Stirbt das Schallplattengeschäft von “Nebenan” das Internet als größte Gefahrenquelle

Hallo,

Konzertsaal - Bachsaal Köthen

Konzertsaal - Bachsaal Köthen

die Verkaufszahlen kündigen es an, die CD als zentrale Rolle eines Tonträgers hat eingebüsst und die Erwerbszahlen gehen steil nach unten und somit wird es wohl unausweichlich sein, dass das Plattengeschäft von “Nebenan” schliessen muss. Der Download ermöglicht dem Konsumenten den schnellen, spontanen Zugang zu einem Musikstück. Er ist preisgünstig oder teilweise sogar kostenlos. Der Renner ist der mp3-Download via Internet – alle wollen dabei sein – amazon, jpc, etc.,  wann das Label SDG-Monteverdi in England? Unsicher dabei ist, wie lange hält ein abgespeichertes Musikstück via Festplatte oder gebrannter CD, selbst die Fachleute sind sich hierbei nicht ganz sicher über die Haltbarkeit eines solchen Mediums.

Das Internet boomt mit Live-Konzerten, hierzu benötigt man nur eine Eintrittskarte und schon ist man Live dabei. Die Met hat 2006 begonnen, ihre New Yorker Premieren durch Internet-Übertragung in Kinosäle zu vermarkten. Die Bayreuther Festspiele sind seit dem letzten Sommer für 49 € als Live-Stream dabei. Seit Anfang des Jahres zogen die Berliner Philharmoniker nach, die Wiener Philharmoniker können nicht anders und werden ebenfalls auf diesen Zug der Zeit aufspringen.

Neue Formen entwickeln sich als Klassik-Internet-Fernsehportale, bezahlt wird pro Film oder im Monatsabonnement als Beispiel genannt: MediciTV (mit der Live-Übertragung des Nobelpreisträgerkonzertes mit Gardiner aus Stockholm) – im vergangenen Jahr, MonteverdiTV aus Amsterdam kooperiert mit dem Concertgebouw Amsterdam, das Fernsehen steht auch nicht abseits und zieht mit Klassiksendungen nach, ich denke z.B. an ARTE mit den Live-Übertagungen von dem Festival: “Schütz-Bach” aus Nantes-Frankreich – wohin geht der Zug?

Freuen über solch große neue Möglichkeiten kann sich der Konsument – was aber auch seine Schattenseiten besitzt, eine Eintrittskarte für ein Live-Konzert im Internet-Fernsehen ist teilweise überteuert und muss seine Daseinsberechtigung erst in Zukunft beweisen.

Leidtragender dieser Entwicklung ist der Einzelhändler mit seinen Tonträgern, seine Zukunft sieht düster aus und ihn wird es wahrscheinlich in naher Zukunft nicht mehr geben. Die ersten Konsequenzen zieht bereits das Label jcp, die Verkaufsstelle wird in Bielefeld höchstwahrscheinlich in 2010 geschlossen, das sagt schon so manches aus.

Grüsse

Volker

3 Gedanken zu „Stirbt das Schallplattengeschäft von “Nebenan” das Internet als größte Gefahrenquelle

  1. Barbara

    Hallo Volker,

    das ist ein ziemlich komplexes Thema, was Du da ansprichst. So ein wenig ist das für mich wie Äpfel mit Birnen und Erdbeeren vergleichen. Ladengeschäft gegen Internet – das ist die eine Sache. Das ist genau dasselbe, was der Buchhandel durchgemacht hat. Bücherläden gibt es immer noch, wird es weiter geben. Davon bin ich überzeugt. Mein CD-Laden in der Innenstadt hat sowieso nie die Cds, die ich möchte. Wenn sie sie besorgen, sind sie viel teurer als im Internet. Rate mal, was ich mache. zweimal in die Stadt fahren oder einmal Klick im Internet. JPC ist für mich sowieso die Quelle für CDs schlechthin. Sie besorgen mir alles und die Preise sind auch OK. Ob sie nun ein Ladengeschäft noch haben oder nicht, ist mir ziemlich egal. Ich denke, ihr Hauptgeschäft ist sowieso das Versandgeschäft. Der mp3-Download ist für die Verlage ein Zusatzgeschäft. Keine Materialkosten, keine Versandkosten, kein Zwischenhändler, das merkt man am Preis. Und immer dann, wenn ich nicht unbedingt eine CD in der Hand halten will und ich eigentlich nur mal hören möchte oder mich einige wenige Tracks interessieren, ist das für mich eine gute Alternative. Die SDG-CDs sind bei Chandos übrigens auch im Download erhältlich (Download 16 Pfund, direkt bei SDG 20 Pund, JPC 30€, nur mal so zum Vergleich).

    Indiskutabel ist für mich der illegale, d.h. i.d.R. der kostenlose Download. Das ist für mich das Gleiche wie das “schnelle” Kopieren einer CD. Geht ja auch so einfach. Und hier sehe ich die wirkliche Gefahr für die Branche. Es ist so einfach, sich eben mal die Musik zu beschaffen. Das ist ein grundlegendes Problem, da muss jeder seine eigene Einstellung zu entwickeln, wie er es mit der Ehrlichkeit hält.

    Und generell? Leben heißt Veränderung. Das Überleben vieler Ensembels hängt am seidenen Faden, Sponsoren springen ab, öffentliche Mittel, so sie denn überhaupt fließen, werden immer knapper. Das ist es ganz legitim, dass nach neuen Möglichkeiten gesucht wird, die Ware Musik auf neuen Wegen zu vermarkten. also freuen wir uns über die Vielfalt, die da online auf uns zukommt.

    Gruß
    barbara

    Antwort
  2. Volker Autor

    Hallo Barbara,

    es ist für mich jetzt zwar sehr Spät geworden, möchte Dir aber danken für interessante Sichtweisen deinerseits.

    Dieses Thema in etwa hatten wir schon einmal gehabt, aber es ist nicht sehr ausführlich darüber diskutiert worden umso schöner, wenn noch einige Stellungnahmen dazu kommen würden. @Iris, soviel wie ich das mitbekommen hatte, bezog ihre SDG-CDs in einem kleinen Plattengeschäft in Arnsberg, aber mittlerweile haben die wohl ihren Vetrieb von CDs eingestellt.

    Freuen können wir uns wirklich über die heutige Vielfalt an Möglichkeiten, an CDs zu gelangen, ein Internet möchte ich nicht mehr missen, auf You Tube könnte ich verzichten, dass sind ja immer nur Bruchstücke an Musik und teilweise in einer sehr schlechten Aufnahmequalität. So ganz böse bin ich nicht darüber, dass sie im Moment ganz heftig im Streit mit der GEMA liegen. Was auf diesem Portal an illegelen Aufnahmen hinterlegt ist, sprengt jeden normalen Rahmen. Hier sind die Orchester Künstler, etc. die Leidtragenden und sehen keine müde Mark – (EURO) – dafür, wenn das unterbunden wird, ist das schon in Ordnung, wenn nicht, sollte der Beitrag in die Künstlerkassen fliessen und da gehören sie auch hin.

    Des öfteren bekomme ich News von dem Musikportal “Note 1″ mit fantastischen Besprechungen von Neuerscheinungen, aber ein Manko besitzen sie, die CDs sind nur bei registrierten Händlern zu beziehen. Wenn ich mich wegen einer CD auf den Weg nach B… mache, lohnt sich noch nicht einmal die Anfahrt, dazu kommt die lange Wartezeit der Zusendung, da habe ich es im Internet Kostengünstiger und kann bei jpc fündig werden.

    Das Geschäft von jpc in B. ist sehr einträglich, aber die gute Lage des Geschäftes kostet sehr viel an Miete und das ist wieder die Kehrseite, wo bleibt da der Verdienst, wenn die Vermieter wie Banker auftreten und sich nur Bereichern wollen, der kleine Fachhändler bleibt auf der Strecke, das ist leider ein Zug der Zeit und sollte schnellstens wieder normale Ausmaße annehmen. Alle Städte und Gemeinden haben Leerstände zu beklagen und die Steuern bleiben aus und die Beschäftigten werden arbeitslos und die Kaufkraft schwindet ebenfalls, wohin soll das führen, ein fataler Kapitalismus, der unbedingt wieder normale Bedingungen herstellen sollte..!!

    Erstaunt bin ich über die Preisgestaltung der CD-Abgabe von SDG bei amazon in England. Die neuste Einspielung, SDG Vol. 20 ist dort für £11.98 zu bekommen in Deutschland beträgt der Preis bei amazon EUR 24,95 – da liegen doch Welten dazwischen, sicherlich hat das Engl. Pfund stark gelitten, aber so ein gewaltiger Preisunterschied, da blicke ich nicht durch, was das wieder für Ursachen hat.

    Lieben Gruß
    Volker

    Antwort
  3. Volker Autor

    Hallo,

    hier die neusten Ergebnisse für das 1. Halbjahr 2009:
    —————————

    Klassische Musik steht bei den Konsumenten hoch im Kurs. Im ersten Halbjahr 2009 stieg der Absatz von Klassikprodukten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23%. Die Zuwächse kommen vor allem aus dem Buchhandel und dem Konzert-Direktverkauf, beide konnten ihre Absätze mit Klassikprodukten verdoppeln.

    Zwar ist der typische Klassikkäufer nach Erhebungen der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) urban, finanziell gut versorgt und gebildet, allerdings widerlegen Käuferstudien auch die weitverbreitete These, dass Klassik nur ein Thema der Bildungselite ist. So werden ein Drittel der Umsätze von Klassikfans mit Hauptschulabschluss oder mittlerer Reife generiert. Das gab der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) am Freitag in Berlin bekannt. Die Zahlen basieren auf Daten aus dem Consumerpanel der GfK, für das monatlich die Medienkaufdaten von 25.000 Haushalten erfasst werden.

    ——————————-
    Das ist doch alles sehr erfreulich also weiterkaufen heisst die Devise.

    Gruß
    Volker

    Antwort

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