Eine Renaissance für Altus-Sänger – Einsätze bei Sir J.E. Gardiner, M. Suzuki, etc.

25.8.2007 von Volker

Ergänzungen seit dem 1. April 2009:

aktualisiert am 29. September 2010

Hallo !

“Wie der Teufel das Weihwasser scheut”, so ergibt sich die Situation beim Einsatz eines Altus (Countertenor) in der heutigen historischen Aufführungspraxis. Oft gescholten als Kastraten werden sie von vielen Besuchern – Hörern vehement abgelehnt.

Etwas zur Historie: (Auszüge von Wikipedia)

Als Countertenor (v. lat.: contratenor), auch: Altus (von lat. altus = „hoch, hell“) wird ein männlicher Sänger bezeichnet, der mit Hilfe einer durch Brustresonanz verstärkten Kopfstimmen- bzw. Falsett-Technik in Alt- oder sogar Sopran-Lage singt.

Es gibt Versuche, zwischen Countertenor und Altus zu unterscheiden (z. B. nach den eingesetzten Anteilen von Brust- und Kopfresonanz), aber die vorhandenen Sänger weisen eine derart hohe Individualität auf, dass eine solche Differenzierung fragwürdig erscheint. Die Bezeichnung „Altus“ bezieht sich eher auf die Lage, der Begriff „Countertenor“ auf die verwendete Technik.

René Jacobs, ehemaliger Altus Countertenor

René Jacobs, ehemaliger Altus Counterteno

Ein sehr bekannter belgischer Countertenor, heute ein hervorragender Dirigent: “Rene Jacobs” erläuterte in einem Interwiv mit “Arte” zu der Fragestellung eines Altus-Countertenors wie folgt:

– Mal heißt es, Sie seien ein Countertenor, mal ein Altus. Können Sie uns den genauen Unterschied erklären? –

Es gibt eigentlich keinen Unterschied nur Verwirrung. Countertenor gibt es als deutschen Begriff gar nicht. Die Mehrstimmigkeit entstand im Mittelalter so: die Hauptstimme, der Tenor, wurde zunächst von einer, dann von zwei Stimmen umspielt. Die eine sang höher, man nannte sie Contratenor altus, die andere tiefer also Contratenor bassus.

Dann kam noch eine Vierte, die höher war, dazu, die hieß Cantus. So entstanden die Begriffe Alt und Bass. Insofern hat es keinen Sinn das Wort Contratenor zu verwenden. Rein theoretisch können erwachsene Männer Alt singen; dann singen sie im Falsett-Register und da gibt es zwei verschiedene Techniken. Diejenigen, die alles im Falsettregister singen und diejenigen, die das Falsettregister mit der Bruststimme verbinden. Ich habe immer die zweite Technik verwendet.

Alle renomierten Interpreten in der “Historischen Aufführungspraxis” setzen Counter-Tenöre” mittlerweile ein wie: Sir John Eliot Gardiner, Philippe Herreweghe, Christopher Hogwood, René Jacobs, Ton Koopman, Gustav Leonhardt, Paul McCreesh, Trevor Pinnock und Masaaki Suzuki.

Der letztgenannte setzt häufig den bekannten und beliebten englischen Counter-Tenor “Robin Blaze” in seinen Konzerten und seinen Bach-Einspielungen ein.

Robin Blaze, englischer Altus

Robin Blaze, englischer Altus

DIE ZEIT

schreibt zu den Countern, Artikel vom 12.3.2009 http://www.zeit.de/2009/12/M-Jaroussky

Hieraus Auszüge:

Es waren Männer wie nicht von dieser Welt. Sie wuchsen bis in ihr vierzigstes Lebensjahr und waren überdurchschnittlich groß. Mit gewaltigem Brustkorb und enormem Schalldruck sangen sie in schwindelnder Höhe, an Strahlkraft jede Sopranistin hinter sich lassend, an Sex-Appeal jeden Rivalen – Seitensprünge mit den durchaus potenten Kastraten blieben natürlicherweise kinderlos. Gut zweihundertfünfzig Jahre weilten diese Saurier des Gesanges auf dem Planeten, die letzten erreichten noch das 20. Jahrhundert. Vor allem die barocken Komponisten haben ihnen ein gewaltiges Repertoire komponiert. Die Geschichte der Countertenöre hingegen ist jung, sie beginnt nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie handelt ebenfalls von Außenseitern, die es ins Zentrum schaffen.

Ein absoluter Könner in der Counter-Riege:

ist der Franzose Philippe Jaroussky wohl einer derzeit populärste. Seinem intensiven Gesang kann niemand widerstehen.

Philippe Jaroussky-Countertenor

Der derzeit populärste Countertenor ist zugleich der jüngste. Vor elf Jahren erst begann Philippe Jaroussky, jetzt 31, ernsthaft mit dem Singen. Mittlerweile hat er rund 25 CDs mit renommiertesten Barockensembles produziert und Preise gewonnen, von denen Altisten früher nur träumen konnten. Er füllt mit Arienabenden Konzertsäle – und stellt erst mal klar, dass keiner den Kastraten das Wasser reichen kann.

Die Töne des Philippe Jaroussky haben eine andere Magie, anders auch als die seiner Kollegen, die er mit dem »wir« umfasst wie eine Familie. Rund klingt seine Stimme, kein bisschen angeschärft, wie das leicht passiert, wenn beim Falsettgesang nur die Stimmbandränder schwingen, oder forciert bis zur Trompetenhaftigkeit. Und wo bei anderen in tieferen Lagen schon Baritonfarbe anklingt, tönt Jaroussky – ja, wie eigentlich? Weiblich? Engelhaft? Natürlich? Organisch verbinden sich die Register, organisch verbindet sich wiederum das Timbre mit der Gestaltung der Silben, Worte, Affekte, der Gefühlslinien bei Händel und Vivaldi.

Interview mit Countertenor Philippe Jarussky

Freilich haben schon drei Generationen von Countertenören – seit dem legendären Alfred Deller im England der fünfziger und sechziger Jahre – daran gearbeitet, die barocke Musiksprache neu zu beleben.

Weitere Angaben zum Thema Counter-Tenöre in DIE ZEIT

Link: http://www.zeit.de/2009/12/M-Jaroussky

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Heißt es nunmehr von althergebrachten Gewohnheiten abzurücken – Einsatz einer Altistin entfällt- und sich mit diesem heutigen Phänomen anzufreunden, mir fällt es teilweise sehr schwer, da sehr blasse Counter-Tenöre (Altus) auf der Bühne antreten und ich die Kopfstimme nur bedingt mag.

Wie geht Ihr mit der Situation um, lieber wieder eine Altistin als Gesangs-Solistin, oder hört ihr auch gerne in diesem Part einen Counter-Tenor, Altus……?

Die Diskussion ist eröffent und bitte um anregende Stellungnahmen!

Ein schönes Wochenende und Grüße

Volker

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Biographien von Countertenören der Neuzeit:

Biographie: Jochen Kowalski (Counter-Tenor)


Foto: Jochen Kowalski (Foto: http://www.jochen-kowalski.de)

Geboren am 30. Januar 1954 in Nauen/Brandenburg, wohnhaft wärend seiner Jugendzeit in Wachow / Brandenburg.

Begonnen hat er seine Karriere im Requisitenkeller der Lindenoper. Als heimlicher Beobachter des täglichen Opernbetriebes lernte er hier von der Pike an, was Oper bedeutet.

1977 bis 1983 Besuch der Musikhochschule Hanns Eisler Berlin, Fach Tenor. Noch als Student wirkte er 1981 in der damaligen ersten Inszenierung des neuen Chefregisseurs Harry Kupfer an der Komischen Oper, Berlin, – Die Meistersinger von Nürnberg – mit. Seit dieser Zeit arbeitet er mit der Gesangslehrerin Marianne Kupfer, die die Begabung für das männliche Altfach entdeckte und förderte.

Er hat eine außergewöhnliche Stimme. – Kowalski singt nicht mit Falsettstimme, sondern seine hohe Stimmlage ist ganz natürlich.

“Entdeckt” wurde er während des Gesangstudiums (als Tenor) an der Ostberliner Musikhochschule, als er für eine Kommilitonin beim Vortrag der für eine Alt-Stimme geschriebenen Orpheus-Arie “Ach, ich habe sie verloren” von Christoph Willibald Gluck einsprang. Nach der Ausbildung gelang ihm an der Komischen Oper Berlin der Durchbruch mit der Titelrolle in Georg Friedrich Händels “Giustino”.

Nach seinem Wiener Debüt in der Rolle des Prinze Orlowsky in Johann Strauß’ Operette “Die Fledermaus” äußerte Brigitte Faßbaender als vielleicht bedeutendste Darstellerin dieser Hosenrolle: “Jetzt möchte ich den Orlowsky nie wieder singen.”

1994 wurde Jochen Kowalski zum Berliner Kammersänger ernannt. Gastspiele führen ihn durch ganz Europa und in den fernen Osten nach Taiwan und vor allem Japan. Kowalski ist sehr populär in Japan und hat dort inzwischen wohl seine größte und treueste Fangemeinde.

Sein Mitwirken in Oberon; Brittens “A Midsummer Nights Dream” in der Saison 1996/97 an der Met New York war ein weiterer Meilenstein in Kowalskis Karriere

Kowalski ist Mitglied der Komischen Oper Berlin. Von Händel über Schubert bis zu Filmschlagern der 30er Jahre ist Kowalskis Wandlungsfähigkeit zu bewundern.

Im April 2007 Auftritt in der Philharmonie Berlin, Partie des Evangelisten in der “Lukas Passion” von C. Ph. E. Bach.

(Teilauszüge von http://www.jochen-kowalski.de)

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Biographie:

Robin Blaze (Altus)


Foto: Robin Blaze (Foto http://www.bachwocheansbach.de)

Der Countertenor Robin Blaze gehört heute zu den namhaftesten Vertretern seiner Zunft, die aus dem anscheinend unerschöpflichen Brunnen englischer Vokalsolisten hervorgesprudelt sind.

Er studierte am Magdalen College in Oxford sowie am Royal College of Music in London. Inzwischen gehört er zu den wichtigsten Stützen des gewaltigen Aufnahme-Projekts, bei dem das Bach Collegium Japan unter Masaaki Suzuki für das Label BIS sämtliche Bach-Kantaten einspielt.

Darüber hinaus weist die Liste der Dirigenten, mit denen Robin Blaze zusammenarbeitet, die bedeutendsten Vertreter historischer Aufführungspraxis auf, darunter John Eliot Gardiner, Philippe Herreweghe, Christopher Hogwood, René Jacobs, Ton Koopman, Gustav Leonhardt, Paul McCreesh und Trevor Pinnock.

Auch auf der Opernbühne ist Robin Blaze ein gern gesehener Gast: So sang er den Athamas in Händels “Semele“ am Royal Opera House Covent Garden, den Arsamenes in „Xerxes“ und den Oberon in Brittens „A Midsummer Night’s Dream“ bei der English National Opera sowie den Bertarido in Händels „Rodelinda“ bei den Göttinger Händel-Festspielen. Kammermusikabende führten Blaze ins Théâtre Grévin in Paris, in die Londoner Wigmore Hall und zu den Festspielen in Karlsruhe, Innsbruck und Göttingen.

Unter seinen CD-Einspielungen finden sich Lautenlieder mit Elizabeth Kenny und ein Programm mit Italienischen Kantaten mit dem Ensemble „The Parley of Instruments“. Unter seinen übrigen Aufnahmen sind Händels Oper „Theodora” mit dem “Gabrieli Consort” unter Paul McCreesh, Werke von Vivaldi, Kuhnau and Knüpfer mit dem „King’s Consort“, Oden von Henry Purcell mit dem „Collegium Vocale Gent“ unter Philippe Herreweghe und „The Lover in Winter“ des zeitgenössischen Komponisten Thomas Adès.

Im April 2007 unternahm Robin Blaze mit Martin Haselböck, der Wiener Akademie und dem Musica Angelica Baroque Orchestra eine Internationale Konzerttournee mit der Matthäus-Passion von J.S. Bach.

Textauszüge von (www.caroline-phillips.co.uk/blaze.htm)

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Robin Tyson
Englischer Counter-Tenor

Foto: Engl. Counter-Tenor Robin Tyson

Robin Tyson begann seine Laufbahn als Chorsänger in der Kathedrale von Canterbury. 1989 bekam er ein Stipendium für das King’s College in Cambridge, nach dem er dem Royal College of Music für ein Postgraduiertenstudium beitrat.

Seit 2001 ist er Mitglied der King’s Singers, dem weltweit begehrtesten A-cappella-Ensemble.

Als Solist ist er in ganz Europa, den USA und dem Fernen Osten aufgetreten, seien Zusammenarbeit hatte er mit Dirigenten wie Sir John Eliot Gardiner, Richard Hickox, Paul McCreesh, Rene Jacobs, Emmanuel Haïm, Robert King und Joshua Rifkin, zuletzt trat er im Lincoln Center New York, sowie bei den Edinburgh International Festival, Spitalfields Festival, Barbican Centre und den BBC Proms als Gesangs-Solist auf.

1998 war das Jahr seines größten Vortragsdebuts in London, als er Barock- und klassische Lieder in der Serie Liederreise des St. John’s Smith Square sang. Während seiner Collegezeit sang Robin den Oberon in Brittens „Mittsommernachtstraum“. Danach kam die Hauptrolle in Händels „Alessandro Severo“ für das Londoner Händel-Festival. Unter René Jacobs hat er in Cavallis „La Calisto“ in La Monnaie (Brüssel) und am Teatre Nacional de Catalunya (Barcelona) gesungen, und er war die Zweitbesetzung für die Rolle des Celino in Cestis „L’Argia“ am Landestheater in Innsbruck. Opernpläne beinhalten weitere Aufführungen von „La Calisto“ am Festspielhaus in Salzburg, Lyon, Montpellier und Berlin sowie eine Doppelvorstellung von „Venus und Adonis“ und „Dido und Aeneas“ in Antwerpen und Gent für die Oper Flandern.

Robin Tyson war stark engagiert in Sir John Eliot Gardiner’s Bach Cantata Projekt in 2000. Eine Live-Aufnahme von einem Konzert ist auf dem Label Deutsche Grammophon erschienen, andere Aufnahmen von der Bach Cantata Pilgrimage sind beim „Soli Deo Gloria“-Label, erhältlich.

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Daniel Taylor

Countertenor

Fotorechte: © Marco Borggreve

Daniel Taylor ist heute einer der meistgefragten Countertenöre. Unmittelbar auf sein Operndebut in Händels Rodelinda in einer Produktion von Jonathan Miller (mit Aufzeichnung durch EMI) folgte sein gefeiertes Debut in Glyndebourne (Händel Theodora).

Der kanadische Countertenor studierte zunächst Literatur, Musik und Philosophie an der McGill University und legte anschließend sein Examen an der University of Montreal in den Fächern Musik und Religionswissenschaften ab. Weiterführende Studien brachten ihn mit Spezialisten der Europäischen Barockszene zusammen. Zur Zeit wird er von Michael Chance betreut.

Daniel Taylor ist künstlerischer Leiter des Montreal Early Music Festivals und Gastprofessor an der McGill University. Er gründete in Montreal das Theatre of Early Music, ein international besetztes Ensemble für Alte Musik, das bei dem schwedischen Label BIS unter Vertrag ist.

Daniel Taylor war als Opernsänger bereits an der Metropolitan Opera, der San Francisco Opera, der Welsh National Opera, Canadian Opera und in Rom zu hören. Als Konzertsänger arbeitet er regelmäßig mit dem Monteverdi Choir, den English Baroque Soloists, Les Arts Florissants, dem Musik Podium Stuttgart, Collegium Vocale Gent, dem Orchestra of the Age of Enlightenment, der Academy of Ancient Music, dem Gabrieli Consort und dem King’s Consort, sowie mit den Sinfonieorchestern von Cleveland, Dallas, St. Louis, Philadelphia, Toronto, Rotterdam, Montreal und dem Bayerischen Staatsorchester München.

Wichtige Engagements der letzten Zeit waren Tourneen mit dem Monteverdi Choir und Sir John Eliot Gardiner und mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment, seine Wiedereinladung bei den BBC Proms, Händels Jephta mit Nicholas McGegan und dem Philharmonia Baroque Orchestra, Europatourneen mit dem Gabrieli Consort und Paul McCreesh, seine Debut beim Cleveland Orchestra, Bernsteins Chichester Psalms mit dem Philadelphia Orchestra und Charles Dutoit, Schnittkes Faust Kantate mit dem Taiwan National Symphony Orchestra sowie sein Debut in der Wigmore Hall mit dem King’s Consort.

(Textauszüge: http://www.kdschmid.de)

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der Countertenor Andreas Scholl im Gespräch

„Ich habe meinen Platz gefunden!“

Altus - Countertenor Andreas Scholl

Altus - Countertenor Andreas Scholl

Kaum ein Konzertbesucher stört sich heute noch an Sängern, die Ihre Kopfstimme kultiviert haben und in den Registern des Altus heimisch sind. Überwunden scheinen die traditionsbehafteten Klischees, die dem barocken Kastratentum und mit ihm den Countertenören der historischen Aufführungspraxis über Jahrzehnte anhingen. Ein Umstand, der nicht zuletzt Sängern wie Andreas Scholl zu verdanken ist. Der Altus gehört seit vielen Jahren zu den renommierten dieses Genres; legendär sind seine Bach-Interpretationen, unverwechselbar sein wohlig strömendes Timbre. Dieser Tage stellt der Wahlschweizer seine neueste Produktion vor – eine Platte mit Arien Georg Friedrich Händels, die ihn als flexiblen Virtuosen und geschmackvollen Musiker gleichermaßen präsentiert. klassik.com traf den gebürtigen Hessen auf einen mittäglichen Salat und ein ausgiebiges Gespräch in seiner Wohn- und Wirkungsstätte Basel.

Und Sie singen heute noch die gleiche Stimmlage, die Sie als Teenager bei den Kiedricher Chorbuben auch sangen…
Im Chor war ich Knabensopran. Dann kam der Stimmbruch und ich habe einfach weiter gesungen. Unter Aufsicht der Stimmbildnerin sollte ich probieren, weiter in der Sopranlage zu singen. Solange die Stimme keinen Schaden nähme, wäre das doch in Ordnung, meinte mein Chorleiter. Und die Stimmbildnerin sagte dann irgendwann: ‚Mensch, jetzt bist du sechszehn und singst immer noch im Sopran, und es klingt auch gar nicht wie eine Kinderstimme, sondern das ist jetzt ein Countertenor – so nennt man das.’ Damals habe ich zum ersten Mal diesen Begriff gehört………

Zum ganzen Interview bei KLASSIK COM:

Link: http://portraits.klassik.com/people/interview.cfm?KID=11023

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28 Gedanken zu „Eine Renaissance für Altus-Sänger – Einsätze bei Sir J.E. Gardiner, M. Suzuki, etc.

  1. Volker

    8 Antworten auf “Eine Renaissance für Altus-Sänger ? Einsätze bei Sir J.E. Gardiner, M. Suzuki, etc.”

    1. Alexander Behrens sagt:
    25.8.2007 bei 23:00

    Was mich auch mal interessieren würde, warum manchmal ein und derselbe Dirigent hier Frauen-Alt, da Countertenöre verwendet. Hängt das vom Stück ab? Mir persönlich ist eigentlich egal, wer da vorne steht, wichtig für mich ist der Ausdruck und die Hörfähigkeit, und da gefallen mir Counter oft besser. Ich bin auch deswegen ein Fan der King’s Singers. Ich habe mich schon oft gefragt, warum mit Frauenstimmen so ein Klang (gerade im Ensemblegesang) nicht hinzubekommen ist.

    Viele Grüße! Alex

    2. muriel sagt:
    27.8.2007 bei 12:00

    Darüber dachte ich schon ab und an nach. War es nicht auch
    eine Modeerscheinung? Jedenfalls war ich zeitweilig sehr be-
    geistert von den Altus (langes uuuuuuuuuuuu, bitte). Die Begeisterung hat sich nach und nach gegeben. Jetzt neige ich wieder mehr den Altistinnen zu. Aber wenn dann einer singt wie Towers und auch so aussieht, dann kann ich gern auf Altistinnen verzichten. R.Blaze hörte ich in Ansbach – Matthäuspassion -, er sang sehr musikalisch, hatte jede Höhe aber in seiner Stimme gibt es eine gewisse Schärfe, die mich auf Abstand hält.

    Liebe Grüße
    muriel

    3. Alexander Behrens sagt:
    30.8.2007 bei 22:00

    Da muss ich aber mal für Robin Blaze eine Lanze brechen, einen extrem musikalischen Sänger mit für sein Fach ungewöhnlich flexibler Stimme. Dann habe ich auch nicht ganz verstanden, was du meinst mit “wenn dann einer singt wie Towers und auch so aussieht” – meinst du, er sieht aus wie Towers?

    Ich meine, das kann schon sein, aber wo ist der Gesang? So viel Ahnungslosigkeit gegenüber Schmerz und Elend wie in BWV 48 Nr. 2 eine Dramatik von wagnerianischem Ausmaß, und dann das! Alex

    4. Alexander Behrens sagt:
    30.8.2007 bei 22:00

    Habe noch eine schon ältere Aufnahme mit Jacobs als Altus gefunden:

    5. Volker /admin sagt:
    6.9.2007 bei 23:00

    Hallo zusammen,

    nach Rückkehr aus dem Urlaub höre ich diese interessante Aufnahme mit Rene Jacobs.
    @Alex, mit welchem Kantatenwerk ist er hier zu hören und aus welchem Jahr ist die Aufnahme. Zu deiner gestellten Anfrage, wann ein Altus und eine Altistin zum Einsatz kommt weiß ich auch nicht zu beantworten, dieses Thema werde ich im Blog einmal öffentlich als einen eingenständigen Diskussionsbeitrag neu eröffnen.

    Grüße an alle

    Volker

    6. Alexander Behrens sagt:
    7.9.2007 bei 19:00

    Hallo Volker: ich habe die mp3s nach einiger Zeit wieder entfernt – hast du sie noch rechtzeitig downgeloadet? Es war was aus der Matthäuspassion, erste Aufnahme mit Herreweghe.

    7. Volker /admin sagt:
    7.9.2007 bei 19:00

    Hallo Alex,

    ja, ich habe sie mir runtergeladen und Dank für deine Rückantwort.

    Grüße
    Volker

    P.S. Den Cantatafinder habe ich als Reiter in der ersten Reihe mittig gesetzt, sieht besser aus zum Auffinden!!!

    8. Volker /admin sagt:
    26.12.2007 bei 15:00

    Hallo,

    Über dieses Thema: “Counter-Tenöre – Altus” wird auf Diskussions-Seiten im Internet neuerdings häufig eingegangen. Eine ergiebige und fruchtbare Diskussion
    ergab sich auch auf dieser Internet-Site:

    http://www.amazon.de/gp/forum/cd/discussion.html/ref=cm_cd_et_up_redir?ie=UTF8&cdForum=Fx3W3EKOZL50NYH&cdPage=1&cdItems=25&cdThread=Tx2AAPM13Y8H00L&newContentID=MxQP4KHDDSYJ97#MxEPIRXP3Y3W7Z

    Allgemein kann zu diesem Thema ausgesagt werden, dass es eine Modeerscheinung unserer heutigen Zeit bedeutet, anstatt einer Altistin einen Counter in Bachs-Kantaten-Werken oder Oratorien zum Zuge kommen zu lassen, eine historische Notwendigkeit läßt sich in dieser Form nicht herleiten.

    Viele mir bekannten Bach-Interpreten der historischen Aufführungspraxis – (Suzuki, Jacobs, Gardiner, etc. und neuerdings auch die Kantoren) – bedienen sich dieser Modeerscheinung zum Nachteil der guten “Altistin”, und dieser Trend scheint nicht mehr zu stoppen zu sein, leider.

    In einem von mir vor Kurzem besuchten Weihnachtskonzert der Detmolder Barockakademie, setzte der Leiter, Prof. Gerhard Weinberger ebenfalls einen Altus in dem BWV 63 “Christen, ätzet diesen Tag”, ein, was dieser junge Sänger (Benno Schachtner); an Potential besitzt, ließ mich erstaunen, eine Altistin habe ich nicht vermisst, so grandios bewältigte er die Alt-Partie…..!!

    Viele Vorurteile zum Counter meinerseits musste ich nach diesem Konzerterlebnis revidieren, wenn es sehr gut ausgebildete Sänger sind und Potential besitzen, sind sie durchaus hörenswert.

    Grüße

    Volker

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    Antwort
  2. Anonymous

    Mein Liebinssänger in dem Genre ist Andreas Scholl. Er singt einfach engelsgleich.
    Benno Schachtner singt am Karfreitag in Augustdorf die Altuspartie in Stabat Mater von Pergolesi.
    Also einfach mal vorbeikommen!!

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    Antwort
  3. Volker Autor

    Hallo,

    einen weiteren Artikel zu dem Thema Counter-Tenören gibt es in der Zeitung:

    DIE ZEIT

    sie berichten über den französichen Counter: Philippe Jaroussky

    Der derzeit populärste Countertenor ist zugleich der jüngste. Vor elf Jahren erst begann Philippe Jaroussky, jetzt 31, ernsthaft mit dem Singen. Mittlerweile hat er rund 25 CDs mit renommiertesten Barockensembles produziert und Preise gewonnen, von denen Altisten früher nur träumen konnten. Er füllt mit Arienabenden Konzertsäle – und stellt erst mal klar, dass keiner den Kastraten das Wasser reichen kann. »Es gibt viele Arien für sie, die wir nicht singen können, sie sind zu hoch.« Auch wo die Tessitura zu ihm passt, muss er tricher, wie er sagt: mogeln. »Die Kastraten konnten eine ganze Seite singen, ohne zu atmen. Sie hatten ein enormes Lungenvolumen.

    ————————————————

    Zum ganzen Artikel in DIE ZEIT

    Link: http://www.zeit.de/2009/12/M-Jaroussky

    Gruß
    Volker

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    Antwort
  4. antsche

    Hi,
    google führte mich auf diese Seite. Ich war gestern zum ersten Mal (und bestimmt nicht zum letzten Mal) in meinem Leben in der Oper: Händels „Ariodante“. Und ich fand den Countertenor Polinesso toll aber habe nich verstanden, warum Ariodante ne Frau war (noch dazu kleiner und zierlicher als die Ginevra). Ist das so, dass diese Partien ursprünglich für Kastraten geschrieben waren und heutzutage aus Mangel an solchen Stimmen durch Frauen ersetzt werden??? Und sind Countertenöre so selten, dass opernhaus schwer welche für die Besetzung findet?? Ich war ja schon hauptsächlich wegen der Musik und des Gesangs da, aber irgendwie dachte ich, Oper ist auch was zum Gucken und das war irgendwie seltsam diese(n) zarte(n) Ariodante mit ihrer/seiner 10cm größeren Ginevra da vorn zu sehen…hmmm.
    gruß antsche

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    Antwort
  5. Volker Autor

    Hallo antsche,

    zu deiner Frage:
    „Und ich fand den Countertenor Polinesso toll aber habe nich verstanden, warum Ariodante ne Frau war (noch dazu kleiner und zierlicher als die Ginevra). Ist das so, dass diese Partien ursprünglich für Kastraten geschrieben waren und heutzutage aus Mangel an solchen Stimmen durch Frauen ersetzt werden???“

    Es war die Blütezeit eines Counters (Kastraten) die in der Musik von G.F. Händel einen hohen Stellenwert besaßen und in der Besetzung eine Vorrangstellung einnahmen, Händel hat sie bevorzugt eingesetzt.

    In der heutigen Zeit sind die Counter wieder sehr gefragt und werden selbst in den Vokalwerken von J.S. Bach gerne eingesetzt, gehört wohl zu der „Historischen Aufführungspraxis“ dazu, die Leidtragenden sind die Altistinnen – es ist halt in Mode gekommen, einen Altus (Counter) eher zu verpflichten, als eine gestandene Altistin…!!

    Von einer sehr großen Counter-Schwemme kann zwar z.Zt. nicht gesprochen werden, aber der Markt ist gefüllt mit guten Countern, es ist halt immer eine Interpretationsfrage des Aufführenden, wie er die Stelle besetzen möchte.

    Gruß
    Volker

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    Antwort
  6. Wolfgang Adam

    Hallo ihr Bach-Freunde!

    Aus Italien, dem Land des Belcanto und der ersten Opern wiederzurückgekehrt, verfolge ich mit Erstaunen Eure neusten Diskussionen zum vokalen Schaffen Bachs, diesem wahrhaft thüringischen Komponisten, der im Norden gelernt hatte und den Motetten eines Buxtehude zugetan war.

    Ich möchte das Thema mit den Counter-Tenören mal von einer für mich grundsätzlichen Seite angehen. Wahrscheinlich werden alle Musikkunstbeflissenenen jetzt über mich herfallen. Doch ich möchte gerade Bachs-Vokalmusik von seiner Konstanten ‚Gott – Mensch‘ her verstehen.

    Diese Konstante kommt aus dem menschlich Gegebenen. Der Mensch steht Gott gegenüber. Gott gibt es (in unserer Vorstellung) übergeschlechtlich. Beim Menschen gibt es nun mal zwei Geschlechter, männlich und weiblich, die sich auch in ihrer Stimmlage-, als hoch oder tief angesetzt, zu erkennen geben. Dies ist das Natürliche.

    Bach hatte sich meines Wissens oft gegen die ’schönen Öperchen und Liederchen aus Dresden‘ ausgeprochen. Er wollte kein Opernkomponist sein, wenn auch die Hasse’s, Graun’s und Konsorten mehr Lob einsammelten. Warum so aber Bach-, er wollte ja das echte Gegenüber Mensch-Gott vertonen. Ein echter Gott (an den Bach ja glaubte), verlangte auch einen echten Menschen!

    Darum blieb Bach in seiner musikalischen Anrede an Gott und seine Herrlichkeit nur das stimmlich wirkliche Gegenüber Gottes: den Menschen als Mann und Frau. So hat er wunderbare Rezitative und Arien für die vier Grundstimmen – S-A-T-B- geschaffen, die alle etwas Bestimmtes ausdrücken sollten. So war z.B. der Alt als Stimmelage des Heiligen Geistes vorgesehen. Der Bass oder Bariton als weihevolle und ordnende Stimmme Jesu, der Sopran verkörpert oft Stimme eines Engels. Der Tenor oft die aufgeregte Männlichkeit. In diesen vier natürlichen Stimmlagen verkörpert sich für Bach nun mal sein Denken, mit dem er Gott und die Welt darstellt.

    Für mich folgt daraus: In den Opernhäusern Dresden, Mailand oder Berlin mögen Affekte und Leidenschaften eine Rolle spielen. Bach wollte als Kirchenmusiker den Menschen aber in seinen Grundbefindlichkeiten aufzeigen.

    Die Frage, wie wird Bach in seinem Wollen einigermaßen echt aufgeführt, beantwortet sich daher von allein.

    Alle andere Begeisterung des 21.Jahrhunderts für Countertenöre, bewegt sich nicht innerhalb der Grundlinien, die Bach für seine Musik wichtig waren.

    Daher ist die Diskussion über Countertenöre in einem Bach-Forum überflüssig!!!.

    Ich stelle zur Beschäftigung mit Bach’s Kantaten eher eine andere Frage: Gelingt es Bach, den Menschen in seinem Sehnen und Schreien nach Gott vollgültig als Frau und Mann darzustellen. Gelingt es Bach, mütterliche Liebe (z.B. Arie ‚Schlafe mein Liebster‘ etc.) und männlichen Mut und Verzweiflung (z.B. Arioso ‚Bäche von gesalznen Zähren‘ etc.) menschlich verständlich darzustellen. Sind solche emotionalen Ausbrüche glaubhaft und können sie Gottes Herrlichkeit entgegengestellt werden?

    Wenn man solche eher kreatürlichen Fragen stellt, kommt einen das Geplapper von ‚Countertenören‘ eher lachhaft vor.

    Bin gespannt auf Eure Reaktionen.

    @Wolfgang

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    Antwort
  7. Claudia

    Hallo Wolfgang, ich hatte bei dieser Diskussion schon ähnliche Gedanken wie Du.
    Ich drücke es einfach mal etwas platter aus.
    Ich glaube, um eine Arie à la „Schlafe mein Liebster, Bereite Dich Zion“ von einem Altus singen zu lassen, ich denke da speziell an „…labe die Brust, empfinde die Lust…“ ist der gute Bach doch zu sehr Mann gewesen…:-)))

    Grüße, Claudia

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    Antwort
  8. Wolfgang Adam

    Liebe Claudia!

    Danke, dass Du mir zustimmst!

    Noch ein Beispiel. Ich empfinde furchtbar viel an Trost und Erfüllung, auch Sehnsucht in einer meiner Lieblingsarien für Tenor (BWV 19,5)’Bleibt ihr Engel bleibt bei mir‘. Es war ja gerade die Absicht des Komponisten, dass der Hörer der Arie sich mit dem Wunsch des Sängers identifiziert. In der mir vorliegenden Rilling-Aufname singt diese Adalbert Kraus. Ihm gelingt es, die schwierigen Koloraturen und Höhen mit Kraft und Mühsal zu erklimmen, seine Stimme fliegt nicht mühelos durch die sehnsuchtsvollen Worte, sondern man spürt, dass hier ein Mann an die Grenzen seiner stimmlichen Möglichkeiten kommt, eben weil er auch Sehnsuchtschweres ausdrücken muß. Das war auch das Besondere an der Stimme von Fritz Wunderlich. Um so etwas unsagbar Schweres auszudrücken ist auch das Timbre wichtig-, vgl b-Teil von BWV 19,5) ‚Führe mich auf beiden Seiten…‘ Da wird im Gegensatz zu den schwindelnden Höhen eine Brücke gebaut, auf der mich Engel auf beiden Seiten führen. In der Tiefe des Timbre drückt sich die Stabilität des von Engeln geführt werden aus.

    All dies Ausdrucksmöglichkeiten vermisse ich bei Countertenören. Hier erklingt die Stimme-, sagen wir mal-, ‚unschuldiger Wesen‘, die schon längst in Himmelssphären abgedriftet sind, aber mit Mühe und Sehnen der Erdenbewohner nichts mehr zu tun haben. Hier ertönt eher ein song of an angel, der in CD’s mit Meditations-Musik sein Recht hat. Bei solcher Musik will der Hörer ja relaxen.

    Ich will aber nicht Jochen Kowalski und Andreas Scholl und vielen anderen Unrecht tun. Natürlich sind dies auch Männer, die für die Alten Musik viel leisten, in dem sie eine musikhistorische Praxis aufnehmen, die was mit Museum und Kunstgesang zu tun hat.

    Mein Fazit: Wenn ich Bach höre und singe, gehe ich nicht in’s Museum, sondern ich will meine Alltäglichkeiten auch mit Hilfe der Musik bewältigen. Ich will keine Musik, die mir verspricht,wegzuschweben.

    Gruß

    @Wolfgang

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    Antwort
  9. Volker Autor

    Hallo,

    zu @Wolfgang, sei erst einmal wieder herzlich Willkommen zurück in Germania und hoffe, dass Du erlebnisreiche Wochen in Italien erleben konntest war wohl ziemlich heiss dort, oder?
    ——————–
    Diese Diskussion um einen Altus wurde durch einen Gast im Forum noch einmal zur Diskussion gestellt, weil er in Halle die Händel-Festspiele besucht hatte und dort mit Händels Idealbesetzung – mit einem Counter konfrontiert wurde.
    ——————–
    Wir hatten in den vorangegangenen Diskussionen schon ausgiebig über diese Spezies (Counter- Altus – Kastraten) – uns ausgelassen und möchte dazu keine Stellungnahme mehr abgeben weil wir uns sonst im Kreise drehen und immer wieder auf den Ausgangspunkt zurück kommen, das möchte ich vermeiden..!!

    Nur so viel von mir zur Sichtweise von @Wolfgang und @Claudia in der vorangegangenen Diskussion bei der Besetzung eines Counter/Altus in den Vokalwerken von J.S. Bach.

    So ganz einfach kann die Musik-Geschichte (Historie) nicht außer Betracht gelassen werden, Bach standen nur seine Knaben (Thomaner) zur Verfügung und konnte nur darauf entsprechend zurückgreifen, eine Besetzung eines Alt oder Sopran durch eine Frau wurde von der „Protestantischen-Kirche“ nicht zugelassen und war verpöhnt – hier hätte Bach sicherlich es gerne anders gewollt. Ich denke an seine 2. Ehefrau – Anna Magdalena, eine ausgezeichnete Sängerin, die eine ideale Besetzung abgegeben hätte.

    Aber, eine Bachsche Passion verlangt Bekanntschaft mit dem geschichtlichen Boden, aus dem diese Werke hervorwuchsen, verlangt, daß der Hörer darüber klar ist, wieweit die Freiheit jener Meister durch überkommne Formen und Bräuche gebunden war.

    Seit Bach wieder eine Renaissance erlebt, geht eine starke Strömung durch die neue Musik, noch täglich steigt die Nachfrage nach alten Werken. Diesen vor Augen liegenden praktischen Erfolgen dankt aber die Musikgeschichte ihr heutiges gesteigertes Ansehen, und sie bemüht sich es festzuhalten. Ohne Überhebung darf ausgesprochen werden,
    daß sie sich der Gunst der Zeit nicht unwert zeigt, in ihren Leistungen und ihrem Eifer alle früheren Perioden überbietet und daß sie, wie sich’s gebührt, gegenwärtig an der Spitze der
    musikalischen Wissenschaften steht.

    Im Umkehrschluss heisst dass: ein Counter/Altus hat aus dieser Sicht ebenso seine historische Berechtigung wie eine vorzügliche Sopranistin oder Altistin mir gefallen alle Besetzungen dieser Art wenn sie dem Werke mehr als gerecht werden. Ich kann da mit @Wofgang keine Übereinstimmung erreichen in dem er zu den Countern/Altus nachstehendes aussagt:

    „Ich will aber nicht Jochen Kowalski und Andreas Scholl und vielen anderen Unrecht tun. Natürlich sind dies auch Männer, die für die Alten Musik viel leisten, in dem sie eine musikhistorische Praxis aufnehmen, die was mit Museum und Kunstgesang zu tun hat.“

    Das sehe ich anders und freue mich, wenn ein überzeugender Altus meinen Nerv trifft und dem Werk mehr als gerecht wird…!!““

    Grüße zusammen
    Volker

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    Antwort
  10. Wolfgang Adam

    Lieber Volker, liebe Bach-Freunde!

    Ja-, ich freue mich wieder bei Euch zu sein und habe aus Italien vielleicht ein wenig Widerspruchsgeist mitgebracht.

    Lieber Volker-, Du als Hausherr kannst natürlich eine Diskussion beenden. Aber meine Argumente für einen Bach-gemäßen Liedgesang gehen tiefer und bereichern unsere Diskussion mit einer neuen Dimension. Nicht’s dreht sich im Kreise (Dein Zitat), eher dreht sich eine Spirale nach oben. Jetzt unterhalten wir uns nicht mehr quantitativ über Countertenöre, sondern fragen uns: Gelingt es Bach, den Menschen in seinem Sehnen und Schreien nach Gott als Mann und Frau vollgültig darzustellen. Kann ein Counter dabei als Interpret eingesetzt werden?

    Du stellst richtig fest:
    1.Bach’sche Werke verlangen Bekanntschaft mit dem geschichtlichen Boden drumherum. Wir sollten informiert sein, ‚wieweit die Freiheit jener Meister durch überkommene Formen und Bräuche gebunden war.

    Meine Antwort: Natürlich-, wir sollten die Operngebräuche in Dresden, London, Mailand etc. überblicken, auch verstehen, dass Bach kirchlich gebunden war und sich davon absetzte.

    2.Die Bach-Renaissance hat Anteil am gesteigerten Ansehen der Alten Musik überhaupt. Musikwissenschaftlich wird jetzt vieles entdeckt und wiederbelebt.
    Meine Antwort: Gut so-, aber was hat Bach in seinem Aussagewollen damit zu tun?

    Ich versuche darzustellen:
    1. Musik-ästhetisches Argument. In vielen Tenor-Arien Bach’s werden Lebensfragen formuliert, die an die Grenze menschlicher Existenz gehen. Dieses ‚Ringen‘ um Annahme oder Ablehnung will ich auch in einer Stimme wahrnehmen können, die in ihrem Ausdruck an ihre Grenze in Höhe und Timbre kommt.
    Beim Countertenor stört mich die Leichtigkeit und Mühelosigkeit. Negativ gesagt: Ein unschuldiges Wesen überfliegt die menschlichen Probleme-, engelsgleich abgehoben.

    2.Kreatürliches Argument: Bach lebt vom Gegenüber Gott – Mensch. So wie Bach an den einen, wirklichen Gott glaubte (Vater-Sohn-Hlgr Geist), so will er auch den wirklichen Menschen als Frau und Mann. Dies drückt sich in den 4 Stimmen aus (S-A-T-B)
    Ein Altus hat selbstverständlich seine historische Berechtigung. Kann aber bei Bach nie vorkommen. Aber freuen wir uns, dass die Alte Musik in vielen Facetten entdeckt und aufgeführt wird. So gibt es auch eine Schar von guten Countertenören.

    Fazit:
    Diese haben aber mit Bach nichts zu tun. Wie ich darlegte, will Bach ja in seinen Arien Lebensprobleme darstellen, die auch glaubhaft interpretiert werden sollten. Dies geht nur, wenn ein Sänger sein Stimmmaterial voll ausschöpft. Diese stimmliche Arbeit will ich aber auch hören.
    Weiter duldet Bach keine Zwischenstimmlagen. Er gibt sich zufrieden mit den 4 Grundstimmen. Ausreichend wird verkörpert, was Bach darstellen will. Nämlich den Menschen als Frau und Mann, der nach Gott ruft.

    Unter dieser Fragestellung werden Bach’s Tenor-Arien neu interressant. Macht Euch mal die Mühe und hört Euch an: BWV 19,5 (sehnliches Bitten); 112,4 (Dankbarkeit); 81, 3 (Zorn); 248,VI Kantate,9 (Kampfesmut); 76,9 (Hassen können); 93,3 (Demut). Können diese Gemütsbewegungen stimmlich von Countertenören ausgedrückt werden? Versteht mich bitte nicht falsch. Seelisch werden auch Countertenöre Stimmungen aufnehmen können. Aber kommen die auch durch das Medium Stimme bewegt auf den Hörer rüber?

    Eine Diskussion drüber freut mich.

    Gruß

    @Wolfgang

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  11. barbara57

    Hallo Wolfgang,
    auch auf die Gefahr hin, mich ein wenig lächerlich zu machen, habe ich zwei Anmerkungen zu Deinen Ausführungen:

    1. Wieso vergleichst Du Countertenöre mit Tenören? Es ist nie die Rede davon gewesen, z.B. BWV 19.5 von einem Counter singen zu lassen. Oder habe ich etwas verpasst?

    2. Ich höre Musik, um mich mitnehmen zu lassen aus dem Alltag heraus, aus verschiedenen emotionalen Situationen heraus in eine andere Welt, die mir Frieden und Zuversicht gibt. Oder mich ganz einfach nur glücklich macht. Da muss ich nichts wissen, da muss ich meinen Kopf nicht einschalten, da brauche ich keinen theologischen Exkurs, das macht Bach (auch andere Komponisten) ganz allein mit seiner Musik, da muss ich einfach nur mein Herz aufmachen. Gerade BWV 19.5 ist eine Arie, die mich einmal in einem Konzert richtig zwischen Himmel und Erde schweben ließ und mir eine Zuversicht, dass Gottes Engel wirklich um mich sind, gegeben hat, die sich auch heute nach Jahren immer wieder beim Hören dieser Arie einstellt. Und die Diskussion, ob ein Mann oder eine Frau eine Alt-Arie singt, halte ich einfach für überflüssig. Die einzige Frage ist, ob dieser Sänger, welchen Geschlechtes auch immer, die entsprechenden Emotionen zum Ausdruck bringen kann. Und das hängt von den Fähigkeiten des Einzelnen ab. Ich denke nur an die unglaubliche Arie „Es ist vollbracht“ in der Johannes Passion am Karfreitag in Wolfenbüttel, die David Bates mit einer solchen Innigkeit und im Mittelteil mit einer solchen Kraft gesungen hat, die wirklich zutiefst berührend war.
    Die Frage „Mann oder Frau“ gehört in meinen Augen durch den Begriff „Mensch“ ersetzt. Aber das ist eine gesellschaftliche Diskussion und keine Musikalische.

    Einen schönen Sonntag
    Barbara

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    1. Wolfgang Adam

      Hallo Barbara!

      Danke für Dein Interesse an dem Thema.

      Du fragtst:

      1.“Wieso vergleichst Du Countertenöre mit Tenören? Es ist nie die Rede davon gewesen, z.B. BWV 19.5 von einem Counter singen zu lassen. Oder habe ich etwas verpasst?“

      Meine Antwort: Ich vergleiche nicht Countertenöre mit Tenören. Die kann man gar nicht vergleichen, weil ein Tenor viel mehr stimmliche Möglichkeiten als ein Countertenor/Altus hat. So gibt es auch meines Wissens keine Aufnahme, in der BWV 19,5 von einem Countertenor gesungen wird.

      Meine Bitte war nur die: „Macht Euch mal die Mühe und hört Euch an: BWV 19,5 (sehnliches Bitten); 112,4 (Dankbarkeit); 81, 3 (Zorn); 248,VI Kantate,9 (Kampfesmut); 76,9 (Hassen können); 93,3 (Demut).

      Können diese Gemütsbewegungen (gefunden in Tenorarien) stimmlich von Countertenören ausgedrückt werden?

      Wer Ohren hat zu hören, der höre genau hin!

      2. “ … ob ein Mann oder eine Frau eine Alt-Arie singt, halte ich einfach für überflüssig. Die einzige Frage ist, ob dieser Sänger, welchen Geschlechtes auch immer, die entsprechenden Emotionen zum Ausdruck bringen kann. Und das hängt von den Fähigkeiten des Einzelnen ab.
      Die Frage “Mann oder Frau” gehört in meinen Augen durch den Begriff “Mensch” ersetzt.“

      Meine Antwort: Die Frage halte ich auch für überflüssig. Ich bin nur der Meinung, dass ein Countertenor die Stimmlage und den Stimmumfang Tenor nicht ausdrücken kann. Das von Dir angeführte Beispiel überzeugt mich nicht, da die Arie ‚Es ist vollbracht‘ aus der Johannes-Passion ja eine Alt-Arie ist, die ein Altus auch wiedergeben kann.

      Ein Countertenor/Altus sollte nur keine Tenorarien singen.

      Gruß
      @Wolfgang

      Wer Ohren hat zu hören, der höre hin!

      zu 2:

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      Antwort
  12. Iris

    Hallo, liebe Counter- und Altusfreunde,
    folgendes kam vor ein paar Tagen im WDR3 (find`s leider im Archiv nicht wieder): Man hat eine Sopranstimme mit einem Counter gekreuzt und heraus kam ein Farinelli. Fällt Euch dazu noch etwas ein? Mir nicht!
    Euch allen noch einen schönen Sonntag.
    Lieben Gruss
    Iris

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  13. barbara57

    Hallo Iris,
    diese übereinandergelegten Stimmen von Ewa Mallas Godlewska und Derek Lee Ragin waren in dem Film „Der Kastrat“ zu hören. Das Ergebnis war betörend schöner Gesang zu einem für mich doch ziemlich beklemmenden Film. Hier ging es ja nicht um die absolute Musik, sondern um eine eventuelle Annäherung an eine Kastratenstimme. Im Konzert undenkbar, aber für den Film fand ich das ganz interessant.
    Viele Grüße
    Barbara

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    Antwort
  14. Volker Autor

    Hallo ihr Sonntags-Counter…!!

    Freue mich über den riesigen Zuspruch den @Wolfgang losgetreten hat. Eine Beendigung dieser Diskussion war lieber @Wolfgang, von meiner Seite nie beabsichtigt, ich war der Meinung, alles sei bereits gesagt, aber Du hast ja dein persönliches Anliegen hier vorgetragen und sollten es auch dann ausgiebig ausdiskutieren.
    ——————-
    Ich muss einfach noch einmal die Historie heranziehen, Bach standen keine Frauen zur Disposition, also habe ich mit deiner Aussage meine allergrößten Probleme, du sagtest aus:

    „Darum blieb Bach in seiner musikalischen Anrede an Gott und seine Herrlichkeit nur das stimmlich wirkliche Gegenüber Gottes: den Menschen als Mann und Frau. So hat er wunderbare Rezitative und Arien für die vier Grundstimmen – S-A-T-B- geschaffen, die alle etwas Bestimmtes ausdrücken sollten.“

    Meiner Meinung nach war Bach überwiegend daran interessiert, gut ausgebildete Gesangskräfte vorzufinden, wie oft klagte er über mangelhafte Stimmen, die er nur mit Mühe besetzen konnte, da ist es aus meiner Sicht doch egal, ob Frau-Mann-Counter-Altus einen entsprechenden Part besetzten. Wie heisst es so schön: „Vor Gott sind alle Menschen gleich“ und das beziehe ich eindeutig auch auf die Musik von Bach. Ich gebe zu, dass Bach seine entsprechende Vorstellung zu seiner Komposition hatte und mit symbolischen Werten es dem Hörer rüberbringen möchte. Aber das hat mit der Besetzung des Gesangs-Solisten mit eine Mann- Frau- Beziehung wenig zu tun, ihm standen nur Knaben zur Verfügung und so interpretiere ich es auch.

    Es muss ein(e) Gesangssolist-/in sein, die dem Werk absolut gerecht werden und es auch in einer innerlichen Beziehung entsprechend vortragen können und sollten, da ist es mir egal, wer es vorträgt, er muss mich berühren können ob nun als Frau oder Mann, das ist nebenrangig anzusehen. Einige Counter überzeugen mich vollends und finde sie geradezu dafür predesziniert…!!
    ————————–

    Die WDR3-Angabe von @Iris erwähnt kann über nachstehend Link angehört werden:

    http://www.wdr3.de/tonart/details/artikel/wdr-3-tonart-74ab6b657e.html

    Dann folgenden Beitrag anklicken:

    Philippe Jaroussky auf Farinellis Spuren

    Farinelli in einem Gemälde von Jacopo Amigoni
    Er gilt bis heute als der berühmteste Kastrat, der je gelebt hat: Farinelli alias Carlo Broschi.
    ——————-

    Schöne Sonntagsgrüße an alle
    Volker

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    Antwort
  15. Barbara

    Hallo Wolfgang,
    dann ist diese ganze Diskussion überflüssig, da ein Countertenor im Prinzip nichts anderes ist als ein Altus. Hier ein Auszug von Wikipedia:

    Als Countertenor (von lat.: contratenor), auch: Altus (von lat. altus = „hoch, hell“) wird ein männlicher Sänger bezeichnet, der mit Hilfe einer durch Brustresonanz verstärkten Kopfstimmen- bzw. Falsett-Technik in Alt- oder sogar Sopran-Lage singt.

    Es gibt Versuche, zwischen Countertenor und Altus zu unterscheiden (z. B. nach den eingesetzten Anteilen von Brust- und Kopfresonanz), aber die vorhandenen Sänger weisen eine derart hohe Individualität auf, dass eine solche Differenzierung fragwürdig erscheint. Die Bezeichnung „Altus“ bezieht sich eher auf die Lage, der Begriff „Countertenor“ auf die verwendete Technik.

    Die von Dir angeführten Arien habe ich auch noch nie von einem Altus gehört.

    Viele Grüße
    Barbara

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  16. Wolfgang Adam

    Lieber Volker!
    Liebe Bach-Freunde

    Volker-, danke für Dein Verständnis. Ich wundere mich ja selbst über mich, wie wichtig mir das ‚Countern’oder kontern(!) geworden ist.

    Zuvor aber nochmal die gängige Definition:
    „Als Countertenor (von lat.: contratenor), auch: Altus (von lat. altus = „hoch, hell“) wird ein männlicher Sänger bezeichnet, der mit Hilfe einer durch Brustresonanz verstärkten Kopfstimmen- bzw. Falsett-Technik in Alt- oder sogar Sopran-Lage singt.
    Es gibt Versuche, zwischen Countertenor und Altus zu unterscheiden (z. B. nach den eingesetzten Anteilen von Brust- und Kopfresonanz), aber die vorhandenen Sänger weisen eine derart hohe Individualität auf, dass eine solche Differenzierung fragwürdig erscheint. Die Bezeichnung „Altus“ bezieht sich eher auf die Lage, der Begriff „Countertenor“ auf die verwendete Technik.“ (aus WIKIPEDIA)

    Daraus folgt für mich:
    Sopran-und Altarien sollen sie singen. Aber keine Tenorarien!
    Zu Deinem Beitrag:
    Natürlich ist es richtig, dass Bach keine Frauen zur Disposition standen-, er mußte sich mit den Moralvorschriften seiner kirchlichen Arbeitgeber zu frieden geben. Die hohen Stimmlagen durfte er nur mit Knaben besetzen. Ich höre fast Bach’s ‚Zähneknirschen‘, denn im Leben außerhalb des kirchlichen Raums schlug Bach andere Töne an. Da beschreibt er z.B. in seinen weltlichen Kantaten den Typ Frau und Mann so volksnah und derb. In Kaffee-Kantate und Bauernkantate wäre er nie auf den Gedanken gekommen, seine Thomas-Schüler für die hohen Stimmen einzusetzen. Da bleibt die Frau Frau und der Mann Mann. Dasselbe Bild zeichnet er in seinen Gratulations- und Huldigungs-Kantaten. Auch komponiert er ja oft Kantaten mit mytholgischen Hintergrund. Da gibt es nichts zu wackeln: Herkules bleibt natürlich ein Mann und die Figuren der ‚Zeit (BWV 30a), des ‚Glücks‘, der Wollust (BWV 213) sind Frauenrollen. Auch die Liebes-Kantaten ‚No sa che sia dolore'(BWV 209) und ‚Ich bin mit mir vergnügt‘ (BWV 204) sind ganz klar Frauenrollen. So auch die Lieder im Schemellischen Gesangbuch, auch das Quodlibet (Jugendwerk) und vielleicht auch sogar die Sopran-Solo-Paradekantate ‚Jauchzet Gott in allen Landen‘.
    Es scheint, als hätte sich Bach in’s wirkliche Leben hereingestürtzt, er schafft Rollen, die ihm die Kirche nicht erlaubte.

    Bach beschreibt also volksnah, kann aber auch akademisch und mytholgisch abgehoben eine Gesellschaft in Musik setzen, die aus Menschen beiderlei Geschlechts besteht. Dabei verteilt er Frau und Mann auf die Stimmgattungen S-A-T-B. Dazwischen hat er keinen Bedarf.

    Ein Counter/Altus kann eine gehaltene Männerstimme (tenere=halten, Tenor bezog sich auf die hoch gehaltene Männerstimme) gar nicht singen. Er singt, wie WIKIPEDIA definiert, in Alt- oder Sopranlage. Das soll und darf er ja auch. Aber bitte nicht die wertvollen Tenorarien. In denen will ich männliches Timbre, Wucht und manchmal auch Gepolter hören. Sängerische Arbeit, die überzeugend das ‚menschliche Geschlecht‘ in’s Spiel bringt.

    Lieber Volker!

    Du gebrauchst am Schluß das Wort ‚prädestiniert‘.
    Bach beschreibt ja menschliche Tatbestände, die schwer wiegen (Hoffnung, Trost, Leid, Tod aber auch Jubel, Freude …) Bei Countern kommt mir alles (wie schon oben gesagt)zu leicht genommen vor. Für mich sind Counter also ganz und gar nicht zum Ausdrücken dieser schwierigen menschlichen Tatbestände prädestiniert=vorbestimmt.
    Eher sind Couner prädestiniert zum Ausdrücken für Phantasien, Feen, vagen Vorstellungen, Sphärenmusik. Dafür gibt es ja genug musikalisches Genre, aber Bach bleibt auf der Erde.

    Wir dürfen auch nicht vergessen, dass man Bach vor allem in der heutigen Generation oft mit Attributen wie -‚abgehoben‘, ‚Musik für die letzten Dinge‘, ‚zu geistlich‘ etc.- belegt. Das ist Bach aber gerade nicht!
    So sollten Bach-Sänger auch ihre Texte so interpretieren, dass sie nicht missverstanden werden: als sängen sie ‚von letzten Dingen‘.

    Gruß

    @Wolfgang

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    Antwort
  17. Barbara

    Hallo Wolfgang,
    dann hast Du einfach noch nicht die richtigen Altus-Sänger gehört. Da gibt es durchaus einige, die „männliches Timbre, Wucht und manchmal auch Gepolter“ zu Gehör bringen können.
    Viele Grüße
    Barbara

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    Antwort
  18. Wolfgang Adam

    Hallo @Barbara!

    Ja-, das kann sein. Habe höchstens 2-3 Alti gehört, aber nur auf CD: Kowalski, Scholl … das waren wohl nicht die Richtigen.

    Gruß

    @olfgang

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    Antwort
  19. Barbara

    Hallo Wolfgang,
    na gut – das schreit danach, dass Du Deinen Horizont etwas erweiterst. Beides sind ja auch Sänger mit einem sehr speziellen Timbre. Fang doch mal mit Daniel Taylor an – ein Sänger mit einer sehr weichen, fast engelhaften Stimme. Bei den SDG-CDs gibt es ja genug Auswahl. Ich habe ihn auch schon live gehört – sehr berührend, wie er gesungen hat.
    Das nur für den Anfang!
    Schönen Abend
    Barbara

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  20. Volker Autor

    Lieber Wolfgang,

    um das Thema in deinem Sinne abzurunden ist eindeutig festzustellen, dass ein Counter/Altus/Evirati/Kastrat – gesangstechnisch in der Lage ist, die Alt-Stimme zu imitieren, das ist Fakt.

    Eine weitere Diskussion auf den Tenorpart erübrigt sich meinerseits, denn hier ist ein CounterAltus/Evirati/Kastrat nicht einsetzbar wie schon in den vorangegangenen Kommentaren erwähnt wurde.

    Deine Interpretation eines Tenors finde ich durchaus nachvollziehbar, es sollte schon entsprechend zum Ausdruck gebracht werden, was er da singt und das auch innerlich überzeugend vorbringen, was nicht unbedingt „Allgemeingut“ für so manchen Tenor bedeutet, sie singen ihren Part emotionslos vor – und das war’s. Deine genannte Tenor-Riege war schon vom feinsten Kaliber und scheint nur noch schwer zu toppen zu sein, aber wer weiss, was die Zukunft wieder an Überraschungen bereit hält.
    In diesem Sinne bleiben wir als Konzertbesucher und Cd-Besitzer hellwach und werden unsere Protagonisten aufmerksam beobachten.

    Herzlichen Gruß
    Volker

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    Antwort
  21. Daniel Lager

    Hallo zusammen!
    Ich habe hier so oft gelesen, dass Countertenöre bei Händel bevorzugt zum Einsatz kamen. Ich muss dem mal als waschechter Countertenor dringend widersprechen: Zwar gibt es Dokumente, die belegen, dass in einigen Händel-Oratorien, wie z.B. dem Messias, Countertenöre auch die Soli übernommen haben, allerdings ist das für die Opern meines Wissens nicht belegt. Und Kastraten sind mal was ganz anderes als (heutige) Countertenöre – das kann ich Euch versichern.
    Auf Volker muss ich auch reagiere: Wann singen denn Countertenöre die Tenorpartien in Bach’schen Werken? Mir ist das noch nciht untergekommen? Ich wäre aber, falls es sowas auf CD gibt, sehr interessiert, es mal zu hören…
    Liebe Grüße,
    Daniel.

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    Antwort
  22. Volker Autor

    Hallo Daniel,

    deine Aussage zu meinem verfassten Kommentar:

    „Auf Volker muss ich auch reagiere: Wann singen denn Countertenöre die Tenorpartien in Bach’schen Werken? Mir ist das noch nciht untergekommen? Ich wäre aber, falls es sowas auf CD gibt, sehr interessiert, es mal zu hören…“

    Das war ein Lapsus und sollte nur das Wort „Alt/Altistin“ beinhalten, der Kommentar wurde aufgrund deiner Aufmerksamkeit von mir abgeändert. Dass uns das allen nicht aufgefallen war ist wohl auf die Fülle der abgegebenen Kommentare zurückzuführen.

    Deinen Widerspruch zu Händel, dass er überwiegend Counter eingesetzt hat, kannst Du nicht nachvollziehen, nehme ich einmal ohne Widerspruch hin. Wenn Du über historisch belegte Aussagen darüber verfügst, dass dem nicht so gewesen ist, dann lass es uns wissen, wir sind immer lernbereit und folgen keiner Doktrin.

    Wie ich so eben in deiner Homepage gelesen habe, erfolgte deine Ausbildung an der Musikhochschule Hannover. Meine Frage: „Ist zu diesem Thema – Einsatz der Kastraten bei Händel-Werken – etwas anderes gelehrt worden?“ Im Internet wimmelt es nur so von andersartig lautenden Aussagen.

    Herzlichen Gruß
    Volker

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    Antwort
  23. Daniel Lager

    Hallo Volker!

    An der Musikhochschule Hannover gab es zu meiner Zeit keine Veranstaltungen, die sich mit dem Thema Kastraten und Counter beschäftigt haben. Das Thema scheint bei den Lehrenden immer noch Unbehagen hervorzurufen. Schade eigentlich, denn gerade für die ganze Gender-Bewegung, die heutzutage so in Mode gekommen ist, scheint mir das ein spannendes Thema zu sein: Der Reiz der Kastraten war ja wohl auch viel durch die ambivalente Geschlechtlichkeit begründet. Kastraten waren ja neben ihrer Gesangstätigkeit sowohl bei Frauen als auch bei Männern als Liebhaber sehr beliebt. Was ich darüber weiß, habe ich mir allerdings selbst angelesen.

    In diesem Sinne: Es gibt zu fast jedem großen Werk von Händel eine Quelle mit der Originalbesetzung – oft sogar im Faksimile Teil der Halleschen Händel-Gesamtausgabe. Dort findet man die Namen der Sänger der Uraufführung und deren Stimmgattung. So lässt sich ganz gut nachvollziehen, wer Händels Werke einstmals gesungen hat.
    Ich habe also nicht gemeint, bei Händel hätten keine Kastraten gesungen, sondern vielmehr dass die Heldenrollen in seinen Opern nicht mit Countertenören besetzt wurden. In den Oratorien, zumindest den englischen, war das sicher anders.
    Und zwischen Countern und Kastraten gibt es doch einen recht bedeutenden Unterschied… ich meine den kleinen Unterschied, der paarweise kommt 😉

    Gruß,
    Daniel.

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    Antwort
  24. Volker Autor

    Hallo Daniel,

    danke für deine umfangreiche Stellungnahme zu dem Thema Counter. Deine Ausführungen vom 9.2.2010 dazu im Amazon-Forum finde ich so prägnant und aussagekräftig, dass ich deinen Beitrag gerne nach hier kopieren möchte. Es würde das Thema fantastisch abrunden.
    Gibst Du mir dafür die Genehmigung? Oder Du machst das persönlich..!!

    Herzlichen Gruß
    Volker

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    Antwort
  25. Daniel Lager

    Kopier´ es gerne. Ich finde es ja gut, wenn Leute sich mit dem Thema beschäftigen, mit dem ich jeden Tag zu tun habe 🙂

    ——————————–

    Hier mein Kommentar vom Fremdforum:

    Hallo zusammen!

    Ich bin auch Countertenor und nachdem ich nun alle Beiträge dieses Forums gelesen habe, kann ich mich nicht mehr zurückhalten.
    Über Geschmack lässt sich nicht (oder gerade?) streiten, deswegen füge ich dieser Diskussion mal nichts mehr hinzu. Allerdings finde ich es schon erstaunlich, wie immer wieder „historische Aufführungspraxis“ als Begründung herangeführt wird, Altisten zu besetzen oder nicht. Ich halte das alles für ziemlichen Humbug. Counter hat es zwar auch zu Zeiten des Barock und früher gegeben, Opern gesungen habe sie aber meines Wissens nie. Das fällt dann schon mal weg als Begründung, eine Kastratenpartie mit einem männlichen Alt/Sopran zu besetzen: In keiner Händel-Oper hat z.B. nachweislich ein Counter je die Premiere gesungen. Allerdings hat auch keine Frau die Rolle des Primo Uomo übernommen (vielleicht aber immerhin mal den Secondo). Die einzige historisch „begründbare“ Möglichkeit für die Besetzung mit hohen Männerstimmen besteht also in der Kirchenmusik der Renaissance und bei den englischen Oratorien – in italienischen Oratorien der Zeit sind es auch wieder nur Kastraten (und zumindest in römischen Zusammenhängen sogar für die Frauenrollen). Und natürlich findet man Fachpartien in der Musik des 20. Jahrhunderts, wie z.B. Brittens Oberon.

    Was sagt uns das? Man kann heutzutage gar nicht mehr historisch besetzen. Ich und auch kein anderer Countertenor kann von sich behaupten, auch nur ansatzweise so zu klingen, wie die Kastraten. Aber eben auch keine Frau. Und wir können einfach nicht wissen, ob Kastraten im 18. Jahrhundert eher wie eine heutige Frau oder wie ein Counter geklungen haben. Wahrscheinlich was es ganz anders als alles, was wir kennen – egal was Frau Bartoli zu diesem Thema zu sagen hat. Es sind und bleiben nur Spekulationen.
    Zudem darf darf man bei der ganzen Diskussion auch nicht vergessen, das sowohl die physischen Voraussetzungen der Menschen als auch die physikalischen/akustischen Bedingungen z.B. in den Theatern ganz anders waren als heute. Es wurden demnach auch ganz andere Anforderungen an den Sänger/die Sängerin gestellt, die mit heutigen Theaterbedingungen nicht wirklich viel gemein haben. Und wenn in historischen Schriften über die berühmten Kastraten steht, dass sie ein kräftige, volle, runde oder was auch immer für eine Stimme gehabt haben sollen, dann heißt das erst einmal nur, dass es den Leuten damals wohl gefallen hat, aber objektiv betrachtet geht der Informationsgehalt gegen null, denn wir wissen gar nichts darüber, was die damals als solches empfunden haben. Im Übrigen hat es ja offenbar doch nicht allen gefallen, denn sonst wären ja auch in Frankreich Kastraten beschäftigt worden, und da kann man sie einfach nicht finden… (schade eigentlich, denn französische Barockmusik ist so großartig 😉

    Ich frage mich oft, warum gerade Countertenöre so vielen Anfechtungen ausgesetzt sind. Mich hat es viel Zeit und Kraft gekostet, mich darüber hinwegzusetzen. Warum soll sich ein Counter dafür rechtfertigen müssen, dass er das Weihnachtsoratorium singt, eine Frau aber nicht? Beides ist historischer Unsinn. Warum soll sich ein Counter dafür rechtfertigen, dass er eine Händel-Opernpartie singt, ein Bariton oder ein Mezzo in der gleichen Rolle aber nicht? Beides ist historischer Unsinn. Das Argument der historisch korrekten Besetzung ist meiner Meinung nach schon lange keines mehr und eigentlich überbewertet. Countertenöre so wie wir sie heute kennen sind eine „Erfindung“ des 20. Jahrhunderts und was sie singen hat nichts mit der (Musik)Geschichte davor zu tun.
    Oft wurde hier die Frage aufgeworfen, ob man Aufführungen und Aufnahmen von Werken in transponierten Fassungen machen dürfe. Ich habe dazu nur die Frage, ob es nicht besser ist, die Musik überhaupt mal aufzuführen anstatt sie lieber ungehört zu lassen, weil sie im Original zu hoch oder zu tief ist. Ich selbst habe letztes Jahr eine CD mit sämtlichen englischen Liedern Joseph Haydns mit einem Hammerflügel aufgenommen und schäme mich nicht, zuzugeben, dass ich jedes einzelne von Ihnen transponiert habe. Wäre es besser gewesen, sie nicht aufzunehmen? Ich denke nicht und meinem Konzertpublikum scheint es auch zu gefallen…

    Ich glaube auch, dass es angesichts der Tatsache, dass aller Orten die Gelder knapp werden, immer schwieriger wird, Arbeit zu finden. Das erhöht den Druck ganz unerhört. Dieser Druck ist allerdings bei Sopranistinnen noch viel größer, als bei uns Altisten, denn die gibt es wirklich wie Sand am Meer. (Ich wage an dieser Stelle kurz zu behaupten, das der prozentuale Anteil von technisch nicht besonders versierten oder stimmlich nicht besonders begabten Countertenören wahrscheinlich auch nicht höher ist, als der bei den Sopranistinnen – gemessen an der Größe der Stimmgruppe im Allgemeinen). Allerdings kann ich überhaupt nicht finden, dass Counter bzw. deren Stimmen besonders anfällig wären. Wer keine gute Technik hat, ist immer anfällig, da ist es mal durchweg egal, welche Stimmlage oder welches Fach ich bediene. Wer nicht in der Lage ist, ein ganzes Werk über eine konstante Leistung zu bringen, hat eben auf der Bühne nichts zu suchen. Und darüber, ob Countertenöre oder Sopranisten eine kürzere Halbwertzeit haben als andere Sänger, kann man ja noch nicht wirklich ein Prognose abgeben. Ich habe darüber jedenfalls noch keine zuverlässige Statistik gelesen. Abgesehen sind die Countertenöre, die jetzt das Ende Ihrer Laufbahn erreicht haben, mit denen von heute in puncto Durchhaltevermögen und Brauchbarkeit auf der Opernbühne gar nicht mehr zu vergleichen. Man kann eben mittlerweile studieren und echt was lernen und muss sich nicht mehr auf sich selbst verlassen. Jeden Tag etwas anderes singen zu müssen ist für mich keine Entschuldigung für Mittelmäßigkeit. Es ist einfach eine Tatsache, und wer dem nicht gewachsen ist, soll eben Lehrer werden.

    Ich habe es im Übrigen immer als große Befreiung empfunden, dass es bei den Countertenören keine Einteilung nach Fächern gibt, obwohl dies angesichts der überaus unterschiedlichen Literatur durchaus angemessen wäre. Aber so kann man doch auch ganz zwanglos einfach zu jedem Vorsingen fahren und so singen, wie man es am besten kann. Ich würde auch im Traum nicht auf das 19. Jahrhundert verzichten wollen. Gerade letztes Wochenende habe ich mit einer befreundeten Sopranistin zusammen einen Abend mit Arien und Duetten von Rossini und Donizetti gesungen. Das hat nciht nur unglaublichen Spaß gemacht, sondern auch das Publikum ungemeine erfreut. Und warum sollte ich das auch nciht singen? Jennifer Larmore und Maria Callas sind auch nicht mit Bellini und Brahms zur Schule gegangen…

    Liebe Grüße,
    Daniel.

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