Eine Juwel einer Bach-Kantate erklang am Sonntag “Cantate” in der Nicolaikirche

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Liebe Bachfreunde !

Selten wird in einem Forum über einen Gottesdienst etwas ausgesagt. Am Sonntag “Cantate” besuchten wir den Kantaten-Gottesdienst in der Bielefelder Altstädter Nicolaikirche und wurden dort mit einem wunderbaren musikalischen Gottesdienst mehr als reich beschenkt.

Die Bedeutung des Sonntags “Cantate” in der Evangelischen Kirche:

Zentraler Inhalt des Gottesdienstes an Sonntag Cantate ist der Gesang zum Gotteslob und die Wertschätzung des Gesangs und der Kirchenmusik. Vielerorts wird der Sonntag Cantate als musikalisch besonders gestalteter Gottesdienst begangen.

Zur Einleitung erklang von J.S. Bach das Orgel-Werk BWV 552 Praeludium Es-Dur. Zu unserer Überraschung spielte der uns allen bekannte Pianist vom OWL-Blogtreffen 2011 “Dmitri Grigoriev” dieses wunderschöne Orgelwerk an der großen Beckerath-Orgel und gestaltete den weiteren liturgischen Gottesdienst.

In seiner Predigt outete sich Pfarrer Armin Piepenbrink-Rademacher als ein profunder Bach-Kenner und Liebhaber seiner Musik und sprach über das BWV 172 “Erschallet, ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten”, welches einleitend mit einem 1. Teil der Kantate vor der Predigt erklungen war. Vortrefflicher kann über eine Bach-Kantate nicht referiert werden und wir erlebten eine Lehrstunde über diese großartige Pfingst-Kantate mit ihren berührenden Rezitativen, Arien und Chorälen.

Leitung: Carsten Briest

Leitung: Carsten Briest

Der nachfolgende zweite Teil der Kantate “Erschallet, ihr Lieder” ging einem dann doch unter die Haut. Vorab gab es die profunde wörtliche Einleitung zum BWV 172 und nun wurde das praktisch musikalisch zum Klingen gebracht. Das war nur schwer zu verdauen und wir kämpften mit unserer Verfassung. Ein glänzend besetztes Orchester mit hervorragenden Gesangs-Solisten und seinem umsichtigen Leiter: Carsten Briest konnten das so überzeugend umsetzen und vermitteln. Der Altstädter Kammerchor war in den Frauenstimmen eine innere Genugtuung, leider waren die Männerstimmen unterbesetzt und machten trotz dieses Mankos die Kantaten-Wiedergabe zu einem berührenden Ereignis.

Den Schlussteil des Gottesdienstes gestaltete Dmitri Grigoriev mit dem 2. Teil des Orgelwerkes BWV 552 von J.S. Bach. Hier entwickelt sich ein wahrer Jung-Organist von außergewöhnlicher Qualität, dem ich an dieser Stelle ein großes Lob aussprechen kann. Schöner und inniger kann ein Bach-Werk an der wunderbaren Beckerath-Orgel nicht erklingen.

Das Fazit zum Bach-Gottesdienst am Sonntag Cantate:

Bach mit seiner grandiosen Musik und das sonntägliche Wort haben uns alle erreicht und sehr bewegt. Es war ein musikalischer Cantate-Sonntag, der seine Wirkung bei uns bis ins tiefste Seelen-Leben sehr getroffen hat.

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Diese fantastische Pfingst-Kantate BWV 172 ist auf YouTube zu finden und ich möchte sie zur Abrundung dem Leser zur Verfügung stellen.

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P.S. Eine Aktualisierung am Dienstag, 8. Mai 2012 für die Altstädter Nicolaikirche in Bielefeld.

Am Sonntag “Cantate” fand an gleicher Stätte abends ein Vokal-Konzert der “Westfälischen Kantorei Herford” statt, welches wohl von Bog-Lesern besucht wurde. Eine ausgezeichnete Rezension gibt es dazu in der heutigen NW vom 8. Mai 2012 die wie folgt lautet:

Professionelles Niveau

.

Westfälische Kantorei Herford in der Nicolaikirche

.

Bielefeld (beu). Chor-Besuch aus den Nachbarstädten Gütersloh, Halle oder Detmold ist stets willkommen; besonders wenn er die gewiss reiche Bielefelder Chormusikszene um Gesang in Profi-Qualität bereichert. Auch beim Auftritt der Westfälischen Kantorei Herford war an diesem Sonntag Cantate in der Altstädter Nicolaikirche A-cappella-Chormusik auf Spitzenniveau zu erleben.

Der Schwerpunkt der von Hildebrand Haake ebenso fachmännisch geleiteten wie erläuterten Programmfolge lag auf geistlichen Gesängen der deutschen Romantik. Gleich mit vier von Max Regers asketisch entschlackten Spätwerk-Gesängen op. 138 machte der Chor auf bewundernswerte Weise alles klar: Sein Singen ist von durchweg lupenreiner Tonperfektion und mustergültiger Artikulation, dabei so dynamisch beweglich wie hellhörig ausgefeilt und kontrolliert im Ausdruck.

Was Hugo Wolfs geistliche Lieder auf Eichendorff-Gedichte nicht zuletzt ausweislich seiner eigenen Liedtitel (Aufblick, Einkehr, Resignation, Erhebung) an seelischen Befindlichkeiten spiegeln, erfuhr subtile Auslotung in reicher, geschmeidig-dichter Klangschattierung. Und in Mendelssohns „Deutscher Liturgie“ tat sich nach deklamatorischer Gloria-Eleganz (hier mit Soli) in der in Terzschritten raumgreifenden Achtstimmigkeit des „Heilig, Heilig“ wahrlich das Klangbild herabsteigender Engelschöre auf.

In der denkbar konträren kunstvollen Doppelchörigkeit von J.S Bachs Pfingst-Motette „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“ BWV 226 glänzte Hildebrand Haakes Kantorei nicht minder: Was die knapp drei Dutzend Stimmen darin an ausgewogener Satzbalance und Feinzeichnung, an schier immaterieller Leichtigkeit und Transparenz im ersten Teil und polyphoner Klarheit im fließenden Melos einer Doppelfuge demonstrierten, war faszinierend hochkarätig.

Zum vielgestaltigen Ausklang der Konzertstunde boten die Herforder Gäste noch eine Folge von Spirituals und Madrigalen, der sie stilistisch zwischen frühbarockem Lamento (Monteverdis Klage der Ariadne), der launigen Moderne eines Matyas Seiber und Verliebtem der englischen Spätrenaissance – nebst einer beständig zwischen Balletto-Fröhlichkeit und Wehklage wechselnden Zugabe von Thomas Weelkes – nichts schuldig blieben.

© 2012 Neue Westfälische
01 – Bielefeld West, Dienstag 08. Mai 2012

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4 Gedanken zu „Eine Juwel einer Bach-Kantate erklang am Sonntag “Cantate” in der Nicolaikirche

  1. Christine F.

    Eine wahnsinns Sammlung auf die ich hier gestoßen bin!
    Gestern noch auf Youtube etwas umgesehen und Geschmack daran gefunden und jetzt diese Ressource, einfach nur empfehlenswert!
    SIeht aus als hätte ich eine neue Lieblinsseite entdeckt :) Danke! LG!

    Antwort
  2. Volker Autor

    Liebe Christine,

    herzlich willkommen im Bach-Blog – von der Renaissance bis zur Romantik, schau dich dort einmal in Ruhe um und wir würden uns freuen, wenn Du in Zukunft mit einer Kommentierung, (da ist eine Anmeldung nicht nötig) – oder mit einem eigenständigen Beitrag, (dafür müsste eine Anmeldung vorgenommen werden) im Blog mitwirken würdest.

    Herzliche Grüße
    Volker

    Antwort
  3. Volker Autor

    Eine Aktualisierung für die Nicolaikirche wurde von mir heute vorgenommen. Die gesamte Rezension ist im Hauptbeitrag hinterlegt..!!

    Am Sonntag “Cantate” (6.5.2012) fand an gleicher Stätte abends ein Vokal-Konzert der “Westfälischen Kantorei Herford” statt, welches wohl von Bog-Lesern besucht wurde. Eine ausgezeichnete Rezension gibt es dazu in der heutigen NW vom 8. Mai 2012 die wie folgt lautet:

    Professionelles Niveau – Westfälische Kantorei Herford in der Nicolaikirche

    Bielefeld (beu). Chor-Besuch aus den Nachbarstädten Gütersloh, Halle oder Detmold ist stets willkommen; besonders wenn er die gewiss reiche Bielefelder Chormusikszene um Gesang in Profi-Qualität bereichert. Auch beim Auftritt der Westfälischen Kantorei Herford war an diesem Sonntag Cantate in der Altstädter Nicolaikirche A-cappella-Chormusik auf Spitzenniveau zu erleben……….

    Weiter im Hauptbeitrag..!!

    Grüße
    Volker

    Antwort
  4. wolfgang

    Liebe BachfreundINNEN!

    Ja-, danke Volker, daß Du diese Kritik der ‘Neuen Westälischen’ veröffentlicht hast. Ich saß mit einem Freund in der ersten Reihe und habe den Abend hautnah mitbekommen.

    Dieses Vokal-Ensemble (mit Sitz in Herford) ist wirklich in unserem westfälischen Raum unübertroffen an Artikulation, polyphoner Durchsichtigkeit der Linien, Konzentration und Leichtigkeit. Ich muß auch dem Leiter Chorprofessor Haake von unserer Herforder Musikhochschule ein Kompliment machen: Er hatte alles souverän und gleichzeitig entspannt in der Hand.

    Bach’s Motette vom ‘Geist, der unserer Schwachheit aufhilft’ war für mich natürlich der Höhepunkt. Sir Gardiner hatte ja damals in Potsdam diese Motette ausgelassen. Jetzt hörte ich eine wunderbar leichte Doppelchörigkeit und Bach’s orginale Motetten sind damit alle sechs (bzw sieben?) von mir in life ‘eingeatmet’ (!!).

    Hugo Wolff’s geistliche Lieder sind auch wunderbar rübergekommen. Seit meiner mit Romantik-Erfahrungen gefüllten Marburger Studentenzeit sind die mir ein Begriff und Chorprofessor Haake konnte auch Erhellendes gerade zum ‘Nachtstück’ sagen. Wie der ‘Trost der Nacht’ in diesem ‘VOLLMOND-Stück’ verarbeitet wird, ist seelisch so beruhigend!

    Morgen geht’s für uns mal wieder in die Ciociaria (Latium)-, diesmal mehr zu Wanderungen
    und Familienbesuch.

    Buona Notte

    Adamo

    Antwort

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