CD-Vorstellung: „Die Schöne Müllerin“ – James Gilchrist

Bei dem kleinen, aber feinen Label ORCHID Classics ist im letzten Jahr diese CD mit einem der 3 großen Liedzyklen Franz Schuberts erschienen. Seit kurzem ist sie auch in Deutschland zu erhalten.

Schubert - Die Schöne Müllerin

James Gilchrist und Anna Tilbrook erzählen eine Geschichte, wie sie in dieser Intensität selten zu hören ist. Voller Farben, manchmal leuchtend, manchmal sehr fahl, sehr emotional, aber nie theatralisch nehmen sie den Zuhörer mit und lassen ihn trotz des unglücklichen Ausganges der Geschichte nicht ungetröstet zurück.

Die Geschichte selbst ist schnell erzählt: ein junger Müllergeselle folgt auf seiner Wanderschaft einem Bach, der ihn zu einer Mühle führt, wo er Arbeit findet. Er verliebt sich in die junge Müllerstochter, und – wie das Leben so spielt – wird diese Liebe nicht erwidert. Dies merkt er aber in seiner Ich-Bezogenheit erst nicht und wird dann nicht mit seiner Verzweiflung fertig. So wird der Bach, der ihn bis dahin wie ein Freund begleitet hat, sein Grab.

James Gilchrist

credit Jim Four

James Gilchrist ist den regelmäßigen Lesern dieses Blogs durch die Bach Cantata Pilgrimage wohlbekannt. Neben seinen Auftritten als Oratoriensänger vor allem des barocken Repertoires haben Liederabende, häufig auch mit Kompositionen zeitgenössischer Komponisten einen besonderen Stellenwert.

Anna Tilbrook

Anna Tilbrook ist eine der herausragenden jungen Pianisten Großbritanniens. Sie ist seit vielen Jahren regelmäßige Begleiterin James Gilchrists.

Sehr positiv anzumerken ist auch, dass die Booklet-Texte mit persönlichen Anmerkungen von James Gilchrist und einem Essay von Richard Morrison über Franz Schubert im Hinblick auf diesen Liedzyklus in deutscher Übersetzung enthalten sind, ungewöhnlich für eine in Großbritannien erschienene CD.  Die Liedtexte sind für deutsche Hörer nicht wirklich notwendig – James Gilchrist hat eine exzellente Aussprache, von der sich so mancher muttersprachliche Sänger eine Scheibe abschneiden kann.

Wer die leisen Töne mag, sich berühren lassen möchte von der Musik und zwei herausragenden Künstlern, wird diese CD nicht missen mögen. Hier sind sie u.a. zu bekommen:

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Und beurteilt bitte die Qualität der Aufnahme nicht nach den Bröckchen, die jpc anbietet. Selbst einzelne Lieder zu hören, vermittelt nicht annähernd die Magie, die sich entfaltet, wenn man sich hinsetzt, die Augen schließt und bei Nr.1 Das Wandern beginnt und nach Nr.20 Des Baches Wiegenlied aufhört. So ging es mir jedenfalls.
Barbara

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5 Gedanken zu „CD-Vorstellung: „Die Schöne Müllerin“ – James Gilchrist

  1. Volker

    Hallo Barbara,

    mit diesem Genre – „Liederzyklus für Singstimme und Klavier“ – habe ich meine Probleme. Ich bekomme einfach nicht den Zugang, trotz überragender Einspielungen die es auf dem Markt bereits gibt, ob es Fritz Wunderlich oder Thomas Quasthoff singt – es spricht mich nur bedingt an. Die Gesangskunst des Sängers und einfühlsame Klavierspiel bewundere ich zutiefst, aber der entsprechende Kick stellt sich bei mir nicht ein, leider, woran das liegt kann ich mir nicht erklären…?? Es ist die höchste Kunstform für einen Elite-Sänger.

    Nun stellst Du uns diese wunderbare Aufnahme mit James Gilchrist vor, ich bin übermäßig Neugierig darauf und versuche es noch einmal, mich mit dieser Kunstform zu arrangieren, über das Ergebnis werde ich dann berichten…!!

    Grüße
    Volker

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  2. Alex

    Hallo ihr beiden, für mich gehören die Schubertlieder zum Feinsten, was ich mein Eigen nenn, allerdings nicht mit Wunderlich oder Quasthoff sondern mit Fischer-Dieskau und Moore oder Brendel. Barbara hat mir schon Appetit gemacht mit einer kleinen Probe. Unbedingt hören! Alex

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    Antwort
  3. muriel

    Schubertlieder! Das gehört zum Tollsten, was es gibt. Du tust mir wirklich leid, Volker, wenn Dir dafür kein Ohr bzw. nur ein halbes verliehen sein sollte. Dieskau! Bitte Prey auf keinen Fall vergessen, der übrigens unter Kurt Thomas die Kreuzstabkantate und ihr Pendent
    gesungen hat, heute immer noch sehr beachtlich. Ja und dann aktuell der Tenor Pregardien begleitet von dem vorzüglichen Cembalisten und Hammerklaviervirtuosen ANdreas Staier. Und dann eben Gilchrist – ihr kennt meine Empfindungen für englische Tenöre.

    Liebe Grüße
    muriel

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  4. Volker

    Schaut einmal hier,

    es gibt ein aktuelles Interview zum Thema:
    nmz – Medium des lyrischen Gehalts: „Christoph Prégardien“ im Gespräch.

    Wegen des herausragenden Niveaus insbesondere seiner Interpretationen des romantischen Liedrepertoires ist der lyrische Tenor Christoph Prégardien international anerkannt. Er ist Professor für Gesang an der Musikhochschule Köln. Im Hinblick auf sein Konzert mit Schumann- und Schubert-Liedern am 14. Februar 2010 in der Laiszhalle Hamburg erläuterte Christoph Prégardien sein Programm und sein Engagement fürs das Lied.

    Link:
    http://www.nmz.de/online/medium-des-lyrischen-gehalts-christoph-pregardien-im-gespraech

    Gruß
    Volker

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    Antwort
  5. Pingback: Der Textverfasser des Liederzyklus: „Schubert’s Winterreise“ Johann Ludwig Wilhelm Müller, Dessau « Volkers Klassikseiten J.S. Bach

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