    Auf dass es so lange in Euch nachklingt wie bei mir das Konzert in Königslutter!
    Barbara

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    Antwort
  2. Volker Autor

    Hallo Barbara,

    schön dass Du die Post erhalten hast, man weiss nie heutzutage wo die „Gelben Engel“ das hinterlegen..!! Du siehst, auch wir haben an dich gedacht und @Iris hatte spontan von allen dann die Unterschriften gesammelt. Es war schön in Leipzig das Wetter hatte auch mitgespielt, näheres vom Bachfest 2010 erfährt jeder in den nächsten Tagen. Bin gerade dabei, die Fotos und Filme zu sichten und zu sichern.

    Liebe Grüsse und sonnige Tage wünscht
    Volker

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    Antwort
  3. Volker Autor

    Hier sind die Link-Angaben zu den Rezensionen zum Abschlusskonzert von Sir John Eliot Gardiner mit der Messe h-moll BWV 232 aus der Thomaskirche in Leipzig vom 20.6.2010.

    1. Link:
    http://www.neues-deutschland.de/artikel/173563.kraftvoller-ruf-nach-gehoer.html
    2. Link:
    http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1274172873691&openMenu=1013083806110&calledPageId=1013083806110&listid=1018881578428
    Die Rezensionen sind im Hauptbeitrag hinterlegt.

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  4. Adamo

    Lieber Volker! Liebe FReundINNEN im blog!

    Danke für die Aufnahmen: was glänzt das Bach-Denkmal so herrlich in der Leipziger Sonne !!! Und drunter im Plausch seine blog-JüngerINNEN aus NRW, Leipzig und anderswoher..

    Es freut mich, dass Ihr wieder zuhause seid und Eure Erfahrungen uns jetzt ausbreitet. So menschlich nahe mal den Monteverdi-Chor mitzukriegen und dann noch auf dieser weltberümten Orgelempore das ‚Dona nobis pacem‘ zu hören, ist schon beeindruckend.

    Es war auch nett, bekannte Gesichter wiederzusehen-, leider bekommt man den Fotograph in seinem Konterfei nie zu Gesicht.

    Als Trosttpflaster für den Daheim-Gebliebenen ich – Adamo konnte am Sonntag 20.7. bei uns auf dem Stiftsberg in St.Marien drei besonders schätzenswerte Bach-Werke-, die Instrumentalkonzerte BWV 1020+1060 und als Höhepunkt die Alt-Kantate ‚Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust‘ BWV 170 von jungen Künstlern dargebracht erleben. Dabei habe ich an Euch gedacht und dankbar empfunden, dass ich in Euch so begeisterte Gesprächs- und Hörpartner gefunden habe.

    Natürlich konntet ihr auch endlich im Bach-Museum am digitalen Wühltisch stöbern und ich hoffe, dass Ihr auch die vielgelobten ‚Klang-Droschken‘ fahren konntet.

    Gruß

    Wolfgang

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    Antwort

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